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Lexikon

Lantus (Insulin Glargin)

Das langwirksame Basalinsulin mit peaklosem Profil über rund 24 Stunden - und mit dem engsten Sicherheitsfenster im Katalog.

6 Min. Lesezeit 7 Quellen

Glänzendes blaues 3D-Molekül schwebt über einem weißen Podest in einem hellen Labor, Symbolbild für Insulin Glargin
Zugelassen · seit 2000

Kurzfassung

Auf einen Blick

Quellen geprüft am 25.10.2026

Wirkdauer ohne Gipfel
22 Stunden

24-Stunden-Clamp bei Typ-1-Diabetes, NPH-Insulin 14 Stunden mit Gipfel1

Nächtliche Unterzuckerung
18,2 %

534 Erwachsene mit Typ-1-Diabetes, unter NPH-Insulin 27,1 %2

ORIGIN-Studie
12.537 Teilnehmende

im Median 6,2 Jahre, Herz-Kreislauf-Ereignisse und Krebs ohne Unterschied5

Schwere Unterzuckerung in ORIGIN
1,00 je 100 Personenjahre

unter Standardversorgung 0,31, also mehr als dreimal so häufig5

  • Insulin Glargin ist ein lang wirksames Insulin für den Grundbedarf. Zwei Änderungen am Molekül lassen es unter der Haut als feines Depot ausfallen, aus dem es sich langsam löst.71
  • Im 24-Stunden-Clamp zeigte Glargin keinen Wirkgipfel und wirkte rund 22 Stunden, NPH-Insulin hatte einen Gipfel nach 4,5 Stunden und endete nach 14 Stunden.1
  • Gegen NPH-Insulin traten weniger Unterzuckerungen auf, nachts 18,2 gegen 27,1 Prozent bei Typ-1-Diabetes.23
  • In der ORIGIN-Studie mit 12.537 Menschen blieben Herz-Kreislauf-Ereignisse und Krebs unverändert. Schwere Unterzuckerungen waren mehr als dreimal so häufig, das Gewicht stieg im Median um 1,6 kg.5
  • Laut ChEMBL ist Insulin Glargin seit 2000 zugelassen. Alles hier ist Forschungsstand und keine Empfehlung.7
Steckbrief

Stand Juli 2026

Klasse
Langwirksames Insulinanalogon

Basalinsulin

Konzentration
U100

also 100 IU pro ml

Wirkprofil
Beginn nach rund 1

5 Stunden, kein Peak, rund 24 Stunden Wirkdauer

Anwendung
Subkutan

1x täglich zur festen Tageszeit

Status
Klinisch zugelassen

Diabetes mellitus

Größen
3ml/300iu

1 Größe im Shop

Inhalt 14 Abschnitte
  1. Auf einen Blick
  2. Was ist Insulin Glargin?
  3. Wie es wirkt
  4. Das peaklose 24-Stunden-Profil
  5. Dosierung
  6. Was die Forschung zeigt
  7. Studienlage
  8. Hypoglykämie - das zentrale Risiko
  9. Nebenwirkungen
  10. Lagerung
  11. Verwandte Wirkstoffe
  12. Häufige Fragen
  13. Begriffe
  14. Quellen

Was ist Insulin Glargin?

Insulin Glargin (Markenname Lantus) ist ein langwirksames Insulinanalogon, das als Basalinsulin entwickelt wurde. Basal heißt: es deckt den mahlzeitenunabhängigen Grundbedarf ab, nicht die Spitzen nach dem Essen. Genau darin unterscheidet es sich von schnellwirksamen Insulinen wie Aspart oder Lispro, die auf den Glukoseanstieg nach einer Mahlzeit zugeschnitten sind.

Gegenüber humanem Insulin sind zwei Änderungen eingebaut: An Position A21 steht Glycin statt Asparagin. Am Ende der B-Kette hängen zwei zusätzliche Arginin-Reste. Das Ergebnis ist ein Molekül mit verschobenem isoelektrischem Punkt - und daraus folgt das gesamte Wirkprofil.

Diese Information dient ausschließlich Forschungs- und Bildungszwecken. Keine medizinischen Empfehlungen.

