Diese Information dient ausschließlich Forschungs- und Bildungszwecken. Keine medizinischen Empfehlungen. Produkte sind nicht zur Anwendung am Menschen freigegeben. Konsultiere bei gesundheitlichen Fragen einen Arzt.

Lexikon

Botulinumtoxin A (BTX-A)

Ein neuromodulierendes Protein-Präparat, das die Signalübertragung vom Nerv auf den Muskel vorübergehend hemmt: extrem wirkstark, mit kleinem Sicherheitsfenster und einer Anwendung, die in Fachhände gehört.

4 Min. Lesezeit 10 Quellen

BTX-A-Vial mit weißem Pulver und schwarzem TPD-Etikett auf einem weißen Podest mit hellblau leuchtendem Ring, daneben ein großes blaues 3D-Eiweißmodell aus zwei verbundenen Teilen in einem hellen Labor
Wirkstoff zugelassen · in den USA seit 1989

Kurzfassung

Auf einen Blick

Quellen geprüft am 26.10.2026

Wirkung hielt bei vielen an
120 Tage

große Placebo-Studie zu Zornesfalten, Nachbeobachtung bis Tag 1202

Besserung in Ruhe nach 30 Tagen
86 %

157 von 182 Teilnehmenden laut Prüfarzt, unter Placebo 50 von 897

Hängende Augenlider
5,4 %

meist mild, in der Gruppe mit dem Wirkstoff (203 Teilnehmende)2

Phase 3 zu Zornesfalten
61 Studien

im Register ClinicalTrials.gov, verschiedene Präparate, Stand 26.10.20269

  • Botulinumtoxin A (BTX-A) ist ein großes Eiweiß des Bakteriums Clostridium botulinum. Es spaltet in der Nervenendigung das Eiweiß SNAP-25, der Muskel bekommt kein Signal mehr und entspannt sich vorübergehend.1
  • In einer großen Placebo-Studie zu Zornesfalten gingen die Falten bei jeder Kontrolle deutlicher zurück als unter Placebo, bei vielen hielt das bis Tag 120.2
  • Am häufigsten sind lokale Effekte: Kopfschmerzen, Reaktionen an der Einstichstelle und hängende Augenlider bei rund 5 Prozent, meist mild.27
  • Schwere Ereignisse betrafen in den Meldungen an die US-Behörde vor allem die medizinische Anwendung mit höheren Mengen. Die schwersten Verläufe gab es nach Anwendung außerhalb medizinischer Einrichtungen, oft mit gefälschter Ware.36
  • Als Arzneimittel ist Botulinumtoxin A in den USA seit 1989 zugelassen. Die Einheiten der Präparate sind nicht austauschbar, deshalb nennt dieses Lexikon keine. Alles hier ist Forschungsstand und keine Empfehlung.3
Steckbrief

Stand Oktober 2026

Klasse
Botulinumtoxin Typ A

neuromodulierendes Protein

Form
Lyophilisiertes Pulver

100 IE je Vial

Wirkdauer
Lokal

in Studien bei vielen bis rund 4 Monate

Dosierung
Keine Angabe

die Anwendung gehört in Fachhände

Lagerung
Kühlschrank

2 bis 8 °C, angemischt nur kurz haltbar

Risiko
Höchste Hinweis-Stufe im Sortiment
Größen
100 IU

1 Größe im Shop

Inhalt 13 Abschnitte
  1. Auf einen Blick
  2. Was ist BTX-A?
  3. Wie es wirkt
  4. Anwendung und Dosierung
  5. Was die Forschung zeigt
  6. Studienlage
  7. Nebenwirkungen
  8. Einheiten und Präparate
  9. Lagerung
  10. Verwandte Wirkstoffe
  11. Häufige Fragen
  12. Begriffe
  13. Quellen

Was ist BTX-A?

BTX-A ist Botulinumtoxin Typ A, ein neuromodulierendes Protein, das vom Bakterium Clostridium botulinum gebildet wird. Im Forschungskontext hemmt es an der motorischen Endplatte, also dort, wo ein Nerv einen Muskel ansteuert, die Freisetzung des Botenstoffs Acetylcholin. Der angesteuerte Muskel entspannt sich vorübergehend. Das geschieht nur in der Umgebung der Anwendungsstelle.

Es gehört zu den am längsten untersuchten Wirkstoffen der ästhetischen Forschung. Erste Beobachtungen zu mimischen Falten stammen aus den frühen 1990er Jahren, große placebokontrollierte Studien folgten Anfang der 2000er. Daneben gibt es eine breite Literatur zu neurologischen Fragestellungen.

