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Lexikon

Melanotan 1 Nasenspray

Das MC1R-selektive Bräunungspeptid als gebrauchsfertiges Nasenspray: 10 mg in 5,4 ml, ein Sprühstoß liefert rund 185 mcg, keine Spritze und kein Anmischen.

9 Min. Lesezeit 5 Quellen

Melanotan 1 Nasal, Produktfoto

Steckbrief

Stand Oktober 2026

Klasse
Alpha-MSH-Analog, MC1R-selektiver Melanocortin-Agonist (medizinisch: Afamelanotid)
Form
Fertiges Nasenspray, 10 mg in 5,4 ml (1,85 mg/ml), rund 185 mcg je Sprühstoß, rund 50 Sprühstöße
Anwendung
Nasal, täglich im Aufbau, danach alle 2 bis 3 Tage
Halbwertszeit
Rund 1 bis 2 Stunden im Plasma nach subkutaner Gabe, die Bräune hält Wochen
Status
Als Implantat seit 2014 in der EU zugelassen (seltene Lichtkrankheit), nasal am Menschen nicht untersucht
Hauttyp
Hellhäutige mit wenig Eigenpigment reagieren in Studien am stärksten
Inhalt 9 Abschnitte
  1. Titration
  2. Was ist Melanotan 1 Nasal?
  3. Wie es wirkt
  4. Nasal statt Spritze: Aufnahme über die Nasenschleimhaut
  5. Anwendung und Dosierung
  6. Was die Forschung zeigt
  7. Nebenwirkungen
  8. Lagerung und Haltbarkeit nach Anbruch
  9. Quellen

Einstieg

Übliche Dosierung als Nasenspray (Research-Kontext)

Werte in mg pro Anwendungstag, nicht pro Woche. Wie viele Sprühstöße das sind, steht im Dosierabschnitt.

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Was ist Melanotan 1 Nasal?

Melanotan 1 ist eine synthetische Version des körpereigenen Hormons alpha-MSH, 13 Aminosäuren lang, mit zwei gezielten Änderungen: an Position 4 sitzt Norleucin statt Methionin, an Position 7 ein D-Phenylalanin. Diese beiden Bausteine machen das Molekül widerstandsfähig gegen die Enzyme im Blut und deutlich potenter als das Original. Beschrieben wurde es 1980 von der Arbeitsgruppe in Arizona, die später auch die ersten Humanstudien lieferte. In der Medizin heißt derselbe Wirkstoff Afamelanotid und ist seit 2014 in der EU als Depot-Implantat für Menschen mit erythropoetischer Protoporphyrie zugelassen, einer seltenen Erkrankung, bei der Licht die Haut schmerzhaft reizt.

Diese Variante ist das fertige Nasenspray: 10 mg Melanotan 1 sind in 5 ml Kochsalzlösung (NaCl) plus 0,4 ml bakteriostatischem Wasser gelöst, zusammen 5,4 ml, das ergibt 1,85 mg pro ml. Die Pumpe gibt je Sprühstoß 0,1 ml ab, also rund 185 mcg (0,19 mg). Rechnerisch stecken 54 Sprühstöße in der Flasche, nach dem Befüllen der Pumpe bleiben rund 50. Anmischen, Spritzen und Einheiten-Rechnen entfallen, das Spray wird nach deiner Bestellung frisch abgefüllt und als Express verschickt. Wer lieber mit dem Vial arbeitet, findet im Eintrag zu Melanotan 1 den Rechner.

Ehrlich vorweg: Die gesamte Humanforschung zu Melanotan 1 arbeitet mit Injektionen unter die Haut oder mit dem Implantat. Zur nasalen Gabe gibt es keine veröffentlichte Messung, weder zur Aufnahme noch zur Bräunungswirkung. Dieser Eintrag trennt deshalb sauber, was aus den Spritzen-Studien übertragbar ist und was beim Spray Erfahrungswert bleibt.

Diese Information dient ausschließlich Forschungs- und Bildungszwecken. Keine medizinischen Empfehlungen.

