Was ist Dapagliflozin?
Dapagliflozin (Markenname Forxiga, in den USA Farxiga) ist ein selektiver Hemmer des Natrium-Glukose-Cotransporters 2, kurz SGLT2. Es war der erste Vertreter dieser Klasse mit breiter Zulassung in Europa und ist heute bei Typ-2-Diabetes, Herzinsuffizienz und chronischer Nierenerkrankung zugelassen.
Der Ansatz ist ungewöhnlich, weil er komplett an der Bauchspeicheldrüse vorbeigeht. Statt Insulin zu erhöhen oder die Insulinwirkung zu verbessern, lässt Dapagliflozin Zucker einfach über den Urin abfließen. Das macht die Substanz insulinunabhängig und erklärt, warum sie in Monotherapie kaum Unterzuckerungen auslöst.
Diese Information dient ausschließlich Forschungs- und Bildungszwecken. Keine medizinischen Empfehlungen.
Vergleich
Stoffwechsel-Wirkstoffe im Lexikon
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Vereinfacht. SGLT2-Hemmer wirken in der Niere und unabhängig von Insulin, GLP-1-Wirkstoffe über Hormone aus dem Darm. 8
Wie es wirkt
Die Niere filtert täglich eine erhebliche Menge Glukose. Damit die nicht verloren geht, holt der SGLT2-Transporter im proximalen Tubulus rund 90 Prozent davon zurück ins Blut. Dapagliflozin blockiert genau diesen Transporter mit über 1000-facher Selektivität gegenüber SGLT1 im Darm - deshalb bleibt die Glukose-Aufnahme aus der Nahrung unangetastet.
Was bleibt, ist eine gezielte Glukosurie. Unter 10mg täglich werden in Studien rund 70 Gramm Glukose pro Tag renal ausgeschieden, umgerechnet etwa 280 Kilokalorien. Der ausgeschiedene Zucker zieht osmotisch Wasser mit, was eine milde Diurese und einen leichten Blutdruckabfall erklärt. Parallel steigen Hämatokrit und Hämoglobin messbar an.
Wirkorte
Wo Dapagliflozin wirkt
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Ziele in der Datenbank ChEMBL8
Wirkstoff ChEMBL CHEMBL429910: ein erfasster Mechanismus, Hemmer.
- Gen
- SLC5A2
- UniProt
- P31639
- ChEMBL
- CHEMBL3884
- Wirkung
- Hemmer
Pharmakokinetik
- Bioverfügbarkeit: etwa 78 Prozent absolut, oral.
- Wirkeintritt: Spitzenkonzentration nüchtern nach rund 1 bis 2 Stunden. Nahrung verzögert den Peak, verändert die Gesamtaufnahme aber nicht relevant.
- Halbwertszeit: rund 12,9 Stunden nach einer Einzeldosis von 10mg - trägt eine einmal tägliche Gabe.
- Abbau: überwiegend über UGT1A9 zum inaktiven Dapagliflozin-3-O-Glucuronid, nicht primär über CYP450. Das Interaktionsprofil ist dadurch vergleichsweise schlank.
- Ausscheidung: ganz überwiegend renal, ein kleinerer Teil über den Stuhl.
Euglykämische Ketoazidose - der Punkt, der zählt
Das ist die wichtigste seltene Gefahr der gesamten SGLT2-Klasse und der Grund, warum diese Substanz kein Selbstläufer ist. Bei einer klassischen Ketoazidose schießt der Blutzucker hoch und man merkt es. Unter SGLT2-Hemmung wird der Zucker aber laufend über den Urin abgeführt - die Ketone steigen trotzdem, der Blutzucker bleibt normal oder nur leicht erhöht. Ein Glukose-Messgerät zeigt schlicht nichts an.
In DECLARE-TIMI 58 trat eine diabetische Ketoazidose bei 0,3 Prozent unter Dapagliflozin gegenüber 0,1 Prozent unter Placebo auf. Die Fallserie von Peters et al. beschreibt das Muster systematisch. Als Auslöser sind in der Literatur beschrieben:
- Ketogene oder stark kohlenhydratarme Ernährung.
- Längeres Fasten oder ein aggressives Kaloriendefizit.
- Alkohol.
- Infekte, Operationen, Dehydratation.
Genau diese Konstellation ist in der Fitness-Szene Alltag, weshalb das Risiko hier praktisch statt theoretisch ist. Wer unter Low-Carb forscht, misst Ketone statt Blutzucker. Übelkeit, Erbrechen, Bauchschmerzen, auffällig tiefe Atmung oder Verwirrtheit sind in der Literatur als Warnzeichen beschrieben und gehören ärztlich abgeklärt.
Dosierung
Dosierung
Dosierung, Titrationsplan und Spritze
Die Dosierung wird geladen …
- Einstieg und Steigerung als Treppe
- Einheiten auf der U-100-Spritze je Stufe
- Wie lange ein Vial reicht
Was die Forschung zeigt
DAPA-HF (McMurray et al., NEJM 2019) untersuchte rund 4700 Teilnehmer mit Herzinsuffizienz und reduzierter Auswurffraktion. 10mg täglich senkten den primären Kombinationsendpunkt aus Herzinsuffizienz-Verschlechterung und kardiovaskulärem Tod um etwa ein Viertel - und zwar bei Teilnehmern mit und ohne Diabetes. Das war der Befund, der die Klasse aus der reinen Diabetes-Ecke geholt hat.
DECLARE-TIMI 58 (Wiviott et al., NEJM 2019) ist mit über 17.000 Teilnehmern und rund 4 Jahren Beobachtung die große Sicherheits- und Endpunkt-Studie. Der klassische MACE-Endpunkt wurde nicht signifikant gesenkt, die Kombination aus kardiovaskulärem Tod und Herzinsuffizienz-Hospitalisierung dagegen deutlich. Aus derselben Studie stammen die belastbaren Zahlen zu Ketoazidose und Genitalinfektionen.
