Insulin Glargin (Lantus) vial
Medikament

Insulin Glargin (Lantus)

Insulin Glargin (Lantus) - langwirksames Basalinsulin mit peaklosem Profil über rund 24 Stunden. Einmal injiziert, lässt sich die Wirkung nicht mehr zurücknehmen.

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Set 3ml/300iu Pro Pen 40 EUR

Wissen

Was du wissen solltest

Beschreibung

Insulin Glargin (Markenname Lantus) ist ein langwirksames Insulinanalogon, das als Basalinsulin konzipiert wurde. Gegenüber humanem Insulin sind zwei Änderungen eingebaut: an Position A21 ist Asparagin gegen Glycin getauscht, und am Ende der B-Kette sind zwei zusätzliche Arginin-Reste angehängt. Diese Modifikationen verschieben den isoelektrischen Punkt des Moleküls in den neutralen Bereich. Praktisch heißt das: in der sauren Lösung im Pen liegt Glargin klar gelöst vor, im neutralen Milieu des Unterhautfettgewebes fällt es sofort als feines Mikropräzipitat aus. Aus diesem Depot löst sich der Wirkstoff langsam und gleichmäßig wieder heraus. Am Insulinrezeptor selbst wirkt die Substanz wie körpereigenes Insulin: Glukoseaufnahme in Muskel- und Fettzellen, Hemmung der Glukoseproduktion in der Leber, Hemmung der Lipolyse. Im Gewebe wird Glargin dabei rasch am Ende der B-Kette abgebaut, sodass im Blut überwiegend der aktive Metabolit M1 zirkuliert.

Pharmakokinetisch ist genau dieses Depot-Prinzip der entscheidende Unterschied. Lepore et al. (2000) verglichen unter isoglykämischem 24-Stunden-Clamp Glargin, NPH-Insulin, Ultralente und eine kontinuierliche Pumpen-Infusion bei 20 Personen mit Typ-1-Diabetes. Der Wirkbeginn lag bei Glargin mit 1,5 Stunden später als bei den Vergleichspräparaten, das Wirkende dagegen mit 22 Stunden deutlich später als bei NPH mit 14 Stunden. Vor allem aber zeigte Glargin als einziges der subkutan verabreichten Präparate kein Wirkmaximum: NPH und Ultralente hatten einen ausgeprägten Gipfel nach rund 4,5 beziehungsweise 10 Stunden mit anschließendem Abfall, während Glargin ein flaches Profil lieferte, das der Pumpen-Infusion nahekam. Daher der Begriff peakless. Die Konzentration beträgt 100 IU pro ml, also U100.

Die klinische Studienlage ist umfangreich. Ratner et al. (2000) behandelten 534 Erwachsene mit Typ-1-Diabetes über bis zu 28 Wochen und fanden unter Glargin niedrigere Nüchternwerte bei gleichzeitig weniger symptomatischen Unterzuckerungen (39,9 gegenüber 49,2 Prozent) und weniger nächtlichen Ereignissen (18,2 gegenüber 27,1 Prozent) als unter NPH. Riddle et al. (2003) erreichten in der Treat-to-Target-Studie an 756 Personen mit Typ-2-Diabetes mit beiden Basalinsulinen praktisch identische HbA1c-Werte, aber rund ein Viertel mehr Teilnehmer erreichten das Ziel ohne dokumentierte nächtliche Unterzuckerung. Heise et al. (2004) ordnen das ein: unter Clamp-Bedingungen war die Schwankungsbreite der Wirkung von Glargin zwar geringer als bei NPH, aber größer als bei Insulin Detemir. Peaklos bedeutet also gleichmäßiger, nicht berechenbar.