Wie es wirkt

Melanotan 1 bindet an den Melanocortin-1-Rezeptor (MC1R) auf den Melanozyten, den Pigmentzellen der Haut. Der Rezeptor schaltet über den Botenstoff cAMP die Tyrosinase an, das Schlüsselenzym der Melaninbildung. Die Zelle produziert mehr Eumelanin, das braun-schwarze Pigment. Das Pigment wird an die umliegenden Hautzellen abgegeben, die Haut dunkelt nach, auch mit weniger UV-Reiz als sonst nötig. Über denselben Rezeptor beschreibt die Forschung zusätzlich antioxidative Effekte und eine bessere Reparatur von UV-Schäden an der DNA (Minder 2017).

Anders als Melanotan II hat Melanotan 1 kaum Zug zum MC3- und MC4-Rezeptor im Gehirn. Deshalb fehlen die zentralen Effekte, die Melanotan II mitbringt: keine ausgeprägte Übelkeitswelle, keine Effekte auf Libido oder Erektion, keine starke Appetitdämpfung. Wenn es nur um Pigment geht, ist Melanotan 1 das gezieltere Werkzeug. Auch als Spray bleibt das so.

Die Plasma-Halbwertszeit nach subkutaner Gabe liegt bei rund 1 bis 2 Stunden (Ugwu 1997), der Wirkstoff ist also schnell wieder aus dem Blut verschwunden. Die Bräune nicht: Die Melanozyten arbeiten nach dem Signal weiter, in den Studien erreichte die Hautfarbe ihren Höhepunkt erst 1 bis 3 Wochen nach der letzten Gabe und hielt danach noch Wochen an. Das ist der wichtigste Punkt für die Dosierung: Was du heute sprühst, siehst du frühestens in einer Woche richtig.

Nasal statt Spritze: Aufnahme über die Nasenschleimhaut

Die Nasenschleimhaut ist dünn und stark durchblutet, was dort ins Blut übergeht, umgeht Magen und Leber. Melanotan 1 ist mit rund 1.650 Dalton ein kleines, wasserlösliches Peptid und damit grundsätzlich ein Kandidat für diesen Weg. Trotzdem gilt für Peptide dieser Größe: nur ein Teil der Dosis kommt im Blut an, der Rest wird von den Peptidasen der Schleimhaut abgebaut oder läuft mit dem Sekret in den Rachen und wird verdaut. Verdaut heißt bei Melanotan 1 wirkungslos, denn nach oraler Gabe war im Blut nichts messbar (Ugwu 1997, Minder 2017).

Für Melanotan 1 nasal gibt es keine Messung am Menschen. Bekannt ist nur der Rahmen: subkutan kommt die volle Dosis an, oral und über die Haut nichts. Die Nase liegt irgendwo dazwischen, wo genau, hat niemand bestimmt. Rechne deshalb damit, dass ein Sprühstoß mit nominell 185 mcg deutlich weniger wirksames Peptid liefert als 185 mcg aus der Spritze. Rechne auch damit, dass die Bräune langsamer kommt oder schwächer bleibt. Was dagegen nicht hilft, ist Draufhalten: Die Schleimhaut nimmt pro Stoß nur eine begrenzte Menge auf, vier Stöße hintereinander laufen vor allem hinten in den Rachen.

Praktisch: Vor der ersten Nutzung die Pumpe 2 bis 3 Mal ins Leere drücken, bis ein feiner Nebel kommt. Nase vorher sanft putzen, Kopf aufrecht halten, die Düse leicht nach außen zur Nasenwand richten und nicht gegen die Nasenscheidewand, dabei ruhig einatmen, nicht hochziehen. Danach 10 bis 15 Minuten nicht schnäuzen. Bei zwei Stößen je einen pro Nasenloch, nicht beide in dasselbe. Bei Erkältung oder gereizter Schleimhaut ist die Aufnahme unberechenbar, dann lieber pausieren.

