Diese Information dient ausschließlich Forschungs- und Bildungszwecken. Keine medizinischen Empfehlungen. Produkte sind nicht zur Anwendung am Menschen freigegeben. Konsultiere bei gesundheitlichen Fragen einen Arzt.

Lexikon

Thymulin

Das zinkabhängige Thymus-Hormon aus neun Aminosäuren, das T-Zellen reifen lässt und überschießende Entzündung eher dämpft, mit alten Humandaten und frischer Tierforschung.

10 Min. Lesezeit 6 Quellen

Thymulin, Produktfoto

Steckbrief

Stand Oktober 2026

Klasse
Thymus-Hormon, zinkabhängiges Nonapeptid (Zink-Thymulin, FTS-Zn)
Anwendung
Subkutan, 2 bis 3x pro Woche in Phasen
Halbwertszeit
sehr kurz, für das freie Peptid werden rund 10 Minuten angegeben
Status
Kleine Humanstudien aus den 1980ern, aktuell vor allem Tierforschung, nicht zugelassen
Form
Lyophilisat (Pulver, 20 mg), mit BAC-Wasser rekonstituiert
Frequenz
Alle 2 bis 3 Tage, Phasen von 4 bis 8 Wochen
Inhalt 12 Abschnitte
  1. Rechner
  2. Titration
  3. Was ist Thymulin?
  4. Wie es wirkt
  5. Was du brauchst
  6. Rekonstitution
  7. Injektion
  8. Anwendung und Dosierung
  9. Was die Forschung zeigt
  10. Nebenwirkungen
  11. Lagerung
  12. Quellen

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Was ist Thymulin?

Thymulin ist ein körpereigenes Hormon des Thymus, also der Drüse hinter dem Brustbein, in der T-Zellen ihre Ausbildung bekommen. Es besteht aus nur neun Aminosäuren und wird ausschließlich von den Epithelzellen des Thymus gebildet. Entdeckt wurde es Anfang der 1970er von der Gruppe um Bach und Dardenne in Paris, zuerst unter dem Namen FTS (facteur thymique sérique, Serum-Thymusfaktor). Erst später fiel auf, dass das Peptid allein nichts tut: Biologisch aktiv ist es nur, wenn es ein Zink-Ion gebunden hat. Daher der Name Zink-Thymulin oder FTS-Zn.

Der Thymus bildet sich mit dem Alter zurück. Mit ihm sinkt der Thymulin-Spiegel im Blut. Am höchsten ist er bei Kindern zwischen 5 und 10 Jahren, ab der Jugend sinkt er bis etwa Mitte 30 und bleibt dann niedrig (Consolini 2000). Auch Zinkmangel, Immunschwächen und Autoimmunerkrankungen gehen mit niedrigen Werten einher. Im Forschungskontext wird Thymulin deshalb als Signal verstanden, das einem alternden oder aus dem Takt geratenen Immunsystem fehlt.

Geliefert wird es als gefriergetrocknetes Pulver im 20-mg-Vial, das du mit bakteriostatischem Wasser auflöst und subkutan spritzt. Thymulin ist nirgends als Arzneimittel zugelassen. Die Humandaten stammen aus kleinen Studien der 1980er, darunter zwei placebokontrollierte Studien bei rheumatoider Arthritis, die aktuelle Forschung läuft an Tieren und Zellen.

Diese Information dient ausschließlich Forschungs- und Bildungszwecken. Keine medizinischen Empfehlungen.

Wie es wirkt

Die klassische Rolle von Thymulin ist die Reifung von T-Zellen: Es fördert die Differenzierung unreifer Vorläufer und unterstützt mehrere Funktionen der T-Zell-Untergruppen, im Thymus selbst und außerhalb. Auffällig ist dabei, dass es nicht einfach alles hochfährt. In Zellversuchen hing die Richtung des Effekts von der Konzentration und vom Ausgangszustand ab: In Blutzellen gesunder Spender steigerte eine niedrige Konzentration den Botenstoff IL-1 alpha, in Zellen von Patienten mit aktivem Lupus senkte sie ihn (Safieh-Garabedian 1993). Die NK-Zell-Aktivität stieg bei sehr niedriger Konzentration und sank bei höherer (Dokhelar 1983). Studien deuten darauf hin, dass Thymulin eher in Richtung Gleichgewicht schiebt als in eine feste Richtung.

