Was ist Atorvastatin?
Atorvastatin ist ein Statin. Es hemmt die HMG-CoA-Reduktase, das geschwindigkeitsbestimmende Enzym der körpereigenen Cholesterinproduktion in der Leber. Weniger Eigenproduktion bedeutet, dass die Leberzelle mehr LDL-Rezeptoren an ihre Oberfläche stellt und dadurch mehr LDL aus dem Blut zieht. Der eigentliche Effekt kommt also aus diesem zweiten Schritt, nicht direkt aus der Hemmung.
Im Kontext dieser Plattform ist es relevant, weil orale Anabolika das HDL regelrecht abräumen und gleichzeitig das LDL hochtreiben. Diese Verschiebung ist eine der am besten dokumentierten Folgen oraler 17-alpha-alkylierter Verbindungen.
Diese Information dient ausschließlich Forschungs- und Bildungszwecken. Keine medizinischen Empfehlungen.
Vergleich
Drei Wege zu weniger LDL
Statine, Bempedoinsäure und Ezetimib setzen an verschiedenen Stellen an, so wie im TPD-Lexikon beschrieben. Ein Klick öffnet den Eintrag.
Vereinfacht: Statine und Bempedoinsäure bremsen die Cholesterinbildung in der Leber, Ezetimib die Aufnahme im Darm. 7
Wie es wirkt
Die körpereigene Cholesterinsynthese läuft nachts am stärksten, deshalb die Empfehlung, abends zu nehmen. Bei Atorvastatin ist dieser Punkt allerdings weniger kritisch als bei den kurzwirksamen älteren Statinen, weil die Halbwertszeit mit rund 14 Stunden plus aktive Metabolite ohnehin einen guten Teil des Tages abdeckt.
Für die Dosierung gilt die sogenannte Sechser-Regel: jede Verdopplung der Dosis senkt das LDL um weitere sechs Prozent. Von 10 auf 20mg ist der Zugewinn also klein, von 10 auf 80mg summiert es sich, aber der Nebenwirkungspreis steigt schneller als der Nutzen. Das ist der Grund, warum die Hochdosis nur bei entsprechendem Ausgangswert sinnvoll ist.
Wirkorte
Wo Atorvastatin in Studien wirkte
Punkt oder Karte antippen. Farbe = HMG-CoA-Reduktase, grau = in Studien beobachtet.
- Leber
Hemmt die Cholesterinbildung, mehr LDL-Rezeptoren an der Leberzelle7
HMGCR - Blutfette
LDL im Mittel 2,0 statt 2,6 mmol/l (TNT)3
In Studien beobachtet - Herz
36 Prozent weniger koronare Ereignisse gegen Placebo (ASCOT-LLA)1
In Studien beobachtet - Gehirn
Weniger Schlaganfälle, etwas mehr Hirnblutungen (SPARCL)4
In Studien beobachtet - Muskulatur
Muskelschmerzen 3,5 gegen 3,1 Prozent, selten Muskelabbau5
In Studien beobachtet
Ziele in der Datenbank ChEMBL7
Wirkstoff CHEMBL393220: ein erfasster Mechanismus, Hemmer, direkte Bindung.
Anwendung und Dosierung
Dosierung
Dosierung, Titrationsplan und Spritze
Die Dosierung wird geladen …
- Einstieg und Steigerung als Treppe
- Einheiten auf der U-100-Spritze je Stufe
- Wie lange ein Vial reicht
Was die Forschung zeigt
ASCOT-LLA (Lancet 2003) wurde nach 3,3 statt der geplanten 5 Jahre abgebrochen, weil der Vorteil zu deutlich war: bei Hypertonikern mit durchschnittlichem oder sogar unterdurchschnittlichem Cholesterin senkte 10mg Atorvastatin die koronaren Ereignisse um 36 Prozent. Die Botschaft war neu, denn behandelt wurde nicht ein hoher Wert, sondern ein hohes Risiko.
CARDS (Lancet 2004) machte dasselbe bei Typ-2-Diabetes und wurde ebenfalls zwei Jahre vorzeitig gestoppt, mit 37 Prozent weniger kardiovaskulären Ereignissen. TNT (NEJM 2005) verglich 80mg gegen 10mg bei stabiler koronarer Herzkrankheit und fand unter der Hochdosis 22 Prozent weniger Ereignisse, allerdings mit mehr Leberwert-Auffälligkeiten.
SPARCL (NEJM 2006) gehört mit einem Vorbehalt hierher: nach Schlaganfall oder TIA senkte 80mg Atorvastatin die Schlaganfallrate um 16 Prozent, gleichzeitig traten aber etwas mehr Hirnblutungen auf. Der Nettoeffekt war positiv, die Einschränkung gehört trotzdem dazu.
