Was ist Silymarin?
Silymarin ist ein Gemisch aus sechs Flavonolignanen aus den Früchten der Mariendistel. Der wichtigste Bestandteil heißt Silibinin. Im Zellversuch wirkt es als Radikalfänger und soll die Membran der Leberzelle stabilisieren, wodurch weniger Giftstoff eindringt.
Es ist mit Abstand das bekannteste Leberpräparat und gleichzeitig eines der am schwächsten belegten. Diese Seite sagt das offen, denn die Alternative wäre, dir einen Nutzen zu verkaufen, den die Studien nicht liefern.
Diese Information dient ausschließlich Forschungs- und Bildungszwecken. Keine medizinischen Empfehlungen.
Vergleich
Was im Lexikon zur Leber steht
Einträge im TPD-Lexikon, die mit der Leber zu tun haben, so wie dort beschrieben. Ein Klick öffnet den Eintrag.
Vereinfacht: keiner dieser Stoffe ersetzt Blutwerte, eine begrenzte Zyklusdauer oder den Verzicht auf Alkohol.
Wie es wirkt
Ein Teil des Problems ist die Aufnahme. Silymarin ist schlecht wasserlöslich, die orale Bioverfügbarkeit liegt entsprechend niedrig. Präparate mit Phosphatidylcholin-Komplex oder als Silibinin-Phytosom verbessern das deutlich. Wer normales Silymarin nimmt, sollte es mit einer fetthaltigen Mahlzeit kombinieren, sonst kommt noch weniger an.
Das ist auch eine mögliche Erklärung für die negativen Studien: es könnte sein, dass in mehreren Untersuchungen schlicht zu wenig Wirkstoff dort ankam, wo er wirken soll. Beweisen lässt sich das nicht. Eine Vermutung ersetzt kein Ergebnis.
Eine Anwendung ist dagegen sauber belegt: intravenöses Silibinin bei Knollenblätterpilzvergiftung. Das ist eine etablierte Notfallanwendung und hat mit der Kapsel wenig zu tun.
Wirkorte
Wo Silymarin in Studien untersucht wurde
Punkt oder Karte antippen. Grau = in Studien beobachtet, ein gesichertes Ziel im Körper ist nicht beschrieben.
Anwendung und Dosierung
Dosierung
Dosierung, Titrationsplan und Spritze
Die Dosierung wird geladen …
- Einstieg und Steigerung als Treppe
- Einheiten auf der U-100-Spritze je Stufe
- Wie lange ein Vial reicht
Was die Forschung zeigt
Die beiden methodisch stärksten Untersuchungen fielen negativ aus. SyNCH (JAMA 2012) gab 154 Hepatitis-C-Patienten über 24 Wochen hochdosiertes Silymarin oder Placebo. Den primären Endpunkt erreichten in beiden Gruppen zwei Teilnehmer. Kein Effekt auf ALT, Viruslast oder Lebensqualität.
Bei alkoholischer Leberzirrhose (J Hepatol 1998) war das Überleben unter Silymarin und Placebo bei 200 Patienten identisch. Die Cochrane-Übersicht (2007) kommt über 18 Studien mit 1.088 Patienten zum selben Schluss: kein signifikanter Effekt auf Sterblichkeit oder Gewebebefund. Der scheinbare Effekt verschwindet, sobald man nur die qualitativ hochwertigen Studien betrachtet.
Bei nicht-alkoholischer Steatohepatitis (Clin Gastroenterol Hepatol 2017) wurde der primäre Endpunkt bei 99 Patienten über 48 Wochen verfehlt. Ein sekundärer Fibrose-Befund war positiv, aber sekundäre Endpunkte sind Hinweise und keine Belege.
Es gibt eine viel zitierte positive Studie von 1989 mit einem Überlebensvorteil. Sie hatte 170 Teilnehmer, der p-Wert lag knapp unter der Signifikanzschwelle. Der Effekt tauchte in keiner der späteren, größeren und besseren Studien wieder auf. Das ist das klassische Muster eines Zufallsbefunds.
