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Lexikon

Modafinil (Provigil, Modalert)

Das Eugeroikum - Wachheit über 12-15 Stunden, ohne den Amphetamin-Charakter eines klassischen Stimulans.

4 Min. Lesezeit 12 Quellen

Standbild aus dem Erklärvideo zu diesem Eintrag
Wirkstoff zugelassen · seit 1998

Keine Lust, alles zu lesen? Schau dir das Video an: der ganze Eintrag in rund einer Minute, von der Wirkung über die Studien bis zur Lagerung.

Kurzfassung

Auf einen Blick

Quellen geprüft am 26.10.2026

Halbwertszeit
bis 15 Stunden

12 bis 15 Stunden, höchster Spiegel nach 2 bis 4 Stunden1

Dopamin-Transporter besetzt
53,8 %

Im Nucleus caudatus, PET-Messung an 10 gesunden Männern2

Besserung bei Schichtarbeit
74 %

Klinisch besser nach 3 Monaten, unter Placebo 36 %, 209 Teilnehmende4

Wirkung ohne Gewöhnung
40 Wochen

Offene Weiterbehandlung bei Narkolepsie nach der Studie mit 283 Teilnehmenden3

Denkleistung bei Ausgeschlafenen
0,12 SMD

Kleiner Gesamteffekt über 14 Studien mit Gesunden5

  • Modafinil fördert die Wachheit, ohne ein Amphetamin zu sein. Es hemmt die Wiederaufnahme von Dopamin, treibt es aber nicht aus den Speichern.28
  • Der Spiegel steigt in 2 bis 4 Stunden an und halbiert sich erst nach 12 bis 15 Stunden. Deshalb zählt vor allem der Zeitpunkt.1
  • Gegen krankhafte Müdigkeit ist die Wirkung gut belegt: bei Narkolepsie über 40 Wochen ohne Gewöhnung, bei Schichtarbeit mit weniger Unfällen auf dem Heimweg.34
  • Als Denk-Booster bei Ausgeschlafenen ist der Effekt klein. Häufigste Nebenwirkung ist Kopfschmerz, schwere Hautreaktionen sind selten, aber ernst.510
  • Modafinil schwächt hormonelle Verhütung ab, auch noch einen Monat nach dem Absetzen. Alles hier ist Forschungsstand und keine Empfehlung.610
Steckbrief

Stand Juli 2026

Wie lange bleibt es im Körper?

Anteil nach einer Gabe, gerechnet mit ~13,5 Stunden Halbwertszeit

Halbwertszeit ~13,5 Stunden
Nach 27 Stunden noch 25 %
Stunde 14 · 49 %Stunde 27 · 25 %Stunde 41 · 12,2 %Stunde 68 · 3 %

Vereinfachtes Modell ohne Aufnahmephase, Halbwertszeit aus dem TPD-Lexikon. Das Lexikon nennt 12 bis 15 Stunden, gerechnet wird mit der Mitte.

Klasse
Eugeroikum

Wachheits-Förderer, kein klassisches Stimulans

Anwendung
Oral

1x pro Wachphase, morgens

Halbwertszeit
12-15 Stunden
Wirkeintritt
Maximaler Plasmaspiegel nach 2-4 Stunden
Status
Klinisch zugelassen

Narkolepsie, Schlafapnoe, Schichtarbeiter-Syndrom

Größen
200 bis 400 mg

5 Größen im Shop

Inhalt 15 Abschnitte
  1. Auf einen Blick
  2. Was ist Modafinil?
  3. Wie es wirkt
  4. Eugeroikum vs klassisches Stimulans
  5. Pharmakokinetik: warum der Zeitpunkt zählt
  6. Dosierung
  7. Was die Forschung zeigt
  8. Studienlage
  9. Die CYP3A4-Falle: hormonelle Verhütung
  10. Nebenwirkungen
  11. Lagerung
  12. Verwandte Wirkstoffe
  13. Häufige Fragen
  14. Begriffe
  15. Quellen

Was ist Modafinil?

Modafinil (Markennamen Provigil, Modalert) ist ein Eugeroikum, also ein Wachheits-Förderer. Der Begriff ist wichtig, weil er die Substanz bewusst von der Klasse der klassischen Stimulanzien abgrenzt: Modafinil ist strukturell und pharmakologisch kein Amphetamin-Derivat. Klinisch ist es zur Behandlung übermäßiger Tagesschläfrigkeit bei Narkolepsie, obstruktivem Schlafapnoe-Syndrom und Schichtarbeiter-Syndrom zugelassen.

