Was ist Sirolimus?
Sirolimus, besser bekannt als Rapamycin, bindet an das Immunophilin FKBP-12 und hemmt über diesen Komplex mTOR, den zentralen Wachstums- und Nährstoffsensor der Zelle. Es ist als Immunsuppressivum nach Organtransplantation zugelassen, sein Ruf kommt aber aus der Alternsforschung.
Dort ist die Mäuse-Evidenz ungewöhnlich stark und mehrfach unabhängig reproduziert. Am Menschen sieht es anders aus. Dieser Unterschied ist der Kern dieser Seite.
Diese Information dient ausschließlich Forschungs- und Bildungszwecken. Keine medizinischen Empfehlungen.
Vergleich
Longevity-Ansätze im Lexikon
Wirkstoffe, die im TPD-Lexikon mit Alternsforschung verbunden sind, so wie dort beschrieben. Ein Klick öffnet den Eintrag.
Vereinfacht: verschiedene Wege. Was jeweils am Menschen belegt ist, steht im Eintrag. 8
Wie es wirkt
mTOR existiert in zwei Komplexen. mTORC1 ist der Wachstumsschalter, der bei Nährstoffüberfluss Zellwachstum und Proteinsynthese anschiebt und gleichzeitig die Autophagie bremst, also das zelluläre Aufräumen. mTORC2 ist unter anderem für Immunfunktion und Insulinsignalisierung wichtig.
Rapamycin hemmt akut vor allem mTORC1. Erst bei dauerhaft hohen Spiegeln wird auch mTORC2 mitbetroffen. Genau daher kommen die typischen Probleme der Transplantationsdosis. Die wöchentliche Gabe nutzt die lange Halbwertszeit von rund 62 Stunden, um mTORC1 regelmäßig zu treffen und mTORC2 zwischendurch wieder loszulassen.
Der Unterschied zur Transplantationsmedizin ist deshalb kein Detail, sondern das ganze Konzept. Dort wird täglich dosiert und der Spiegel bewusst hochgehalten, mit dem Ziel der Immunsuppression. Wer die Zulassungsdosis auf sich überträgt, unterdrückt sein Immunsystem.
Wirkorte
Wo Sirolimus wirkt
Punkt oder Karte antippen. Farbe = mTOR, grau = in Studien beobachtet.
- Immunsystem
Hemmt Aktivierung und Teilung von T-Zellen, deshalb Immunsuppression6
mTOR - Leber und Blutfette
Abbau über CYP3A4, Cholesterin und Triglyceride können steigen6
In Studien beobachtet - Haut und Wunden
Wundheilung verzögert6
In Studien beobachtet - Bauchfett
In PEARL nach 48 Wochen unverändert5
In Studien beobachtet - Magermasse
In PEARL bei Frauen in der höchsten Studiendosis gestiegen5
In Studien beobachtet
Ziele in der Datenbank ChEMBL8
Wirkstoff CHEMBL413: zwei erfasste Mechanismen, Art der Wirkung je Karte.
- Gen
- FKBP1A
- UniProt
- P62942
- ChEMBL
- CHEMBL1902
- Wirkung
- Hemmer, direkte Bindung
- Gen
- MTOR
- UniProt
- P42345
- ChEMBL
- CHEMBL2842
- Wirkung
- Gehemmt über den Komplex mit FKBP-12, laut Fachinformation
Anwendung und Dosierung
Dosierung
Dosierung, Titrationsplan und Spritze
Die Dosierung wird geladen …
- Einstieg und Steigerung als Treppe
- Einheiten auf der U-100-Spritze je Stufe
- Wie lange ein Vial reicht
Was die Forschung zeigt
Bei Mäusen ist die Datenlage außergewöhnlich. Im Interventions Testing Program des amerikanischen Alternsforschungsinstituts verlängerte Rapamycin die Lebensspanne selbst dann noch, wenn es erst spät im Leben begonnen wurde: plus 14 Prozent bei Weibchen und 9 Prozent bei Männchen, reproduziert an drei unabhängigen Standorten (Nature 2009).
Die Folgeauswertung (J Gerontol A 2011) bestätigte plus 10 bis 18 Prozent, während Resveratrol und Simvastatin im selben Programm gar keinen Effekt zeigten. Das ist wichtig, weil dasselbe Prüfsystem beide Ergebnisse produziert hat. Die Dosis-Untersuchung (Aging Cell 2014) fand bei dreifacher Dosis plus 23 bis 26 Prozent, also eine klare Dosisabhängigkeit.
