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Medikament

Modafinil

Modafinil - Eugeroikum statt Stimulans. Wachheit über 12-15 Stunden ohne den klassischen Amphetamin-Rausch.

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Wie lange bleibt es im Körper?

Anteil nach einer Gabe, gerechnet mit ~13,5 Stunden Halbwertszeit

Halbwertszeit ~13,5 Stunden
Nach 27 Stunden noch 25 %
Stunde 14 · 49 %Stunde 27 · 25 %Stunde 41 · 12,2 %Stunde 68 · 3 %

Vereinfachtes Modell ohne Aufnahmephase, Halbwertszeit aus dem TPD-Lexikon. Das Lexikon nennt 12 bis 15 Stunden, gerechnet wird mit der Mitte.

Klasse
Eugeroikum

Wachheits-Förderer, kein klassisches Stimulans

Halbwertszeit
12-15 Stunden
Anwendung
Oral

1x pro Wachphase, morgens

Größen
200 bis 400 mg

5 Größen im Shop

Nur für Forschungs- und Bildungszwecke. Werte aus dem TPD-Lexikon, Quellen dort verlinkt.

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Wissen

Alles zu Modafinil

Beschreibung

Modafinil (Provigil, Modalert) ist ein Eugeroikum, also ein Wachheits-Förderer. Pharmakologisch gehört es ausdrücklich nicht zur Klasse der klassischen Stimulanzien. Klinisch ist die Substanz zur Behandlung übermäßiger Tagesschläfrigkeit bei Narkolepsie, obstruktivem Schlafapnoe-Syndrom und Schichtarbeiter-Syndrom zugelassen. Der Unterschied zu Amphetamin-Derivaten ist kein Marketing-Detail, sondern zeigt sich im gesamten Wirk- und Nebenwirkungs-Profil.

Der Mechanismus ist bis heute nicht vollständig aufgeklärt. Gesichert ist eine Hemmung des Dopamin-Transporters (DAT), die den extrazellulären Dopamin-Spiegel anhebt. Eine PET-Studie von Volkow und Kollegen zeigte 2009 am Menschen, dass 200mg und 400mg Modafinil die Dopamin-Transporter im Striatum deutlich besetzen und Dopamin im Nucleus accumbens erhöhen. Anders als Amphetamine setzt Modafinil Dopamin aber nicht aktiv aus den Vesikeln frei, sondern blockiert nur die Wiederaufnahme. Dazu kommen indirekte Effekte auf das orexinerge und histaminerge System des Hypothalamus, also genau auf die Schaltkreise, die den Schlaf-Wach-Rhythmus steuern. Das erklärt, warum die Wirkung eher als “nicht müde” beschrieben wird und weniger als “aufgedreht”.

Pharmakokinetisch ist Modafinil gut oral verfügbar. Die maximale Plasmakonzentration wird laut der Übersichtsarbeit von Robertson und Hellriegel nach 2 bis 4 Stunden erreicht, der Steady-State nach 2 bis 4 Tagen. Die Eliminationshalbwertszeit liegt bei etwa 12 bis 15 Stunden und ist damit der praktisch wichtigste Wert der ganzen Substanz: wer nachmittags dosiert, verschiebt seinen Schlaf in die Nacht hinein. Abgebaut wird primär über Amid-Hydrolyse in der Leber, weniger als 10 Prozent verlassen den Körper unverändert. Relevant für Wechselwirkungen: Modafinil induziert CYP3A4 und hemmt CYP2C19.

Die Studienlage zur Wachheit ist solide. In der randomisierten Multicenter-Studie der US Modafinil in Narcolepsy Study Group verbesserten 200mg und 400mg täglich alle objektiven und subjektiven Schläfrigkeits-Maße gegenüber Placebo. Die Wirkung blieb über 40 Wochen offener Weiterbehandlung erhalten, ohne dass sich eine Toleranz aufbaute. Bei der viel diskutierten kognitiven Verbesserung bei ausgeschlafenen Gesunden ist das Bild deutlich nüchterner: die Meta-Analyse von Roberts und Kollegen (2020) fand über 14 Modafinil-Studien einen statistisch signifikanten, aber kleinen Gesamteffekt (SMD 0,12), der im Wesentlichen vom Memory-Updating getragen wurde. Die Autoren halten explizit fest, dass die subjektive Wahrnehmung als starker kognitiver Verstärker von der Datenlage so nicht gedeckt ist.