Studienergebnisse
Was die Studien gemessen haben
Zum Ausprobieren: Reiter wechseln, Punkte antippen, Arme aus- und einblenden. Die Arme heißen relativ zueinander, keine Dosisempfehlung.
Hauptziel nach 24 Wochen1
Anteil mit normalem oder halbiertem Leberwert ALT, 154 Menschen nach erfolgloser Interferon-Therapie
Beide Dosen lagen deutlich über der üblichen. Auch Viruslast und Lebensqualität unterschieden sich nicht von Placebo.
NASH nach 48 Wochen4
Anteil in Prozent, 99 Menschen mit Biopsie vorher und nachher
Gegeben wurde die höchste Studiendosis. Das Hauptziel wurde verfehlt, die Fibrose-Werte sind Nebenziele. Die Autoren halten eine größere Studie für nötig.
Forschungsstand
Studienlage
Im Register ClinicalTrials.gov nennen 99 Studien Silymarin unter den Interventionen. Gezeigt sind die Studien aus diesem Eintrag und die zur Knollenblätterpilz-Vergiftung. Die beiden Zirrhose-Studien von 1989 und 1998 sind dort nicht eingetragen. Stand 26.10.2026. 7
- Präklinik Labor: antioxidative, entzündungshemmende und antifibrotische Effekte
- Phase 1 keine registrierte Studie
- Phase 2 4 Studien, 3 abgeschlossen, 1 vorzeitig beendet
- Phase 3 keine registrierte Studie
- Zulassung in der EU nur aus langer Anwendung, nicht aus Studien
Alle 4 Studien aus Phase 2 im ZeitverlaufZeitverlauf ausblenden
SyNCH · NCT00680342 · 154 Teilnehmende, Start 04/2008, Hauptendpunkt erreicht 01/2011.
Registereintrag ↗ · Ergebnisse: Fried et al., JAMA, 2012
SyNCH · NCT00680407 · 78 Teilnehmende, Start 04/2008, Hauptendpunkt erreicht 11/2012.
Registereintrag ↗ · Ergebnisse noch nicht in PubMed
NCT00915681 · 148 Teilnehmende, Start 11/2009, vorzeitig beendet 04/2020.
NCT02006498 · 99 Teilnehmende, Start 06/2012, Hauptendpunkt erreicht 12/2015.
Registereintrag ↗ · Ergebnisse: Wah Kheong et al., Clinical Gastroenterology and Hepatology, 2017
Balken: Start bis Hauptendpunkt (bei laufenden Studien geplant). Grün = abgeschlossen, blau = Fortschritt bis 26.10.2026, grau = vorzeitig beendet.
Nebenwirkungen
- Sehr gute Verträglichkeit: über alle Studien hinweg lag das Nebenwirkungsprofil auf Placebo-Niveau. Das ist der stärkste Punkt der Substanz.
- Milde Verdauungsbeschwerden: gelegentlich, meist vorübergehend.
- Allergische Reaktionen: selten, bei Korbblütler-Allergie möglich.
- Das eigentliche Risiko: sich in falscher Sicherheit zu wiegen. Silymarin ersetzt keine Zyklus-Begrenzung und keine Blutwerte.
Verträglichkeit
Häufigkeit in SyNCH
Von 100 Teilnehmenden je Gruppe: wie viele das Ereignis über 24 Wochen hatten.
| Ereignis | Placebo | Silymarin (beide Dosen) |
|---|---|---|
| Magen-Darm-Beschwerden1 | 5 % | 12 % |
| Mindestens eine Nebenwirkung1 | 40 % | 33 % |
| Schweres Ereignis1 | 2 % | 7 % |
Magen-Darm-Werte aus dem Ergebnistext, die beiden anderen gerechnet aus Tabelle 3 des Volltexts (52 unter Placebo, 102 unter Silymarin). Kein Unterschied war signifikant. Die Cochrane-Übersicht fand kein erhöhtes Risiko für Nebenwirkungen.13
Lagerung
Trocken, bei Raumtemperatur und vor Licht geschützt lagern. Außerhalb der Reichweite von Kindern.