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Lexikon

DSIP Nasenspray

DSIP als gebrauchsfertiges Nasenspray: 10 mg in 5,4 ml, ein Sprühstoß liefert rund 185 mcg, keine Spritze und kein Anmischen.

10 Min. Lesezeit 6 Quellen

DSIP Nasal, Produktfoto

Steckbrief

Stand Oktober 2026

Klasse
Körpereigenes Neuropeptid aus 9 Aminosäuren, Schlaf und Stressachse
Form
Fertiges Nasenspray, 10 mg in 5,4 ml (1,85 mg/ml), rund 185 mcg je Sprühstoß
Anwendung
Nasal, abends
Halbwertszeit
Minuten (im Hund rund 4 Minuten nach i.v.-Gabe), die Wirkung hält trotzdem Stunden
Frequenz
Täglich am Abend, Bilanz nach 2 bis 4 Wochen
Status
Ältere i.v.-Humanstudien, wenige kleine nasale Arbeiten, kein zugelassenes Arzneimittel in EU und USA
Inhalt 9 Abschnitte
  1. Titration
  2. Was ist DSIP Nasal?
  3. Wie es wirkt
  4. Nasal statt Spritze: Aufnahme über die Nasenschleimhaut
  5. Anwendung und Dosierung
  6. Was die Forschung zeigt
  7. Nebenwirkungen
  8. Lagerung und Haltbarkeit nach Anbruch
  9. Quellen

Einstieg

Übliche Dosierung als Nasenspray (Research-Kontext)

Werte in mg pro TAG, nicht pro Woche. Wie viele Sprühstöße das sind, steht im Dosierabschnitt.

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Was ist DSIP Nasal?

DSIP, das Delta-Sleep-Inducing-Peptid, ist ein körpereigenes Nonapeptid mit der Sequenz Trp-Ala-Gly-Gly-Asp-Ala-Ser-Gly-Glu. Die Basler Gruppe um Schoenenberger und Monnier isolierte es 1977 aus dem Hirnvenenblut schlafender Kaninchen und benannte es nach seiner Wirkung im Tierversuch: mehr Delta-Wellen im EEG, also mehr Tiefschlaf. Seitdem ist DSIP eines der am längsten untersuchten und zugleich am wenigsten verstandenen Schlafpeptide.

Diese Variante ist das fertige Nasenspray: 10 mg DSIP sind in 5 ml Kochsalzlösung (NaCl) plus 0,4 ml bakteriostatischem Wasser gelöst, zusammen 5,4 ml, das ergibt 1,85 mg pro ml. Die Pumpe gibt je Sprühstoß 0,1 ml ab, also rund 185 mcg DSIP (0,185 mg). Rechnerisch stecken 54 Sprühstöße in der Flasche, nach dem Befüllen der Pumpe bleiben rund 50. Anmischen, Spritzen und Rechnen entfallen, das Spray wird nach deiner Bestellung frisch gemacht und als Express verschickt. Wer lieber mit dem Vial und der Spritze arbeitet, findet im Eintrag zum DSIP-Vial den Rechner.

Das Spray ist dabei kein Szene-Umweg, sondern hat einen Hintergrund in der Literatur: in zwei kleinen Humanarbeiten wurde DSIP intranasal gegeben, einmal mit messbarem EEG-Effekt, einmal mit 0,3 mg pro Tag über zwei Monate. Das sind dünne Daten, aber es sind nasale Daten. Die haben nur wenige der Peptide, die als Spray angeboten werden.

Diese Information dient ausschließlich Forschungs- und Bildungszwecken. Keine medizinischen Empfehlungen.

Wie es wirkt

Hier beginnt das Ungewöhnliche: für DSIP ist bis heute kein Rezeptor und kein Gen bekannt. Kovalzon und Strekalova haben das 2006 im Journal of Neurochemistry nüchtern zusammengefasst und vermuten, dass hinter den beobachteten Effekten ein DSIP-ähnliches Peptid steckt, das noch niemand sauber isoliert hat. Was es gibt, sind Beobachtungen: im Tier fördert DSIP den Tiefschlaf, aber artabhängig und mit einer parabolischen Dosis-Wirkungs-Kurve, bei der es ein Optimum gibt und mehr Substanz wieder weniger bringt. Das hat die Entdeckergruppe um Schoenenberger selbst beschrieben (European Neurology 1984).