BTX-A ist kein kurzes Peptid wie die meisten Produkte im Sortiment, sondern ein großes, empfindliches Protein. Die Wirkstärke wird nicht in Milligramm, sondern in Internationalen Einheiten (IE) angegeben. Im Sortiment liegt es als lyophilisiertes Pulver mit 100 IE je Vial vor.

Diese Information dient ausschließlich Forschungs- und Bildungszwecken. Keine medizinischen Empfehlungen.

Vergleich

Gleicher Angriffspunkt, anderer Weg

Was im TPD-Lexikon an derselben Stelle ansetzt oder für die Haut gedacht ist. Ein Klick öffnet den Eintrag.

Nerven-Eiweiß, gespritzt Botulinumtoxin A (BTX-A) SNAP-25
Kosmetisches Peptid, auf der Haut Snap-8 SNAP-25 Kupfer-Tripeptid GHK-Cu Kupfer

BTX-A wird gespritzt und spaltet SNAP-25. Snap-8 wird auf die Haut aufgetragen und ahmt einen Teil von SNAP-25 nach, die Wirkung ist deutlich schwächer belegt. 1

Wie es wirkt

Damit ein Muskel sich zusammenzieht, schüttet die Nervenendigung Acetylcholin aus. Dafür verschmelzen kleine Bläschen mit der Zellmembran. Dabei hilft ein Komplex aus mehreren Proteinen. Eines davon heißt SNAP-25.

BTX-A bindet an die Endigungen motorischer Nerven, wird dort aufgenommen und spaltet SNAP-25 an einer bestimmten Stelle. Das zeigte schon 1993 eine Arbeit in Nature (Blasi). Ohne intaktes SNAP-25 kann die Nervenendigung kein Acetylcholin mehr freisetzen, der Muskel bekommt kein Signal und bleibt entspannt.

Der Effekt ist nicht dauerhaft. Die Nervenendigungen bauen über Wochen bis Monate neue Verbindungen auf, danach kehrt die Muskelaktivität zurück. In der großen Placebo-Studie hielt die Wirkung bei vielen Teilnehmenden bis Tag 120 an.

Wirkorte

Wo BTX-A wirkt

Punkt oder Karte antippen. Farbe = Ansatzpunkt, grau = in Studien beobachtet. Wirkung nur in der Umgebung der Anwendungsstelle.

  1. Muskel

    Nervenendigung setzt kein Acetylcholin mehr frei, der Muskel entspannt sich vorübergehend1

    SNAP-25
  2. Haut (Zornesfalten)

    Falten bei jeder Kontrolle deutlicher zurückgegangen als unter Placebo2

    In Studien beobachtet
  3. Augenlid

    Hängendes Augenlid bei 5,4 % der Behandelten, meist mild2

    In Studien beobachtet

Ziele in der Datenbank ChEMBL10

Wirkstoff CHEMBL4297862: ein erfasster Mechanismus, Wird gespalten, BTX-A wirkt als zinkabhängiges Enzym.

Synapsen-Eiweiß SNAP-25
Gen
SNAP25
UniProt
P60880
ChEMBL
CHEMBL2364159
Wirkung
Wird gespalten, BTX-A wirkt als zinkabhängiges Enzym
Gläserne Nervenendigung voller kleiner Bläschen über einer bläulichen Muskelfaser, dazwischen zwei blaue 3D-Eiweißmodelle, eines an einem dünnen Verbindungsstrang
Symbolbild.

Anwendung und Dosierung

Dosierung

Dosierung, Titrationsplan und Spritze

Die Dosierung wird geladen …

  • Einstieg und Steigerung als Treppe
  • Einheiten auf der U-100-Spritze je Stufe
  • Wie lange ein Vial reicht

Was die Forschung zeigt

Blasi und Kollegen (Nature 1993) zeigten, dass der Wirkstoff als zinkabhängiges Enzym gezielt SNAP-25 spaltet und so die Freisetzung von Botenstoffen an der Synapse blockiert. Das ist bis heute die Grundlage, auf der die Wirkung erklärt wird.

Carruthers und Kollegen (J Am Acad Dermatol 2002) prüften BTX-A doppelblind gegen Placebo bei mäßigen bis starken Falten zwischen den Augenbrauen. Von 264 Teilnehmenden bekamen 203 den Wirkstoff. Die Falten gingen bei jeder Kontrolle deutlicher zurück als unter Placebo, bei vielen hielt das bis Tag 120. Hängende Augenlider traten bei 5,4 Prozent auf, meist mild.