Der praktische Unterschied zu einem Stimulans beschreibt sich am ehesten so: Modafinil erzeugt keinen Antrieb, es entfernt die Müdigkeit. Der subjektive Zustand ist eher "nicht müde" als "aufgedreht", ohne die ausgeprägte Euphorie, den Rebound und den Appetit-Kollaps, die typischerweise mit Amphetaminen einhergehen.

Diese Information dient ausschließlich Forschungs- und Bildungszwecken. Keine medizinischen Empfehlungen.

Wie es wirkt

Der Mechanismus ist bis heute nicht vollständig aufgeklärt, aber zwei Ebenen sind gut belegt. Erstens hemmt Modafinil den Dopamin-Transporter (DAT) und erhöht dadurch den extrazellulären Dopamin-Spiegel. Die PET-Arbeit von Volkow und Kollegen (JAMA 2009) zeigte am Menschen, dass 200mg und 400mg die Dopamin-Transporter im Striatum in erheblichem Umfang besetzen und Dopamin im Nucleus accumbens ansteigt. Entscheidender Unterschied zu Amphetaminen: Modafinil blockiert nur die Wiederaufnahme, es treibt Dopamin nicht aktiv aus den Speichervesikeln heraus.

Zweitens greift Modafinil indirekt in die Wach-Systeme des Hypothalamus ein - orexinerge und histaminerge Bahnen werden aktiviert, kortikale Katecholamine steigen, GABA-Spiegel sinken. Das sind nicht die generellen Antriebs-Systeme, sondern genau die Schaltkreise, die den Schlaf-Wach-Rhythmus regeln. Daher das ruhige Wirkprofil.

Wirkorte

Ein Rezeptor, mehrere Organe

Punkt oder Karte antippen. Farbe = Rezeptor, grau = in Studien beobachtet.

  1. Gehirn

    Dopamin-Transporter besetzt, mehr freies Dopamin2

    DAT
  2. Darm

    CYP3A4 in der Darmwand angeregt, andere Wirkstoffe sinken6

    In Studien beobachtet
  3. Leber

    Abbau vor allem über Amid-Hydrolyse, unter 10 % unverändert ausgeschieden1

    In Studien beobachtet
  4. Herz und Kreislauf

    Blutdruck und Puls stiegen in der höchsten Stufe, Abbruch nach 3 Tagen7

    In Studien beobachtet
  5. Haut

    Selten schwere Hautreaktionen, meist in den ersten 5 Wochen10

    In Studien beobachtet

Ziele in der Datenbank ChEMBL12

Wirkstoff CHEMBL1373: ein erfasster Mechanismus, Hemmer, direkte Bindung.

Dopamin-Transporter
Gen
SLC6A3
UniProt
Q01959
ChEMBL
CHEMBL238
Wirkung
Hemmer, direkte Bindung
Netz aus gläsernen Nervenzellen mit warm leuchtenden Knoten, blaue Moleküle docken an Poren der Zellausläufer an
Modafinil besetzt den Dopamin-Transporter, Dopamin bleibt länger im Spalt. Symbolbild.

Eugeroikum vs klassisches Stimulans

  • Modafinil (Eugeroikum): reine Wiederaufnahme-Hemmung am DAT plus orexinerg-histaminerge Aktivierung. Langsamer Anstieg, Halbwertszeit 12-15 Stunden, geringe Euphorie, niedriges (aber nicht null) Missbrauchspotenzial.
  • Amphetamin-Typ: aktive Freisetzung von Dopamin und Noradrenalin aus den Vesikeln. Schneller Anstieg, ausgeprägte Euphorie, deutlicher Rebound beim Abklingen, hohes Missbrauchspotenzial.
  • Praktische Folge: Modafinil ist schlechter steuerbar nach hinten (die lange Halbwertszeit lässt sich nicht zurücknehmen), dafür ohne den Crash am Abend.

Vergleich

Modafinil und seine Verwandten

Derselbe Wirkstoff als Gemisch oder nur die R-Form, als Generikum oder Marke, so wie im TPD-Lexikon beschrieben. Ein Klick öffnet den Eintrag.