Die größte Datenbasis liefert die ORIGIN-Studie (NEJM 2012). 12.537 Menschen mit kardiovaskulären Risikofaktoren und gestörtem Glukosestoffwechsel wurden über median 6,2 Jahre entweder auf Glargin mit Nüchtern-Zielwert oder auf Standardversorgung randomisiert. Das Ergebnis war neutral: kein Unterschied bei kardiovaskulären Ereignissen, kein Unterschied bei Krebserkrankungen. Was sich aber klar unterschied, waren die Nebenwirkungen. Schwere Unterzuckerungen traten unter Glargin mehr als dreimal so häufig auf (1,00 gegenüber 0,31 Ereignisse pro 100 Personenjahre), und das Gewicht stieg im Median um 1,6 kg, während es in der Vergleichsgruppe um 0,5 kg fiel. ORIGIN ist damit gleichzeitig der beste Beleg für die Langzeit-Sicherheit der Substanz und der beste Beleg dafür, dass Hypoglykämie kein Randphänomen ist, sondern der Preis der Hauptwirkung.

Im Research-Kontext gehört Insulin Glargin zu den Substanzen mit dem engsten Sicherheitsfenster im gesamten Katalog, und die lange Wirkdauer verschiebt das Gefahrenprofil gegenüber schnellwirksamen Insulinen, sie verkleinert es nicht. Eine zu hohe Dosis eines schnellwirksamen Insulins ist nach wenigen Stunden abgebaut. Ein Glargin-Depot arbeitet danach noch rund einen ganzen Tag weiter, und es gibt keine Möglichkeit, es nach der Injektion zurückzuholen, zu neutralisieren oder zu beschleunigen. Eine einmalige Zuckergabe deckt dieses Zeitfenster nicht ab. Dazu kommen zwei dokumentierte Verwechslungsklassen: die Verwechslung von Basal- und Mahlzeiteninsulin, und die Verwechslung unterschiedlicher Konzentrationen. Bei U300-Präparaten steckt in derselben Volumenmenge die dreifache Wirkstoffmenge wie bei U100. Wer ohne Diabetes und ohne Blutzucker-Messung arbeitet, hat zudem keinerlei objektive Rückmeldung darüber, wo sein Glukosespiegel gerade steht.

Du erhältst Insulin Glargin als klare Lösung zur subkutanen Injektion in einer Konzentration von 100 IU pro ml, in der Größe 3ml mit 300 IU pro Einheit.

Diese Information dient ausschließlich Forschungs- und Bildungszwecken. Keine medizinischen Empfehlungen.

Risiken & Sicherheit

Insulin Glargin ist ein klinisch zugelassenes Basalinsulin mit sehr gut charakterisiertem Wirkprofil und einer über Jahre laufenden Outcome-Studie im Rücken. Das Risiko ergibt sich nicht aus unbekannten Nebenwirkungen, sondern aus der Hauptwirkung selbst: die Substanz senkt den Blutzucker verlässlich und dosisproportional, sie hört damit nicht auf, wenn ein sicherer Wert erreicht ist, und sie tut es über rund 24 Stunden. Das ist der Grund, warum dieses Produkt in Risk-Tier 3 steht.

In klinischen Studien und in der Anwendungssicherheits-Literatur dokumentiert:

