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Lexikon

Methylene Blue

Der älteste synthetische Pharmazeut der Welt - heute spannender Mitochondrien-Booster und Cognition-Compound.

3 Min. Lesezeit 20 Quellen

Weiße Tablettendose mit schwarzem TPD-Etikett für Methylene Blue auf einem weißen Podest, daneben ein blaues 3D-Molekülmodell von Methylenblau in einem hellen Labor
Wirkstoff zugelassen · als Injektion, EU seit 2011

Kurzfassung

Auf einen Blick

Quellen geprüft am 26.10.2026

Halbwertszeit im Blut
~5 Stunden

nach Infusion bei 7 Freiwilligen, im Mittel 5,25 Stunden10

Aufnahme beim Schlucken
~72 %

absolute Bioverfügbarkeit einer Trinklösung, 16 Gesunde (72,3 %)11

Richtige Antworten im Gedächtnistest
+7 %

einmalige Einnahme, 26 Gesunde, gegenüber Placebo5

Delir nach Operation mit Infusion
7,3 %

gegenüber 24,2 % ohne Methylenblau, 248 ältere Menschen, offene Studie13

  • Methylenblau (Methylthioniniumchlorid) ist ein alter Farbstoff und ein zugelassener Wirkstoff: als Injektion gegen Methämoglobinämie, in der EU seit 2011 und in den USA seit 2016.1820
  • In den Mitochondrien kann es Elektronen an einem geschwächten Komplex I vorbei weiterreichen. Bei Ratten verbesserte es das Gedächtnis und steigerte den Sauerstoffverbrauch im Hirn.31
  • Am Menschen sind die Daten klein: Eine einmalige Einnahme steigerte bei 26 Gesunden die richtigen Antworten im Gedächtnistest um 7 Prozent. Bei bipolarer Störung sanken Depressions- und Angstwerte.56
  • Methylenblau hemmt das Enzym MAO-A stark. Zusammen mit Serotonin-Mitteln wie SSRI warnt die Fachinformation vor einem Serotonin-Syndrom.1220
  • Die Zulassung gilt der Injektion und nicht dieser Tablette. Alles hier beschreibt den Forschungsstand und ist keine Empfehlung.1817
Steckbrief

Stand Juni 2026

Wie lange bleibt es im Körper?

Anteil nach einer Gabe, gerechnet mit ~5 Stunden Halbwertszeit

Halbwertszeit ~5 Stunden
Nach 10 Stunden noch 25 %
Stunde 5 · 50 %Stunde 10 · 25 %Stunde 15 · 12,5 %Stunde 25 · 3,1 %

Vereinfachtes Modell ohne Aufnahmephase, Halbwertszeit aus dem TPD-Lexikon.

Klasse
Phenothiazin-Farbstoff / Redox-Modulator
Anwendung
Oral

Tablette, schlucken oder sublingual

Halbwertszeit
rund 5 Stunden
Status
Klinisch zugelassen

Methämoglobinämie, Forschung für Cognition

Größen
20 mg

1 Größe im Shop

Inhalt 15 Abschnitte
  1. Auf einen Blick
  2. Was ist Methylene Blue?
  3. Wie es wirkt
  4. Einnahme
  5. Dosierung
  6. Hormesis - warum mehr nicht besser ist
  7. Was die Forschung zeigt
  8. Studienlage
  9. Wichtige Wechselwirkung mit Antidepressiva
  10. Nebenwirkungen
  11. Lagerung
  12. Verwandte Wirkstoffe
  13. Häufige Fragen
  14. Begriffe
  15. Quellen

Was ist Methylene Blue?

Methylene Blue (Methylenblau) ist eines der ältesten synthetischen Pharmaka überhaupt - 1876 vom deutschen Chemiker Heinrich Caro entwickelt, ursprünglich als Textil-Farbstoff. Wenig später wurde es das erste vollständig synthetische Medikament gegen Malaria und ist bis heute klinisch zugelassen zur Behandlung von Methämoglobinämie.