Vergleich

Schnell und lang wirksame Insuline

Alle wirken am selben Insulin-Rezeptor, sie unterscheiden sich im Zeitprofil, so wie im TPD-Lexikon beschrieben. Ein Klick öffnet den Eintrag.

Vereinfacht: Lang wirksame Insuline decken den Grundbedarf über den Tag, schnelle den Anstieg nach dem Essen. Vertauscht ist eines der klassischen Risiken. 7

Wie es wirkt

Der Trick steckt nicht im Rezeptor, sondern im Depot. In der sauren Lösung im Pen liegt Glargin klar gelöst vor. Sobald es im neutralen Milieu des Unterhautfettgewebes landet, fällt es sofort als feines Mikropräzipitat aus. Aus diesem Depot löst sich der Wirkstoff langsam und gleichmäßig wieder heraus, über rund einen Tag verteilt.

Im Gewebe wird Glargin dabei am Ende der B-Kette abgebaut, sodass im Blut überwiegend der aktive Metabolit M1 zirkuliert. Am Insulinrezeptor selbst wirkt die Substanz dann wie körpereigenes Insulin: Glukose wandert in Muskel- und Fettzellen, die Leber drosselt ihre eigene Glukoseproduktion, die Lipolyse wird gehemmt.

  • Löslich bei saurem pH: klare Lösung im Pen, keine Trübung, kein Aufschütteln nötig.
  • Ausfällung bei neutralem pH: Mikropräzipitat direkt nach der Injektion unter der Haut.
  • Langsame Rücklösung: gleichmäßige Freisetzung ohne Wirkgipfel.

Wirkorte

Wo Insulin Glargin in Studien wirkte

Punkt oder Karte antippen. Farbe = Insulin-Rezeptor, grau = in Studien beobachtet.

  1. Unterhautfett (Depot)

    Flache Freisetzung ohne Gipfel über rund 22 Stunden1

    In Studien beobachtet
  2. Nüchternzucker

    Stärker gesenkt als unter NPH-Insulin2

    INSR
  3. Gehirn

    Schwere Unterzuckerung in ORIGIN mehr als dreimal so häufig5

    In Studien beobachtet
  4. Herz und Gefäße

    Herz-Kreislauf-Ereignisse über 6,2 Jahre unverändert5

    In Studien beobachtet

Ziele in der Datenbank ChEMBL7

Wirkstoff CHEMBL1201497: ein erfasster Mechanismus, Agonist mit direkter Bindung an den menschlichen Rezeptor.

Insulin-Rezeptor
Gen
INSR
UniProt
P06213
ChEMBL
CHEMBL1981
Wirkung
Agonist, direkte Bindung
Ein blauer Tropfen fällt auf einen durchscheinenden kristallinen Block, aus dem blaue Moleküle in Bändern zu Y-förmigen Rezeptoren einer Zelle strömen
Glargin bildet unter der Haut ein Depot, aus dem es sich langsam löst. Symbolbild.

Das peaklose 24-Stunden-Profil

Lepore et al. verglichen im Jahr 2000 unter isoglykämischem 24-Stunden-Clamp Glargin, NPH-Insulin, Ultralente und eine kontinuierliche Pumpen-Infusion. Das Bild war eindeutig: NPH und Ultralente zeigten einen deutlichen Wirkgipfel nach rund 4,5 beziehungsweise 10 Stunden mit anschließendem Abfall. Glargin zeigte gar keinen. Der Wirkbeginn lag bei rund 1,5 Stunden, das Wirkende bei 22 Stunden gegenüber 14 Stunden bei NPH.

Daher der Begriff peakless. Praktisch bedeutet das: eine Gabe pro Tag, ein flaches Grundniveau statt einer Welle und weniger Abhängigkeit vom exakten Zeitpunkt der Mahlzeiten.

Was peaklos nicht bedeutet, ist berechenbar. Heise et al. maßen 2004 unter Clamp-Bedingungen die Schwankungsbreite der Wirkung von Tag zu Tag: Glargin war gleichmäßiger als NPH, aber schwankender als Insulin Detemir. Ein flaches Profil im Mittelwert schließt Abweichungen im Einzelfall nicht aus.

