Was ist Tesamorelin?
Tesamorelin ist ein stabilisiertes GHRH-Analog, also eine künstliche Variante des Wachstumshormon-freisetzenden Hormons. Es ist nicht selbst Wachstumshormon (GH), sondern stupst die Hirnanhangdrüse an, das eigene GH in natürlichen Schüben auszuschütten. Genau das ist der wichtige Unterschied zu direktem GH: Der Körper behält die Kontrolle über Menge und Rhythmus.
Anders als die GLP-1-Substanzen wird Tesamorelin täglich gespritzt, meist abends. Die Halbwertszeit ist mit rund einer halben Stunde sehr kurz, der ausgelöste GH-Schub und der spätere Anstieg von IGF-1 wirken aber deutlich länger nach. Geliefert wird es als gefriergetrocknetes Pulver, das du vor der ersten Anwendung mit bakteriostatischem Wasser auflöst.
Wie es wirkt
Tesamorelin dockt an den GHRH-Rezeptoren der Hirnanhangdrüse an und löst dort einen GH-Schub aus, ähnlich dem, der natürlicherweise im Tiefschlaf passiert. Das freigesetzte GH kurbelt in der Leber die Bildung von IGF-1 an, über das ein Großteil der Effekte läuft.
In der Forschung ist Tesamorelin vor allem für eines bekannt: Es senkt gezielt das viszerale Bauchfett, also das Fett tief im Bauchraum um die Organe, und das ziemlich selektiv, ohne das Unterhautfett stark anzutasten. Daneben wurden ein positiver Effekt auf das Leberfett und in einer Studie auch auf die kognitive Leistung älterer Probanden beobachtet.
Was du brauchst
Bevor du loslegst, solltest du alles dahaben. Weil Tesamorelin täglich gespritzt wird, brauchst du entsprechend mehr Nadeln:
- Das Tesamorelin-Vial mit dem gefriergetrockneten Pulver
- Bakteriostatisches Wasser zum Auflösen
- U-100-Insulinspritzen für die täglichen Anwendungen
- Alkoholtupfer für den Vial-Deckel und die Hautstelle
- Einen verschließbaren Behälter für gebrauchte Nadeln
Wenn alles sauber an einem Platz liegt, geht der Rest entspannt von der Hand.
Rekonstitution
Das Pulver wird mit bakteriostatischem Wasser aufgelöst. Wie viel Wasser du nimmst, entscheidet über die Konzentration und damit darüber, wie viele Einheiten du auf der Insulinspritze für deine Dosis aufziehst.
Den Rechner oben kannst du genau dafür nutzen: Vial-Größe und Wassermenge wählen, und du siehst sofort die Konzentration und die Einheiten pro Dosis. Merk dir grob: weniger Wasser bedeutet höhere Konzentration und weniger Einheiten.
Beim Auflösen das BAC-Wasser einfach reingeben, es ist egal ob es direkt aufs Pulver trifft. Danach schwenken oder schütteln, bis sich alles gelöst hat, beides ist okay.
Injektion
Gespritzt wird subkutan ins Unterhautfettgewebe, klassisch in den Bauch (etwa zwei Finger breit rund um den Nabel aussparen). Viele setzen die Spritze abends, weil der natürliche GH-Schub ohnehin in der Tiefschlafphase kommt und sich der Effekt so anlehnt.
Der Ablauf in Kurzform:
- Hautstelle mit einem Alkoholtupfer reinigen und kurz trocknen lassen
- Eine kleine Hautfalte abheben
- Die Nadel im Winkel von 45 bis 90 Grad einstechen
- Langsam injizieren, kurz warten, dann die Nadel zurückziehen
- Die Nadel sofort in den Sammelbehälter geben
Wechsle die Einstichstelle von Tag zu Tag. Gerade weil hier täglich gespritzt wird, ist das wichtig, damit sich das Gewebe nicht reizt.
Dosierung
Nur für Mitglieder
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Was die Forschung zeigt
Tesamorelin ist gut untersucht. In der zulassungsrelevanten Studie (Falutz, 2007) reduzierte 2mg pro Tag über sechs Monate gezielt das viszerale Bauchfett, während das Unterhautfett weitgehend unberührt blieb. Eine spätere Studie (Stanley, 2014) bestätigte das und zeigte zusätzlich einen Rückgang des Leberfetts. In einer Studie zur Kognition (Baker, 2012) hatte die GHRH-Gabe über 20 Wochen einen positiven Effekt auf Gedächtnis und exekutive Funktionen bei älteren Probanden.
Die einzelnen Studien mit Links findest du unten im Quellenblock.
Nebenwirkungen
Die Nebenwirkungen sind die, die man von erhöhtem GH kennt: Wassereinlagerungen, Gelenk- oder Muskelschmerzen, gelegentlich ein Kribbeln oder Taubheitsgefühl in den Händen (karpaltunnel-artig). Dazu kommen Reaktionen an der Einstichstelle, die bei täglicher Anwendung etwas häufiger auftreten. Weil GH die Insulinempfindlichkeit beeinflussen kann, lohnt bei längerer Anwendung ein Blick auf den Blutzucker. Fast alles ist dosisabhängig, also ein weiterer Grund, nicht unnötig hoch zu dosieren.
Lifestyle
Tesamorelin wirkt über deinen eigenen GH-Rhythmus, deshalb kannst du mit ein paar Dingen viel rausholen:
- Schlaf. Der natürliche GH-Schub kommt im Tiefschlaf. Guter, ausreichender Schlaf und die abendliche Anwendung spielen zusammen.
- Abstand zu Mahlzeiten. Insulin bremst die GH-Ausschüttung, deshalb wird abends gern mit etwas Abstand zur letzten großen Mahlzeit gespritzt.
- Krafttraining. GH und IGF-1 entfalten sich am besten, wenn der Trainingsreiz da ist.
- Genug Eiweiß für die Regeneration.
Wer ohnehin schlecht schläft oder direkt vor dem Schlaf große Mengen isst, verschenkt einen Teil der Wirkung.
Lagerung
Das ungelöste Pulver ist robust, normale Raumtemperatur (rund 20 bis 25 Grad) reicht, am besten dunkel lagern. Sobald es aufgelöst ist, kommt die Lösung in den Kühlschrank (2 bis 8 Grad) und hält dort mindestens 8 bis 10 Wochen nahezu ohne Wirkstoffverlust, in der Praxis deutlich länger. Das bakteriostatische Wasser bringt einen Konservierungsstoff mit, der die gelöste Form länger stabil hält.