Coté und Kollegen (J Am Acad Dermatol 2005) werteten 1.437 Meldungen an die US-Arzneimittelbehörde aus. Schwere Ereignisse betrafen vor allem die medizinische Anwendung mit höheren Mengen, alle 28 gemeldeten Todesfälle fielen in diesen Bereich. Bei ästhetischer Anwendung waren fehlende Wirkung, Reaktionen an der Einstichstelle und hängende Lider am häufigsten. Die Autoren fanden zahlreiche Abweichungen bei Menge, Verdünnung, Handhabung und Lagerung. Thomas und Kollegen (MMWR 2024) beschreiben sieben Frauen, die nach Anwendungen außerhalb medizinischer Einrichtungen erkrankten. Vier kamen ins Krankenhaus, zwei davon auf die Intensivstation. In mindestens vier Fällen war das Präparat gefälscht.

Studienergebnisse

Was die Studien gemessen haben

Zum Ausprobieren: Reiter wechseln, Punkte antippen, Arme aus- und einblenden. Die Arme heißen relativ zueinander, keine Dosisempfehlung.

Besserung 30 Tage nach einer Behandlung7

Anteil der Teilnehmenden in Prozent, Phase-3-Studie mit 271 Teilnehmenden

In Ruhe besser (Prüfarzt)7
Placebo 56 %
BTX-A, Tag 30 nach der Behandlung 86 %
Besser laut Teilnehmenden7
Placebo 15 %
BTX-A, Tag 30 nach der Behandlung 75 %
Strenges Gesamtkriterium7 Prüfarzt und Teilnehmende sehen beim Stirnrunzeln je zwei Stufen Besserung
Placebo 0 %
BTX-A, Tag 30 nach der Behandlung 48 %

Anteile aus den Teilnehmerzahlen im Studienregister berechnet (zum Beispiel 157 von 182 gegen 50 von 89). Geprüft wurde ein zugelassenes Präparat. Werte gelten nur für dieses Präparat und lassen sich nicht auf andere übertragen.

Ansprechen über acht Behandlungen8

Anteil mit Besserung beim Stirnrunzeln laut Prüfarzt, 796 Teilnehmende, bis zu 30 Monate

0 Behandlung 1Behandlung 2Behandlung 3Behandlung 4Behandlung 5Behandlung 6Behandlung 7Behandlung 8 +89,6 %+29,2 %

BTX-A, Tag 30 nach der Behandlung: Behandlung 1 +79,1 %, Behandlung 2 +79,8 %, Behandlung 3 +80,1 %, Behandlung 4 +80,3 %, Behandlung 5 +81,4 %, Behandlung 6 +81,2 %, Behandlung 7 +82,7 %, Behandlung 8 +89,6 %. BTX-A, Kontrolle 85 Tage nach der Behandlung: Behandlung 1 +6,5 %, Behandlung 2 +16,6 %, Behandlung 3 +0,6 %, Behandlung 4 +0,6 %, Behandlung 5 +4,8 %, Behandlung 6 +8,8 %, Behandlung 7 +17,8 %, Behandlung 8 +29,2 %.

Werte aus dem Studienregister, ohne Vergleichsgruppe. Zwischen zwei Behandlungen lagen mindestens 85 Tage. Die untere Linie zeigt, dass die Wirkung bis zur nächsten Behandlung meist wieder nachgelassen hatte.

Gemeldete Nebenwirkungen3

Anzahl der Meldungen (Stück) an die US-Arzneimittelbehörde, 1.437 insgesamt

Schwere Meldungen3 Dezember 1989 bis Mai 2003
Medizinische Anwendung 217 %
Ästhetische Anwendung 36 %
Nicht schwere Meldungen3 Dezember 2001 bis November 2002
Medizinische Anwendung 189 %
Ästhetische Anwendung 995 %
Davon: fehlende Wirkung3 Ästhetische Anwendung
Ästhetische Anwendung 623 %
Davon: hängendes Augenlid3 Ästhetische Anwendung
Ästhetische Anwendung 111 %

Alle 28 gemeldeten Todesfälle betrafen die medizinische Anwendung, keiner die ästhetische. Meldungen sind freiwillig und unvollständig. Die Autoren fanden viele Abweichungen bei Menge, Verdünnung, Handhabung und Lagerung.

Petrischalen mit klaren Gelen und Bläschen von oben, in der Mitte eine Schale mit einer hellen Hautprobe, daneben ein Glasstab
Symbolbild.