Die zweite belastbare Spur ist die Stressachse. Bei elf gesunden Männern senkte eine intravenöse Gabe (25 nmol pro kg) die ACTH-Spiegel im Blut für mindestens drei Stunden, Cortisol blieb unverändert (Psychoneuroendocrinology 1989). Im Tiermodell dämpft DSIP die durch CRF ausgelöste Corticosteron-Freisetzung. Eine Lübecker Gruppe fand 1995 mit Infusionen von 3 bis 4 mg allerdings keinen Einfluss auf die durch CRH oder eine Mahlzeit ausgelöste ACTH- und Cortisolausschüttung (Psychoneuroendocrinology 1995), widerspruchsfrei ist also auch diese Spur nicht. Dazu kommen eine Freisetzung von Met-Enkephalin aus Nervenendigungen im Rattenhirn (Journal of Neurochemistry 1991), Wechselwirkungen mit Stress und mit Wirkstoffen wie Morphin, Amphetamin und Barbituraten sowie Effekte auf den Tag-Nacht-Rhythmus von Bewegung, Botenstoffen im Gehirn und Cortisol. DSIP wirkt also eher wie ein Signal, das Programme verstellt, nicht wie ein Schlafmittel, das sediert.

Dass der Körper es selbst herstellt, sagt noch nichts über die Richtung: bei zwölf gesunden Freiwilligen war das zirkulierende DSIP am Nachmittag am höchsten und um ein Uhr nachts am niedrigsten, im REM- und im Tiefschlaf lag es niedriger als im Wachen und folgte dem Verlauf der Körpertemperatur (Journal of Clinical Endocrinology and Metabolism 1994). Ein einfaches Schlafhormon ist es demnach nicht. Pharmakokinetisch ist DSIP ein Kurzläufer: Aminopeptidasen in Blut, Liquor und Epithelzellen spalten das Tryptophan am Anfang der Kette ab, im Hund lag die Halbwertszeit nach i.v. Gabe bei rund 4 Minuten (Kato und Kollegen, Neuroendocrinology 1984). Trotzdem beschreiben die Humanstudien eine Schlafinduktion mit etwa einer Stunde Latenz und bis zu 20 Stunden Dauer. Was wirkt, ist der Impuls, nicht der Spiegel.

Nasal statt Spritze: Aufnahme über die Nasenschleimhaut

Die Nasenschleimhaut ist dünn, stark durchblutet und für ein kleines, wasserlösliches Peptid von 849 Dalton grundsätzlich passierbar. Ein Teil der Dosis tritt dort ins Blut über, ein Teil wird von den Peptidasen der Schleimhaut abgebaut, ein Teil läuft mit dem Sekret in den Rachen und wird dort verdaut. Für DSIP ist die direkte Spur in das Gehirn über Riech- und Trigeminusnerven, wie sie für andere Peptide diskutiert wird, beim Menschen nicht gemessen. Belegt ist nur, dass DSIP nach Gabe ins Blut die Blut-Hirn-Schranke überwindet, Banks, Kastin und Coy zeigten das 1982 im Hund über ansteigende Spiegel im Liquor.

Dass nasales DSIP beim Menschen trotzdem etwas im Gehirn bewegt, zeigen zwei kleine Arbeiten. Hruz und Kollegen aus der Basler Gruppe berichteten 2001 in einer Kurzmitteilung im Journal of Clinical Psychopharmacology, dass intranasal gegebenes DSIP die P300-Welle erhöhte, ein EEG-Maß für Aufmerksamkeit und Reizverarbeitung; Dosis und Design stehen nur im Volltext des Letters, ein Abstract gibt es nicht. Eine Gruppe aus Odessa gab Diabetikern mit Netzhautschäden zwei Monate lang 0,3 mg DSIP pro Tag intranasal, danach erholten sich die visuell evozierten Potenziale nach Lichtstress schneller (Eksperimental'naia i Klinicheskaia Farmakologiia 2014). Beides sind Pilotbefunde ohne Wiederholung, aber sie stecken den Rahmen ab: Zehntel-Milligramm nasal reichen für eine messbare Wirkung, Milligramm braucht es nicht.

Praktisch: vor der ersten Nutzung die Pumpe 2 bis 3 Mal ins Leere drücken, bis ein feiner Nebel kommt. Nase vorher sanft putzen, Kopf aufrecht halten, die Düse leicht nach außen zur Nasenwand richten und nicht gegen die Nasenscheidewand, dabei ruhig einatmen, nicht hochziehen. Danach 10 bis 15 Minuten nicht schnäuzen. Jeder Sprühstoß gibt 0,1 ml ab, zwei Stöße kurz nacheinander ins selbe Nasenloch laufen eher hinten raus, als dass sie doppelt wirken. Bei zwei Stößen also je einen pro Nasenloch.

