Was ist Silymarin?
Silymarin ist ein Gemisch aus sechs Flavonolignanen aus den Früchten der Mariendistel. Der wichtigste Bestandteil heißt Silibinin. Im Zellversuch wirkt es als Radikalfänger und soll die Membran der Leberzelle stabilisieren, wodurch weniger Giftstoff eindringt.
Es ist mit Abstand das bekannteste Leberpräparat und gleichzeitig eines der am schwächsten belegten. Diese Seite sagt das offen, denn die Alternative wäre, dir einen Nutzen zu verkaufen, den die Studien nicht liefern.
Diese Information dient ausschließlich Forschungs- und Bildungszwecken. Keine medizinischen Empfehlungen.
Wie es wirkt
Ein Teil des Problems ist die Aufnahme. Silymarin ist schlecht wasserlöslich, die orale Bioverfügbarkeit liegt entsprechend niedrig. Präparate mit Phosphatidylcholin-Komplex oder als Silibinin-Phytosom verbessern das deutlich. Wer normales Silymarin nimmt, sollte es mit einer fetthaltigen Mahlzeit kombinieren, sonst kommt noch weniger an.
Das ist auch eine mögliche Erklärung für die negativen Studien: es könnte sein, dass in mehreren Untersuchungen schlicht zu wenig Wirkstoff dort ankam, wo er wirken soll. Beweisen lässt sich das nicht, und eine Vermutung ersetzt kein Ergebnis.
Eine Anwendung ist dagegen sauber belegt: intravenöses Silibinin bei Knollenblätterpilzvergiftung. Das ist eine etablierte Notfallanwendung und hat mit der Kapsel wenig zu tun.
Anwendung und Dosierung
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Was die Forschung zeigt
Die beiden methodisch stärksten Untersuchungen fielen negativ aus. SyNCH (JAMA 2012) gab 154 Hepatitis-C-Patienten über 24 Wochen hochdosiertes Silymarin oder Placebo. Den primären Endpunkt erreichten in beiden Gruppen zwei Teilnehmer. Kein Effekt auf ALT, Viruslast oder Lebensqualität.
Bei alkoholischer Leberzirrhose (J Hepatol 1998) war das Überleben unter Silymarin und Placebo bei 200 Patienten identisch. Die Cochrane-Übersicht (2007) kommt über 18 Studien mit 1.088 Patienten zum selben Schluss: kein signifikanter Effekt auf Sterblichkeit oder Gewebebefund. Der scheinbare Effekt verschwindet, sobald man nur die qualitativ hochwertigen Studien betrachtet.
Bei nicht-alkoholischer Steatohepatitis (Clin Gastroenterol Hepatol 2017) wurde der primäre Endpunkt bei 99 Patienten über 48 Wochen verfehlt. Ein sekundärer Fibrose-Befund war positiv, aber sekundäre Endpunkte sind Hinweise und keine Belege.
Es gibt eine viel zitierte positive Studie von 1989 mit einem Überlebensvorteil. Sie hatte 170 Teilnehmer, der p-Wert lag knapp unter der Signifikanzschwelle, und der Effekt tauchte in keiner der späteren, größeren und besseren Studien wieder auf. Das ist das klassische Muster eines Zufallsbefunds.
Nebenwirkungen
- Sehr gute Verträglichkeit: über alle Studien hinweg lag das Nebenwirkungsprofil auf Placebo-Niveau. Das ist der stärkste Punkt der Substanz.
- Milde Verdauungsbeschwerden: gelegentlich, meist vorübergehend.
- Allergische Reaktionen: selten, bei Korbblütler-Allergie möglich.
- Das eigentliche Risiko: sich in falscher Sicherheit zu wiegen. Silymarin ersetzt keine Zyklus-Begrenzung und keine Blutwerte.
Lagerung
Trocken, bei Raumtemperatur und vor Licht geschützt lagern. Außerhalb der Reichweite von Kindern.