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Lexikon

Toujeo (Insulin Glargin U300)

Das dreifach konzentrierte Basalinsulin - flacher, länger und genau deshalb bei Verwechslung besonders gefährlich.

5 Min. Lesezeit 8 Quellen

Glänzendes blaues 3D-Molekül mit mehreren Ringen über einem weißen Podest in einem hellen Labor, Symbolbild für Insulin Glargin U300
Zugelassen · seit 2015

Kurzfassung

Auf einen Blick

Quellen geprüft am 25.10.2026

Enge Blutzuckerkontrolle
30 Stunden

Median im 36-Stunden-Clamp, rund 5 Stunden länger als mit 100 Einheiten/ml1

Nächtliche Unterzuckerung
36 %

EDITION 1, Woche 9 bis Monat 6, mit 100 Einheiten/ml 46 %2

Rate nächtlicher Unterzuckerungen
-31 %

Auswertung von EDITION 1 bis 3 mit 2.496 Teilnehmenden über 6 Monate4

Phase 3 im Register
4 Studien

EDITION 1 bis 4, alle abgeschlossen, Stand 25.10.20266

  • Insulin Glargin U300 ist derselbe Wirkstoff wie Glargin U100, nur dreimal so konzentriert: 300 statt 100 Einheiten je Milliliter.78
  • Das kleinere Depot gibt den Wirkstoff gleichmäßiger ab. Im Clamp hielt eine enge Blutzuckerkontrolle im Median rund 30 Stunden, etwa 5 Stunden länger als mit U100.1
  • In den EDITION-Studien senkte U300 den Langzeitwert HbA1c genauso wie U100, nächtliche Unterzuckerungen waren seltener: in der gemeinsamen Auswertung um 31 Prozent.423
  • Die größte Gefahr ist die Verwechslung: eine U-100-Spritze mit U300-Lösung aufgezogen enthält die dreifache Menge. Gegeben wird deshalb nur mit dem Pen.7
  • Die Fassung mit 300 Einheiten/ml ist in den USA seit 2015 zugelassen, der Wirkstoff seit 2000. Alles hier ist Forschungsstand und keine Empfehlung.78
Steckbrief

Stand Juli 2026

Klasse
Langwirksames Basalinsulin

Analogon

Konzentration
300 IU pro ml

dreifach konzentriert

Wirkdauer
bis zu 36 Stunden

kein ausgeprägter Peak

Anwendung
Subkutan

1x täglich, ausschließlich per Pen

Status
Klinisch zugelassen

Diabetes mellitus

Größen
1.5ml/450iu

1 Größe im Shop

Inhalt 14 Abschnitte
  1. Auf einen Blick
  2. Was ist Insulin Glargin U300?
  3. Wie es wirkt
  4. U300 ist nicht U100: die dreifache Überdosis-Falle
  5. Pharmakokinetik: das flache Profil
  6. Dosierung: wie sie bestimmt wird
  7. Was die Forschung zeigt
  8. Studienlage
  9. Nebenwirkungen und Hypoglykämie
  10. Lagerung
  11. Verwandte Wirkstoffe
  12. Häufige Fragen
  13. Begriffe
  14. Quellen

Was ist Insulin Glargin U300?

Insulin Glargin U300 (Markenname Toujeo) ist ein langwirksames Basalinsulin-Analogon. Der Wirkstoff ist derselbe wie im seit Jahren etablierten Insulin Glargin U100: an Position A21 steht Glycin statt Asparagin, am Ende der B-Kette hängen zwei zusätzliche Arginin-Reste. Der Unterschied liegt allein in der Konzentration. U300 enthält 300 Einheiten pro Milliliter statt 100, dieselbe Einheiten-Zahl steckt also in einem Drittel des Volumens.

Diese Information dient ausschließlich Forschungs- und Bildungszwecken. Keine medizinischen Empfehlungen.

Vergleich

Schnell und lang wirksame Insuline

Alle wirken am selben Insulin-Rezeptor, sie unterscheiden sich im Zeitprofil und in der Konzentration, so wie im TPD-Lexikon beschrieben. Ein Klick öffnet den Eintrag.