Dosierung

Dosierung

Dosierung, Titrationsplan und Spritze

Die Dosierung wird geladen …

  • Einstieg und Steigerung als Treppe
  • Einheiten auf der U-100-Spritze je Stufe
  • Wie lange ein Vial reicht

Was die Forschung zeigt

Ratner et al. behandelten im Jahr 2000 534 Erwachsene mit Typ-1-Diabetes über bis zu 28 Wochen. Unter Glargin lagen die Nüchternwerte niedriger, gleichzeitig traten weniger symptomatische Unterzuckerungen auf (39,9 gegenüber 49,2 Prozent) und weniger nächtliche Ereignisse (18,2 gegenüber 27,1 Prozent) als unter NPH.

Riddle et al. erreichten 2003 in der Treat-to-Target-Studie an 756 Personen mit Typ-2-Diabetes mit Glargin und NPH praktisch identische HbA1c-Werte. Der Unterschied lag woanders: rund ein Viertel mehr Teilnehmer erreichten das Ziel ohne dokumentierte nächtliche Unterzuckerung.

Die größte Datenbasis liefert ORIGIN (NEJM 2012). 12.537 Menschen mit kardiovaskulären Risikofaktoren und gestörtem Glukosestoffwechsel wurden über median 6,2 Jahre auf Glargin oder Standardversorgung randomisiert. Kardiovaskulär war das Ergebnis neutral, bei Krebserkrankungen ebenfalls - was die damals diskutierte Malignom-Frage weitgehend entschärfte. Die Nebenwirkungen unterschieden sich dagegen klar: schwere Unterzuckerungen traten unter Glargin mehr als dreimal so häufig auf (1,00 gegenüber 0,31 pro 100 Personenjahre), das Gewicht stieg im Median um 1,6 kg statt um 0,5 kg zu fallen.

ORIGIN ist damit beides gleichzeitig: der beste Beleg für die Langzeit-Sicherheit der Substanz und der beste Beleg dafür, dass Hypoglykämie kein Randphänomen ist, sondern der Preis der Hauptwirkung.

Studienergebnisse

Was die Studien gemessen haben

Zum Ausprobieren: Reiter wechseln, Punkte antippen, Arme aus- und einblenden. Die Arme heißen relativ zueinander, keine Dosisempfehlung.

Beginn und Ende der Wirkung1

Stunden nach der Gabe, 20 Menschen mit Typ-1-Diabetes, 24-Stunden-Clamp

Wirkbeginn1
Insulin Glargin 1,5 h
NPH-Insulin (Vergleich) 0,8 h
Ultralente (Vergleich) 1,0 h
Wirkgipfel1 Glargin ohne Gipfel
NPH-Insulin (Vergleich) 4,5 h
Ultralente (Vergleich) 10,1 h
Wirkende1
Insulin Glargin 22,0 h
NPH-Insulin (Vergleich) 14,0 h
Ultralente (Vergleich) 20,0 h

Werte aus dem Abstract, Mittelwerte. Glargin verlief flach wie eine Insulinpumpe, NPH und Ultralente stiegen zu einem Gipfel und fielen dann ab.

Zielwert ohne nächtliche Unterzuckerung3

Anteil mit HbA1c von höchstens 7 % ohne dokumentierte nächtliche Unterzuckerung, 756 Teilnehmende, 24 Wochen

Treat-to-Target-Studie3
Insulin Glargin 33,2 %
NPH-Insulin (Vergleich) 26,7 %

HbA1c lag am Ende praktisch gleich (6,96 gegen 6,97 %), etwa 60 % erreichten mit beiden Insulinen den Zielwert. Der Unterschied liegt in den nächtlichen Unterzuckerungen.

Gewicht über 6,2 Jahre5

Mediane Veränderung in kg, 12.537 Teilnehmende

ORIGIN-Studie5
Insulin Glargin +1,6 kg
Standardversorgung (Vergleich) -0,5 kg

Glargin zielte auf einen normalen Nüchternzucker. Herz-Kreislauf-Ereignisse (2,94 gegen 2,85 je 100 Personenjahre) und Krebs unterschieden sich nicht.

