Was ist Bisoprolol?
Bisoprolol ist ein beta-1-selektiver Betablocker. Es besetzt die Beta-1-Rezeptoren am Herzen und dämpft dort die Wirkung von Adrenalin und Noradrenalin. Ergebnis: langsamerer Puls, schwächere Kontraktion, niedrigerer Sauerstoffbedarf des Herzmuskels und damit auch ein niedrigerer Blutdruck.
In der Kardiologie ist es einer der am besten untersuchten Wirkstoffe überhaupt. Für Trainierende ist es aber der spürbarere Bremsklotz im Vergleich zu Nebivolol, weil ihm der NO-Effekt fehlt, der dort einen Teil der Frequenzbremse kompensiert.
Diese Information dient ausschließlich Forschungs- und Bildungszwecken. Keine medizinischen Empfehlungen.
Wie es wirkt
Beta-1-selektiv heißt, dass Bisoprolol die Rezeptoren am Herzen deutlich stärker besetzt als die Beta-2-Rezeptoren in Bronchien, Gefäßen und Skelettmuskel. Das ist der Grund, warum es besser verträglich ist als die alten unselektiven Vertreter. Die Selektivität ist allerdings dosisabhängig und nimmt mit steigender Dosis ab.
Der Effekt auf die Herzinsuffizienz läuft über einen anderen Weg als die Blutdrucksenkung. Ein dauerhaft überstimuliertes Herz verbraucht sich, und die Blockade des Sympathikus unterbricht diesen Kreislauf. Deshalb wird bei Herzinsuffizienz sehr langsam über Wochen aufdosiert: das Herz muss sich erst an die geringere Stimulation gewöhnen, sonst verschlechtert sich die Situation kurzfristig.
Anwendung und Dosierung
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Was die Forschung zeigt
CIBIS-II (Lancet 1999) ist die Studie, auf der alles aufbaut. Über 2.600 Patienten mit Herzinsuffizienz, randomisiert auf Bisoprolol oder Placebo. Die Studie wurde vorzeitig abgebrochen, weil der Vorteil so deutlich war: 34 Prozent niedrigere Gesamtsterblichkeit. Ein Abbruch wegen Überlegenheit ist selten und ein starkes Signal.
CIBIS (Circulation 1994) war der Vorläufer. Er zeigte die Richtung, war aber für einen Mortalitäts-Nachweis zu klein. CIBIS-III (Circulation 2005) beantwortete eine praktische Frage: ist es besser, mit dem Betablocker oder mit dem ACE-Hemmer anzufangen? Ergebnis: der Beginn mit Bisoprolol war dem Beginn mit Enalapril nicht unterlegen, die Reihenfolge ist also nicht entscheidend.
TIBBS (JACC 1995) verglich bei stabiler Angina gegen Nifedipin und fand unter Bisoprolol deutlich weniger Ischämie-Episoden.
Nebenwirkungen
- Gedeckelte Maximalfrequenz: der Mechanismus, keine Nebenwirkung. Cardio-Leistung fällt messbar.
- Müdigkeit und Antriebslosigkeit: die häufigste subjektive Meldung, vor allem in den ersten Wochen.
- Bradykardie: Ruhepuls unter 50 heißt: Dosis runter.
- Kalte Hände und Füße: typisch für die Klasse.
- Maskierte Unterzuckerung: die Warnzeichen werden gedämpft. Für Diabetiker relevant.
- Rebound beim Absetzen: Blutdruckspitzen und Herzrasen sind dokumentiert. Immer ausschleichen.
Lagerung
Trocken, bei Raumtemperatur und vor Licht geschützt lagern. Außerhalb der Reichweite von Kindern.