Am Menschen fehlt dieser Nachweis. Die PEARL-Studie (Aging 2025) ist die größte und längste Untersuchung an normal alternden Menschen: 48 Wochen randomisiert und placebokontrolliert. Der primäre Endpunkt, die Reduktion des viszeralen Fetts, wurde verfehlt. Was PEARL gezeigt hat, ist Sicherheit über ein Jahr wöchentlicher Gabe, nicht Nutzen. Sicherheit ist nicht Wirksamkeit. Dieser Satz gehört an den Anfang jeder Überlegung zu dieser Substanz.
Studienergebnisse
Was die Studien gemessen haben
Zum Ausprobieren: Reiter wechseln, Punkte antippen, Arme aus- und einblenden. Die Arme heißen relativ zueinander, keine Dosisempfehlung.
Forschungsstand
Studienlage
Sirolimus ist seit 1999 zugelassen, im Register ClinicalTrials.gov nennen 2.391 Studien Sirolimus oder Rapamycin. Gezeigt sind die Studien zum Altern bei Menschen ohne Transplantation. Stand 26.10.2026. 7
- Präklinik Längere Lebensspanne bei genetisch gemischten Mäusen
- Phase 1 2 Studien, 1 abgeschlossen
- Phase 2 6 Studien, 2 abgeschlossen
- Phase 3 1 Studie, 0 abgeschlossen
- Zulassung seit 1999, für die Transplantation
Alle 7 Studien aus Phase 2 und 3 im ZeitverlaufZeitverlauf ausblenden
NCT02874924 · 34 Teilnehmende, Start 06/2016, Hauptendpunkt erreicht 09/2018.
Registereintrag ↗ · Ergebnisse noch nicht in PubMed
PEARL · NCT04488601 · 129 Teilnehmende, Start 01/2020, Hauptendpunkt erreicht 12/2023.
Registereintrag ↗ · Ergebnisse: Moel et al., Aging, 2025
NCT04742777 · 20 Teilnehmende, Start 02/2022, Hauptendpunkt geplant 10/2026.
NCT05836025 · 50 Teilnehmende, Start 06/2023, Hauptendpunkt geplant 10/2025.
NCT05237687 · 10 Teilnehmende (geplant), Start 03/2026, Hauptendpunkt geplant 11/2027.
NCT06727305 · 60 Teilnehmende (geplant), Start 05/2026, Hauptendpunkt geplant 09/2027. Prüft mehrere Wirkstoffe.
NCT07475546 · 30 Teilnehmende (geplant), Start 07/2025, Hauptendpunkt geplant 04/2026. Prüft mehrere Wirkstoffe.
Balken: Start bis Hauptendpunkt (bei laufenden Studien geplant). Grün = abgeschlossen, blau = Fortschritt bis 26.10.2026. Phase 1: 2 Studien zu Verträglichkeit und Pharmakokinetik, nicht als Balken gezeigt.
Auf der Haut
Sirolimus wurde auch als Gel zum Auftragen untersucht: bei gutartigen Hautknötchen im Gesicht (Angiofibrome) bei der Erbkrankheit Tuberöse Sklerose. In einer randomisierten Studie mit 62 Teilnehmenden besserten sich die Knötchen unter dem Gel nach zwölf Wochen bei 60 Prozent, unter Placebo bei niemandem. Nebenwirkungen waren meist leicht, traten unter dem Gel aber häufiger auf (Wataya-Kaneda 2018). Mit dem Longevity-Ansatz hat das nichts zu tun.
Nebenwirkungen
- Aphthen im Mund: die häufigste Meldung und ein direktes Zeichen für zu viel. Dosisabhängig.
- Gehemmter Muskelaufbau: keine Nebenwirkung, sondern der Mechanismus. In der Aufbauphase arbeitest du gegen dein Ziel.
- Verzögerte Wundheilung: vor geplanten Eingriffen absetzen.
- Verschiebungen im Lipidprofil: Cholesterin und Triglyceride können steigen.
- Immunsuppression: bei täglicher Dosierung oder zu hoher Wochendosis real. Die Zulassungsdosis ist genau dafür gemacht.
- Wechselwirkungen: läuft über CYP3A4, entsprechend anfällig gegenüber Grapefruit und einigen Antibiotika und Antimykotika.
Lagerung
Trocken, bei Raumtemperatur und vor Licht geschützt lagern. Außerhalb der Reichweite von Kindern.