Der zweite Wirkpfad ist entzündungshemmend. Thymulin bremst den Transkriptionsfaktor NF-kB, den zentralen Schalter für Entzündungsgene. Damit senkt es die Produktion von IL-1, IL-6 und TNF-alpha in Immunzellen. Genau das zeigte die Arbeit von Kanemaru 2026 an alternden Myeloidzellen von Mäusen und älteren menschlichen Spendern. Dazu kommen Daten an Ratten, nach denen Thymulin in Mikrogramm-Dosen Entzündungsschmerz und die dazugehörigen Zytokine senkt (Dardenne 2006).

Die Zinkabhängigkeit ist kein Detail. Dardenne zeigte 1982, dass das synthetische Peptid im Bioassay erst mit gebundenem Zink wirkt. Bei Zinkmangel sinkt deshalb die messbare Thymulin-Aktivität im Blut. Zinkgabe stellt sie wieder her, auch im Reagenzglas: Das Peptid kreist dann zum Teil ohne Zink und inaktiv (Prasad 1988). In den Tierstudien wurde das Peptid darum als Zink-Komplex eingesetzt, meist mit einer äquimolaren Menge Zinkchlorid. Die Daten deuten darauf hin, dass ein ausreichender Zinkstatus die Grundlage ist, auf der Thymulin überhaupt arbeiten kann.

Dazu kommt ein dritter Strang: Thymulin wirkt auch auf die Hormonachse. Seine Bildung wird unter anderem von Wachstumshormon, Prolaktin und Schilddrüsenhormonen gesteuert. Umgekehrt stimuliert es in Tier- und Zellversuchen die Ausschüttung von Hypophysenhormonen wie LH, Prolaktin und ACTH. Übersichtsarbeiten der Gruppe um Goya und Dardenne beschreiben Thymulin deshalb als Bindeglied zwischen Thymus und Hypophyse.

Was du brauchst

Die Liste ist dieselbe wie bei den anderen Vial-Peptiden:

  • Das Thymulin-Vial mit dem gefriergetrockneten Pulver (20 mg)
  • Bakteriostatisches Wasser zum Auflösen
  • U-100-Insulinspritzen
  • Alkoholtupfer für den Vial-Deckel und die Hautstelle
  • Einen verschließbaren Behälter für gebrauchte Nadeln

Weil die Dosen klein sind (0,3 bis 0,5 mg aus einem 20-mg-Vial), lohnt sich eine Spritze mit feiner Skala. Dann lassen sich 3 oder 5 Einheiten sauber ablesen. Mehr Ausrüstung braucht es nicht.

Rekonstitution

Das Pulver wird mit bakteriostatischem Wasser aufgelöst. Die Wassermenge bestimmt die Konzentration und damit die Einheiten, die du für deine Dosis aufziehst. Mit 2 ml auf 20 mg ergeben sich 10 mg pro ml, 0,3 mg sind dann 3 Einheiten und 0,5 mg sind 5 Einheiten auf der U-100-Spritze.

Der Rechner oben rechnet dir das für jede Wassermenge durch: Vial-Größe und Wasser wählen, Konzentration und Einheiten pro Dosis stehen sofort da. Bei diesen Dosen sind 2 ml die beste Wahl, weil jede Stufe auf vollen Einheiten landet (3 und 5). Mit 1 ml wird die Dosis winzig und schwer abzulesen, mit 3 ml liegen 0,3 und 0,5 mg zwischen zwei Strichen.

Das BAC-Wasser einfach ins Vial geben, es ist egal, ob es direkt aufs Pulver trifft. Danach schwenken oder schütteln, bis alles klar gelöst ist, beides ist in Ordnung. Ein 20-mg-Vial reicht bei 0,5 mg dreimal pro Woche für rund 13 Wochen, also deutlich länger als eine Phase.

Injektion

Gespritzt wird subkutan ins Unterhautfettgewebe, klassisch in den Bauch (rund um den Nabel zwei Finger breit aussparen), die Vorderseite des Oberschenkels oder die Rückseite des Oberarms. Die frühen Humanstudien bei Kindern und Krebspatienten liefen intravenös, für die Selbstanwendung ist subkutan der übliche und deutlich einfachere Weg.

  • Hautstelle mit einem Alkoholtupfer reinigen und kurz trocknen lassen
  • Eine kleine Hautfalte abheben
  • Die Nadel im Winkel von 45 bis 90 Grad einstechen
  • Injizieren, langsam oder zügig ist beides okay, kurz warten, dann die Nadel zurückziehen
  • Die Nadel sofort in den Sammelbehälter geben

Einstichstelle von Gabe zu Gabe wechseln. Lokale Reaktionen sind bei Peptiden die häufigste Nebenwirkung, ein sauberer Einstich und Stellenwechsel halten das klein.

