Was ist VIP Nasal?
VIP, das vasoaktive intestinale Peptid, ist ein körpereigener Botenstoff aus 28 Aminosäuren. Er wurde 1970 aus dem Dünndarm isoliert, kommt aber im ganzen Körper vor: in Nervenfasern des Darms, der Atemwege und der Nasenschleimhaut, im Gehirn und in Immunzellen. Strukturell gehört VIP in die Sekretin-Glukagon-Familie, sein nächster Verwandter ist PACAP. Als Arzneistoff heißt VIP Aviptadil.
Diese Variante ist das fertige Nasenspray: 10 mg VIP sind in 5 ml Kochsalzlösung (NaCl) plus 0,4 ml bakteriostatischem Wasser gelöst, zusammen 5,4 ml, das ergibt 1,85 mg pro ml. Die Pumpe gibt je Sprühstoß 0,1 ml ab, also rund 185 mcg VIP (0,185 mg). Rechnerisch stecken 54 Sprühstöße in der Flasche, nach dem Befüllen der Pumpe bleiben rund 50. Anmischen, Spritzen und Rechnen entfallen, das Spray wird nach deiner Bestellung frisch gemacht und als Express verschickt. Wer lieber mit dem Vial und der Spritze arbeitet, findet im Eintrag zum VIP-Vial den Rechner.
Der Grund, warum VIP so oft nasal genutzt wird, steckt in der Pharmakokinetik: im Blut ist das Peptid innerhalb von etwa einer Minute abgebaut. Eine Spritze unter die Haut liefert deshalb nur einen kurzen Puls, das Spray setzt das Peptid dort ab, wo es im Körper ohnehin vorkommt, auf der Nasenschleimhaut.
Diese Information dient ausschließlich Forschungs- und Bildungszwecken. Keine medizinischen Empfehlungen.
Wie es wirkt
VIP bindet an zwei G-Protein-gekoppelte Rezeptoren, VPAC1 und VPAC2, die zur Klasse B gehören und über cAMP in die Zelle signalisieren. Diese Rezeptoren sitzen auf glatter Muskulatur von Gefäßen und Bronchien, auf Drüsenzellen und auf vielen Immunzellen. Daraus ergibt sich das breite Profil: Gefäße weiten sich, Bronchien entspannen sich, Drüsen sezernieren und das Immunsystem bekommt ein dämpfendes Signal.
Die Immunseite ist der Teil, um den es in der Forschung meist geht. In der Übersichtsarbeit von Delgado und Kollegen (Pharmacological Reviews 2004) wird VIP als Botenstoff beschrieben, der die Produktion von TNF-alpha, IL-6 und IL-12 in aktivierten Makrophagen bremst, die T-Zell-Antwort von Th1 in Richtung Th2 verschiebt und regulatorische T-Zellen fördert. Prasse und Kollegen zeigten 2010 am Menschen, dass vernebeltes VIP genau diese Spur hinterlässt: weniger TNF-alpha aus den Lungenzellen, mehr regulatorische T-Zellen in der Spülflüssigkeit. VIP ist damit kein Immunstimulans, sondern ein Immunregulator, der überschießende Antworten herunterregelt.
In der Nase selbst ist VIP ein Heimspiel. Baraniuk und Kollegen (Journal of Clinical Investigation 1990) fanden in menschlicher Nasenschleimhaut VIP-haltige Nervenfasern vor allem an den Drüsen, Bindungsstellen an Drüsen, Epithel und kleinen Arterien. Im Gewebeversuch regte VIP die Abgabe von Lactoferrin aus serösen Drüsenzellen an. Deshalb kann das Spray kurzzeitig eine laufende oder leicht zugeschwollene Nase auslösen, das ist der Mechanismus, nicht ein Produktfehler. Wegen der sehr kurzen Halbwertszeit (Domschke und Kollegen, Gut 1978: rund eine Minute im Blut) ist jede Gabe ein kurzer Impuls, kein Dauerspiegel.