Vereinfacht: U300 und U100 sind derselbe Wirkstoff. Die Zahl nennt die Einheiten je Milliliter, eine U-100-Spritze passt nur zu U100. 87

Wie es wirkt

Die zusätzlichen Arginin-Reste verschieben den isoelektrischen Punkt des Moleküls in Richtung des neutralen pH-Werts. In der sauren Lösung der Ampulle bleibt der Wirkstoff dadurch klar gelöst, im neutralen Gewebe unter der Haut fällt er als feines Mikropräzipitat aus. Aus diesem Depot löst er sich langsam über viele Stunden heraus. Am Rezeptor wirkt Glargin dann wie körpereigenes Insulin: Glukose-Aufnahme in Muskel- und Fettzellen, Hemmung der Glukoseproduktion in der Leber, Hemmung der Lipolyse.

Warum U300 flacher wirkt als U100, ist reine Geometrie. Ein Drittel Volumen bedeutet ein kleineres Depot mit deutlich weniger Oberfläche im Verhältnis zu seinem Inhalt. Weil die Auflösung des Mikropräzipitats über die Oberfläche läuft, wird der Wirkstoff langsamer und gleichmäßiger freigesetzt. Eine physikalische Eigenschaft der Formulierung wird so zum pharmakokinetischen Effekt.

Wirkorte

Wo Insulin Glargin U300 in Studien wirkte

Punkt oder Karte antippen. Farbe = Insulin-Rezeptor, grau = in Studien beobachtet.

  1. Unterhautfett (Depot)

    Gleichmäßigere Abgabe über 24 Stunden als mit 100 Einheiten/ml1

    In Studien beobachtet
  2. Langzeitzucker

    HbA1c genauso gesenkt wie mit 100 Einheiten/ml4

    INSR
  3. Gehirn

    Nächtliche Unterzuckerung seltener, 36 gegen 46 % in EDITION 12

    In Studien beobachtet

Ziele in der Datenbank ChEMBL8

Wirkstoff CHEMBL1201497: ein erfasster Mechanismus, Agonist mit direkter Bindung an den menschlichen Rezeptor.

Insulin-Rezeptor
Gen
INSR
UniProt
P06213
ChEMBL
CHEMBL1981
Wirkung
Agonist, direkte Bindung
Durchscheinendes Gewebe mit einer kleinen dichten Kugel, die über einen Strom mit einem größeren kristallinen Depot verbunden ist, daneben schweben blaue Moleküle
Ein Drittel des Volumens, ein kleineres Depot: der Wirkstoff löst sich gleichmäßiger. Symbolbild.

U300 ist nicht U100: die dreifache Überdosis-Falle

Das ist der wichtigste Abschnitt dieser Seite. Eine handelsübliche Insulinspritze ist auf U100 kalibriert. Der Strich mit der Beschriftung 20 entspricht dort 0,2 ml einer 100er-Lösung, also 20 Einheiten. Zieht jemand mit derselben Spritze bis zum selben Strich eine U300-Lösung auf, sind 60 Einheiten im Zylinder.

  • Dreifache Überdosierung: der Fehler ist optisch nicht erkennbar, weil die Skala korrekt aussieht und die Flüssigkeitsmenge stimmt.
  • Nicht rücknehmbar: bei einem Basalinsulin mit bis zu 36 Stunden Wirkdauer lässt sich eine injizierte Menge über Stunden nicht mehr korrigieren.
  • Der Pen ist die Lösung: sein Zählwerk zeigt Einheiten an und fördert pro Einheit ein Drittel des Volumens. Genau dafür ist er gebaut.
  • Ohne Ausnahme: nicht in eine Spritze umfüllen, nicht verdünnen, nicht mit anderen Insulinen mischen, nicht mit U100-Produkten im selben Kühlschrankfach lagern.

Pharmakokinetik: das flache Profil

Becker et al. untersuchten U300 gegen U100 im euglykämischen Clamp über 36 Stunden bei Menschen mit Typ-1-Diabetes im Steady State. Unter U300 verliefen Insulin-Konzentration und Glukose-Infusionsrate konstanter und gleichmäßiger über 24 Stunden verteilt, erkennbar an der um rund drei Stunden späteren Zeit bis zum Erreichen der halben Fläche unter der Kurve. Eine enge Blutzuckerkontrolle hielt im Median etwa 30 Stunden an, rund fünf Stunden länger als unter U100.