Anwendung und Dosierung

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Was die Forschung zeigt

Die Grundlagen sind alt und solide: Dardenne 1982 zeigte in PNAS, dass das synthetische Nonapeptid erst mit gebundenem Zink biologisch aktiv wird. Die ersten Humanversuche folgten direkt. Bordigoni 1982 behandelte im Lancet drei Kinder mit IgA- und IgE-Mangel und T-Zell-Defekten intravenös mit synthetischem FTS: Infektionen wurden seltener und milder, Serum-IgA erschien bei zwei Kindern innerhalb von 4 Wochen erstmals, Impfantikörper stiegen. Als die Behandlung pausierte, ging die Besserung zurück. Dokhelar 1983 gab vier Krebspatienten 10 mcg pro kg intravenös alle drei Tage und sah, dass niedrige NK-Zell-Aktivität anstieg und normale bis hohe absank, also eine Normalisierung statt einer Steigerung um jeden Preis. Bei rheumatoider Arthritis folgten eine offene Studie und zwei randomisierte, placebokontrollierte Doppelblindstudien (Amor 1987): Verglichen wurden 1, 5 und 10 mg pro Tag, mit 5 mg besserte sich der Zustand bei 56 Prozent der Patienten gegen 17 Prozent unter Placebo, bei geringen Nebenwirkungen und ohne klare Veränderung der Immunwerte. Zu einer Zulassung führte das nicht.

Die Schmerz- und Entzündungsforschung an Ratten (Übersicht Dardenne 2006) brachte den zweiten Strang und eine wichtige Nuance: Winzige Nanogramm-Dosen lösten über Prostaglandin E2 eine Überempfindlichkeit aus, systemische 1 bis 25 mcg senkten dagegen Entzündungsschmerz und Zytokine. Auch bei Entzündung direkt im Gehirn wirkte eine Vorbehandlung mit Thymulin schützend. Ein Analog ohne den Nanogramm-Effekt (PAT) wirkte in diesen Modellen so stark wie gängige Entzündungshemmer oder stärker. Dafür reichte eine deutlich niedrigere Dosis. Nasseri 2019 bestätigte den entzündungshemmenden Effekt im Rattenmodell über 21 Tage und fand weniger Mikroglia-Aktivierung im Rückenmark.

Novoselova 2018 behandelte Mäuse mit chronischer Endotoxin-Entzündung: zwei Gaben von 1,5 mg pro kg senkten Fieber, Zytokine und den Zelltod von Lymphozyten, an Nanopartikel gebunden wirkte es in mehreren Punkten stärker, die Autoren begründen das mit der Halbwertszeit des freien Peptids von rund 10 Minuten. Die aktuellste Arbeit ist Kanemaru 2026 in Nature Communications: Thymulin wurde als einer der Faktoren im Blut junger Mäuse identifiziert, die die Entzündungsneigung alter Myeloidzellen bremsen. Tägliche Gaben von 1,5 mg pro kg senkten bei alten Mäusen schon nach einer Woche den Anteil entzündlich aktiver Myeloidzellen, in Zellversuchen lief das über eine Hemmung von NF-kB. In Tumormodellen über vier Wochen bremste Thymulin das Wachstum, verbesserte die T-Zell-Antwort und das Überleben und machte Tumoren empfindlicher für Anti-PD-L1. Das zeigte sich bei alten Tieren, bei jungen kaum. Blutzellen älterer menschlicher Spender reagierten im Labor genauso. Parallel laufen Versuche mit Gentherapie, bei denen Mäuse das Peptid selbst bilden, etwa im Asthmamodell.

Die Einordnung muss ehrlich bleiben: Die Mechanismen sind gut belegt, die Humandaten sind rund 40 Jahre alt, umfassen wenige Patienten und stammen ausschließlich von Kranken (Immunschwäche, Krebs, Arthritis). Was Thymulin bei gesunden Erwachsenen bewirkt, hat nie jemand kontrolliert untersucht. Die Studien mit Links findest du unten im Quellenblock.

Nebenwirkungen

In den kleinen Humanstudien der 1980er wurde Thymulin als gut verträglich beschrieben, in den Arthritis-Studien mit bis zu 10 mg am Tag waren die Nebenwirkungen gering (Amor 1987). Bach und Dardenne nannten es 1989 ausdrücklich nicht toxisch. Umfangreiche Sicherheitsdaten am Menschen gibt es aber nicht, schon gar nicht für die Selbstanwendung bei Gesunden. Was realistisch zu erwarten ist, sind lokale Reaktionen an der Einstichstelle wie Rötung oder ein kleiner Knoten.