Im Research-Kontext ist Modafinil damit vor allem als Wachheits- und Vigilanz-Compound einzuordnen, nicht als Intelligenz-Booster. Interessant ist die Substanz in Untersuchungen zu Schichtarbeit, verschobenen Rhythmen und Aufmerksamkeit über lange Wachphasen. Das Missbrauchspotenzial ist im Vergleich zu Amphetaminen niedrig, aber wegen der nachgewiesenen Dopamin-Erhöhung im Nucleus accumbens eben nicht null, worauf die Volkow-Arbeit ausdrücklich hinweist.

Du erhältst Modafinil als orale Tabletten mit 200mg pro Tablette, 10 Tabletten pro Dose. Die Größe 200mg+50mg ist eine Kombi-Tablette: jede Tablette enthält 200 mg Modafinil und 50 mg Armodafinil.

Diese Information dient ausschließlich Forschungs- und Bildungszwecken. Keine medizinischen Empfehlungen.

Risiken & Sicherheit

Modafinil gilt in den Zulassungsstudien als gut verträglich, hat aber zwei Punkte im Profil, die regelmäßig übersehen werden: seltene, aber ernsthafte Hautreaktionen und eine echte Arzneimittel-Wechselwirkung mit hormonellen Verhütungsmitteln. Beides gehört vor jeder Beschäftigung mit der Substanz auf den Tisch.

In klinischen Studien und Zulassungsdaten dokumentiert:

  • Schwere Hautreaktionen: In den Zulassungsunterlagen sind schwere Hautreaktionen bis hin zum Stevens-Johnson-Syndrom und zur toxischen epidermalen Nekrolyse dokumentiert. Sie sind sehr selten, treten meist in den ersten ein bis fünf Wochen auf und sind potenziell lebensbedrohlich. Praktische Konsequenz: jeder neu auftretende Hautausschlag, jede Blasenbildung und jede Beteiligung von Mund, Augen oder Schleimhäuten ist ein Abbruch-Grund und ein Fall für ärztliche Abklärung, nicht etwas, das man “beobachtet”.
  • Wechselwirkung mit hormonellen Kontrazeptiva: Modafinil induziert CYP3A4/5. In der kontrollierten Studie von Robertson und Kollegen (2002) sank unter 200mg bis 400mg über vier Wochen die Exposition gegenüber Ethinylestradiol messbar ab. Die Fachinformation weist deshalb auf eine verminderte Verlässlichkeit hormoneller Verhütung während der Anwendung und für etwa einen Monat danach hin. Das ist der am häufigsten übersehene Punkt bei dieser Substanz überhaupt.
  • Weitere CYP-Interaktionen: Über die CYP3A4-Induktion sind Substrate mit hohem First-Pass-Metabolismus betroffen (in der Studie fiel die Triazolam-Exposition deutlich stärker als die von Ethinylestradiol). Zusätzlich hemmt Modafinil CYP2C19, was Substanzen wie Diazepam, Omeprazol, Propranolol oder Phenytoin betrifft.
  • Schlafverschiebung durch die lange Halbwertszeit: Mit 12 bis 15 Stunden Halbwertszeit reicht eine Dosis vom späten Vormittag bis weit in die Nacht. Später Einnahme-Zeitpunkt führt zuverlässig zu Einschlafproblemen, verkürztem Schlaf und einem Folgetag, an dem der Schlafmangel nur überdeckt statt aufgeholt wird.
  • Kopfschmerz als häufigster Effekt: In den Narkolepsie-Studien war Kopfschmerz die mit Abstand häufigste unerwünschte Wirkung, dosisabhängig und meist leicht bis mittelschwer. Daneben sind Übelkeit, Nervosität, Appetitminderung und Mundtrockenheit dokumentiert.
  • Kreislauf: Leichte Anstiege von Blutdruck und Herzfrequenz sind beschrieben. In Kombination mit anderen sympathomimetisch wirkenden Substanzen addieren sich diese Effekte.
  • Missbrauchs- und Abhängigkeitspotenzial: Niedriger als bei Amphetaminen, aber vorhanden. Die Volkow-Arbeit leitet aus der Dopamin-Erhöhung im Nucleus accumbens explizit ab, dass ein Missbrauchspotenzial in gefährdeten Gruppen nicht ausgeschlossen werden kann. In den Narkolepsie-Studien traten beim Absetzen keine Entzugssymptome vom Amphetamin-Typ auf, die Schläfrigkeit kehrte lediglich auf das Ausgangsniveau zurück.