Anwendung und Dosierung

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Was die Forschung zeigt

Die Humandaten zu DSIP stammen überwiegend aus Basel und sind alt. Schneider-Helmert und Schoenenberger (Neuropsychobiology 1983) fassten fünf doppelblinde Studien mit einmaliger und wiederholter intravenöser Gabe zusammen: DSIP war gut verträglich, die langsame Injektion erwies sich als entscheidend, der Schlaf setzte mit rund einer Stunde Latenz ein und die Wirkung hielt bis zu 20 Stunden. Bei Insomnie-Patienten normalisierte sich der gestörte Schlaf nach vier aufeinanderfolgenden Injektionen. Tagsüber berichteten die Teilnehmer eher mehr Wachheit und bessere Leistung als Müdigkeit. Die Autoren sahen darin ein Peptid, das die Tag-Nacht-Programmierung verstellt, nicht ein Sedativum.

Der Dämpfer kam aus den Niederlanden. Bes und Kollegen (Neuropsychobiology 1992) gaben 16 chronischen Insomnie-Patienten doppelblind an drei Nachmittagen 25 nmol pro kg DSIP oder Placebo intravenös und maßen im Schlaflabor. Die Schlafeffizienz war höher und die Einschlafzeit kürzer, aber die Effekte waren schwach, zum Teil durch eine zufällige Verschiebung in der Placebogruppe erklärbar. Die subjektive Schlafqualität änderte sich nicht. Das Fazit der Autoren: ein großer Nutzen der Kurzzeitbehandlung ist unwahrscheinlich. Kovalzon und Strekalova (Journal of Neurochemistry 2006) gingen noch weiter und nannten die Rolle von DSIP als Schlaffaktor schwach dokumentiert, in ihren eigenen Versuchen förderten künstliche Analoga den Tiefschlaf, DSIP selbst aber nicht.

Zur nasalen Gabe gibt es die beiden Pilotarbeiten aus dem Abschnitt oben: den P300-Anstieg nach intranasalem DSIP (Basel 2001) und die 0,3 mg pro Tag über zwei Monate bei Diabetikern (2014). Daneben wurde DSIP in einer offenen Studie im Opioid-Entzug erprobt (Journal of Clinical Psychopharmacology 1998) und als Zusatz zur Narkose untersucht, wo es die Narkosetiefe paradoxerweise verringerte und den Puls anhob (European Journal of Anaesthesiology 2009). Unter dem Strich: DSIP tut im Menschen messbar etwas mit EEG, Stresshormonen und Schlafstruktur, die Richtung ist aber nicht immer die erwartete und die Effekte sind moderat. Keine der Arbeiten wurde in größerem Maßstab wiederholt. Wer das Spray nutzt, testet eine Hypothese, kein belegtes Protokoll.

Nebenwirkungen

  • Verträglichkeit: in den intravenösen Humanstudien wurde DSIP durchweg als gut verträglich beschrieben. Die Dosen in diesen Studien lagen weit über dem, was nasal ins Blut gelangt. In den Arbeiten, die wir gesichtet haben, sind keine schweren Nebenwirkungen beschrieben.
  • Kreislauf: in der Narkosestudie von 2009 stieg unter intravenösem DSIP der Puls und die Herzfrequenzvariabilität sank, vermutlich über eine Dämpfung des Parasympathikus. Nasal ist das unwahrscheinlich, Herzklopfen oder Unruhe am Abend sind aber ein Zeichen, bei einem Stoß zu bleiben oder zu pausieren.
  • Wachheit statt Schlaf: DSIP sediert nicht, in der Basler Serie machte es tagsüber eher wacher. In der Narkose wurde die Narkosetiefe geringer. Manche Anwender berichten deshalb über Grübeln oder spätes Einschlafen statt Tiefschlaf. Dann hilft der frühere Zeitpunkt am Abend oder der Verzicht, nicht die höhere Dosis.
  • Folgetag: Benommenheit, verlängerte Schläfrigkeit oder ein dumpfer Kopf am Morgen sind möglich, weil die beschriebene Wirkdauer bis zu 20 Stunden reicht. Gelegentlich Kopfschmerzen oder Schwindel.
  • Nase: Brennen, Niesen, laufende Nase oder ein trockenes Gefühl in der Schleimhaut. Bei anhaltender Reizung oder Nasenbluten pausieren. Eine Kochsalzlösung ist an sich mild, die Düse und das Peptid können trotzdem reizen.
  • Hormonachse: DSIP senkte beim Menschen in zwei Studien die ACTH-Ausschüttung für mehrere Stunden, Cortisol blieb dabei stabil, eine dritte Studie fand keinen Einfluss; Wachstumshormon, Prolaktin und Vasopressin änderten sich in weiteren Arbeiten nicht. Wer Nebennierenprobleme hat oder Cortison nimmt, klärt den Einsatz vorher ärztlich.
  • Langzeitdaten: die längste nasale Anwendung in der Literatur dauerte zwei Monate. Für Dauergebrauch, Schwangerschaft, Stillzeit und Kinder gibt es keine Daten. Der Wirkmechanismus ist unbekannt, das allein ist ein Grund für Zurückhaltung.

