Diese Information dient ausschließlich Forschungs- und Bildungszwecken. Keine medizinischen Empfehlungen. Produkte sind nicht zur Anwendung am Menschen freigegeben. Konsultiere bei gesundheitlichen Fragen einen Arzt.

Lexikon

Haut, Haare & Anti-Aging

Melanotan 1

MC1R-selektiver Melanocortin-Agonist (auch Afamelanotide). Bräunung wie Melanotan II, aber ohne dessen ausgeprägte Nebenwirkungen.

4 Min. Lesezeit 2 Quellen Rechner Titration Stand Mai 2026
Klasse
Melanocortin-Agonist (MC1R-selektiv), auch Afamelanotide
Anwendung
Subkutan
Halbwertszeit
Kurz (kürzer als Melanotan II)
Form
Lyophilisat (Pulver), mit BAC-Wasser rekonstituiert

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Was ist Melanotan 1?

Melanotan 1 ist ein Analog des körpereigenen Hormons alpha-MSH und wird auch Afamelanotide genannt. Wie Melanotan II setzt es an den Melanocortin-Pfaden an, ist aber gezielter: Es wirkt vor allem am MC1-Rezeptor, der die Hautpigmentierung steuert, und kaum am MC4-Rezeptor, über den bei Melanotan II die Effekte auf Libido, Appetit und die Übelkeit laufen.

Genau das ist der praktische Unterschied: Melanotan 1 bräunt ähnlich, bringt aber deutlich weniger Nebenwirkungen mit. In der Medizin ist die Substanz als Afamelanotide sogar zugelassen, dort allerdings als langsam abgebendes Implantat. Als Research-Peptid wird sie subkutan gespritzt, dosiert in Mikrogramm, und kommt als gefriergetrocknetes Pulver, das du mit bakteriostatischem Wasser auflöst.

Wie es wirkt

Über den MC1-Rezeptor regt Melanotan 1 die Melanozyten in der Haut an, mehr Eumelanin zu bilden. Das ist der Bräunungs-Effekt, der im Forschungskontext auch bei weniger UV-Reiz beschrieben wird. Weil es kaum am MC4-Rezeptor andockt, fehlen die zentralen Effekte, die Melanotan II mitbringt: kein ausgeprägter Übelkeits-Schub, kein spontaner Erektions-Komplex, keine starke Appetitdämpfung.

Die Halbwertszeit ist kurz, kürzer als bei Melanotan II. Deshalb ist die zugelassene Medizin-Form ein Depot-Implantat, das den Wirkstoff langsam abgibt. Die injizierbare Research-Form wird entsprechend häufiger angewendet. Wichtig bleibt: Eine stärkere Bräunung heißt nicht, dass die Haut vor UV-Schäden geschützt ist.

Was du brauchst

Melanotan 1 wird subkutan angewendet. Du brauchst:

  • Das Melanotan-1-Vial mit dem gefriergetrockneten Pulver
  • Bakteriostatisches Wasser zum Auflösen
  • U-100-Insulinspritzen
  • Alkoholtupfer für den Vial-Deckel und die Hautstelle
  • Einen verschließbaren Behälter für gebrauchte Nadeln

Rekonstitution

Das Pulver wird mit bakteriostatischem Wasser aufgelöst. Wie viel Wasser du nimmst, bestimmt die Konzentration und damit, wie viele Einheiten du für deine Dosis auf der Insulinspritze aufziehst.

Den Rechner oben kannst du dafür nutzen: Wassermenge wählen, und du siehst Konzentration und Einheiten pro Dosis. Weil in kleinen Mikrogramm-Mengen dosiert wird, ist eine nicht zu hohe Konzentration praktisch, damit die Einheiten gut ablesbar bleiben.

Beim Auflösen das BAC-Wasser einfach reingeben, es ist egal ob es direkt aufs Pulver trifft. Danach schwenken oder schütteln, bis sich alles gelöst hat, beides ist okay.

Injektion

Gespritzt wird subkutan ins Unterhautfettgewebe, klassisch in den Bauch (etwa zwei Finger breit rund um den Nabel aussparen).

  • Hautstelle mit einem Alkoholtupfer reinigen und kurz trocknen lassen
  • Eine kleine Hautfalte abheben
  • Die Nadel im Winkel von 45 bis 90 Grad einstechen
  • Langsam injizieren, kurz warten, dann die Nadel zurückziehen
  • Die Nadel sofort in den Sammelbehälter geben

Wechsle die Einstichstelle von Mal zu Mal.

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Was die Forschung zeigt

Melanotan 1 ist als Afamelanotide das mit Abstand am besten untersuchte Tanning-Peptid, weil es als Medikament zugelassen wurde. In einer Zulassungsstudie (Langendonk, 2015) steigerte das Afamelanotide-Implantat bei Patienten mit einer seltenen Lichtempfindlichkeits-Erkrankung die Melaninbildung und den Lichtschutz. Eine Langzeit-Beobachtung über 115 Patienten bestätigte ein günstiges Sicherheitsprofil mit meist milden, vorübergehenden Nebenwirkungen.

Diese Daten stammen aus dem medizinischen Implantat-Kontext. Für die reine Bräunungs-Anwendung per Injektion gelten sie als Orientierung, sind aber Research-Kontext. Die Studien mit Links findest du unten im Quellenblock.

Nebenwirkungen

Melanotan 1 ist deutlich verträglicher als Melanotan II, vor allem weil die MC4-Effekte fehlen. Berichtet werden meist milde, vorübergehende Dinge: leichte Übelkeit oder Kopfschmerzen am Anfang, Reaktionen an der Einstichstelle. Den spontanen Erektions- und Übelkeits-Komplex von Melanotan II gibt es hier praktisch nicht.

Ein wichtiger Unterschied zu Melanotan II: Die neuen oder sich verändernden Muttermale, die bei Melanotan II ein Thema sind, treten bei Melanotan 1 nicht in dieser Form auf. Die Haut bräunt insgesamt nach, das ist der gewollte Effekt. Generell auf die Haut zu achten, schadet trotzdem nie.

Praxis

Ein paar Dinge, die wichtig sind:

  • Niedrig starten, auch wenn Melanotan 1 milder ist als Melanotan II.
  • UV vorsichtig. Die Bräune schützt nicht zuverlässig vor UV-Schäden, übertreib es also nicht mit Sonne oder Solarium.
  • Generell auf die Haut achten, auch wenn die für Melanotan II typischen Muttermal-Veränderungen hier kein Thema sind.
  • In Phasen statt dauerhaft.

Lagerung

Das ungelöste Pulver ist robust, normale Raumtemperatur (rund 20 bis 25 Grad) reicht, am besten dunkel lagern. Die rekonstituierte Lösung kommt in den Kühlschrank (2 bis 8 Grad) und bleibt dort mindestens 8 bis 10 Wochen nahezu ohne Wirkstoffverlust stabil, in der Praxis deutlich länger. Das bakteriostatische Wasser bringt einen Konservierungsstoff mit, der die gelöste Form länger stabil hält.

Evidenz

Quellen

  1. 1 Zulassungsstudie zu Afamelanotide (Melaninbildung und Lichtschutz bei erythropoetischer Protoporphyrie). Langendonk et al., New England Journal of Medicine, 2015
  2. 2 Langzeit-Beobachtung über 115 Patienten (Sicherheitsprofil). British Journal of Dermatology, 2015

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