Nasal statt Spritze: Aufnahme über die Nasenschleimhaut
Die Nasenschleimhaut ist dünn und stark durchblutet, kleine Peptide können dort zu einem Teil ins Blut übertreten, der Rest wird von Peptidasen der Schleimhaut abgebaut oder mit dem Sekret in den Rachen transportiert. Für VIP heißt das: ein Teil der Dosis wirkt lokal an Drüsen, Gefäßen und Immunzellen der Schleimhaut, ein kleinerer Teil gelangt systemisch. Auch der ist nach Minuten wieder abgebaut.
Die häufig genannte Idee, nasales VIP gehe direkt ins Gehirn, stammt aus einem Rattenmodell. Dufes und Kollegen (International Journal of Pharmaceutics 2003) fanden nach nasaler Gabe rund 0,11 Prozent der Dosis intakt im Gehirn, vor allem in Riechkolben, Mittelhirn und Kleinhirn, während VIP im Blut vollständig abgebaut war. Das gelang aber nur mit einer eigens angepassten Formulierung mit saurem pH, Albumin und einem Aufnahmeverstärker. Eine einfache Kochsalzlösung wie in diesem Spray ist dafür nicht optimiert. Belastbar ist also: die Nase ist ein sinnvoller Weg, um VIP lokal und ohne Nadel einzusetzen, nicht ein Weg, um das Gehirn gezielt zu fluten.
Praktisch: vor der ersten Nutzung die Pumpe 2 bis 3 Mal ins Leere drücken, bis ein feiner Nebel kommt. Nase vorher sanft putzen, Kopf aufrecht halten, die Düse leicht nach außen zur Nasenwand richten und nicht gegen die Nasenscheidewand, dabei ruhig einatmen, nicht hochziehen. Danach 10 bis 15 Minuten nicht schnäuzen. Jeder Sprühstoß gibt 0,1 ml ab, zwei Stöße kurz nacheinander ins selbe Nasenloch laufen eher hinten raus, als dass sie doppelt wirken.
Anwendung und Dosierung
Was die Forschung zeigt
Der beste Beleg am Menschen kommt aus Freiburg. Prasse und Kollegen (American Journal of Respiratory and Critical Care Medicine 2010) gaben 20 Patienten mit histologisch gesicherter, aktiver Sarkoidose vier Wochen lang vernebeltes VIP. Die Inhalation war sicher und gut verträglich. Die TNF-alpha-Produktion der aus der Lungenspülung gewonnenen Zellen sank signifikant, die Zahl regulatorischer T-Zellen in der Spülflüssigkeit stieg. Im Reagenzglas wandelte VIP naive T-Zellen in FoxP3-positive regulatorische T-Zellen um. Das ist der erste Nachweis einer immunregulierenden Wirkung von VIP am Menschen, aber eine offene Studie ohne Placebo-Gruppe, mit Labor-Endpunkten statt klinischer Besserung.
Die Grundlage dazu liefert die Übersichtsarbeit von Delgado und Kollegen (Pharmacological Reviews 2004), die VIP vom gefäßerweiternden Hormon zum Immunmodulator mit Eigenschaften eines Typ-2-Zytokins umdeutet: Bremse für entzündliche Botenstoffe aus Makrophagen, Verschiebung der T-Zell-Antwort, Schutz in Tiermodellen chronischer Entzündung. Für die Nase selbst beschreiben Baraniuk und Kollegen (1990) VIP als Teil der parasympathischen Nervenversorgung der Schleimhaut, mit Wirkung auf Drüsen und Gefäßtonus.
Das Nasenspray als solches hat eine dünne Datenlage. Die Fallserie von Shoemaker und Kollegen (Health 2013) berichtet über 20 Patienten mit chronischem Entzündungssyndrom nach Schimmelexposition (CIRS), die mindestens 18 Monate lang VIP-Nasenspray nutzten, mit Besserung von Symptomen und Laborwerten laut Autoren. Diese Arbeit ist der Ursprung der Szene-Protokolle, aber offen, ohne Kontrollgruppe, in einer Zeitschrift ohne großen Ruf und mit Autoren, die das Konzept selbst vertreten. Als Hinweis brauchbar, als Beweis nicht. Und als Dämpfer für Erwartungen: die große randomisierte TESICO-Studie (Lancet Respiratory Medicine 2023) mit intravenösem Aviptadil bei schwerem COVID-19 fand gegenüber Placebo keinen Vorteil. Das ist eine andere Anwendung, zeigt aber, wie weit Hoffnung und Beleg bei VIP auseinanderliegen können.
