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Medikament

Trazodon

Trazodon - SARI mit umgekehrter Dosis-Logik. Sedierend bei niedriger Dosis, antidepressiv erst bei hoher.

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Auf einen Blick

Trazodon in Zahlen

Die wichtigsten Werte aus unserem Lexikon.

Ganzer Lexikon-Eintrag
Klasse
SARI

Serotonin-Antagonist und Wiederaufnahmehemmer

Halbwertszeit
biphasisch

rund 3-6h und 5-9h

Anwendung
Oral

Tablette, 1x täglich abends bis 3x täglich

Größen
50 bis 100 mg

3 Größen im Shop

Nur für Forschungs- und Bildungszwecke. Werte aus dem TPD-Lexikon, Quellen dort verlinkt.

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Wissen

Alles zu Trazodon

Beschreibung

Trazodon (Trittico, Desyrel, Oleptro) ist ein Triazolopyridin-Derivat und der Prototyp der SARI-Klasse (Serotonin-Antagonist und Wiederaufnahmehemmer). Der Wirkstoff ist seit den 1970er Jahren klinisch zugelassen und bedient mehrere Rezeptoren gleichzeitig: starke Blockade von 5-HT2A und 5-HT2C, Antagonismus am Histamin-H1-Rezeptor, Antagonismus am Alpha-1-Adrenozeptor und eine vergleichsweise schwache Hemmung des Serotonin-Transporters (SERT).

Genau diese unterschiedlichen Bindungsstärken erzeugen den zentralen pharmakologischen Punkt bei Trazodon: die Wirkung kippt mit der Dosis. Die Affinität zu 5-HT2A und H1 ist um ein Vielfaches höher als die zum SERT. Im niedrigen Bereich von etwa 25 bis 100mg sind deshalb praktisch nur die 5-HT2A- und H1-Blockade besetzt, was das ausgeprägt sedierende Profil erklärt, während der Serotonin-Transporter kaum belegt wird. Erst bei Dosen ab etwa 150mg und darüber erreicht die SERT-Hemmung ein Ausmaß, das in Studien mit antidepressiver Wirkung verknüpft ist. Stahl hat dieses Dosis-Rezeptor-Modell 2009 ausführlich beschrieben. Praktisch heißt das: eine niedrige Dosis ist keine abgeschwächte Version der hohen Dosis, sondern pharmakologisch ein anderes Wirkprofil.

Pharmakokinetisch wird Trazodon oral gut aufgenommen, die Bioverfügbarkeit liegt in der Literatur bei etwa 65 bis 80 Prozent. Die Spitzenkonzentration wird nüchtern nach rund einer Stunde erreicht, mit Nahrung verzögert sich das auf etwa zwei Stunden bei gleichzeitig flacherem Peak. Die Elimination verläuft biphasisch: eine erste Phase von etwa 3 bis 6 Stunden, eine terminale Phase von rund 5 bis 9 Stunden. Der Abbau läuft überwiegend über CYP3A4 und erzeugt dabei den aktiven Metaboliten mCPP (meta-Chlorphenylpiperazin), der selbst serotonerg aktiv ist und bei gehemmtem CYP3A4 kumulieren kann.

Die Studienlage trennt die beiden Anwendungsfelder deutlich. Fagiolini et al. ordneten Trazodon 2012 als Antidepressivum mit einer zu SSRI, SNRI und Trizyklika vergleichbaren Wirksamkeit ein, bei einem abweichenden Verträglichkeitsprofil ohne die typische SSRI-bedingte Schlafstörung. Für den Niedrigdosis-Einsatz zeigte die randomisierte, placebokontrollierte Cross-over-Untersuchung von Roth et al. 2011 mit 50mg über sieben Tage weniger nächtliche Aufwachereignisse, weniger Stadium-1-Schlaf und am siebten Tag mehr Tiefschlaf, gleichzeitig aber messbare Einbußen bei Kurzzeitgedächtnis, Verbal-Lernen und Gleichgewicht am Folgemorgen. Mendelson kam in seiner Übersichtsarbeit 2005 zu einer bewusst kritischen Bewertung: die Datenbasis für den Schlaf-Einsatz ist dünn, die meisten Arbeiten sind klein und wurden an depressiven Populationen erhoben. Die Lancet-Netzwerk-Metaanalyse von De Crescenzo et al. 2022 bestätigt diese Einordnung und führt Trazodon unter den Substanzen, die im Akut-Einsatz wirksam sein können, deren Verträglichkeit oder Langzeitdaten aber begrenzt sind.