Laborregal mit gestapelten Petrischalen, einer Sanduhr mit weißem Sand und einer Pyramide aus Zuckerwürfeln
Lange Wirkdauer, flaches Profil: das prägt die Studien zu Glargin. Symbolbild.

Forschungsstand

Studienlage

Insulin Glargin ist seit 2000 zugelassen. Im Register ClinicalTrials.gov nennen über 700 Studien Insulin Glargin unter den Interventionen, oft als Vergleich. Gezeigt ist die registrierte Studie aus diesem Eintrag. Stand 25.10.2026. 6

  1. Präklinik Molekül-Design: Depot durch zwei Änderungen am Insulin
  2. Phase 1 keine registrierte Studie
  3. Phase 2 keine registrierte Studie
  4. Phase 3 1 Studie, 1 abgeschlossen
  5. Zulassung seit 2000
12.537 Teilnehmende in Phase 3 Zugelassen: ChEMBL führt Insulin Glargin mit höchster Phase 4 und erster Zulassung 2000.7
Alle 1 Studie aus Phase 3 im ZeitverlaufZeitverlauf ausblenden 1 abgeschlossen 0 laufend 1 mit Ergebnissen
Phase 3

Balken: Start bis Hauptendpunkt (bei laufenden Studien geplant). Grün = abgeschlossen, blau = Fortschritt bis 25.10.2026.

Hypoglykämie - das zentrale Risiko

Das Risiko kommt nicht von unbekannten Nebenwirkungen, sondern von der Hauptwirkung. Die Substanz senkt den Blutzucker über rund 24 Stunden verlässlich und dosisproportional. Sie hört nicht auf, wenn ein sicherer Wert erreicht ist.

  • Symptome der Reihe nach: Zittern, Schwitzen, Herzrasen, Heißhunger, Nervosität. Dann Konzentrationsstörungen, verwaschene Sprache, Verwirrtheit, aggressives oder verlangsamtes Verhalten. Bei weiterem Abfall Krampfanfall, Bewusstlosigkeit, Tod.
  • Keine Rücknahme: das Mikropräzipitat unter der Haut lässt sich nicht entfernen, nicht neutralisieren, nicht abkürzen. Eine zu hohe Dosis muss vollständig ausgesessen werden - unter Beobachtung und mit wiederholter Zufuhr von Kohlenhydraten. Eine einmalige Zuckergabe deckt ein 24-Stunden-Fenster nicht ab.
  • Schnelle Kohlenhydrate vorher griffbereit: Traubenzucker, Saft oder gezuckerte Getränke gehören vor die Applikation auf den Tisch, nicht in den Schrank. Fett- oder proteinhaltige Nahrung wirkt zu langsam.
  • Nie allein, nie ohne Messung: ohne Blutzucker-Messgerät gibt es keine objektive Rückmeldung. Der subjektive Eindruck ist bei fallendem Wert unzuverlässig. Die kognitive Beeinträchtigung setzt genau dann ein, wenn eigenständiges Gegensteuern nötig wäre. Wer bereits verwirrt ist, kann sich in der Regel nicht mehr selbst helfen.
  • Nachts besonders kritisch: weil ein relevanter Teil des Wirkfensters in den Schlaf fällt, können die Warnsymptome verschlafen werden.
  • Alkohol und Belastung: Alkohol hemmt die Glukoneogenese in der Leber und schaltet damit die körpereigene Gegenregulation aus. Muskelarbeit erhöht die insulinunabhängige Glukoseaufnahme zusätzlich.

Bei Verwirrtheit oder Bewusstseinstrübung ist der Notruf die einzig richtige Reaktion.

Verträglichkeit

Unterzuckerung gegen NPH-Insulin

Von 100 Teilnehmenden je Gruppe: wie viele das Ereignis nach der Einstellphase, bis zu 28 Wochen hatten.