DAPA-CKD (Heerspink et al., NEJM 2020) und DELIVER (Solomon et al., NEJM 2022) erweiterten das Bild auf chronische Nierenerkrankung beziehungsweise auf Herzinsuffizienz mit erhaltener Auswurffraktion.
Studienergebnisse
Was die Studien gemessen haben
Zum Ausprobieren: Reiter wechseln, Punkte antippen, Arme aus- und einblenden. Die Arme heißen relativ zueinander, keine Dosisempfehlung.
Herzschwäche mit reduzierter Pumpkraft1
4.744 Patienten, im Median 18,2 Monate, Anteil mit Ereignis
Werte aus dem Abstract, zusätzlich zur üblichen Therapie. Mit und ohne Diabetes ähnlich. Volumenmangel, Nierenprobleme und Unterzuckerung waren nicht häufiger als unter Placebo.
Herzschwäche mit leicht reduzierter oder erhaltener Pumpkraft6
6.263 Patienten, im Median 2,3 Jahre, Anteil mit Ereignis
Werte aus dem Abstract. Ergebnisse ähnlich unter und über 60 Prozent Auswurffraktion, mit und ohne Diabetes. Nebenwirkungen gleich häufig wie unter Placebo.
Chronische Nierenerkrankung5
4.304 Teilnehmende, im Median 2,4 Jahre, Anteil mit Ereignis
Werte aus dem Abstract. Die Studie wurde wegen klarer Wirkung früher beendet. Mit und ohne Typ-2-Diabetes ähnlich, 19 Behandelte für ein verhindertes Ereignis.
Herz und Niere bei Typ-2-Diabetes2
17.160 Patienten, im Median 4,2 Jahre, Anteil mit Ereignis
Werte aus dem Abstract. Der Vorteil beim kombinierten Ziel ging auf weniger Krankenhausaufenthalte wegen Herzschwäche zurück, beim Herztod gab es keinen Unterschied.
Seltene, aber wichtige Nebenwirkungen2
17.160 Patienten mit Typ-2-Diabetes, im Median 4,2 Jahre
Werte aus dem Abstract. Eine Fallserie beschreibt Ketoazidosen mit fast normalem Blutzucker, die deshalb spät erkannt wurden.
Forschungsstand
Studienlage
Bei ClinicalTrials.gov stehen 758 Studien mit Dapagliflozin, 182 davon in Phase 3. Hier stehen die großen Endpunkt-Studien zu Diabetes, Herz und Niere. Stand 26.10.2026. 7
- Präklinik Pharmakokinetik und Wirkung auf die Zuckerausscheidung
- Phase 1 keine registrierte Studie
- Phase 2 keine registrierte Studie
- Phase 3 5 Studien, 5 abgeschlossen
- Zulassung seit 2012
Alle 5 Studien aus Phase 3 im ZeitverlaufZeitverlauf ausblenden
DECLARE-TIMI 58 · NCT01730534 · 17.190 Teilnehmende, Start 04/2013, Hauptendpunkt erreicht 09/2018.
Registereintrag ↗ · Ergebnisse: Wiviott et al., New England Journal of Medicine, 2019
DAPA-CKD · NCT03036150 · 4.304 Teilnehmende, Start 02/2017, Hauptendpunkt erreicht 06/2020.
Registereintrag ↗ · Ergebnisse: Heerspink et al., New England Journal of Medicine, 2020
DAPA-HF · NCT03036124 · 4.744 Teilnehmende, Start 02/2017, Hauptendpunkt erreicht 07/2019.
Registereintrag ↗ · Ergebnisse: McMurray et al., New England Journal of Medicine, 2019
DELIVER · NCT03619213 · 6.263 Teilnehmende, Start 08/2018, Hauptendpunkt erreicht 03/2022.
Registereintrag ↗ · Ergebnisse: Solomon et al., New England Journal of Medicine, 2022
DAPA-MI · NCT04564742 · 4.017 Teilnehmende, Start 12/2020, Hauptendpunkt erreicht 07/2023.
Registereintrag ↗ · Ergebnisse noch nicht in PubMed
Balken: Start bis Hauptendpunkt (bei laufenden Studien geplant). Grün = abgeschlossen, blau = Fortschritt bis 26.10.2026.
Nebenwirkungen
- Genitale Pilzinfektionen: häufigster dokumentierter Effekt, direkte Folge der Glukose im Urin. Frauen deutlich häufiger betroffen.
- Harnwegsinfekte: ebenfalls über Placebo-Niveau dokumentiert.
- Volumenmangel: Schwindel, orthostatische Beschwerden, Dehydratation. Verstärkt durch Diuretika, Hitze, Training oder wenig Trinken.
- Euglykämische Ketoazidose: selten, aber schwer. Siehe eigene Sektion oben.
- Fournier-Gangrän: sehr seltene nekrotisierende Infektion im Genital- und Dammbereich, Sicherheitssignal der gesamten Klasse.
- Initialer eGFR-Abfall: reversibler Rückgang in den ersten Wochen, danach langsamere Abnahme als unter Placebo.
- Hämatokrit-Anstieg: messbar. Relevant, wenn die Blutwerte ohnehin schon hoch stehen.
- Hypoglykämie: in Monotherapie gering, in Kombination mit Insulin oder Sulfonylharnstoffen deutlich häufiger.
Lagerung
Trocken und vor Licht geschützt bei Raumtemperatur lagern. Tabletten in der Originaldose lassen. Außerhalb der Reichweite von Kindern.