Alle setzen am Dopamin-Transporter an. Die R-Form wird langsamer abgebaut, deshalb hält sie länger an. 127

Pharmakokinetik: warum der Zeitpunkt zählt

Nach oraler Gabe wird der maximale Plasmaspiegel nach 2 bis 4 Stunden erreicht, der Steady-State innerhalb von 2 bis 4 Tagen. Die Eliminationshalbwertszeit liegt bei 12 bis 15 Stunden (Robertson & Hellriegel, Clinical Pharmacokinetics 2003). Das ist der praktisch wichtigste Wert der gesamten Substanz.

Rechne es einmal durch: eine Dosis um 13 Uhr hat um Mitternacht noch rund die Hälfte des Spitzenspiegels im Blut. Deshalb gilt in praktisch jedem Protokoll die gleiche Regel - früh am Morgen dosieren oder gar nicht. Der Abbau läuft überwiegend über Amid-Hydrolyse in der Leber, weniger als 10 Prozent werden unverändert ausgeschieden.

Dosierung

Dosierung

Dosierung, Titrationsplan und Spritze

Die Dosierung wird geladen …

  • Einstieg und Steigerung als Treppe
  • Einheiten auf der U-100-Spritze je Stufe
  • Wie lange ein Vial reicht

Was die Forschung zeigt

Bei der Wachheit ist die Datenlage stark. In der randomisierten Multicenter-Studie der US Modafinil in Narcolepsy Study Group (Annals of Neurology 1998, 283 Teilnehmende) verbesserten 200mg und 400mg täglich sämtliche objektiven und subjektiven Schläfrigkeits-Maße gegenüber Placebo. Über 40 Wochen offener Weiterbehandlung blieb die Wirkung erhalten, ohne dass sich Toleranz aufbaute - beim Absetzen kehrte die Schläfrigkeit lediglich auf das Ausgangsniveau zurück, ohne Entzugssymptome vom Amphetamin-Typ.

Beim Thema kognitive Verbesserung bei ausgeschlafenen Gesunden ist das Bild deutlich nüchterner. Die Meta-Analyse von Roberts und Kollegen (European Neuropsychopharmacology 2020) fand über 14 Modafinil-Studien einen statistisch signifikanten, aber kleinen Gesamteffekt (SMD 0,12), der im Wesentlichen vom Memory-Updating getragen wurde. Die Autoren halten ausdrücklich fest, dass die verbreitete Wahrnehmung als starker kognitiver Verstärker von den Daten nicht gedeckt ist. Kurz: gut belegt gegen Müdigkeit, schwach belegt als Intelligenz-Booster.

Studienergebnisse

Was die Studien gemessen haben

Zum Ausprobieren: Reiter wechseln, Punkte antippen, Arme aus- und einblenden. Die Arme heißen relativ zueinander, keine Dosisempfehlung.

Besetzte Dopamin-Transporter2

PET-Messung nach einer Gabe, 10 gesunde Männer, Abnahme der freien Bindungsstellen

Nucleus caudatus2
Modafinil 53,8 %
Putamen2
Modafinil 47,2 %
Nucleus accumbens2
Modafinil 39,3 %

Gleichzeitig stieg das freie Dopamin, am stärksten im Nucleus accumbens (Bindung des Messstoffs dort um 19,4 Prozent niedriger). Die Autoren leiten daraus ein Missbrauchspotenzial ab.

Schichtarbeiter-Syndrom über 3 Monate4

209 Teilnehmende, eine Gabe vor jeder Nachtschicht, Anteil der Teilnehmenden

Klinisch gebessert4
Placebo 36 %
Modafinil 74 %
Unfall oder Beinahe-Unfall auf dem Heimweg4
Placebo 54 %
Modafinil 29 %

Die Einschlafzeit in der Nacht stieg nur leicht (1,7 gegen 0,3 Minuten), die Behandelten blieben deutlich müde. Der Tagschlaf wurde nicht schlechter.

Effekt auf die Denkleistung bei Ausgeschlafenen5

Meta-Analysen gegen Placebo, standardisierte Mittelwertdifferenz

Gesamteffekt5 14 bzw. 24 Studien
Modafinil 0,12 SMD
Methylphenidat (Vergleich) 0,21 SMD
Gedächtnis aktualisieren5
Modafinil 0,28 SMD

Werte ab etwa 0,2 gelten als kleiner Effekt. Für Amphetamin fanden die Autoren keinen Effekt. Ihr Fazit: Die verbreitete Wahrnehmung als starker Denk-Booster decken die Daten nicht.

Mikroskoptisch mit einer flachen Petrischale, darin ein kleines mattes Gehirn aus Glas und eine leuchtende gläserne Sonnenscheibe
Symbolbild.

