Diese Information dient ausschließlich Forschungs- und Bildungszwecken. Keine medizinischen Empfehlungen. Produkte sind nicht zur Anwendung am Menschen freigegeben. Konsultiere bei gesundheitlichen Fragen einen Arzt.

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Spironolacton (Aldactone)

Kaliumsparende Entwässerung und Anti-Androgen in einem - genau deshalb für Männer heikel.

3 Min. Lesezeit 4 Quellen Titration Stand Juli 2026
Klasse
Aldosteron-Antagonist, kaliumsparendes Diuretikum
Zweitwirkung
Blockiert auch den Androgen-Rezeptor
Anwendung
Oral, 1x täglich
Wirkeintritt
Langsam, voller Effekt nach 2 bis 4 Wochen
Harte Grenze
Kalium, besonders mit ACE-Hemmer oder Sartan

Einstieg

Übliche Dosierung nach Einsatzzweck

Werte in mg pro TAG, nicht pro Woche. Die Anti-Androgen-Wirkung bei Männern steigt mit der Dosis deutlich an.

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Was ist Spironolacton?

Spironolacton hat zwei Gesichter, und beide muss man kennen. Es ist erstens ein Aldosteron-Antagonist: es blockiert den Mineralocorticoid-Rezeptor in der Niere, wodurch weniger Natrium zurückgehalten und weniger Kalium ausgeschieden wird. Daher der Name kaliumsparendes Diuretikum.

Zweitens ist es ein Anti-Androgen, weil es zusätzlich am Androgen-Rezeptor blockiert und die Testosteron-Synthese hemmt. Das ist keine Nebenwirkung im Sinne eines Zufalls, sondern eine echte pharmakologische Zweitwirkung derselben Substanz. Für Männer ist das der entscheidende Punkt.

Diese Information dient ausschließlich Forschungs- und Bildungszwecken. Keine medizinischen Empfehlungen.

Wie es wirkt

Aldosteron wirkt im Sammelrohr der Niere über einen Rezeptor im Zellkern, der erst die Produktion von Transportproteinen anschieben muss. Genau deshalb wirkt Spironolacton langsam: der volle Effekt braucht zwei bis vier Wochen. Als Schnell-Entwässerung vor einem Termin ist es das falsche Mittel, dafür ist Furosemid gebaut.

Beim Blutdruck ist es dagegen der stärkste vierte Wirkstoff, den es gibt. Der Grund: bei einem großen Teil der therapieresistenten Hypertonien steckt ein zu hoher Aldosteron-Spiegel dahinter, und den greift kein anderer Wirkstoff direkt an.

Der Anti-Androgen-Effekt ist bei niedriger Dosis gering und steigt mit der Dosis deutlich an. Bei 25mg ist er selten spürbar, ab 100mg häufig.

Anwendung und Dosierung

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Was die Forschung zeigt

RALES (NEJM 1999) ist der Klassiker. Über 1.600 Patienten mit schwerer Herzinsuffizienz bekamen zusätzlich 25mg Spironolacton oder Placebo. Die Studie wurde vorzeitig abgebrochen: 30 Prozent niedrigere Sterblichkeit. Die Dosis war bewusst niedrig gewählt, es ging nicht um Entwässerung, sondern um die Rezeptorblockade.

PATHWAY-2 (Lancet 2015) beantwortete die Frage, welcher vierte Wirkstoff bei therapieresistenter Hypertonie am besten wirkt. Spironolacton schlug sowohl Bisoprolol als auch Doxazosin deutlich. Das ist der Grund, warum es heute an dieser Stelle Standard ist.

TOPCAT (NEJM 2014) gehört zur Ehrlichkeit dazu: bei Herzinsuffizienz mit erhaltener Pumpfunktion verfehlte Spironolacton den primären Endpunkt. Die spätere Analyse fand allerdings starke regionale Unterschiede, mit einem klaren Effekt in Nord- und Südamerika und keinem in Osteuropa, was Zweifel an der dortigen Studiendurchführung nährte. Als bewiesen gilt der Nutzen bei erhaltener Pumpfunktion trotzdem nicht.

SAFA (BMJ 2023) belegte die dermatologische Anwendung: bei Frauen mit Akne verbesserte Spironolacton die Hautbefunde signifikant gegenüber Placebo.

Nebenwirkungen

  • Erhöhtes Kalium: die gefährlichste Nebenwirkung, weil sie ohne Warnzeichen auf das Herz gehen kann. In Kombination mit ACE-Hemmern oder Sartanen zwingend mit Blutwerten begleiten.
  • Gynäkomastie bei Männern: dosisabhängig, bei 25mg selten, ab 100mg häufig. Bildet sich nach Absetzen meist zurück, aber nicht immer vollständig.
  • Libidoverlust und Erektionsprobleme: gleiche Ursache, gleiche Dosisabhängigkeit.
  • Zyklusstörungen bei Frauen: häufig bei der dermatologischen Dosierung.
  • Nierenwerte: gehören bei längerer Anwendung kontrolliert.

Lagerung

Trocken, bei Raumtemperatur und vor Licht geschützt lagern. Außerhalb der Reichweite von Kindern.

Evidenz

Quellen

  1. 1 Spironolacton bei schwerer Herzinsuffizienz, vorzeitig gestoppt (RALES). NEJM, 1999
  2. 2 Spironolacton als bester vierter Wirkstoff bei therapieresistenter Hypertonie (PATHWAY-2). Lancet, 2015
  3. 3 Spironolacton bei Herzinsuffizienz mit erhaltener Pumpfunktion (TOPCAT). NEJM, 2014
  4. 4 Spironolacton gegen Akne bei Frauen (SAFA). BMJ, 2023

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