Forschungsstand

Studienlage

Botulinumtoxin A ist seit Jahrzehnten zugelassen, im Register stehen allein zu Zornesfalten 61 Phase-3-Studien mit verschiedenen Präparaten. Hier eine Auswahl aus verschiedenen Jahren. Stand 26.10.2026.

  1. Präklinik Wirkmechanismus an Nervenzellen geklärt
  2. Phase 1 keine registrierte Studie
  3. Phase 2 keine registrierte Studie
  4. Phase 3 9 Studien, 8 abgeschlossen
  5. Zulassung in den USA seit 1989
7.823 Teilnehmende in Phase 3 Als Arzneimittel in den USA seit 1989 zugelassen, für Zornesfalten seit 2002. Die Einheiten der einzelnen Präparate sind verschieden definiert und nicht austauschbar.3
Alle 9 Studien aus Phase 3 im ZeitverlaufZeitverlauf ausblenden 8 abgeschlossen 1 laufend 2 mit Ergebnissen
Phase 3

Balken: Start bis Hauptendpunkt (bei laufenden Studien geplant). Grün = abgeschlossen, blau = Fortschritt bis 26.10.2026.

Nebenwirkungen

BTX-A trägt die strengste Hinweis-Stufe im Sortiment. Der Abstand zwischen der in Studien verwendeten Menge und einer gefährlichen Menge ist klein.

  • Ausbreitung über die Anwendungsstelle hinaus. Beschrieben sind hängende Augenlider, Doppelbilder, Mundtrockenheit, Schluck- und Sprechstörungen, Muskelschwäche bis hin zu Atemnot, teils erst Tage nach der Anwendung.
  • Lokale Effekte. In den kontrollierten Studien vor allem Kopfschmerzen, Reaktionen an der Einstichstelle und vorübergehend hängende Augenlider.
  • Anwendung außerhalb medizinischer Einrichtungen. Hier traten in den Berichten die schwersten Verläufe auf, oft mit gefälschten Präparaten.
  • Ausschlussgründe in der Fachliteratur. Erkrankungen der Nerv-Muskel-Übertragung wie Myasthenia gravis, Schwangerschaft und Stillzeit.
  • Wirkverlust. Wiederholte Anwendungen in kurzen Abständen können neutralisierende Antikörper auslösen, danach lässt die Wirkung nach.

Diese Einordnung ersetzt keine ärztliche Beratung. Risiko und Verantwortung für jede tatsächliche Anwendung liegen vollständig beim Käufer.

Verträglichkeit

Häufigkeit nach einer Behandlung

Von 100 Teilnehmenden je Gruppe: wie viele das Ereignis nach einer Behandlung der Zornesfalten hatten (Werte aus dem Studienregister).

6 von 100 Placebo
9 von 100 BTX-A, Tag 30 nach der Behandlung
Ereignis PlaceboBTX-A, Tag 30 nach der Behandlung
Kopfschmerzen7 6 %9 %
Nasen-Rachen-Entzündung7 6 %5 %
Kopfschmerz an den Nebenhöhlen7 1 %4 %
Nebenhöhlen-Entzündung7 5 %3 %

Anteile aus den Teilnehmerzahlen im Register berechnet (182 mit dem Wirkstoff, 89 mit Placebo). Hängende Augenlider traten in einer anderen großen Studie bei 5,4 Prozent der Behandelten auf, meist mild. Einen Placebo-Wert dafür nennt das Abstract nicht.72

Einheiten und Präparate

Bei BTX-A sagt die Zahl auf dem Etikett weniger, als man denkt. Die Internationalen Einheiten sind je Präparat über einen eigenen biologischen Test definiert. 100 IE des einen Präparats entsprechen deshalb nicht automatisch 100 IE eines anderen.

Für die Forschung heißt das: Studienwerte gelten nur für das Präparat, mit dem die Studie lief. Wer Angaben aus der Literatur überträgt, kann sich um ein Vielfaches verschätzen. Genau deshalb nennen wir keine Einheiten.

Lagerung

Bei BTX-A gilt ausdrücklich nicht die Lagerregel unserer Peptide. Es ist kein kurzes Peptid, sondern ein großes, empfindliches Protein. Maßstab sind die Fachinformationen vergleichbarer zugelassener Präparate.