  • Kein ausgeprägtes Wirkmaximum: das Profil ist bewusst flach, nicht auf einen Peak ausgelegt.
  • Wirkdauer bis zu 36 Stunden: deutlich über das 24-Stunden-Fenster hinaus.
  • Steady State erst nach 3 bis 4 Tagen: die volle Auswirkung einer Dosis-Änderung zeigt sich mit mehreren Tagen Verzögerung.
  • Etwas niedrigere relative Bioverfügbarkeit: in den EDITION-Studien wurde für dieselbe Kontrolle eine rund zehn Prozent höhere Einheiten-Zahl benötigt.

Dosierung: wie sie bestimmt wird

Dosierung

Dosierung, Titrationsplan und Spritze

Die Dosierung wird geladen …

  • Einstieg und Steigerung als Treppe
  • Einheiten auf der U-100-Spritze je Stufe
  • Wie lange ein Vial reicht

Was die Forschung zeigt

Das EDITION-Studienprogramm hat U300 in großen randomisierten Vergleichen gegen U100 gestellt. Das Muster war über alle Studien hinweg dasselbe: gleiche Blutzuckerkontrolle, weniger nächtliche Unterzuckerungen.

  • EDITION 1 (807 Teilnehmende mit Typ-2-Diabetes unter Basal- und Mahlzeiten-Insulin): gleichwertige Senkung des Langzeitwerts, zwischen Woche 9 und Monat 6 meldeten 36 statt 46 Prozent mindestens ein bestätigtes oder schweres nächtliches Ereignis.
  • EDITION 2 (811 Teilnehmende unter Basal-Insulin plus oralen Antidiabetika): identische Senkung bei rund zehn Prozent höherer Einheiten-Dosis, weniger nächtliche und weniger ganztägige Ereignisse, geringere Gewichtszunahme.
  • Meta-Analyse EDITION 1 bis 3 (2496 Personen, Ritzel et al.): über sechs Monate 31 Prozent niedrigere nächtliche und 14 Prozent niedrigere ganztägige Hypoglykämie-Rate bei identischer Kontrolle. Schwere Ereignisse blieben in beiden Gruppen selten (2,3 gegenüber 2,6 Prozent).
  • EDITION 4 (549 Teilnehmende mit Typ-1-Diabetes): gleichwertige Kontrolle unabhängig vom Injektionszeitpunkt, weniger nächtliche Ereignisse in den ersten acht Wochen, geringere Gewichtszunahme.

Wichtig zur Einordnung: alle diese Zahlen stammen aus der Behandlung von Diabetes. Sie beschreiben, wie sich U300 gegenüber U100 verhält, nicht wie sich Insulin bei intakter Eigenproduktion verhält.

Studienergebnisse

Was die Studien gemessen haben

Zum Ausprobieren: Reiter wechseln, Punkte antippen, Arme aus- und einblenden. Die Arme heißen relativ zueinander, keine Dosisempfehlung.

Senkung des HbA1c34

Veränderung in Prozentpunkten nach 6 Monaten, Typ-2-Diabetes

EDITION 23 811 Teilnehmende, Basalinsulin plus Tabletten
Glargin 300 Einheiten/ml -0,57 Pp.
Glargin 100 Einheiten/ml (Vergleich) -0,56 Pp.
EDITION 1 bis 3 gemeinsam4 2.496 Teilnehmende
Glargin 300 Einheiten/ml -1,02 Pp.
Glargin 100 Einheiten/ml (Vergleich) -1,02 Pp.

Werte aus den Abstracts (Kleinste-Quadrate-Mittel). Beide Fassungen senkten den Langzeitwert gleich stark, in EDITION 2 mit rund 10 Prozent mehr Einheiten bei U300.

