Beschreibung
Pregabalin ist ein Gabapentinoid und bindet an die Alpha-2-Delta-Untereinheit spannungsabhängiger Calciumkanäle im zentralen Nervensystem. Der Name führt in die Irre: trotz der strukturellen Ähnlichkeit zu GABA wirkt die Substanz nicht am GABA-Rezeptor. Durch die Bindung an Alpha-2-Delta wird der Calcium-Einstrom in die Nervenendigung gedämpft und damit die Ausschüttung erregender Botenstoffe wie Glutamat, Noradrenalin und Substanz P reduziert.
Pharmakokinetisch ist Pregabalin ungewöhnlich berechenbar. Das ist sein eigentliches Merkmal. Die Vergleichsarbeit von Bockbrader und Kollegen stellt es direkt neben Gabapentin: Pregabalin wird schnell aufgenommen, die maximale Plasmakonzentration liegt nach etwa einer Stunde vor, die absolute Bioverfügbarkeit bleibt unabhängig von der Dosis bei über 90 Prozent. Gabapentin fällt dagegen von 60 auf 33 Prozent, sobald die Tagesdosis steigt, weil seine Aufnahme sättigbar ist. Bei Pregabalin steigt der Plasmaspiegel proportional zur Dosis.
Ebenso wichtig ist, was nicht passiert. Pregabalin bindet nicht an Plasmaproteine, wird nicht über die Leber verstoffwechselt und hemmt oder induziert keine CYP-Enzyme. Die Ausscheidung läuft nahezu vollständig renal, die Eliminationshalbwertszeit liegt bei etwa sechs Stunden. Wechselwirkungen über den Leberstoffwechsel gibt es deshalb praktisch keine, dafür ist die Nierenfunktion der entscheidende Faktor für die Belastung des Körpers.
Die Wirksamkeitsdaten bei neuropathischem Schmerz sind umfangreich. Der Cochrane-Review von Derry und Kollegen wertete 45 Studien mit 11.906 Teilnehmenden aus. Bei postherpetischer Neuralgie erreichten unter 300 mg täglich 50 Prozent eine Schmerzreduktion von mindestens 30 Prozent gegenüber 25 Prozent unter Placebo, unter 600 mg waren es 62 gegenüber 24 Prozent. Bei schmerzhafter diabetischer Neuropathie fiel der Effekt deutlich kleiner aus. Die Autoren halten klar fest, dass ein Teil der Anwendenden substanziell profitiert, viele aber gar nicht. Müdigkeit und Schwindel waren die durchgehend häufigsten unerwünschten Wirkungen und stiegen mit der Dosis.
Im Research-Kontext ist Pregabalin damit vor allem wegen seiner linearen Kinetik und der fehlenden Leberinteraktionen interessant, weniger wegen der Effektgröße.
Du erhältst Pregabalin als orale Tabletten mit 50 mg (10 Tabletten pro Blister), 300 mg (Blister zu 10 oder 15 Tabletten) oder 450 mg pro Tablette (15 Tabletten pro Blister).
Diese Information dient ausschließlich Forschungs- und Bildungszwecken. Keine medizinischen Empfehlungen.
Risiken & Sicherheit
Pregabalin hat ein Thema, das in der öffentlichen Wahrnehmung lange fehlte und inzwischen gut dokumentiert ist: ein reales Missbrauchspotenzial, besonders bei Menschen mit Opioid-Vorgeschichte.
- Missbrauch und Abhängigkeit: Die systematische Übersicht von Evoy und Kollegen wertete 59 Studien aus. In der Allgemeinbevölkerung lag die Prävalenz des Gabapentinoid-Missbrauchs bei 1,6 Prozent, unter Opioid-Konsumenten zwischen 3 und 68 Prozent. Eine internationale Datenbank verzeichnete zwischen 2004 und 2015 knapp 12.000 Meldungen, über drei Viertel davon ab 2012. Pregabalin wird zunehmend in postmortalen toxikologischen Analysen gefunden, meist in Kombination mit Opioiden.
- Kombination mit Opioiden und Alkohol: Die atemdepressive Wirkung addiert sich. Das ist der Hauptweg, auf dem Gabapentinoide in Todesfälle hineinspielen. Es ist auch der Grund, warum ein Teil der Meldungen aus der Übersicht überhaupt entstanden ist.
- Müdigkeit und Schwindel: Im Cochrane-Review lag Schläfrigkeit unter 600 mg bei 25 Prozent gegenüber 5,8 Prozent unter Placebo, Schwindel bei 35 gegenüber 8,8 Prozent. Beides ist dosisabhängig und betrifft Reaktionsvermögen und Fahrtüchtigkeit unmittelbar.
- Nierenfunktion bestimmt alles: Weil die Ausscheidung fast vollständig renal läuft, steigt die Belastung bei eingeschränkter Nierenfunktion stark an. Wer hier nicht anpasst, dosiert faktisch ein Vielfaches.
- Absetzen: Nach längerer Anwendung sind Absetzsymptome beschrieben, unter anderem Schlafstörungen, Unruhe, Schwitzen und Übelkeit. Ein abruptes Ende ist die schlechtere Variante.
- Rechtlicher Status: Pregabalin unterliegt in mehreren europäischen Ländern besonderen Verschreibungsregeln. Informiere dich über die Lage an deinem Wohnort.
Diese Einordnung ersetzt keine ärztliche Beratung. Risiko und Verantwortung für jede tatsächliche Anwendung liegen vollständig beim Käufer.
Studien
- A comparison of the pharmacokinetics and pharmacodynamics of pregabalin and gabapentin - Clinical Pharmacokinetics 2010, Bockbrader et al: Bioverfügbarkeit über 90 Prozent unabhängig von der Dosis, Tmax etwa eine Stunde, Halbwertszeit rund sechs Stunden, keine Plasmaprotein-Bindung und kein Lebermetabolismus.
- Pregabalin for neuropathic pain in adults - Cochrane Database of Systematic Reviews 2019, Derry et al: 45 Studien mit 11.906 Teilnehmenden, Wirksamkeit bei postherpetischer Neuralgie und gemischtem neuropathischem Schmerz, deutlich schwächere Datenlage bei diabetischer Neuropathie, Müdigkeit und Schwindel dosisabhängig.
- Abuse and misuse of pregabalin and gabapentin - Drugs 2017, Evoy et al: systematische Übersicht über 59 Studien, Prävalenz des Missbrauchs in der Allgemeinbevölkerung 1,6 Prozent und unter Opioid-Konsumenten 3 bis 68 Prozent, knapp 12.000 Meldungen zwischen 2004 und 2015.