Forschungsstand

Studienlage

Modafinil ist seit Jahrzehnten zugelassen. Im Register nennen 219 Einträge Modafinil unter den Interventionen, ein Teil davon zu Armodafinil. Gezeigt ist eine Auswahl. Stand 26.10.2026. 11

  1. Präklinik Wirkprofil, Abbau und Wechselwirkungen in Labor und Mensch
  2. Phase 1 2 Studien, 2 abgeschlossen
  3. Phase 2 2 Studien, 2 abgeschlossen
  4. Phase 3 7 Studien, 5 abgeschlossen
  5. Zulassung seit 1998
1.092 Teilnehmende in Phase 3 Bei laufenden Studien geplante Zahlen Zugelassen: ChEMBL führt Modafinil mit höchster Phase 4 und erster Zulassung 1998. Laut US-Fachinformation gegen übermäßige Schläfrigkeit bei Narkolepsie, Schlafapnoe und Schichtarbeit.12
Alle 9 Studien aus Phase 2 und 3 im ZeitverlaufZeitverlauf ausblenden 7 abgeschlossen 2 laufend 0 mit Ergebnissen
Phase 2
Phase 3

Balken: Start bis Hauptendpunkt (bei laufenden Studien geplant). Grün = abgeschlossen, blau = Fortschritt bis 26.10.2026. Phase 1: 2 Studien zu Verträglichkeit und Pharmakokinetik, nicht als Balken gezeigt.

Die CYP3A4-Falle: hormonelle Verhütung

Das ist der am häufigsten übersehene Punkt bei dieser Substanz. Modafinil induziert CYP3A4/5. In der kontrollierten Studie von Robertson und Kollegen (Clinical Pharmacology & Therapeutics 2002) an 41 Frauen, die dauerhaft ein kombiniertes orales Kontrazeptivum nutzten, sank unter 200mg bis 400mg Modafinil über vier Wochen die Ethinylestradiol-Exposition messbar ab. Die Induktion war dabei überwiegend gastrointestinal, weshalb die Triazolam-Exposition noch deutlich stärker fiel.

Die Fachinformation weist deshalb darauf hin, dass hormonelle Verhütung während der Anwendung und für etwa einen Monat danach weniger verlässlich ist. Umgekehrt hemmt Modafinil CYP2C19, was Substanzen wie Diazepam, Omeprazol, Propranolol oder Phenytoin betrifft.

Nebenwirkungen

  • Schwere Hautreaktionen: selten, aber ernst. Stevens-Johnson-Syndrom und toxische epidermale Nekrolyse sind in den Zulassungsdaten dokumentiert, meist in den ersten ein bis fünf Wochen. Jeder neu auftretende Ausschlag, jede Blasenbildung, jede Beteiligung von Mund, Augen oder Schleimhäuten ist ein Abbruch-Grund und ein Fall für ärztliche Abklärung.
  • Kopfschmerz: häufigster dokumentierter Effekt, dosisabhängig, meist leicht bis mittelschwer.
  • Schlafstörung: praktisch immer eine Frage des Einnahme-Zeitpunkts, nicht der Dosis.
  • Übelkeit, Nervosität, Appetitminderung, Mundtrockenheit: in den Studien regelmäßig berichtet.
  • Kreislauf: leichte Anstiege von Blutdruck und Herzfrequenz. Addiert sich mit anderen sympathomimetisch wirksamen Substanzen.
  • Missbrauchspotenzial: niedriger als bei Amphetaminen, aber nicht null. Die Volkow-Arbeit leitet das direkt aus der Dopamin-Erhöhung im Nucleus accumbens ab.

Verträglichkeit

Häufigkeit in den Zulassungsstudien

Von 100 Teilnehmenden je Gruppe: wie viele das Ereignis hatten. Gepoolte Zulassungsstudien zu Narkolepsie, Schlafapnoe und Schichtarbeit.

23 von 100 Placebo
34 von 100 Modafinil
Ereignis PlaceboModafinil
Kopfschmerz10 23 %34 %
Übelkeit10 3 %11 %
Nervosität10 3 %7 %
Angst10 1 %5 %
Schlaflosigkeit10 1 %5 %

Werte laut US-Fachinformation. Schwere Hautreaktionen bis zum Stevens-Johnson-Syndrom traten fast immer in den ersten 1 bis 5 Wochen auf, jeder neue Ausschlag ist ein Grund zum Absetzen.10

Lagerung

Trocken, bei Raumtemperatur und vor Licht geschützt lagern. Tabletten in der Originaldose lassen, außerhalb der Reichweite von Kindern.