Nebenwirkungen
- Kreislauf: VIP ist ein starker Gefäßerweiterer. In der Infusionsstudie von Domschke und Kollegen (1978) kam es bei der höchsten Dosis zu Hautrötung, schnellerem Puls und größerer Blutdruckamplitude. Nasal gelangt deutlich weniger ins Blut, trotzdem sind Wärmegefühl, Flush, Herzklopfen oder Schwindel möglich, vor allem bei niedrigem Ausgangsblutdruck.
- Nase: Brennen, Niesen, laufende Nase oder ein kurz zugeschwollenes Gefühl. VIP regt die Drüsen der Schleimhaut an und weitet ihre Gefäße, das ist der Mechanismus aus der Arbeit von Baraniuk und Kollegen. Bei anhaltender Reizung oder Nasenbluten pausieren.
- Verdauung: VIP steigert die Wasser- und Elektrolytsekretion im Darm, ein VIP-Überschuss im Blut äußert sich als wässriger Durchfall. Bei 1 bis 2 Sprühstößen ist das unwahrscheinlich, aber weicher Stuhl oder Durchfall sind ein Zeichen, die Menge zu senken.
- Stoffwechsel: in der Infusionsstudie stiegen Blutzucker, freie Fettsäuren und Kalzium leicht an. Nasal vermutlich ohne Bedeutung, für Diabetiker trotzdem erwähnenswert.
- Wechselwirkungen: zusammen mit Blutdrucksenkern, Nitraten oder PDE-5-Hemmern (Sildenafil, Tadalafil) kann sich die gefäßerweiternde Wirkung addieren, Schwindel und Blutdruckabfall werden wahrscheinlicher. Auch abschwellende Nasensprays (Xylometazolin) verändern die Durchblutung der Schleimhaut und damit die Aufnahme, nicht gleichzeitig nutzen.
- Immunsystem: VIP dämpft entzündliche Antworten. Wer akut infiziert ist, immunsupprimiert ist oder eine Autoimmunerkrankung hat, greift damit in ein laufendes System ein und gehört mit der Frage in ärztliche Hände.
- Langzeitdaten: die einzige längere Beobachtung am Menschen ist eine offene Fallserie mit 20 Personen. Für Schwangerschaft und Stillzeit gibt es keine Daten.
Lagerung und Haltbarkeit nach Anbruch
Das Spray gehört in den Kühlschrank (2 bis 8 Grad), nicht ins Gefrierfach und nicht ins Türfach, wo die Temperatur bei jedem Öffnen schwankt. Vor Licht schützen, die Flasche also in der Umverpackung oder im Karton lassen. Ein paar Stunden bei Raumtemperatur, etwa auf dem Postweg oder in der Tasche, machen der Lösung nichts aus, dauerhaft warm sollte sie aber nicht stehen.
Angebrochen hält die Lösung im Kühlschrank mehrere Monate. VIP ist in Lösung empfindlicher als viele robuste Peptide, deshalb gilt: zügig verbrauchen ist besser als bunkern. Bei 1 bis 2 Sprühstößen am Tag ist die Flasche ohnehin nach 3 bis 7 Wochen leer, das Thema löst sich also von selbst.
Die Düse nach jedem Gebrauch mit einem sauberen Tuch abwischen und die Kappe aufsetzen, damit nichts eintrocknet und keine Keime in die Flasche wandern. Eine Flasche ist persönlich, nicht teilen. Wird die Lösung gelartig, klumpig oder riecht sie anders, nicht mehr verwenden. Eine leichte Trübung allein ist kein Grund dafür.