  • Unangemischt: im Kühlschrank bei 2 bis 8 °C, so sehen es die Fachinformationen der meisten zugelassenen Präparate vor. Nicht dauerhaft bei Raumtemperatur liegen lassen.
  • Anmischen: Die Fachinformationen beschreiben das Auflösen in steriler, unkonservierter 0,9-prozentiger Kochsalzlösung und behutsames Schwenken statt kräftigen Schüttelns. Die Lösung soll klar und farblos sein.
  • Angemischt: nur kurz haltbar. Die Fachinformationen verlangen eine zeitnahe Anwendung, meist innerhalb von 24 Stunden, gekühlt bei 2 bis 8 °C.

Studien deuten an, dass die Wirkung länger erhalten bleibt. In einer doppelblinden Studie wirkten bis zu sechs Wochen vorher angemischte, gekühlt gelagerte Vials genauso gut (Hexsel 2003), ein Expertenkonsens hält bei Anwendungen im Gesicht gekühlte Lagerung über mindestens vier Wochen für vertretbar (Alam 2015). Das ist eine Einordnung der Forschung, keine Freigabe. Außer Reichweite von Kindern aufbewahren.

Neun Vials mit weißem Pulver und blauen Kappen im Türfach eines hellen Kühlschranks
Unangemischt im Kühlschrank (2 bis 8 Grad), angemischt nur kurz haltbar. Symbolbild.

Verwandt

Verwandte Wirkstoffe

Gleiche Ansatzpunkte oder ein anderer Weg: alles im TPD-Lexikon.

FAQ

Häufige Fragen zu Botulinumtoxin A (BTX-A)

Kurze Antworten, jede mit den Quellen unten belegt.

Ist Botulinumtoxin A zugelassen?

Ja, als Arzneimittel in den USA seit 1989, zuerst für Schielen und Lidkrampf, für Zornesfalten seit 2002. Jedes Präparat hat seine eigene Zulassung und eigene Einheiten. Dieses Lexikon nennt bewusst keine Dosierung.3

Wie wirkt BTX-A genau?

Der Wirkstoff ist ein zinkabhängiges Enzym. Er spaltet in der Nervenendigung das Eiweiß SNAP-25 nahe an seinem Ende, wie 1993 in Nature gezeigt. Ohne intaktes SNAP-25 kann die Endigung kein Acetylcholin freisetzen, der Muskel bleibt entspannt. Die Nervenendigungen erholen sich über Wochen bis Monate.1

Was zeigte die große Placebo-Studie?

264 Menschen mit mäßigen bis starken Zornesfalten nahmen teil, 203 bekamen den Wirkstoff, 61 Placebo. Die Falten gingen bei jeder Kontrolle deutlicher zurück als unter Placebo, bei vielen hielt das bis Tag 120. Hängende Augenlider gab es bei 5,4 Prozent, meist mild.2

Lässt die Wirkung bei wiederholter Behandlung nach?

In einer Studie mit 796 Teilnehmenden und bis zu acht Behandlungen im Abstand von mindestens 85 Tagen lag das Ansprechen 30 Tage nach jeder Behandlung zwischen 79 und 90 Prozent. Kurz vor der nächsten Behandlung war die Wirkung meist abgeklungen. Der normale Eintrag nennt als mögliche Ursache für Wirkverlust neutralisierende Antikörper bei Behandlungen in kurzen Abständen.8

Was zeigen die Meldungen an die US-Behörde?

Ausgewertet wurden 1.437 Meldungen. Schwere Ereignisse kamen vor allem nach medizinischer Anwendung mit höheren Mengen vor, alle 28 Todesfälle fielen in diesen Bereich. Nach ästhetischer Anwendung wurden am häufigsten fehlende Wirkung, Reaktionen an der Einstichstelle und hängende Augenlider gemeldet.3

Warum ist die Anwendung außerhalb von Praxen so riskant?

Ein Bericht der US-Gesundheitsbehörde beschreibt sieben Frauen, die 2024 nach Anwendungen ohne medizinisches Personal erkrankten, unter anderem mit hängenden Lidern, Schluckbeschwerden und Atemnot. Vier kamen ins Krankenhaus, zwei davon auf die Intensivstation. Mindestens vier hatten gefälschte Ware bekommen.6

Wie lange hält BTX-A nach dem Anmischen?

Die Fachinformationen verlangen eine zeitnahe Anwendung, meist innerhalb von 24 Stunden gekühlt. In einer doppelblinden Studie wirkten bis zu sechs Wochen vorher angemischte, gekühlte Vials genauso gut. Ein Expertenkonsens hält gekühlte Lagerung über mindestens vier Wochen für Anwendungen im Gesicht für vertretbar. Die Regel für unsere Peptide gilt hier nicht.45

Glossar

Begriffe kurz erklärt

Gepunktet unterstrichene Wörter im Text zeigen diese Erklärungen direkt an.