Drei weiße Tablettendosen in verschiedenen Größen und ein gefaltetes hellblaues Handtuch auf einem weißen Regal
Trocken, bei Raumtemperatur und vor Licht geschützt. Symbolbild.

Verwandt

Verwandte Wirkstoffe

Gleiche Rezeptoren oder Blends mit Modafinil (Provigil, Modalert): alles im TPD-Lexikon.

FAQ

Häufige Fragen zu Modafinil (Provigil, Modalert)

Kurze Antworten, jede mit den Quellen unten belegt.

Ist Modafinil ein Stimulans?

Nicht im klassischen Sinn. Erfahrene Konsumenten unterschieden es in einer Studie mit 24 Männern zwar von Placebo und mochten die Wirkung, auf der Amphetamin-Skala schlug es aber nicht aus. Es unterdrückte den Schlaf stärker als Methylphenidat, trieb den Puls im Stehen weniger hoch und drückte den Appetit weniger. Im Gehirn blockiert es den Dopamin-Transporter, deshalb gilt das Missbrauchspotenzial als niedrig, aber nicht null.82

Ist Modafinil zugelassen?

Ja. ChEMBL führt Modafinil mit höchster Phase 4 und erster Zulassung 1998. Die US-Fachinformation nennt übermäßige Schläfrigkeit bei Narkolepsie, obstruktiver Schlafapnoe und Schichtarbeiter-Syndrom, bei Schlafapnoe nur gegen die Müdigkeit, nicht gegen die Atemaussetzer. In den USA ist es als Schedule IV eingestuft.1210

Wie lange wirkt eine Tablette?

Der höchste Spiegel ist nach 2 bis 4 Stunden erreicht, ein gleichmäßiger Spiegel nach 2 bis 4 Tagen. Die Halbwertszeit liegt bei 12 bis 15 Stunden, getragen von der langsamer abgebauten R-Form; die S-Form wurde in einer Studie etwa dreimal so schnell abgebaut. Weniger als 10 Prozent werden unverändert ausgeschieden, der Rest wird vor allem in der Leber abgebaut.17

Was zeigen die Studien bei Narkolepsie und Schichtarbeit?

In der Narkolepsie-Studie mit 283 Teilnehmenden verbesserte Modafinil alle objektiven und subjektiven Maße der Schläfrigkeit gegenüber Placebo, über 40 Wochen offener Weiterbehandlung ohne Gewöhnung. Beim Schichtarbeiter-Syndrom besserten sich 74 statt 36 Prozent, Unfälle oder Beinahe-Unfälle auf dem Heimweg sanken von 54 auf 29 Prozent. Die Behandelten blieben trotzdem deutlich müde.34

Macht Modafinil Ausgeschlafene schlauer?

Kaum. Über 14 Studien mit gesunden, ausgeschlafenen Erwachsenen fand eine Meta-Analyse einen statistisch gesicherten, aber kleinen Gesamteffekt (SMD 0,12), vor allem beim Aktualisieren des Arbeitsgedächtnisses (0,28). Die Autoren halten fest, dass die verbreitete Wahrnehmung als starker Denk-Booster von den Daten nicht gedeckt ist.5

Was ist mit hormoneller Verhütung?

Modafinil regt das Enzym CYP3A4 an, vor allem in der Darmwand. In einer Studie mit 41 Frauen sank die Menge an Ethinylestradiol aus der Pille nach 4 Wochen messbar, die von Triazolam deutlich stärker. Die US-Fachinformation hält fest, dass hormonelle Verhütung während der Einnahme und einen Monat danach weniger verlässlich sein kann.610

Welche Nebenwirkungen wurden beobachtet?

In den gepoolten Zulassungsstudien hatten 34 Prozent Kopfschmerz (Placebo 23), 11 Prozent Übelkeit (3), je 5 Prozent Angst und Schlaflosigkeit (je 1). Schwere Hautreaktionen bis zum Stevens-Johnson-Syndrom sind selten, kommen aber fast immer in den ersten 1 bis 5 Wochen. In einer Dosisstudie wurde die höchste Stufe wegen steigendem Blutdruck und Puls abgebrochen. Dänische Registerdaten zeigten mehr Fehlbildungen nach Einnahme im ersten Schwangerschaftsdrittel.1079

Glossar

Begriffe kurz erklärt

Gepunktet unterstrichene Wörter im Text zeigen diese Erklärungen direkt an.

