Beschreibung
Tesamorelin ist ein stabilisierter GHRH-Analog, bei dem die natürliche GHRH-Sequenz durch eine Trans-3-Hexenoyl-Gruppe an Position 1 modifiziert ist. Diese Modifikation macht den Compound deutlich resistenter gegen DPP-IV-Abbau als das unmodifizierte GHRH 1-44. Laut US-Fachinformation (FDA) lag die mittlere Eliminationshalbwertszeit nach 14 Tagen subkutaner Gabe bei 26 Minuten (Gesunde) und 38 Minuten (HIV-Patienten), für die neueren Formulierungen werden nach einer Einzelgabe 8 bis 11 Minuten angegeben. Tesamorelin ist seit 2010 in den USA als Arzneimittel zugelassen und wurde in zwei Phase-3-Studien mit zusammen 806 Teilnehmern untersucht.
Entwickelt wurde Tesamorelin (Code TH9507) zunächst für altersbedingte Zustände mit verminderter GH-Ausschüttung. Die zulassungsrelevanten Studien liefen dann bei HIV-Patienten mit vermehrtem Bauchfett unter antiretroviraler Therapie (erste veröffentlichte HIV-Studie 2005, Phase 3 unter anderem Falutz et al., NEJM 2007): Das viszerale Fett ging zurück, das Unterhautfett am Bauch blieb weitgehend unverändert.
Mechanistisch wirkt Tesamorelin über GHRH-Rezeptoren der vorderen Hypophyse und stimuliert die endogene GH-Sekretion. Im Gegensatz zu exogenem HGH bleibt die natürliche Negative-Feedback-Regulation über IGF-1 erhalten, was den Compound zu einem physiologisch näher liegenden Werkzeug macht. IGF-1 steigt dabei deutlich: in der Phase-3-Studie im Mittel um 81 %, bei 13 gesunden Männern nach 2 Wochen täglicher Gabe um 181 µg/l.
In den klinischen Studien wurde Tesamorelin einmal täglich subkutan gegeben. Primärer Endpunkt der Phase-3-Studien war die Veränderung des viszeralen Fetts, IGF-1 wurde als sekundärer Endpunkt erfasst.
Du erhältst Tesamorelin in 10er-Packs in 5mg, 10mg und 20mg pro Vial.
Diese Information dient ausschließlich Forschungs- und Bildungszwecken. Keine medizinischen Empfehlungen.
Risiken & Sicherheit
In den Phase-3-Studien war Tesamorelin insgesamt gut verträglich. Die Sicherheitsdaten stammen vor allem aus diesen Studien mit zusammen 806 HIV-Patienten über bis zu 52 Wochen. Laut US-Fachinformation sind die häufigsten Nebenwirkungen Gelenkschmerzen, Rötung und Juckreiz an der Einstich-Stelle, Schmerzen in Armen oder Beinen, Schwellungen durch Wassereinlagerung und Muskelschmerzen.
In Studien und Fachinformation beschrieben:
- Injektions-Stelle: Rötung, Juckreiz, Schmerz oder Reizung an der Einstich-Stelle gehören zu den häufigsten Nebenwirkungen.
- GH-typische Effekte: Wasser-Einlagerung, Gelenk- und Muskelschmerzen sowie Taubheitsgefühl oder Kribbeln in den Händen (Karpaltunnel-artige Symptome). Laut Fachinformation gehen sie meist vorüber oder bilden sich nach dem Absetzen zurück.
- IGF-1 über dem Normalbereich: nach 26 Wochen lag IGF-1 bei 47 % der Behandelten mehr als 2 Standardabweichungen über dem altersüblichen Mittelwert, bei 36 % mehr als 3. Ob dauerhaft erhöhtes IGF-1 die Entstehung oder das Wachstum von Tumoren beeinflusst, ist laut Fachinformation nicht bekannt.
- Glukose-Stoffwechsel: die US-Fachinformation warnt vor Glukoseintoleranz: ein HbA1c von 6,5 % oder mehr trat nach 26 Wochen bei 5 % unter Tesamorelin und 1 % unter Placebo auf. In einer Studie stieg der Nüchtern-Blutzucker nach 2 Wochen leicht an, nach 6 Monaten war der Unterschied nicht mehr signifikant. Bei gesunden Männern blieb die Insulin-Sensitivität im Clamp-Test unverändert.
- Überempfindlichkeit: bei 4 % der Behandelten traten in den Studien Überempfindlichkeitsreaktionen auf, mit Juckreiz, Hautrötung, Flush, Nesselsucht oder Ausschlag.
- Langzeitdaten fehlen: trotz klinischer Studien bis 52 Wochen existieren belastbare Humanstudien über sehr lange Zeiträume zur Anwendung nicht.
Diese Einordnung ersetzt keine ärztliche Beratung. Risiko und Verantwortung für jede tatsächliche Anwendung liegen vollständig beim Käufer.
Studien
- Metabolic effects of a growth hormone-releasing factor in patients with HIV - New England Journal of Medicine 2007: Phase-3-Studie mit 412 HIV-Patienten mit abdominaler Fett-Ansammlung: nach 26 Wochen täglicher Gabe sank das viszerale Fettgewebe um 15,2%, unter Placebo stieg es um 5,0%, bei verbesserten Triglycerid-Werten.
- Long-term safety and effects of tesamorelin, a growth hormone-releasing factor analogue, in HIV patients with abdominal fat accumulation - AIDS 2008: Verlängerungs-Phase über insgesamt 52 Wochen: die Abnahme des viszeralen Fetts (-18%) und der Triglyceride blieb unter fortgesetzter Gabe erhalten, nach dem Absetzen nahm das viszerale Fett wieder zu.
- Effects of tesamorelin (TH9507), a growth hormone-releasing factor analog, in human immunodeficiency virus-infected patients with excess abdominal fat: a pooled analysis of two multicenter, double-blind placebo-controlled phase 3 trials with safety extension data - Journal of Clinical Endocrinology & Metabolism 2010: Gepoolte Analyse zweier Phase-3-Studien mit 806 Teilnehmern: viszerales Fett nahm gegenüber Placebo um 15,4% ab, das subkutane Bauchfett blieb unverändert, IGF-1 stieg an und die Glukose-Werte zeigten keine klinisch bedeutsamen Unterschiede.
- Effect of tesamorelin on visceral fat and liver fat in HIV-infected patients with abdominal fat accumulation: a randomized clinical trial - JAMA 2014: Randomisierte, placebokontrollierte Studie mit 50 Teilnehmern über 6 Monate, in der neben dem viszeralen Fett auch das Leberfett moderat zurückging. Der Nüchtern-Blutzucker lag nach 2 Wochen leicht über Placebo, nach 6 Monaten nicht mehr signifikant.
- Effects of a growth hormone-releasing hormone analog on endogenous GH pulsatility and insulin sensitivity in healthy men - Journal of Clinical Endocrinology & Metabolism 2011: 13 gesunde Männer, 2 Wochen einmal täglich subkutan: die GH-Ausschüttung stieg in Pulsen und basal, IGF-1 um 181 µg/l, Nüchtern-Blutzucker und insulinstimulierte Glukoseaufnahme blieben unverändert.