Weniger Unterzuckerungen mit U3004

Unterschied der Rate bestätigter oder schwerer Unterzuckerungen gegenüber U100, 6 Monate

Nachts4
Glargin 300 Einheiten/ml -31 %
Rund um die Uhr4
Glargin 300 Einheiten/ml -14 %

Gemeinsame Auswertung der EDITION-Studien 1 bis 3 mit 2.496 Menschen mit Typ-2-Diabetes. Bestätigt heißt: Blutzucker gemessen bei höchstens 3,9 mmol/l.

Gläsernes Modell einer Bauchspeicheldrüse unter Lichtringen auf einer hellen Fläche
Die EDITION-Studien verglichen U300 direkt mit U100. Symbolbild.

Forschungsstand

Studienlage

Die Zulassungsstudien EDITION 1 bis 4 und die Clamp-Studie aus diesem Eintrag. Unter dem Entwicklungsnamen HOE901-U300 stehen insgesamt 35 Studien im Register ClinicalTrials.gov, davon 19 in Phase 4. Stand 25.10.2026. 6

  1. Präklinik Gleicher Wirkstoff, dreifache Konzentration
  2. Phase 1 1 Studie, 1 abgeschlossen
  3. Phase 2 keine registrierte Studie
  4. Phase 3 4 Studien, 4 abgeschlossen
  5. Zulassung seit 2015
3.045 Teilnehmende in Phase 3 Zugelassen: Drugs@FDA führt die Fassung mit 300 Einheiten/ml seit dem 25. Februar 2015 (BLA 206538). Der Wirkstoff Insulin Glargin ist laut ChEMBL seit 2000 zugelassen.7
Alle 4 Studien aus Phase 3 im ZeitverlaufZeitverlauf ausblenden 4 abgeschlossen 0 laufend 4 mit Ergebnissen
Phase 3

Balken: Start bis Hauptendpunkt (bei laufenden Studien geplant). Grün = abgeschlossen, blau = Fortschritt bis 25.10.2026. Phase 1: 1 Studie zu Verträglichkeit und Pharmakokinetik, nicht als Balken gezeigt.

Nebenwirkungen und Hypoglykämie

Das Risiko entsteht nicht aus unbekannten Nebenwirkungen, sondern aus der Hauptwirkung. Insulin senkt den Blutzucker verlässlich und dosisproportional und hört damit nicht auf, wenn ein sicherer Wert erreicht ist.

  • Hypoglykämie: Zittern, Schwitzen, Herzrasen, Heißhunger, Nervosität, danach Konzentrationsstörungen, verwaschene Sprache und Verwirrtheit, bei weiterem Abfall Krampfanfall, Bewusstlosigkeit und Tod. Die kognitive Beeinträchtigung setzt genau dann ein, wenn eigenständiges Gegensteuern nötig wäre.
  • Lange Wirkdauer als eigenes Risiko: eine zu hohe Basal-Dosis wirkt über bis zu 36 Stunden weiter. Eine einmalige Gabe schneller Kohlenhydrate deckt dieses Fenster nicht ab, eine Unterzuckerung kann nach anfänglicher Besserung erneut auftreten.
  • Vorbereitung ist Pflicht: Traubenzucker, Saft oder gezuckerte Getränke müssen vor der Applikation griffbereit liegen. Nie ohne Blutzucker-Messung, nie allein, weil die letzte Sicherung eine anwesende zweite Person ist. Nächtliche Ereignisse verlaufen im Schlaf unbemerkt.
  • Kaliumverschiebung: Insulin transportiert Kalium nach intrazellulär. Der Serumwert fällt, eine ausgeprägte Hypokaliämie kann Herzrhythmusstörungen auslösen. Kohlenhydrate allein korrigieren das nicht.
  • Alkohol und Belastung: Alkohol hemmt die Glukoneogenese in der Leber, Muskelarbeit erhöht die insulinunabhängige Glukoseaufnahme. Beides verstärkt und verlängert die Wirkung erheblich.
  • Weitere Effekte: Reaktionen an der Einstichstelle, Lipohypertrophie bei fehlender Rotation, Natrium- und Wasserretention mit Ödemen zu Beginn, Gewichtsveränderung, selten allergische Reaktionen.