Im Research-Kontext ist Trazodon vor allem als Vergleichs- und Referenz-Substanz für dosisabhängige Rezeptor-Selektivität interessant, weil sich an ihm sauber zeigen lässt, wie unterschiedliche Bindungsaffinitäten am selben Molekül zu zwei verschiedenen Wirkprofilen führen. In der Community wird der Wirkstoff außerdem im Zusammenhang mit gestörter Schlafarchitektur diskutiert, wobei die Datenlage dazu genau die Einschränkungen hat, die Mendelson benennt.

Du erhältst Trazodon als orale Tabletten in zwei Stärken: 50mg und 100mg pro Tablette.

Diese Information dient ausschließlich Forschungs- und Bildungszwecken. Keine medizinischen Empfehlungen.

Risiken & Sicherheit

Trazodon ist ein seit Jahrzehnten zugelassener Wirkstoff mit gut dokumentiertem Effekt-Profil. Es hat keine relevante anticholinerge Aktivität, was es von den Trizyklika abhebt, bringt aber über die Alpha-1- und H1-Blockade ein eigenes Risikoprofil mit, das eine seltene, aber ernste urologische Komponente enthält.

In klinischen Studien und Fallserien dokumentiert:

  • Priapismus: die klassische seltene, aber ernste Nebenwirkung von Trazodon und der Grund, warum der Wirkstoff urologisch bekannt ist. Ursache ist die Alpha-1-adrenerge Blockade im Schwellkörper, die den Abfluss-Mechanismus stört. Eine schmerzhafte Erektion über mehrere Stunden ohne sexuellen Reiz ist ein urologischer Notfall, weil verzögerte Behandlung in der Literatur mit bleibender Erektionsstörung verknüpft ist. Der Effekt ist dosisunabhängig beschrieben und tritt auch im niedrigen Bereich auf. Eine seltene Entsprechung am weiblichen Genitale (klitoraler Priapismus) ist ebenfalls berichtet.
  • Serotonin-Syndrom: bei Kombination mit anderen serotonergen Substanzen dokumentiert, insbesondere mit MAO-Hemmern, SSRI, SNRI, Triptanen, Linezolid, Tramadol oder Johanniskraut. Der aktive Metabolit mCPP trägt zur serotonergen Last bei. Beschriebene Zeichen sind Agitation, Tremor, Muskelzuckungen, Hyperreflexie, Schwitzen, Durchfall und Temperaturanstieg.
  • Orthostatische Hypotonie und Synkope: folgt direkt aus der Alpha-1-Blockade und ist der häufigste kreislaufbezogene Effekt. In der Literatur besonders zu Beginn und bei älteren Personen beschrieben, mit entsprechendem Sturzrisiko beim nächtlichen Aufstehen.
  • Sedierung mit Überhang am Folgetag: Roth et al. dokumentierten unter 50mg messbare Einbußen bei Kurzzeitgedächtnis, Verbal-Lernen, Gleichgewicht und Muskelausdauer am Morgen danach. Auch Mendelson beschreibt Sedierung, Schwindel und psychomotorische Beeinträchtigung als relevante Abbruchgründe.
  • QT-Verlängerung: Verlängerung des korrigierten QT-Intervalls und in Einzelfällen Torsade de pointes sind dokumentiert. Relevant vor allem bei vorbestehender Herzerkrankung, Elektrolytstörung oder Kombination mit anderen QT-verlängernden Substanzen.
  • CYP3A4-Interaktion: starke CYP3A4-Hemmer wie Ketoconazol, Itraconazol, Ritonavir oder Clarithromycin erhöhen die Trazodon-Spiegel deutlich, CYP3A4-Induktoren wie Carbamazepin senken sie. Über den Metaboliten mCPP kann eine Hemmung zusätzlich dysphorische und angstverstärkende Effekte begünstigen.
  • Absetz-Effekte und Toleranz: Mendelson beschreibt Hinweise auf Toleranzentwicklung bei längerem Einsatz. Ein abruptes Absetzen nach längerer Anwendung ist in der Literatur mit Rebound-Schlaflosigkeit und Reizbarkeit verknüpft.