Acetylcholin
Botenstoff, mit dem ein Nerv dem Muskel das Signal zum Zusammenziehen gibt.
Clostridium botulinum
Bakterium, das Botulinumtoxine bildet. Für Arzneimittel wird das Eiweiß gereinigt und genau abgemessen.
Hängendes Augenlid (Ptosis)
Das Oberlid sinkt ab, wenn der Wirkstoff den Lidheber-Muskel mit erreicht. Meist vorübergehend.
Internationale Einheiten (IE)
Maß für die biologische Wirkung, nicht für das Gewicht. Bei BTX-A legt jedes Präparat seine Einheit über einen eigenen Test fest, deshalb sind sie nicht austauschbar.
Lyophilisat
Gefriergetrocknetes Pulver. Ohne Wasser bleibt das empfindliche Eiweiß stabiler.
Motorische Endplatte
Stelle, an der eine Nervenfaser auf einen Muskel trifft und ihn ansteuert.
Myasthenia gravis
Erkrankung, bei der die Übertragung vom Nerv auf den Muskel gestört ist. In der Fachliteratur ein Ausschlussgrund für BTX-A.
Neutralisierende Antikörper
Abwehrstoffe des Körpers, die den Wirkstoff abfangen. Danach wirkt er schwächer oder gar nicht mehr.
Placebo
Scheinpräparat ohne Wirkstoff. Der Vergleich damit zeigt, was am Wirkstoff selbst liegt.
SNAP-25
Eiweiß in der Nervenendigung, das hilft, Bläschen mit Botenstoff an die Zellwand zu bringen. BTX-A schneidet es an einer bestimmten Stelle.
Zornesfalten
Senkrechte Falten zwischen den Augenbrauen, die beim Stirnrunzeln entstehen. Häufigstes Studienziel bei BTX-A in der Ästhetik.

Evidenz

Quellen

Alle 10 Quellen anzeigenQuellen ausblenden 6 Studien3 Studienregister1 Datenbank geprüft am 26.10.2026

Studien

  1. BTX-A spaltet das Synapsen-Eiweiß SNAP-25

    Blasi et al., Nature, 1993

    Geprüft am 26.10.2026 über doi.org, Crossref, PubMed
  2. Große Placebo-Studie zu Zornesfalten mit 264 Teilnehmenden

    Carruthers et al., Journal of the American Academy of Dermatology, 2002

    Geprüft am 26.10.2026 über doi.org, Crossref, PubMed
  3. Nebenwirkungs-Meldungen an die US-Arzneimittelbehörde

    Coté et al., Journal of the American Academy of Dermatology, 2005

    Geprüft am 26.10.2026 über doi.org, Crossref, PubMed
  4. Bis zu sechs Wochen vorher angemischte Vials im Vergleich

    Hexsel et al., Dermatologic Surgery, 2003

    Geprüft am 26.10.2026 über doi.org, Crossref, PubMed
  5. Expertenkonsens zur Lagerung angemischter Vials

    Alam et al., Dermatologic Surgery, 2015

    Geprüft am 26.10.2026 über doi.org, Crossref, PubMed
  6. Erkrankungen nach mutmaßlich gefälschter Ware außerhalb von Praxen

    Thomas et al., MMWR, 2024

    Geprüft am 26.10.2026 über doi.org, Crossref, PubMed, PMC (Volltext)

Studienregister

  1. Ergebnisse einer Phase-3-Studie zu Zornesfalten im Register

    ClinicalTrials.gov, NCT00770211

    Geprüft am 26.10.2026 über ClinicalTrials.gov API v2
  2. Ergebnisse einer Langzeitstudie mit bis zu acht Behandlungen

    ClinicalTrials.gov, NCT00512135

    Geprüft am 26.10.2026 über ClinicalTrials.gov API v2
  3. Phase-3-Studien zu Zornesfalten im Register ClinicalTrials.gov

    ClinicalTrials.gov, U.S. National Library of Medicine

    Geprüft am 26.10.2026 über ClinicalTrials.gov API v2

Datenbank

  1. Botulinumtoxin Typ A in ChEMBL (Mechanismus SNAP-25)

    ChEMBL, EMBL-EBI (CHEMBL4297862)

    Geprüft am 26.10.2026 über ChEMBL

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