Bei Verwirrtheit oder Bewusstseinstrübung ist der Notruf die einzig richtige Reaktion.

Verträglichkeit

Unterzuckerung in den EDITION-Studien

Von 100 Teilnehmenden mit Typ-2-Diabetes je Gruppe: wie viele mindestens eine nächtliche bzw. eine schwere Unterzuckerung hatten.

36 von 100 Glargin 300 Einheiten/ml
46 von 100 Glargin 100 Einheiten/ml (Vergleich)
Ereignis Glargin 300 Einheiten/mlGlargin 100 Einheiten/ml (Vergleich)
Nachts, bestätigt oder schwer (EDITION 1)2 36 %46 %
Schwer, rund um die Uhr (EDITION 1 bis 3)4 2 %3 %

EDITION 1: 807 Teilnehmende unter Basal- und Mahlzeiten-Insulin, gezählt von Woche 9 bis Monat 6. Schwere Unterzuckerungen blieben in beiden Gruppen selten. Bei Typ-1-Diabetes (EDITION 4) war der Unterschied nur in den ersten acht Wochen zu sehen.245

Lagerung

Ungeöffnet im Kühlschrank bei 2 bis 8 Grad lagern, nicht einfrieren und nicht direkt an das Gefrierfach legen. Nach Anbruch bei Raumtemperatur unter 30 Grad und vor Licht geschützt, angebrochene Pens gehören nicht zurück in den Kühlschrank. Nicht verwenden, wenn die Lösung trüb, verfärbt oder mit Partikeln durchsetzt ist. Getrennt von U100-Insulinen aufbewahren, damit im Alltag keine Verwechslung entstehen kann. Außerhalb der Reichweite von Kindern.

Verwandt

Verwandte Wirkstoffe

Gleiche Rezeptoren, Blends mit Toujeo (Insulin Glargin U300) oder ein anderer Weg: alles im TPD-Lexikon.

FAQ

Häufige Fragen zu Toujeo (Insulin Glargin U300)

Kurze Antworten, jede mit den Quellen unten belegt.

Was unterscheidet U300 von U100?

Nur die Konzentration: 300 statt 100 Einheiten je Milliliter, derselbe Wirkstoff. Das kleinere Depot gibt ihn gleichmäßiger ab. Im 36-Stunden-Clamp verliefen Spiegel und Wirkung über 24 Stunden flacher, eine enge Blutzuckerkontrolle hielt im Median rund 30 Stunden, etwa 5 Stunden länger als mit U100.1

Warum ist eine normale Insulinspritze gefährlich?

Übliche Insulinspritzen sind auf U-100 geeicht. Mit U300-Lösung steckt am selben Strich die dreifache Menge im Zylinder. Sehen kann man das nicht. In der Arzneimittel-Datenbank der FDA ist die Fassung mit 300 Einheiten/ml nur als vorgefüllter Injektor mit 1,5 oder 3 ml geführt, nicht als Fläschchen.7

Ist Insulin Glargin U300 zugelassen?

Ja. Drugs@FDA führt die Fassung mit 300 Einheiten/ml seit dem 25. Februar 2015. Den Wirkstoff Insulin Glargin führt ChEMBL mit erster Zulassung 2000. Alles hier ist Forschungsstand und keine Empfehlung.78

Was haben die EDITION-Studien gezeigt?

Gleiche Blutzuckerkontrolle, weniger Unterzuckerungen in der Nacht. In EDITION 1 (807 Teilnehmende) hatten 36 statt 46 Prozent nachts eine Unterzuckerung. Die gemeinsame Auswertung von EDITION 1 bis 3 mit 2.496 Menschen fand 31 Prozent weniger nächtliche und 14 Prozent weniger Unterzuckerungen rund um die Uhr. Schwere blieben selten (2,3 gegen 2,6 Prozent).24

Braucht U300 mehr Einheiten?

Etwas. In EDITION 2 brauchte U300 für dieselbe Senkung des Langzeitwerts rund 10 Prozent mehr Einheiten als U100. Die Gewichtszunahme war mit U300 geringer.3

Spielt die Tageszeit der Gabe eine Rolle?