  • Hypoglykämie über ein 24-Stunden-Fenster: das zentrale und dosislimitierende Risiko. Frühe Zeichen sind Zittern, Schwitzen, Herzrasen, Heißhunger und Nervosität, gefolgt von Konzentrationsstörungen, verwaschener Sprache, Verwirrtheit und aggressivem oder verlangsamtem Verhalten. Bei weiterem Abfall kommt es zu Krampfanfall, Bewusstlosigkeit und Tod. Die kognitive Beeinträchtigung setzt genau dann ein, wenn eigenständiges Gegensteuern nötig wäre. In ORIGIN traten schwere Unterzuckerungen unter Glargin mehr als dreimal so häufig auf wie unter Standardversorgung.
  • Keine Rücknahme nach der Injektion: das Mikropräzipitat im Unterhautgewebe gibt den Wirkstoff über den ganzen Tag ab. Es lässt sich nicht entfernen, nicht neutralisieren und nicht abkürzen. Eine zu hohe Dosis muss vollständig ausgesessen werden, unter durchgehender Beobachtung und wiederholter Zufuhr von Kohlenhydraten. Eine einmalige Zuckergabe bringt kurzzeitig Besserung und deckt das Zeitfenster nicht ab.
  • Nächtliche Unterzuckerung: Basalinsuline werden in klinischen Schemata typischerweise abends gegeben, wodurch ein relevanter Teil des Wirkfensters in den Schlaf fällt. Eine Unterzuckerung im Schlaf kann unbemerkt verlaufen, weil die Warnsymptome verschlafen werden. Ratner et al. und Riddle et al. erfassten nächtliche Hypoglykämien deshalb als eigenen Endpunkt.
  • Nie allein, nie ohne Messung: ohne Blutzucker-Messgerät gibt es keine objektive Rückmeldung über den aktuellen Wert, und der subjektive Eindruck ist bei fallendem Glukosespiegel unzuverlässig. Ohne eine anwesende zweite Person, die eine beginnende Bewusstseinstrübung erkennt und Hilfe holen kann, fehlt die einzige Sicherung, die bei Handlungsunfähigkeit noch greift. Schnell verfügbare Kohlenhydrate (Traubenzucker, Saft, gezuckerte Getränke) müssen vor der Applikation griffbereit liegen, nicht erst im Schrank.
  • Kaliumverschiebung: Insulin transportiert Kalium aus dem Extrazellulärraum nach intrazellulär. Der Serum-Kaliumspiegel fällt dadurch, ohne dass sich der Gesamtkörperbestand ändert. Eine ausgeprägte Hypokaliämie kann Herzrhythmusstörungen auslösen, und dieses Risiko ist unabhängig vom Blutzucker: Kohlenhydrate allein korrigieren es nicht.
  • Verwechslung von Präparat und Konzentration: die Verwechslung von Basal- und Mahlzeiteninsulin ist eine dokumentierte Medikationsfehler-Klasse, weil beide Präparate klare Lösungen in optisch ähnlichen Pens sind. Ebenso kritisch ist die Konzentration: U300-Präparate enthalten pro Volumeneinheit die dreifache Wirkstoffmenge von U100. Insulin wird in Internationalen Einheiten dosiert, nicht in ml oder mg, und eine nicht auf U-100 kalibrierte Spritze ist eine dokumentierte Ursache schwerer Überdosierungen.
  • Nicht mischen, nicht intravenös: die verzögerte Freisetzung beruht auf dem sauren pH-Wert der Lösung. Wird Glargin mit anderen Insulinen in einer Spritze gemischt oder verdünnt, verändert sich das Ausfällungsverhalten und damit das gesamte Zeitprofil in nicht vorhersehbarer Weise. Intravenös verabreicht entfällt der Depot-Effekt vollständig.
  • Alkohol und körperliche Belastung: Alkohol hemmt die Glukoneogenese in der Leber und schaltet damit genau den Mechanismus aus, mit dem der Körper eine Unterzuckerung eigenständig abfängt. Muskelarbeit erhöht zusätzlich die insulinunabhängige Glukoseaufnahme. Beides verstärkt und verlängert die blutzuckersenkende Wirkung erheblich und in schwer vorhersehbarem Ausmaß.
  • Weitere dokumentierte Effekte: Gewichtszunahme (in ORIGIN im Median 1,6 kg), Reaktionen an der Einstichstelle, Lipohypertrophie bei wiederholter Injektion in dieselbe Region mit dadurch unvorhersehbarer Aufnahme, Natrium- und Wasserretention mit Ödemen sowie selten allergische Reaktionen.

Diese Einordnung ersetzt keine ärztliche Beratung. Risiko und Verantwortung für jede tatsächliche Anwendung liegen vollständig beim Käufer. Bei Verdacht auf eine schwere Unterzuckerung, insbesondere bei Verwirrtheit oder Bewusstseinstrübung, ist der Notruf die einzig richtige Reaktion.

Studien

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Lexikon Insulin Glargin (Lantus): ausführlicher Wissens-Artikel Wirkmechanismus, Rekonstitutions-Rechner, realistische Dosierung und die Studien.

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