Die Tierdaten liefern zwei Hinweise, die du kennen solltest. Erstens: Bei Ratten lösten Nanogramm-Dosen eine Schmerzüberempfindlichkeit aus, erst Mikrogramm-Dosen wirkten entzündungshemmend (Dardenne 2006). Die Stufen oben liegen umgerechnet klar im Mikrogramm-pro-kg-Bereich, das Phänomen zeigt aber, dass die Dosis-Wirkung nicht linear ist. Zweitens: Thymulin moduliert, es steigert nicht blind. Bei Patienten mit normaler bis hoher NK-Aktivität sank diese unter der Behandlung (Dokhelar 1983). Wer ein ohnehin aktives Immunsystem hat, bekommt also nicht automatisch mehr.

Weil Thymulin immunmodulierend und in Tierversuchen auch hormonaktiv ist (Einfluss auf Prolaktin, LH, ACTH), ist Zurückhaltung sinnvoll bei Autoimmunerkrankungen, Krebsvorgeschichte, Schwangerschaft und bei allem, was die Hormonachse betrifft. Hier lohnt im Zweifel ärztlicher Rat. Langzeitdaten fehlen vollständig.

Lagerung

Das ungelöste Pulver ist robust, normale Raumtemperatur (rund 20 bis 25 Grad) reicht, am besten dunkel und trocken lagern. Für längere Zeit kann es auch in den Kühlschrank.

Sobald es aufgelöst ist, kommt die Lösung in den Kühlschrank (2 bis 8 Grad) und hält dort mehrere Monate nahezu ohne Wirkstoffverlust. Das bakteriostatische Wasser bringt einen Konservierungsstoff mit, der die gelöste Form stabil hält. Bei 0,5 mg dreimal pro Woche reicht ein 20-mg-Vial für rund 13 Wochen, die Lösung bleibt dafür lange genug brauchbar.

Nicht einfrieren und nicht in der Sonne liegen lassen. Eine leicht trübe Lösung ist weiter verwendbar, nur eine gelartige oder klumpige Lösung ist ein echter Mangel.

Evidenz

Quellen

  1. 1 DOI Zink macht das Peptid aktiv: ohne Zink verliert das Nonapeptid (FTS) im Bioassay seine Wirkung, Zinkzugabe stellt sie wieder her, andere Metalle nur teilweise; die Arbeit führte den Namen Thymulin (FTS-Zn) ein Dardenne et al., Proceedings of the National Academy of Sciences, 1982 Quelle öffnen
  2. 2 DOI Drei Kinder mit primärer Immunschwäche (IgA- und IgE-Mangel, T-Zell-Defekt) erhielten synthetisches FTS intravenös: weniger und mildere Infektionen, Serum-IgA erschien innerhalb von 4 Wochen, bei einer Unterbrechung ging die Besserung zurück Bordigoni et al., Lancet, 1982 Quelle öffnen
  3. 3 DOI NK-Zell-Aktivität beim Menschen: im Reagenzglas zweiphasig (sehr niedrige Konzentration steigert, höhere senkt), bei 4 Krebspatienten mit 10 mcg pro kg intravenös alle 3 Tage stieg niedrige NK-Aktivität an und normale bis hohe sank ab Dokhelar et al., International Journal of Immunopharmacology, 1983 Quelle öffnen
  4. 4 DOI Zwei randomisierte, placebokontrollierte Doppelblindstudien bei rheumatoider Arthritis mit synthetischem Thymulin (Nonathymulin) in 1, 5 oder 10 mg pro Tag: 5 mg wirkte am besten (Besserung bei 56 gegen 17 Prozent unter Placebo), Nebenwirkungen waren gering, die Immunwerte änderten sich nicht klar Amor et al., Annals of the Rheumatic Diseases, 1987 Quelle öffnen
  5. 5 DOI Übersicht der Schmerzforschung an Ratten: Nanogramm-Dosen lösen über Prostaglandin E2 eine Überempfindlichkeit aus, systemische 1 bis 25 mcg senken dagegen Entzündungsschmerz und Zytokine, ein Analog (PAT) wirkt ohne den Nanogramm-Effekt Dardenne et al., Annals of the New York Academy of Sciences, 2006 Quelle öffnen
  6. 6 DOI Alte Mäuse und Blutzellen älterer Spender: Thymulin bremst die entzündliche Zytokinproduktion alternder Myeloidzellen über NF-kB, verbesserte in Tumormodellen T-Zell-Antwort und Überleben und machte Tumoren altersabhängig empfindlicher für Anti-PD-L1 (1,5 mg pro kg täglich über 4 Wochen) Kanemaru et al., Nature Communications, 2026 Quelle öffnen

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