Diese Einordnung ersetzt keine ärztliche Beratung. Risiko und Verantwortung für jede tatsächliche Anwendung liegen vollständig beim Käufer.

Studien

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FAQ

Häufige Fragen

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Ist Modafinil ein Stimulans?

Nicht im klassischen Sinn. Erfahrene Konsumenten unterschieden es in einer Studie mit 24 Männern zwar von Placebo und mochten die Wirkung, auf der Amphetamin-Skala schlug es aber nicht aus. Es unterdrückte den Schlaf stärker als Methylphenidat, trieb den Puls im Stehen weniger hoch und drückte den Appetit weniger. Im Gehirn blockiert es den Dopamin-Transporter, deshalb gilt das Missbrauchspotenzial als niedrig, aber nicht null.

Ist Modafinil zugelassen?

Ja. ChEMBL führt Modafinil mit höchster Phase 4 und erster Zulassung 1998. Die US-Fachinformation nennt übermäßige Schläfrigkeit bei Narkolepsie, obstruktiver Schlafapnoe und Schichtarbeiter-Syndrom, bei Schlafapnoe nur gegen die Müdigkeit, nicht gegen die Atemaussetzer. In den USA ist es als Schedule IV eingestuft.

Wie lange wirkt eine Tablette?

Der höchste Spiegel ist nach 2 bis 4 Stunden erreicht, ein gleichmäßiger Spiegel nach 2 bis 4 Tagen. Die Halbwertszeit liegt bei 12 bis 15 Stunden, getragen von der langsamer abgebauten R-Form; die S-Form wurde in einer Studie etwa dreimal so schnell abgebaut. Weniger als 10 Prozent werden unverändert ausgeschieden, der Rest wird vor allem in der Leber abgebaut.

Was zeigen die Studien bei Narkolepsie und Schichtarbeit?

In der Narkolepsie-Studie mit 283 Teilnehmenden verbesserte Modafinil alle objektiven und subjektiven Maße der Schläfrigkeit gegenüber Placebo, über 40 Wochen offener Weiterbehandlung ohne Gewöhnung. Beim Schichtarbeiter-Syndrom besserten sich 74 statt 36 Prozent, Unfälle oder Beinahe-Unfälle auf dem Heimweg sanken von 54 auf 29 Prozent. Die Behandelten blieben trotzdem deutlich müde.

Macht Modafinil Ausgeschlafene schlauer?

Kaum. Über 14 Studien mit gesunden, ausgeschlafenen Erwachsenen fand eine Meta-Analyse einen statistisch gesicherten, aber kleinen Gesamteffekt (SMD 0,12), vor allem beim Aktualisieren des Arbeitsgedächtnisses (0,28). Die Autoren halten fest, dass die verbreitete Wahrnehmung als starker Denk-Booster von den Daten nicht gedeckt ist.

Was ist mit hormoneller Verhütung?

Modafinil regt das Enzym CYP3A4 an, vor allem in der Darmwand. In einer Studie mit 41 Frauen sank die Menge an Ethinylestradiol aus der Pille nach 4 Wochen messbar, die von Triazolam deutlich stärker. Die US-Fachinformation hält fest, dass hormonelle Verhütung während der Einnahme und einen Monat danach weniger verlässlich sein kann.

Welche Nebenwirkungen wurden beobachtet?

In den gepoolten Zulassungsstudien hatten 34 Prozent Kopfschmerz (Placebo 23), 11 Prozent Übelkeit (3), je 5 Prozent Angst und Schlaflosigkeit (je 1). Schwere Hautreaktionen bis zum Stevens-Johnson-Syndrom sind selten, kommen aber fast immer in den ersten 1 bis 5 Wochen. In einer Dosisstudie wurde die höchste Stufe wegen steigendem Blutdruck und Puls abgebrochen. Dänische Registerdaten zeigten mehr Fehlbildungen nach Einnahme im ersten Schwangerschaftsdrittel.

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