40 von 100 Insulin Glargin
49 von 100 NPH-Insulin (Vergleich)
Ereignis Insulin GlarginNPH-Insulin (Vergleich)
Mit Beschwerden2 40 %49 %
Nachts2 18 %27 %

Werte aus dem Abstract, gezählt ab dem ersten Monat. In der ORIGIN-Studie waren schwere Unterzuckerungen unter Glargin mehr als dreimal so häufig wie unter Standardversorgung (1,00 gegen 0,31 je 100 Personenjahre).25

Nebenwirkungen

  • Kaliumverschiebung: Insulin transportiert Kalium nach intrazellulär. Der Serumwert fällt, ohne dass sich der Gesamtbestand ändert. Eine ausgeprägte Hypokaliämie kann Herzrhythmusstörungen auslösen. Dieses Risiko ist unabhängig vom Blutzucker - Kohlenhydrate allein korrigieren es nicht.
  • Gewichtszunahme: in ORIGIN im Median 1,6 kg über die Studiendauer.
  • Verwechslungsgefahr: Basal- und Mahlzeiteninsulin sind beide klare Lösungen in optisch ähnlichen Pens. Die Verwechslung ist eine dokumentierte Medikationsfehler-Klasse, ebenso die Verwechslung von U100 und U300.
  • Lokal: Reaktionen an der Einstichstelle, Lipohypertrophie bei wiederholter Injektion in dieselbe Region - mit dadurch unvorhersehbarer Aufnahme. Injektionsstellen rotieren.
  • Weiteres: Natrium- und Wasserretention mit Ödemen, selten allergische Reaktionen.

Lagerung

Ungeöffnet im Kühlschrank bei 2 bis 8 Grad lagern, nicht einfrieren. Eingefrorenes Insulin ist unbrauchbar, auch nach dem Auftauen. Direkte Sonneneinstrahlung und Hitze meiden.

Im Gebrauch befindliche Pens werden bei Raumtemperatur aufbewahrt und nach der herstellerseitig angegebenen Anbruchfrist verworfen, unabhängig vom Restinhalt. Die Lösung ist klar - Trübung, Verfärbung oder sichtbare Partikel sind ein Ausschlusskriterium. Außerhalb der Reichweite von Kindern aufbewahren.

Verwandt

Verwandte Wirkstoffe

Gleiche Rezeptoren, Blends mit Lantus (Insulin Glargin) oder ein anderer Weg: alles im TPD-Lexikon.

FAQ

Häufige Fragen zu Lantus (Insulin Glargin)

Kurze Antworten, jede mit den Quellen unten belegt.

Warum wirkt Insulin Glargin so lange?

Unter der Haut fällt Glargin als feines Depot aus und löst sich langsam wieder. Im 24-Stunden-Clamp begann die Wirkung nach rund 1,5 Stunden, einen Gipfel gab es nicht, das Ende kam nach rund 22 Stunden. NPH-Insulin erreichte seinen Gipfel nach 4,5 Stunden und endete nach 14 Stunden.1

Ist Insulin Glargin zugelassen?

Ja. ChEMBL führt Insulin Glargin als zugelassenen Arzneistoff mit erster Zulassung 2000. Im Register ClinicalTrials.gov nennen über 700 Studien Insulin Glargin unter den Interventionen (Stand 25. Oktober 2026). Alles hier ist Forschungsstand und keine Empfehlung.76

Gibt es weniger Unterzuckerungen als mit NPH-Insulin?

In zwei großen Vergleichen ja. Bei 534 Erwachsenen mit Typ-1-Diabetes hatten nachts 18,2 statt 27,1 Prozent eine Unterzuckerung. Bei 756 Menschen mit Typ-2-Diabetes erreichten 33,2 statt 26,7 Prozent den Zielwert ohne nächtliche Unterzuckerung, der Langzeitwert war mit beiden Insulinen praktisch gleich.23

Was hat die ORIGIN-Studie gezeigt?

12.537 Menschen mit Herz-Kreislauf-Risiko und gestörtem Zuckerstoffwechsel bekamen im Median 6,2 Jahre lang Glargin oder Standardversorgung. Herz-Kreislauf-Ereignisse und Krebs unterschieden sich nicht. Schwere Unterzuckerungen waren mit 1,00 gegen 0,31 je 100 Personenjahre mehr als dreimal so häufig, das Gewicht stieg im Median um 1,6 kg statt um 0,5 kg zu fallen.5

Wirkt Glargin jeden Tag gleich?