Seit den 2010ern erlebt es eine Renaissance in der Forschung - als Mitochondrien-Booster, Cognition-Compound und Antioxidans im niedrigen Dosisbereich. Wir führen es als orale Tablette mit 20mg pro Stück. Pharmazeutische Reinheit (USP-Grade) ist Pflicht, Industrie-Methylenblau enthält Schwermetall-Verunreinigungen und ist nicht für die orale Anwendung geeignet.

Vergleich

Mitochondrien im Lexikon

Welche Einträge an den Mitochondrien ansetzen und wie, so wie im TPD-Lexikon beschrieben. Ein Klick öffnet den Eintrag.

Vereinfacht: Methylenblau reicht Elektronen in der Atmungskette weiter, die anderen Einträge setzen an Membran, Coenzym oder Signalweg an. Als Kombination ist nichts davon am Menschen untersucht. 3

Wie es wirkt

Methylene Blue ist ein Redox-Modulator. In den Mitochondrien dient es als alternativer Elektronen-Träger: wenn Komplex I der Atmungskette geschwächt ist - typisch bei oxidativem Stress oder im Alter - übernimmt MB und liefert die Elektronen direkt an Komplex III. Die ATP-Produktion läuft weiter, die Zelle bleibt energetisch versorgt.

Zusätzlich wirkt es als Stickstoffmonoxid-Synthase-Inhibitor und als Antioxidans im niedrigen Dosisbereich. Bei höheren Dosen kippt der Effekt - das Molekül wird selbst zum Pro-Oxidans. Daher die enge therapeutische Breite, die jede sinnvolle Anwendung definiert.

Wirkorte

Wo Methylenblau im Körper wirkt

Punkt oder Karte antippen. Farbe = Ansatzpunkt, grau = beobachtet.

  1. Gehirn

    Hemmt MAO-A, das Enzym für den Abbau von Serotonin (gereinigtes menschliches Enzym)12

    MAO-A
  2. Blut und Gefäße

    Hemmt laut ChEMBL die lösliche Guanylatzyklase, als Injektion zugelassen gegen Methämoglobinämie17

    sGC
  3. Darm

    Tabletten mit verzögerter Freisetzung färben die Darmschleimhaut an, mehr Adenome wurden entdeckt14

    In Studien beobachtet
  4. Leber

    Nach Gabe in den Darm mehr Wirkstoff in Darmwand und Leber, weniger in Blut und Hirn (Ratte)10

    In Studien beobachtet
  5. Nieren

    Rund 18 Prozent nach dem Schlucken und 28 Prozent nach Infusion im Urin, daher die Verfärbung10

    In Studien beobachtet

Ziele in der Datenbank ChEMBL17

Wirkstoff ChEMBL CHEMBL405110: zwei erfasste Mechanismen, Art der Wirkung je Karte.

Lösliche Guanylatzyklase
Gen
GUCY1A1, GUCY1B1
UniProt
Q02108, Q02153
ChEMBL
CHEMBL2111348
Wirkung
Hemmer, Mechanismus laut ChEMBL
Monoaminoxidase A
Gen
MAOA
UniProt
P21397
ChEMBL
CHEMBL1951
Wirkung
Hemmer, im Enzymversuch
Durchsichtiges blaues Mitochondrium mit gefalteter Innenmembran, darin zwei Methylenblau-Moleküle aus blauen Kugeln mit leuchtenden Lichtpunkten dazwischen
Symbolbild.

Einnahme

Zwei Wege - du wählst was zu deinem Alltag passt:

  • Schlucken: Tablette mit etwas Wasser, löst sich im Magen auf. Langsamerer Wirkungseintritt, dafür kein blau gefärbter Mund.
  • Sublingual: Tablette unter der Zunge auflösen lassen. Schnellerer Onset und höhere Bioverfügbarkeit, weil der First-Pass-Metabolismus in der Leber übersprungen wird. Dafür färbt sich der Mund vorübergehend deutlich blau.

