Was ist HAC-Wasser?
HAC-Wasser ist ein Lösungsmittel zum Rekonstituieren gefriergetrockneter Peptide, kein Wirkstoff. Es besteht aus sterilem Wasser, das mit Salzsäure angesäuert ist, dazu Glycerol und Benzylalkohol als Konservierungsmittel. Der Name ist eine Handelsbezeichnung, chemisch steckt dahinter also ein konserviertes, angesäuertes Wasser.
Gebraucht wird es für die wenigen Peptide, die sich in normalem bakteriostatischem Wasser nicht klar lösen oder darin schnell wieder ausfallen. Für alles, was sich in Bac-Wasser problemlos löst, brauchst du es nicht. Das ist der größte Teil des Sortiments. Im Sortiment steht es neben dem Bac-Wasser und der Essigsäure 0,6 %, die dieselbe Aufgabe über eine andere Säure löst.
Diese Information dient ausschließlich Forschungs- und Bildungszwecken. Keine medizinischen Empfehlungen.
Wie es wirkt
Drei Bestandteile, drei Aufgaben. Die Salzsäure senkt den pH-Wert. Ein Peptid trägt je nach pH-Wert eine andere Nettoladung. Am schlechtesten löslich ist es dort, wo diese Ladung nahe null liegt. Im Sauren verlieren die Carboxylgruppen (Asparaginsäure, Glutaminsäure, C-Terminus) ihre negative Ladung, Histidin wird zusätzlich positiv. Zusammen mit den ohnehin positiven Seitenketten von Arginin und Lysin ist das Peptid dann insgesamt positiv geladen, die Moleküle stoßen sich ab und bleiben eher einzeln in Lösung statt zu verklumpen. Die Übersicht von Zapadka und Kollegen (2017) führt pH-Wert und Nettoladung als zentrale Stellgrößen für die Aggregation von Peptiden auf.
Das Glycerol ist ein Co-Solvens. In Untersuchungen an Proteinen hält es die Struktur kompakter und legt sich an wasserabweisende Oberflächenbereiche, die sonst aneinander kleben (Vagenende et al., 2009). Wie viel Glycerol im HAC-Wasser steckt, nennt die Zusammensetzung nicht. Wie stark dieser Effekt im Vial ist, lässt sich deshalb nicht beziffern. Der Benzylalkohol übernimmt dieselbe Rolle wie im Bac-Wasser: er hemmt das Keimwachstum und erlaubt die mehrfache Entnahme aus einem angestochenen Vial.
Dazu kommt ein chemischer Nebeneffekt: einige Abbauwege von Peptiden, etwa die Deamidierung über ein Succinimid oder Reaktionen an Disulfidbrücken, laufen im Neutralen und Basischen schneller als im schwach Sauren. Das ist kein Freifahrtschein, sehr saure Lösungen haben eigene Abbauwege, dazu mehr unter Forschung.
Anwendung und Dosierung
Was die Forschung zeigt
Zu HAC-Wasser als Produkt gibt es keine Studien, zu seinen drei Prinzipien schon. Die Übersicht von Nugrahadi und Kollegen (2023) zu Peptiden in wässriger Lösung kommt zu dem Schluss, dass der passende pH-Wert und Puffer die praktikabelsten Stabilisierungswege sind, gefolgt von Co-Solvenzien und Polyolen wie Glycerol. Zapadka und Kollegen (2017) beschreiben, wie pH-Wert, Nettoladung, Konzentration und Hilfsstoffe über amorphe Aggregate und Fibrillen entscheiden.
Wie stark der pH-Wert wirkt, zeigt die Arbeit von Hawe und Kollegen (2009) an Oxytocin: unter Hitze baute es sich bei pH 9 am schnellsten ab, dann bei pH 7, dann bei pH 2, am langsamsten bei pH 4,5. Bei pH 2 standen Deamidierungen im Vordergrund, bei pH 4,5, 7 und 9 Oligosulfide und Dimere. Für Oxytocin lag der stabilste Bereich also im schwach Sauren, starke Säure richtete eigene Schäden an. Der beste pH-Wert ist je Peptid verschieden. Den pH-Wert von HAC-Wasser nennt die Zusammensetzung nicht. Das vergleichbare zugelassene Lösungsmittel im nächsten Absatz liegt bei pH 2, die Säure ist dort also vor allem Lösehilfe und kein Versprechen auf längere Haltbarkeit.