Lagerung und Haltbarkeit nach Anbruch

Das Spray gehört in den Kühlschrank (2 bis 8 Grad), nicht ins Gefrierfach und nicht ins Türfach, wo die Temperatur bei jedem Öffnen schwankt. Vor Licht schützen, die Flasche also in der Umverpackung oder im Karton lassen. Aufrecht lagern, damit das Steigrohr in der Lösung bleibt. Ein paar Stunden bei Raumtemperatur, etwa auf dem Postweg oder in der Tasche, machen der Lösung nichts aus, dauerhaft warm sollte sie aber nicht stehen.

Angebrochen hält die Lösung im Kühlschrank mehrere Monate. DSIP ist ein kleines Peptid ohne Cystein und Methionin, die beiden Bausteine, die in Lösung am empfindlichsten sind. Kochsalzlösung ist ein stabiles Medium. Die 0,4 ml bakteriostatisches Wasser bringen zudem etwas Benzylalkohol als Konservierung mit. Das Tryptophan am Anfang der Kette ist lichtempfindlich, deshalb der Karton. Empfindlich ist die Lösung sonst vor allem gegen Enzyme und Keime, Sauberkeit zählt also mehr als Kälte allein. Bei 1 bis 2 Sprühstößen am Abend ist die Flasche ohnehin nach 3 bis 7 Wochen leer.

Die Düse nach jedem Gebrauch mit einem sauberen Tuch abwischen und die Kappe aufsetzen, damit nichts eintrocknet und keine Keime in die Flasche wandern. Eine Flasche ist persönlich, nicht teilen. Wird die Lösung gelartig, klumpig oder riecht sie anders, nicht mehr verwenden. Eine leichte Trübung allein ist kein Grund dafür.

Evidenz

Quellen

  1. 1 DOI Kurzmitteilung der Basler Gruppe (Letter ohne Abstract): intranasal gegebenes DSIP erhöht beim Menschen die P300-Welle im EEG, einen Marker für Aufmerksamkeit und Reizverarbeitung; Dosis und Design stehen nur im Volltext Journal of Clinical Psychopharmacology, 2001 Quelle öffnen
  2. 2 PubMed Kleine Studie aus Odessa (russischsprachig): 0,3 mg DSIP pro Tag intranasal über zwei Monate bei Diabetikern mit Netzhautschäden, die visuell evozierten Potenziale erholten sich nach Lichtstress schneller Eksperimental'naia i Klinicheskaia Farmakologiia, 2014 Quelle öffnen
  3. 3 PubMed Fünf doppelblinde Humanstudien mit intravenösem DSIP: gute Verträglichkeit, Schlafinduktion mit rund einer Stunde Latenz und bis zu 20 Stunden Dauer, tagsüber eher mehr Wachheit statt Sedierung Neuropsychobiology, 1983 Quelle öffnen
  4. 4 PubMed Doppelblinde Studie an 16 chronischen Insomnie-Patienten: höhere Schlafeffizienz und kürzere Einschlafzeit unter intravenösem DSIP, die Effekte waren aber schwach, ein großer Nutzen der Kurzzeitgabe gilt als unwahrscheinlich Neuropsychobiology, 1992 Quelle öffnen
  5. 5 PubMed Pharmakokinetik im Tier: nach intravenöser Gabe verschwindet DSIP mit einer Halbwertszeit von rund 4 Minuten (Hund) bzw. 2 bis 3 Minuten (Ratte, Affe) aus dem Plasma, es wird abgebaut, nicht gespeichert Neuroendocrinology, 1984 Quelle öffnen
  6. 6 DOI Kritische Kurzübersicht: weder Gen noch Rezeptor von DSIP sind bekannt, die Rolle als Schlaffaktor gilt als schwach belegt, die Autoren vermuten ein DSIP-ähnliches Peptid hinter den Effekten Journal of Neurochemistry, 2006 Quelle öffnen

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