Beide Wege wirken systemisch. Einnahme einmal täglich, idealerweise morgens - Methylene Blue wirkt leicht stimulierend und kann den Schlaf stören wenn abends genommen.

Weiße Tablettendose mit schwarzem TPD-Etikett, davor vier blaue Tabletten, daneben ein Glas Wasser auf einem hellen Tisch
Mit etwas Wasser schlucken oder unter der Zunge zergehen lassen. Symbolbild.

Dosierung

Dosierung

Dosierung, Titrationsplan und Spritze

Die Dosierung wird geladen …

  • Einstieg und Steigerung als Treppe
  • Einheiten auf der U-100-Spritze je Stufe
  • Wie lange ein Vial reicht

Hormesis - warum mehr nicht besser ist

Methylene Blue folgt einer klassischen umgekehrt U-förmigen Dosis-Wirkungs-Kurve. Im niedrigen Bereich wirkt es als Pro-Energetikum und Antioxidans. Ab einem bestimmten Schwellwert kippt die Wirkung - das Molekül wird selbst zum Pro-Oxidans und kann mehr Schaden anrichten als nutzen.

Die harte Faustregel: bleib unter 0,5 mg pro kg Körpergewicht. Mehr ist hier definitiv nicht besser. Das ist nicht nur eine Vorsichtsregel, sondern direkt im Mechanismus angelegt.

Was die Forschung zeigt

Methylene Blue gehört zu den ältesten und am intensivsten untersuchten Pharmaka überhaupt. In der modernen Forschung wird es in drei Hauptrichtungen erforscht:

  • Mitochondrien-Booster: alternative Elektronen-Quelle in der Atmungskette wenn Komplex I geschwächt ist (Tucker et al., 2018).
  • Neuroprotektivum: in Tiermodellen verbessert MB das Gedächtnis und schützt vor oxidativem Stress in Hirnzellen (Riha et al., 2005; Rojas et al., 2012).
  • Tau-Aggregations-Inhibitor: Methylthioninium, der Wirkstoff von Methylenblau, wurde in einer explorativen Phase-2-Studie bei Alzheimer getestet (Wischik et al., 2015).

Die Datenlage zu niedrigdosiertem MB bei gesunden Erwachsenen ist deutlich kleiner als die zu klinischen Anwendungen. Vieles ist Erfahrungswissen aus der Biohacker-Community plus belastbare präklinische Mechanismus-Daten.

Studienergebnisse

Was die Studien gemessen haben

Zum Ausprobieren: Reiter wechseln, Punkte antippen, Arme aus- und einblenden. Die Arme heißen relativ zueinander, keine Dosisempfehlung.

Richtige Antworten beim Abrufen5

Einmalige Einnahme, 26 Gesunde, Messung eine Stunde danach im MRT

Richtige Antworten5 Kurzzeitgedächtnis, gegenüber Placebo
Mit Methylenblau 7 %

Zuwachs laut Abstract. Dazu mehr Aktivität in Hirnregionen für Aufmerksamkeit und Kurzzeitgedächtnis. Eine kleine Studie mit einer einzigen Gabe.

Verwirrtheit und Denkstörungen nach der Operation13

248 ältere Menschen, offene Studie, Methylenblau als Infusion während der Narkose

Delir13 nach der Operation
Ohne Methylenblau (Kochsalzlösung) 24,2 %
Mit Methylenblau 7,3 %
Denkstörung13 am 7. Tag nach der Operation
Ohne Methylenblau (Kochsalzlösung) 40,2 %
Mit Methylenblau 16,1 %

Anteil der Betroffenen je Gruppe. Gabe in die Vene, nicht als Tablette. Nebenwirkungen waren in beiden Gruppen vergleichbar.