Anwendung und Dosierung

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Was die Forschung zeigt

Melanotan 1 ist das am besten untersuchte Bräunungspeptid, weil es als Afamelanotid den ganzen Weg bis zur Zulassung gegangen ist. Die erste randomisierte, placebokontrollierte Humanstudie stammt aus Arizona (Levine und Kollegen, JAMA 1991): 28 gesunde Männer bekamen 10 subkutane Gaben in 12 Tagen und trugen dabei hohen Sonnenschutz. Die Haut dunkelte bei beiden Hauttyp-Gruppen messbar nach, bei schlechten wie bei guten Bräunern, unter Placebo gar nicht. Der Höhepunkt der Bräune lag 1 bis 3 Wochen nach der letzten Gabe.

Die Pharmakokinetik lieferten Ugwu und Kollegen 1997 (Biopharmaceutics and Drug Disposition): subkutan kommt die Dosis vollständig an, oral war im Blut nichts nachweisbar, die Plasma-Halbwertszeit lag bei 0,8 bis 1,7 Stunden. Die Bräune an Stirn, Armen und Nacken war 3 Wochen nach der letzten Dosis noch da. Dorr und Kollegen kombinierten das Peptid 2004 in drei Phase-1-Studien mit UV-B oder echter Sonne (Archives of Dermatology): die bestrahlte Haut zeigte 47 Prozent weniger Sonnenbrandzellen, die Bräune hielt mindestens 3 Wochen länger als bei Sonne allein. Die Kontrollgruppe brauchte 50 Prozent mehr Sonnenzeit für denselben Ton.

Die größte Arbeit ist die von Barnetson und Kollegen (Journal of Investigative Dermatology 2006) mit 65 hellhäutigen Probanden über drei Monate: Bei empfindlicher Haut stieg der Melaningehalt um 41 Prozent, bei dunklerer nur um 12 Prozent, Sonnenbrandzellen nach UV-Bestrahlung wurden mehr als halbiert und UV-bedingte DNA-Schäden (Thymin-Dimere) sanken um 59 Prozent. Eine Übersicht von Minder und Kollegen (Clinical Pharmacokinetics 2017) fasst den klinischen Weg zusammen: EU-Zulassung 2014 als Implantat, keine Spätfolgen bei Freiwilligen 25 Jahre nach dem Erstkontakt, durchweg milde Nebenwirkungen. Alle diese Daten stammen aus Spritze oder Implantat, zum Nasenspray gibt es null Messungen am Menschen.

Nebenwirkungen

In den Humanstudien waren die Nebenwirkungen mild: Übelkeit, vorübergehendes Gesichts-Flushing mit Wärmegefühl und gelegentlich Magen-Darm-Beschwerden, meist in den ersten Tagen und bei Dosen, die weit über der Research-Linie lagen (Ugwu 1997, Dorr 2004). Die Langzeitdaten zu Afamelanotid über bis zu 8 Jahre im Implantat und 25 Jahre nach dem Erstkontakt sind unauffällig (Minder 2017). Mit dem Spray dürften die systemischen Effekte eher schwächer ausfallen, weil weniger Peptid im Blut ankommt, garantiert ist das aber nicht.

Der sichtbare Effekt ist zugleich der häufigste Nebeneffekt: Bestehende Muttermale, Sommersprossen und Pigmentflecken dunkeln mit nach, das Gesicht meist zuerst. Die Bräune kann anfangs ungleichmäßig sein. Behalte deine Haut im Blick und lass Muttermale, die sich in Form oder Farbe verändern, ärztlich anschauen, auch wenn Melanotan 1 hier als deutlich unauffälliger gilt als Melanotan II. Für Menschen mit einem Melanom in der Vorgeschichte oder vielen auffälligen Muttermalen ist das Peptid nichts. Für Schwangerschaft und Stillzeit gibt es keine Daten, also auch dort nicht. Wechselwirkungen mit Medikamenten sind für Afamelanotid nicht untersucht. Weil ein Teil des Sprays in den Rachen läuft, erreicht es auch Pigmentzellen in der Mund- und Nasenschleimhaut; ob das dort etwas verändert, ist für Melanotan 1 nicht untersucht, ein Blick in den Spiegel schadet nicht.