Dass Salzsäure und Glycerol als Lösungsmittel für ein Peptid zugelassen im Einsatz sind, zeigt Glucagon: die US-Fachinformation der Glucagon-Notfallkits nennt als Lösungsmittel Wasser für Injektionszwecke mit 12 mg Glycerin und 1 mg Salzsäure je ml, pH 1,8 bis 2,2. Das Glucagon-Pulver wird bei der Herstellung bei Bedarf mit Salzsäure auf pH 2,5 bis 3,0 eingestellt. Laut derselben Fachinformation ist Glucagon in Wasser kaum löslich und löst sich erst unter pH 3 oder über pH 9,5. Zum Glycerol selbst liefern Vagenende und Kollegen (2009) den Mechanismus, zum Benzylalkohol zeigt die Übersicht von Meyer und Kollegen (2007), dass er neben Phenol das häufigste Konservierungsmittel in zugelassenen Peptid- und Proteinpräparaten ist.
Nebenwirkungen
Als Lösungsmittel hat HAC-Wasser keine eigene Wirkung, die Risiken liegen in der Handhabung und in der Verträglichkeit mit dem Peptid. Saure Lösungen können an der Einstichstelle stärker brennen als neutrale, das ist der häufigste praktische Unterschied zum Bac-Wasser. Mehr Lösungsmittel ändert daran nichts, der pH-Wert bleibt praktisch gleich und jede Dosis enthält dann mehr Säure. Wer empfindlich reagiert, bleibt bei Peptiden, die kein saures Lösungsmittel brauchen.
- Nicht für jedes Peptid: Peptide, die in neutralem Wasser stabil sind, gewinnen durch die Säure nichts. Bei stark saurem pH laufen eigene Abbauwege (bei Oxytocin bei pH 2 die Deamidierung, Hawe et al. 2009). Nur einsetzen, wo es einen Grund gibt.
- Benzylalkohol: selten Hautreaktionen an der Einstichstelle. Für Neugeborene und Säuglinge ist Benzylalkohol grundsätzlich ungeeignet, das gilt für jedes damit konservierte Vial.
- Klumpen oder Ausfall: bleiben auch in HAC-Wasser Partikel oder Klumpen, oder wird die Lösung gelartig, ist sie nicht brauchbar. Keine Partikel injizieren. Eine leichte Trübung allein ist dagegen kein Grund, die Lösung wegzuwerfen.
- Sterilität: jede Entnahme mit frischer steriler Spritze, Septum vorher desinfizieren. Das Konservierungsmittel ersetzt keine saubere Arbeitsweise.
Verfärbtes oder über die Frist hinaus angebrochenes HAC-Wasser entsorgen. Außerhalb der Reichweite von Kindern lagern.
Lagerung
- Ungeöffnet: bei Raumtemperatur, lichtgeschützt, bis zum aufgedruckten Verfallsdatum. Ein Kühlschrank ist nicht nötig.
- Angebrochen: 28 Tage ab dem ersten Anstechen, die übliche Frist für konservierte Mehrdosen-Vials. Datum aufs Etikett schreiben.
- Rekonstituiertes Peptid: im Kühlschrank bei 2 bis 8 °C, lichtgeschützt. Wie beim Bac-Wasser gilt: mehrere Monate verwendbar.
Nicht einfrieren, weder das Lösungsmittel noch das gelöste Peptid. Das Vial aufrecht lagern und vor jeder Entnahme kurz gegen das Licht halten: klar und farblos ist der Normalzustand.
HAC-Wasser bei TPD
Anders als Bac-Wasser legt der Warenkorb HAC-Wasser nicht automatisch dazu, weil nur wenige Peptide es brauchen. Du legst es selbst in den Warenkorb, je nach Angebot als 10er-Pack oder einzeln. Nimm so viele 3-ml-Vials, wie du Peptid-Vials damit lösen willst.
Das automatisch beigelegte Bac-Wasser kannst du im Warenkorb entfernen, wenn du stattdessen HAC-Wasser nimmst. Lässt du beides drin, hast du für jedes Vial die Wahl. Für den ersten Versuch mit einem neuen Peptid ist das auch sinnvoll: erst Bac-Wasser, erst wenn sich das Peptid darin nicht löst, das saure Lösungsmittel.
Fragen zur Löslichkeit eines bestimmten Peptids beantworten wir im Support, nenn uns Produkt und Größe.