Abstand zu Placebo nach 24 Wochen4

Methylthioninium als Kapsel, 321 Menschen mit leichter oder mittelschwerer Alzheimer-Krankheit

Denkleistung (ADAS-cog)4 mittelschwere Erkrankung, weniger Punkte = besser
Mittlere Studiendosis -5,42 Punkte

Behandlungseffekt laut Abstract. Bei leichter Erkrankung zeigte sich der Effekt in der Hirndurchblutung (+1,97 Prozent). Die höchste Studiendosis wurde schlecht aufgenommen. Spätere Studien mit LMTM betreffen einen anderen Stoff.

Edelstahlregal mit gestapelten Petrischalen voller blauer Flüssigkeit, in der Mitte ein durchsichtiges Modell eines Mitochondriums
Symbolbild.

Forschungsstand

Studienlage

Registrierte Studien mit Methylenblau zu Gedächtnis, Denken, Stimmung und Mitochondrien, dazu die große Phase-3-Studie mit Tabletten. Nicht gelistet sind Studien zu LMTM (einem anderen Stoff) sowie zu Farbmarkierung bei Operationen, Sepsis und Schock. Stand 26.10.2026. 16

  1. Präklinik Ratten: besseres Gedächtnis, mehr Sauerstoffverbrauch im Hirn
  2. Phase 1 1 Studie, 1 abgeschlossen
  3. Phase 2 4 Studien, 4 abgeschlossen
  4. Phase 3 2 Studien, 2 abgeschlossen
  5. Zulassung als Injektion, EU seit 2011
1.289 Teilnehmende in Phase 3 Bei laufenden Studien geplante Zahlen Zugelassen als Injektion gegen Methämoglobinämie, in der EU seit 2011 und in den USA seit 2016. Als Tablette ist in der EU seit 2020 nur eine Form mit verzögerter Freisetzung zugelassen, die vor einer Darmspiegelung die Darmschleimhaut anfärbt. Für Gedächtnis oder Stimmung gibt es keine Zulassung.18
Alle 9 Studien aus Phase 2, 3 und ohne Phase im ZeitverlaufZeitverlauf ausblenden 9 abgeschlossen 0 laufend 6 mit Ergebnissen
Phase 2
Phase 3
Ohne Phase

Balken: Start bis Hauptendpunkt (bei laufenden Studien geplant). Grün = abgeschlossen, blau = Fortschritt bis 26.10.2026. Phase 1: 1 Studie zu Verträglichkeit und Pharmakokinetik, nicht als Balken gezeigt.

Wichtige Wechselwirkung mit Antidepressiva

Methylene Blue ist ein potenter MAO-Inhibitor. Die Kombination mit SSRI, SNRI, MAOI oder anderen serotonergen Substanzen kann ein Serotonin-Syndrom auslösen - das ist ein medizinischer Notfall, kein theoretisches Risiko.

Die US-Fachinformation trägt dazu einen Warnkasten: Zusammen mit SSRI, SNRI, MAO-Hemmern oder Opioiden kann Methylenblau ein schweres, auch tödliches Serotonin-Syndrom auslösen.

Wer aktuell Antidepressiva nimmt oder in den letzten Wochen abgesetzt hat: Methylene Blue strikt meiden. Diese Kombination ist nicht verhandelbar.

Nebenwirkungen

  • Blaue Färbung: Mund (bei sublingualer Einnahme) und Urin verfärben sich blau. Harmlos, normal, verschwindet nach 12-24 Stunden.
  • Gelegentlich leichte Übelkeit oder Kopfschmerzen, vor allem bei zu schnellem Hochdosieren.
  • Bei zu hoher Dosis (über 0,5 mg/kg KG): Wirkung kippt in Pro-Oxidans - das genaue Gegenteil des erwünschten Effekts.
  • G6PD-Mangel: Bei einem Mangel des Enzyms G6PD darf Methylenblau laut Fachinformation nicht verwendet werden, es kann rote Blutkörperchen zerstören (hämolytische Anämie).