Nasal kommen lokale Dinge dazu: Brennen oder Kribbeln in der Nase, Niesen, laufende Nase, ein bitterer Nachgeschmack, bei häufiger Nutzung trockene Schleimhaut oder leichtes Nasenbluten. Wer das merkt, pausiert ein paar Tage statt durchzudrücken. Und ein Punkt, der kein Nebeneffekt, aber die größte Gefahr ist: Die Bräune schützt nicht zuverlässig vor UV-Schäden. In der ersten Humanstudie trugen alle Teilnehmer hohen Sonnenschutz. Genau so sollte es bleiben.

Lagerung und Haltbarkeit nach Anbruch

Das Spray gehört in den Kühlschrank (2 bis 8 Grad), nicht ins Gefrierfach und nicht ins Türfach, wo die Temperatur bei jedem Öffnen schwankt. Vor Licht schützen, die Flasche also in der Umverpackung lassen. Aufrecht lagern, damit das Steigrohr in der Lösung bleibt. Ein paar Stunden bei Raumtemperatur, etwa auf dem Postweg oder in der Tasche, machen der Lösung nichts aus, dauerhaft warm sollte sie aber nicht stehen.

Angebrochen hält die Lösung im Kühlschrank mehrere Monate. Melanotan 1 ist dafür gebaut: Das empfindliche Methionin des natürlichen alpha-MSH ist durch Norleucin ersetzt, das nicht oxidiert. Ein Cystein gibt es nicht. Das D-Phenylalanin schützt vor Enzymen. Kochsalzlösung ist ein stabiles Medium. Die 0,4 ml bakteriostatisches Wasser bringen etwas Benzylalkohol als Konservierung mit. Lichtempfindlich ist vor allem das Tryptophan in der Kette, daher der Karton. Empfindlich ist die Lösung sonst vor allem gegen Keime, Sauberkeit zählt also mehr als Kälte allein. In der Aufbauphase ist die Flasche ohnehin nach 3 bis 7 Wochen leer, in der Erhaltung brauchst du sie am besten innerhalb von etwa 3 Monaten auf.

Die Düse nach jedem Gebrauch mit einem sauberen Tuch abwischen und die Kappe aufsetzen, damit nichts eintrocknet und keine Keime in die Flasche wandern. Eine Flasche ist persönlich, nicht teilen. Wird die Lösung gelartig, klumpig oder riecht sie anders, nicht mehr verwenden. Eine leichte Trübung allein ist kein Grund dafür.

Evidenz

Quellen

  1. 1 DOI Erste randomisierte, placebokontrollierte Humanstudie: 10 subkutane Gaben in 12 Tagen bräunen die Haut von 28 Männern messbar, auch bei schlechten Bräunern, Höhepunkt erst 1 bis 3 Wochen nach der letzten Gabe JAMA, 1991 Quelle öffnen
  2. 2 PubMed Pharmakokinetik an drei Probanden: subkutan voll bioverfügbar, oral im Blut nicht nachweisbar, Plasma-Halbwertszeit 0,8 bis 1,7 Stunden, Bräune noch 3 Wochen nach der letzten Dosis vorhanden Biopharmaceutics and Drug Disposition, 1997 Quelle öffnen
  3. 3 DOI Drei Phase-1-Studien mit UV-B oder Sonne: 47 Prozent weniger Sonnenbrandzellen, Bräune hält mindestens 3 Wochen länger, Kontrollen brauchten 50 Prozent mehr Sonnenzeit, Nebenwirkungen Übelkeit und vorübergehender Flush Archives of Dermatology, 2004 Quelle öffnen
  4. 4 DOI 65 hellhäutige Probanden über 3 Monate: Melanin plus 41 Prozent bei empfindlicher Haut, Sonnenbrandzellen mehr als halbiert, UV-bedingte DNA-Schäden (Thymin-Dimere) um 59 Prozent gesenkt Journal of Investigative Dermatology, 2006 Quelle öffnen
  5. 5 DOI Übersicht zu Pharmakokinetik und klinischem Einsatz von Afamelanotid: subkutan volle Bioverfügbarkeit, oral und über die Haut keine messbaren Spiegel, EU-Zulassung 2014, keine Spätfolgen 25 Jahre nach Erstkontakt Clinical Pharmacokinetics, 2017 Quelle öffnen

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