Studienergebnisse
Was die Studien gemessen haben
Zum Ausprobieren: Reiter wechseln, Punkte antippen, Arme aus- und einblenden. Die Arme heißen relativ zueinander, keine Dosisempfehlung.
Weniger Ereignisse in vier großen Studien1243
Relative Risikosenkung des Hauptendpunkts, Werte aus den Abstracts
Berechnet aus den Hazard Ratios (0,64, 0,63 als Rate, 0,84 und 0,78). Die Studien haben verschiedene Gruppen und Endpunkte, die Balken lassen sich nicht direkt gegeneinander lesen.
Anteil mit großem Herz-Kreislauf-Ereignis3
10.001 Menschen mit stabiler koronarer Herzkrankheit, im Median 4,9 Jahre
Mittleres LDL unter der höchsten Dosis 2,0 mmol/l, unter der niedrigsten 2,6 mmol/l. Die Gesamtsterblichkeit unterschied sich nicht.
Erneuter Schlaganfall in 4,9 Jahren4
4.731 Menschen nach Schlaganfall oder TIA, höchste Studiendosis gegen Placebo
Weniger Hirninfarkte (218 gegen 274), aber mehr Hirnblutungen (55 gegen 33). Die Sterblichkeit war gleich (216 gegen 211 Todesfälle).
Forschungsstand
Studienlage
Atorvastatin ist seit 1996 zugelassen. Im Register ClinicalTrials.gov nennen 1.197 Studien Atorvastatin unter den Interventionen, oft als Vergleich. Gezeigt sind die registrierten großen Endpunktstudien aus diesem Eintrag, ASCOT-LLA ist dort nicht eingetragen. Stand 26.10.2026. 6
- Präklinik Wirkprinzip: Hemmung der HMG-CoA-Reduktase in der Leber
- Phase 1 keine registrierte Studie
- Phase 2 keine registrierte Studie
- Phase 3 keine registrierte Studie
- Zulassung seit 1996
Alle 3 Studien aus Phase 4 im ZeitverlaufZeitverlauf ausblenden
CARDS · NCT00327418 · 2.800 Teilnehmende, Start 01/1997, Hauptendpunkt erreicht 02/2004.
Registereintrag ↗ · Ergebnisse: Colhoun et al., The Lancet, 2004
TNT · NCT00327691 · 8.600 Teilnehmende, Start 04/1998, Hauptendpunkt erreicht 08/2004.
Registereintrag ↗ · Ergebnisse: LaRosa et al., New England Journal of Medicine, 2005
SPARCL · NCT00147602 · 4.732 Teilnehmende, Start 11/1998, Hauptendpunkt erreicht 11/2005.
Registereintrag ↗ · Ergebnisse: SPARCL Investigators (Amarenco et al.), New England Journal of Medicine, 2006
Balken: Start bis Hauptendpunkt (bei laufenden Studien geplant). Grün = abgeschlossen, blau = Fortschritt bis 26.10.2026.
Nebenwirkungen
- Muskelschmerzen: das bekannteste Thema. Statine können Muskelschmerzen und in seltenen Fällen einen echten Muskelabbau verursachen. Wer hart trainiert, hat ohnehin erhöhte CK-Werte. Das macht die Unterscheidung schwierig. Neue, ungewohnte Muskelschmerzen unter einem Statin gehören abgeklärt und nicht weggetrainiert.
- Leberwerte: leichte Anstiege sind häufig und meist harmlos, deutliche gehören kontrolliert.
- Blutzucker: Statine erhöhen das Risiko für einen neu auftretenden Diabetes leicht. Der kardiovaskuläre Nutzen überwiegt in den Studien klar, erwähnenswert ist es trotzdem.
- Verdauungsbeschwerden: in den ersten Wochen häufig, meist vorübergehend.
Verträglichkeit
Nebenwirkungen gegen Placebo
Von 100 Teilnehmenden je Gruppe: wie viele das Ereignis im Median über 53 Wochen hatten.
| Ereignis | Placebo | Atorvastatin |
|---|---|---|
| Muskelschmerzen5 | 3 % | 4 % |
| Gelenkschmerzen5 | 7 % | 7 % |
| Durchfall5 | 6 % | 7 % |
| Anhaltend erhöhte Leberwerte (TNT)3 | 0 % | 0 % |
Werte aus der US-Fachinformation (alle Dosen zusammen) und dem TNT-Abstract. Selten sind Muskelabbau (Rhabdomyolyse) und ein Anstieg von Blutzucker und HbA1c beschrieben.53
Lagerung
Trocken, bei Raumtemperatur und vor Licht geschützt lagern. Außerhalb der Reichweite von Kindern.