Verträglichkeit

Beschwerden bei täglicher Einnahme

Von 100 Teilnehmenden je Gruppe: wie viele das Ereignis über 12 Wochen hatten.

16 von 100 Placebo
32 von 100 Mit Methylenblau
Ereignis PlaceboMit Methylenblau
Häufiger Harndrang15 16 %32 %
Reizung der Blase15 2 %26 %
Übelkeit oder Erbrechen15 11 %26 %
Beinkrämpfe15 4 %24 %
Durchfall15 24 %10 %
Blauer oder orangefarbener Urin15 84 %94 %

Eigene Zusammenfassung der Registerdaten: 50 Personen mit Methylenblau, 45 mit Placebo (je eine Person mit Alzheimer nicht mitgezählt). Das Placebo enthielt einen blauen Lebensmittelfarbstoff. Beide Gruppen bekamen zusätzlich einen Stoff, der den Urin färbt. Schwere Nebenwirkungen meldete keine Gruppe.15

Lagerung

Trocken, kühl und vor Licht geschützt lagern - Methylene Blue ist lichtempfindlich. Originalbehälter verschlossen halten, außerhalb der Reichweite von Kindern.

Drei weiße Tablettendosen und ein gefaltetes hellblaues Handtuch auf einem weißen Regal
Trocken, kühl und vor Licht geschützt im verschlossenen Originalbehälter. Symbolbild.

Verwandt

Verwandte Wirkstoffe

Gleiche Ansatzpunkte oder ein anderer Weg: alles im TPD-Lexikon.

FAQ

Häufige Fragen zu Methylene Blue

Kurze Antworten, jede mit den Quellen unten belegt.

Ist Methylenblau zugelassen?

Ja, als Wirkstoff. Als Injektion gegen Methämoglobinämie ist es in der EU seit 2011 und in den USA seit 2016 zugelassen, ChEMBL führt es mit höchster Phase 4. In der EU gibt es seit 2020 zusätzlich Tabletten mit verzögerter Freisetzung, die vor einer Darmspiegelung die Darmschleimhaut anfärben. Für Gedächtnis, Stimmung oder Energie ist Methylenblau nirgends zugelassen.18201719

Wie wirkt Methylenblau in den Mitochondrien?

Es kann Elektronen aufnehmen und wieder abgeben. Laut einer Übersichtsarbeit leitet es Elektronen von NADH direkt zu Cytochrom c weiter, also an einem geschwächten Komplex I vorbei. Dadurch steigt die Aktivität von Komplex IV. In niedriger Menge wirkt es antioxidativ, in hoher Menge kehrt sich die Wirkung um.32

Was zeigen Studien am Menschen zu Gedächtnis und Stimmung?

Bei 26 Gesunden steigerte eine einmalige Einnahme die richtigen Antworten beim Abrufen um 7 Prozent. Bei 37 Menschen mit bipolarer Störung sanken Depressions- und Angstwerte gegenüber einer sehr niedrigen Vergleichsdosis, die Denkleistung änderte sich nicht deutlich. Bei Platzangst und PTBS verbesserte Methylenblau nach einer Konfrontationsübung teils den Lernerfolg. Alle diese Studien sind klein.5687

Ist Methylenblau dasselbe wie LMTM aus den Alzheimer-Studien?

Nein. Die frühe Phase-2-Studie bei Alzheimer prüfte Methylthioninium, den Wirkstoff von Methylenblau, als Kapsel. In der mittleren Studiendosis schnitten Menschen mit mittelschwerer Erkrankung nach 24 Wochen besser ab, die höchste Dosis wurde schlecht aufgenommen. Spätere Studien nutzten LMTM (Leuko-Methylthioninium, auch Hydromethylthionin), einen anderen Stoff. Deren Ergebnisse gelten nicht für Methylenblau.416

Warum ist die Kombination mit Antidepressiva gefährlich?