Nicht ganz. Unter Clamp-Bedingungen schwankte die Wirkung von Tag zu Tag bei Glargin weniger als bei NPH-Insulin, aber mehr als bei Insulin Detemir (Variationskoeffizient über 24 Stunden 48 gegen 68 und 27 Prozent). Ein flaches Profil im Mittel schließt Abweichungen im Einzelfall nicht aus.4

Was ist das größte Risiko?

Die Unterzuckerung über ein langes Wirkfenster. Ein Depot unter der Haut lässt sich nicht zurückholen, eine zu hohe Gabe wirkt rund einen Tag lang weiter. Selbst in ORIGIN mit ärztlicher Begleitung waren schwere Unterzuckerungen mehr als dreimal so häufig wie ohne Glargin.51

Glossar

Begriffe kurz erklärt

Gepunktet unterstrichene Wörter im Text zeigen diese Erklärungen direkt an.

Basalinsulin
Lang wirksames Insulin für den Grundbedarf zwischen den Mahlzeiten und in der Nacht.
Glukoneogenese
Neubildung von Zucker in der Leber. Sie hält den Blutzucker zwischen den Mahlzeiten oben, Alkohol bremst sie.
Glukose-Clamp
Messmethode, bei der Glukose per Infusion so nachläuft, dass der Blutzucker konstant bleibt. Die Menge zeigt, wie stark Insulin wirkt.
HbA1c
Langzeitblutzucker: zeigt den mittleren Blutzucker der letzten acht bis zwölf Wochen.
Hypoglykämie
Unterzuckerung. Zuerst Zittern und Schwitzen, später Verwirrtheit, im schweren Fall Bewusstlosigkeit.
Hypokaliämie
Zu wenig Kalium im Blut. Kann Muskelschwäche und Herzrhythmusstörungen auslösen.
Isoelektrischer Punkt
pH-Wert, bei dem ein Eiweiß am schlechtesten löslich ist. Bei Glargin liegt er nahe am neutralen Gewebe.
Lipohypertrophie
Verdicktes Fettgewebe an oft genutzten Einstichstellen. Insulin wird dort unberechenbar aufgenommen.
Metabolit M1
Abbauprodukt von Glargin, das im Blut überwiegend zirkuliert und weiter wirkt.
Mikropräzipitat
Feine feste Ausfällung im Gewebe. Aus ihr löst sich der Wirkstoff langsam wieder.
NPH-Insulin
Älteres Basalinsulin mit Protamin, trüb, mit deutlichem Wirkgipfel nach einigen Stunden.
Treat-to-Target
Studienaufbau, in dem die Dosis nach festem Schema angepasst wird, bis ein Zielwert erreicht ist.

Evidenz

Quellen

Alle 7 Quellen anzeigenQuellen ausblenden 5 Studien1 Studienregister1 Datenbank geprüft am 25.10.2026

Studien

  1. Wirkprofil im 24-Stunden-Clamp gegen NPH und Ultralente

    Lepore et al., Diabetes, 2000

    Geprüft am 25.10.2026 über doi.org, Crossref, PubMed
  2. Weniger Unterzuckerungen bei Typ-1-Diabetes

    Ratner et al., Diabetes Care, 2000

    Geprüft am 25.10.2026 über doi.org, Crossref, PubMed
  3. Treat-to-Target-Studie bei Typ-2-Diabetes

    Riddle et al., Diabetes Care, 2003

    Geprüft am 25.10.2026 über doi.org, Crossref, PubMed
  4. Schwankung der Wirkung von Tag zu Tag

    Heise et al., Diabetes, 2004

    Geprüft am 25.10.2026 über doi.org, Crossref, PubMed
  5. ORIGIN: Basalinsulin und Herz-Kreislauf-Ereignisse

    ORIGIN Trial Investigators, New England Journal of Medicine, 2012

    Geprüft am 25.10.2026 über doi.org, Crossref, PubMed

Studienregister

  1. Studien im Register ClinicalTrials.gov

    ClinicalTrials.gov, U.S. National Library of Medicine

    Geprüft am 25.10.2026 über ClinicalTrials.gov API v2

Datenbank

  1. Wirkmechanismus und Zulassung in ChEMBL

    ChEMBL, EMBL-EBI (CHEMBL1201497)

    Geprüft am 25.10.2026 über ChEMBL

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