Diese Einordnung ersetzt keine ärztliche Beratung. Risiko und Verantwortung für jede tatsächliche Anwendung liegen vollständig beim Käufer.

Studien

Dosierung

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FAQ

Häufige Fragen

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Warum macht wenig Trazodon müde, viel aber nicht mehr?

Trazodon bindet an 5-HT2A rund zehnmal fester als an den Serotonin-Transporter. Bei niedriger Dosis sind deshalb vor allem 5-HT2A, Histamin- und Alpha-1-Rezeptoren besetzt, das wirkt sedierend. Erst höhere Dosen hemmen den Transporter genug für den antidepressiven Effekt. Mehr Dosis bringt also ein anderes Profil, nicht mehr Schlaf.

Ist Trazodon für Schlafstörungen zugelassen?

Nein. In den USA ist es seit Dezember 1981 gegen Depression zugelassen. Der Einsatz bei Schlafstörungen ist off-label, wird aber häufig genutzt. Die Studienlage dazu ist schmaler als bei der Depression.

Was zeigte die Schlafstudie bei Insomnie?

16 Personen mit primärer Insomnie nahmen sieben Nächte lang eine niedrige Dosis oder Placebo, doppelblind und im Wechsel. Unter Trazodon wachten sie seltener auf, hatten weniger leichten Schlaf und am siebten Tag mehr Tiefschlaf. Am Morgen danach waren Kurzzeitgedächtnis, verbales Lernen, Gleichgewicht und Muskelausdauer leicht, aber messbar schlechter.

Wie gut ist die Studienlage zum Schlaf?

Eine Übersicht von 2005 fand 18 Arbeiten, meist klein, oft bei Depression und ohne objektive Messung. Die Netzwerk-Metaanalyse von 2022 über 170 Studien zählt Trazodon zu den Mitteln, die akut wirken können, aber schlecht vertragen werden oder ohne Langzeitdaten sind. Bei Alzheimer gab es 42,5 Minuten mehr Nachtschlaf, bei Dialyse-Patienten keinen Unterschied zu Placebo.

Was passierte nach dem Alkoholentzug?

173 Patienten nahmen nach dem Entzug zwölf Wochen Trazodon oder Placebo. Der Schlaf wurde unter Trazodon besser, glich sich nach dem Absetzen aber an Placebo an. Gleichzeitig blieb die Zahl trockener Tage zurück und nach dem Absetzen wurde mehr getrunken.

Was ist Priapismus und warum ist er wichtig?

Eine schmerzhafte Erektion über Stunden ohne sexuellen Reiz. Die US-Fachinformation nennt Fälle unter Trazodon und verlangt bei Anzeichen sofort ärztliche Hilfe. Ursache ist die Blockade der Alpha-1-Rezeptoren im Schwellkörper.

Welche Wechselwirkungen sind wichtig?

Mit MAO-Hemmern ist Trazodon ausgeschlossen. Mit anderen serotonergen Mitteln wie SSRI, SNRI, Triptanen, Tramadol oder Johanniskraut steigt das Risiko eines Serotonin-Syndroms. Abgebaut wird es über CYP3A4 zum aktiven mCPP, starke Hemmer dieses Enzyms heben den Spiegel.

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