Methylenblau hemmt stark das Enzym MAO-A, das Serotonin abbaut. Zusammen mit SSRI, SNRI oder MAO-Hemmern kann sich Serotonin anstauen. Die Fachinformation der Injektion warnt deshalb in einem Warnkasten vor einem schweren oder tödlichen Serotonin-Syndrom, auch zusammen mit Opioiden. Der Eintrag rät bei Antidepressiva strikt ab.1220

Welche Nebenwirkungen sind bekannt?

Bei täglicher Einnahme über 12 Wochen meldeten mehr Personen mit Methylenblau als mit Placebo Harndrang, Reizung der Blase, Übelkeit und Beinkrämpfe. Schwere Nebenwirkungen gab es keine. Laut EMA zählen Schwindel, Kribbeln, Geschmacksstörungen, Übelkeit, Hautverfärbung, Schwitzen und verfärbter Urin zu den häufigsten Nebenwirkungen der Injektion. Bei G6PD-Mangel darf der Wirkstoff nicht gegeben werden.1518

Wie gut wird die Tablette aufgenommen?

Als Trinklösung gelangten bei 16 Gesunden im Mittel rund 72 Prozent ins Blut. Eine ältere Studie fand nach dem Schlucken deutlich weniger im Vollblut als nach einer Infusion. Im Tierversuch reicherte sich der Wirkstoff dann eher in Darmwand und Leber an. Die Halbwertszeit lag dort bei rund 5 Stunden, die Fachinformation der Injektion nennt rund 24 Stunden.111020

Glossar

Begriffe kurz erklärt

Gepunktet unterstrichene Wörter im Text zeigen diese Erklärungen direkt an.

Antioxidans
Stoff, der aggressive Sauerstoff-Verbindungen abfängt und Zellen vor oxidativem Stress schützt.
Atmungskette
Folge von Enzymkomplexen in den Mitochondrien, die Elektronen weiterreichen und so Energie (ATP) gewinnen.
Bioverfügbarkeit
Anteil eines Wirkstoffs, der unverändert im Blut ankommt.
First-Pass-Effekt
Abbau eines geschluckten Wirkstoffs in Darmwand und Leber, bevor er den Körperkreislauf erreicht.
Hormesis
Wenig eines Stoffes wirkt anders als viel davon, oft sogar umgekehrt (umgekehrte U-Kurve).
Komplex I
Erster Enzymkomplex der Atmungskette. Er nimmt Elektronen von NADH auf.
MAO-Hemmer
Stoff, der Monoaminoxidasen hemmt. Diese Enzyme bauen Botenstoffe wie Serotonin ab.
Methämoglobinämie
Zu viel Methämoglobin im Blut, eine Form des roten Blutfarbstoffs, die keinen Sauerstoff tragen kann.
Redox-Modulator
Stoff, der Elektronen aufnehmen und wieder abgeben kann. So beeinflusst er Oxidation und Reduktion in der Zelle.
Serotonin-Syndrom
Gefährlicher Überschuss an Serotonin mit Unruhe, Fieber, Muskelzucken und Herzrasen. Ein medizinischer Notfall.
SSRI
Selektive Serotonin-Wiederaufnahmehemmer, eine häufige Gruppe von Antidepressiva.

Evidenz

Quellen

Alle 20 Quellen anzeigenQuellen ausblenden 14 Studien2 Studienregister4 Datenbank geprüft am 26.10.2026

Studien

  1. Methylenblau und Gedächtnis bei Ratten: Wirkung je nach Menge

    Riha et al., European Journal of Pharmacology, 2005

    Geprüft am 26.10.2026 über doi.org, Crossref, PubMed
  2. Übersicht: Stoffwechsel im Hirn, Gedächtnis und Nervenschutz