CYP3A4
Enzym in Leber und Darm, das viele Arzneistoffe abbaut, auch die Hormone der Pille.
Dopamin-Transporter
Eiweiß, das Dopamin zurück in die Nervenzelle holt. Wird es blockiert, bleibt mehr Dopamin im Spalt zwischen den Zellen.
Enantiomer
Eine von zwei spiegelbildlichen Formen eines Moleküls. Modafinil ist ein 1:1-Gemisch aus R- und S-Form.
Eugeroikum
Wachheits-Förderer. Der Begriff grenzt Modafinil von klassischen Stimulanzien wie Amphetamin ab.
Halbwertszeit
Die Zeit, nach der nur noch die Hälfte des Wirkstoffs im Blut ist.
Narkolepsie
Erkrankung mit starker Tagesschläfrigkeit und plötzlichen Schlafanfällen.
Nucleus accumbens
Teil des Belohnungssystems im Gehirn. Mehr Dopamin dort gilt als Zeichen für Missbrauchspotenzial.
Orexin
Botenstoff im Hypothalamus, der Wachheit stabilisiert. Fehlt er, entsteht Narkolepsie.
Schichtarbeiter-Syndrom
Starke Müdigkeit bei der Nachtarbeit und schlechter Schlaf am Tag durch wechselnde Schichten.
SMD
Standardisierte Mittelwertdifferenz. Macht Effekte aus verschiedenen Tests vergleichbar, ab etwa 0,2 spricht man von einem kleinen Effekt.
Stevens-Johnson-Syndrom
Seltene, schwere Reaktion von Haut und Schleimhäuten mit Blasen. Ein Notfall.

Evidenz

Quellen

Alle 12 Quellen anzeigenQuellen ausblenden 9 Studien1 Studienregister2 Datenbank geprüft am 26.10.2026

Studien

  1. Pharmakokinetisches Profil: Halbwertszeit, Abbau, Wechselwirkungen

    Robertson and Hellriegel, Clinical Pharmacokinetics, 2003

    Geprüft am 26.10.2026 über doi.org, Crossref, PubMed
  2. Dopamin und Dopamin-Transporter im Gehirn (PET)

    Volkow et al., JAMA, 2009

    Geprüft am 26.10.2026 über doi.org, Crossref, PubMed
  3. Randomisierte Studie bei Narkolepsie

    US Modafinil in Narcolepsy Multicenter Study Group, Annals of Neurology, 1998

    Geprüft am 26.10.2026 über doi.org, Crossref, PubMed
  4. Schichtarbeiter-Syndrom über drei Monate

    Czeisler et al., New England Journal of Medicine, 2005

    Geprüft am 26.10.2026 über doi.org, Crossref, PubMed
  5. Meta-Analysen zur Denkleistung bei Gesunden

    Roberts et al., European Neuropsychopharmacology, 2020

    Geprüft am 26.10.2026 über doi.org, Crossref, PubMed
  6. Wirkung auf Ethinylestradiol und Triazolam

    Robertson et al., Clinical Pharmacology and Therapeutics, 2002

    Geprüft am 26.10.2026 über doi.org, Crossref, PubMed
  7. Steigende Tagesmengen bei Gesunden über 7 Tage

    Wong et al., Journal of Clinical Pharmacology, 1999

    Geprüft am 26.10.2026 über doi.org, Crossref, PubMed
  8. Missbrauchspotenzial im Vergleich mit Methylphenidat

    Jasinski, Journal of Psychopharmacology, 2000

    Geprüft am 26.10.2026 über doi.org, Crossref, PubMed
  9. Fehlbildungen nach Einnahme im ersten Schwangerschaftsdrittel, Register Dänemark

    Damkier and Broe, JAMA, 2020

    Geprüft am 26.10.2026 über doi.org, Crossref, PubMed

Studienregister

  1. Alle Studien im Register ClinicalTrials.gov

    ClinicalTrials.gov, U.S. National Library of Medicine

    Geprüft am 26.10.2026 über ClinicalTrials.gov API v2

Datenbank

  1. US-Zulassung und Fachinformation (Drugs@FDA)

    U.S. Food and Drug Administration, NDA 020717

    Geprüft am 26.10.2026 über openFDA (drugsfda, label)
  2. Wirkmechanismus und Zulassung in ChEMBL

    ChEMBL, EMBL-EBI (CHEMBL1373)

    Geprüft am 26.10.2026 über ChEMBL

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