In EDITION 4 mit 549 Menschen mit Typ-1-Diabetes war das Ergebnis morgens und abends gleich, auch bei den Unterzuckerungen. Weniger nächtliche Unterzuckerungen als mit U100 zeigten sich dort nur in den ersten acht Wochen, die Gewichtszunahme war geringer.5

Glossar

Begriffe kurz erklärt

Gepunktet unterstrichene Wörter im Text zeigen diese Erklärungen direkt an.

Basalinsulin
Lang wirksames Insulin für den Grundbedarf zwischen den Mahlzeiten und in der Nacht.
Bioverfügbarkeit
Anteil eines Stoffes, der tatsächlich im Blut ankommt.
Glukoneogenese
Neubildung von Zucker in der Leber. Sie hält den Blutzucker zwischen den Mahlzeiten oben, Alkohol bremst sie.
Glukose-Clamp
Messmethode, bei der Glukose per Infusion so nachläuft, dass der Blutzucker konstant bleibt. Die Menge zeigt, wie stark Insulin wirkt.
Hypoglykämie
Unterzuckerung. Zuerst Zittern und Schwitzen, später Verwirrtheit, im schweren Fall Bewusstlosigkeit.
Hypokaliämie
Zu wenig Kalium im Blut. Kann Muskelschwäche und Herzrhythmusstörungen auslösen.
Isoelektrischer Punkt
pH-Wert, bei dem ein Eiweiß am schlechtesten löslich ist. Bei Glargin liegt er nahe am neutralen Gewebe.
Lipohypertrophie
Verdicktes Fettgewebe an oft genutzten Einstichstellen. Insulin wird dort unberechenbar aufgenommen.
Mikropräzipitat
Feine feste Ausfällung im Gewebe. Aus ihr löst sich der Wirkstoff langsam wieder.
Steady State
Gleichgewicht bei regelmäßiger Gabe: Es kommt so viel nach, wie abgebaut wird, der Spiegel schwankt nur noch wenig.
U100 und U300
Konzentration von Insulin: 100 bzw. 300 Einheiten je Milliliter. Spritze und Lösung müssen zusammenpassen.

Evidenz

Quellen

Alle 8 Quellen anzeigenQuellen ausblenden 5 Studien1 Studienregister2 Datenbank geprüft am 25.10.2026

Studien

  1. Wirkprofil im Steady State gegen 100 Einheiten/ml

    Becker et al., Diabetes Care, 2015

    Geprüft am 25.10.2026 über doi.org, Crossref, PubMed
  2. EDITION 1: Typ-2-Diabetes mit Basal- und Mahlzeiten-Insulin

    Riddle et al., Diabetes Care, 2014

    Geprüft am 25.10.2026 über doi.org, Crossref, PubMed
  3. EDITION 2: Typ-2-Diabetes mit Basalinsulin und Tabletten

    Yki-Järvinen et al., Diabetes Care, 2014

    Geprüft am 25.10.2026 über doi.org, Crossref, PubMed
  4. Gemeinsame Auswertung von EDITION 1 bis 3

    Ritzel et al., Diabetes, Obesity and Metabolism, 2015

    Geprüft am 25.10.2026 über doi.org, Crossref, PubMed
  5. EDITION 4: Typ-1-Diabetes, morgens oder abends

    Home et al., Diabetes Care, 2015

    Geprüft am 25.10.2026 über doi.org, Crossref, PubMed

Studienregister

  1. Studien im Register ClinicalTrials.gov

    ClinicalTrials.gov, U.S. National Library of Medicine

    Geprüft am 25.10.2026 über ClinicalTrials.gov API v2

Datenbank

  1. Zulassung der Fassung mit 300 Einheiten/ml in Drugs@FDA

    Drugs@FDA, U.S. Food and Drug Administration (BLA 206538)

    Geprüft am 25.10.2026 über openFDA API (drugsfda, ndc)
  2. Wirkmechanismus und Zulassung des Wirkstoffs in ChEMBL

    ChEMBL, EMBL-EBI (CHEMBL1201497)

    Geprüft am 25.10.2026 über ChEMBL

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