    Rojas et al., Progress in Neurobiology, 2012

    Geprüft am 26.10.2026 über doi.org, Crossref, PubMed
  3. Übersicht: von den Mitochondrien zum Nervenschutz

    Tucker et al., Molecular Neurobiology, 2018

    Geprüft am 26.10.2026 über doi.org, Crossref, PubMed
  4. Phase-2-Studie mit Methylthioninium bei Alzheimer

    Wischik et al., Journal of Alzheimer's Disease, 2015

    Geprüft am 26.10.2026 über doi.org, Crossref, PubMed
  5. Gedächtnis und Hirnaktivität im MRT nach einmaliger Einnahme

    Rodriguez et al., Radiology, 2016

    Geprüft am 26.10.2026 über doi.org, Crossref, PubMed
  6. Überkreuz-Studie bei bipolarer Störung

    Alda et al., British Journal of Psychiatry, 2017

    Geprüft am 26.10.2026 über doi.org, Crossref, PubMed
  7. Konfrontationstherapie mit Methylenblau bei PTBS

    Zoellner et al., Journal of Clinical Psychiatry, 2017

    Geprüft am 26.10.2026 über doi.org, Crossref, PubMed
  8. Methylenblau nach Übungen gegen Platzangst

    Telch et al., American Journal of Psychiatry, 2014

    Geprüft am 26.10.2026 über doi.org, Crossref, PubMed
  9. Zweijährige Überkreuz-Studie bei bipolarer Störung

    Naylor et al., Biological Psychiatry, 1986

    Geprüft am 26.10.2026 über doi.org, Crossref, PubMed
  10. Verteilung im Körper nach Infusion und nach dem Schlucken

    Peter et al., European Journal of Clinical Pharmacology, 2000

    Geprüft am 26.10.2026 über doi.org, Crossref, PubMed
  11. Hohe Aufnahme als Trinklösung

    Walter-Sack et al., European Journal of Clinical Pharmacology, 2009

    Geprüft am 26.10.2026 über doi.org, Crossref, PubMed
  12. Methylenblau hemmt MAO-A: Erklärung für das Serotonin-Syndrom

    Ramsay et al., British Journal of Pharmacology, 2007

    Geprüft am 26.10.2026 über doi.org, Crossref, PubMed
  13. Infusion während der Narkose gegen Delir bei Älteren

    Deng et al., Journal of Clinical Anesthesia, 2021

    Geprüft am 26.10.2026 über doi.org, Crossref, PubMed
  14. Phase-3-Studie mit Tabletten zum Anfärben des Darms

    Repici et al., Gastroenterology, 2019

    Geprüft am 26.10.2026 über doi.org, Crossref, PubMed

Studienregister

  1. Registerergebnisse: tägliche Einnahme über 12 Wochen

    ClinicalTrials.gov, NCT02380573, University of Texas Health Science Center at San Antonio

    Geprüft am 26.10.2026 über ClinicalTrials.gov API v2
  2. Alle Studien im Register ClinicalTrials.gov

    ClinicalTrials.gov, U.S. National Library of Medicine

    Geprüft am 26.10.2026 über ClinicalTrials.gov API v2

Datenbank

  1. Wirkmechanismus, Ziele und Zulassungsstand in ChEMBL

    ChEMBL, EMBL-EBI (CHEMBL405110)

    Geprüft am 26.10.2026 über ChEMBL
  2. EU-Zulassung der Injektion gegen Methämoglobinämie

    European Medicines Agency, EPAR EMEA/H/C/002108

    Geprüft am 26.10.2026 über EMA
  3. EU-Zulassung der Tabletten für die Darmspiegelung

    European Medicines Agency, EPAR EMEA/H/C/002776

    Geprüft am 26.10.2026 über EMA
  4. US-Fachinformation der Injektion mit Warnkasten

    DailyMed, U.S. National Library of Medicine; Drugs@FDA NDA 204630 (2016)

    Geprüft am 26.10.2026 über openFDA, DailyMed

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