Diese Information dient ausschließlich Forschungs- und Bildungszwecken. Keine medizinischen Empfehlungen. Produkte sind nicht zur Anwendung am Menschen freigegeben. Konsultiere bei gesundheitlichen Fragen einen Arzt.

Lexikon

TB-500 FRAG 1-4 (Ac-SDKP)

Die ersten vier Aminosäuren von Thymosin Beta-4: ein körpereigenes Tetrapeptid, das in der Forschung gegen Bindegewebsvermehrung und für Gefäßneubildung untersucht wird, ohne etabliertes Protokoll am Menschen.

9 Min. Lesezeit 6 Quellen

TB-500 FRAG 1-4 (Ac-SDKP), Produktfoto

Steckbrief

Stand Oktober 2026

Klasse
Tetrapeptid Ac-Ser-Asp-Lys-Pro, N-terminales Fragment (Position 1 bis 4) von Thymosin Beta-4, körpereigen
Anwendung
Subkutan (kein etabliertes Protokoll), in der Tierforschung Dauerinfusion per Minipumpe
Halbwertszeit
Rund 4,5 Minuten im Blut (Ezan und Kollegen 1994), wird laufend durch ACE abgebaut
Frequenz
Offen, keine belastbare Vorgabe am Menschen
Status
Präklinisch (Fibrose, Entzündung, Angiogenese), in den 1990ern als Goralatide bzw. Seraspenide in frühen Krebsstudien zur Knochenmarkschonung, nie zugelassen
Form
Lyophilisat 10 mg, mit bakteriostatischem Wasser rekonstituiert
Inhalt 11 Abschnitte
  1. Rechner
  2. Was ist TB-500 FRAG 1-4 (Ac-SDKP)?
  3. Wie es wirkt
  4. Was du brauchst
  5. Rekonstitution
  6. Anwendung und Dosierung
  7. Injektion
  8. Was die Forschung zeigt
  9. Nebenwirkungen
  10. Lagerung
  11. Quellen

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Was ist TB-500 FRAG 1-4 (Ac-SDKP)?

TB-500 FRAG 1-4 ist der Produktname für Ac-SDKP, ausgeschrieben N-Acetyl-Seryl-Aspartyl-Lysyl-Prolin. Das sind die ersten vier Aminosäuren von Thymosin Beta-4 (Tβ4), dem 43 Aminosäuren langen Protein, das als TB-500 bekannt ist. Mit einer Molekülmasse von rund 487 Dalton ist es eines der kleinsten Peptide im Sortiment. Anders als TB-500 FRAG stammt Ac-SDKP nicht aus dem Inneren des Proteins, sondern ist sein Anfang: Enzyme wie die Prolyl-Oligopeptidase schneiden es im Körper aus Tβ4 heraus, es zirkuliert also natürlicherweise im Blut, allerdings nur im Nanomol-Bereich (bei Gesunden rund 2 bis 3 nmol/l).

Isoliert und in seiner Struktur aufgeklärt wurde es 1989 von einer französischen Gruppe um Lenfant, die im Knochenmark fetaler Kälber nach einer Substanz suchte, die blutbildende Stammzellen in Ruhe hält. Daraus wurde in den 1990ern der Wirkstoffkandidat Goralatide (auch Seraspenide), der Krebspatienten das Knochenmark während der Chemotherapie schonen sollte. Erst später zeigte sich in Tiermodellen, dass das Peptid in Herz, Niere und Lunge die Vermehrung von Bindegewebe bremst, Entzündungszellen zurückdrängt und die Bildung neuer Blutgefäße anregt. Heute wird es vor allem als körpereigener antifibrotischer Faktor untersucht.

Wichtig zur Abgrenzung: TB-500 FRAG aus dem Sortiment steht für ein anderes Stück von Tβ4, die Aktin-bindende Region weiter innen im Protein. Ac-SDKP bindet kein Aktin und arbeitet über andere Wege. Es ist also kein kompakteres TB-500, sondern ein eigenes Molekül mit eigener Forschungsgeschichte. Für das isolierte Peptid gibt es am Menschen kein etabliertes Protokoll.

Diese Information dient ausschließlich Forschungs- und Bildungszwecken. Keine medizinischen Empfehlungen.

Wie es wirkt

Ac-SDKP ist im Körper eng mit dem Angiotensin-konvertierenden Enzym (ACE) verknüpft. ACE spaltet das Tetrapeptid über seine N-Domäne und hält den Spiegel so dauerhaft niedrig. Wer einen ACE-Hemmer nimmt, hat deshalb vier- bis fünfmal mehr Ac-SDKP im Blut: in einer Pariser Studie hob eine Einzeldosis Captopril den Spiegel bei Gesunden um das 5,5-fache (Azizi und Kollegen 1996). Ein Teil der gewebeschützenden Wirkung von ACE-Hemmern wird in der Forschung genau auf diesen Anstieg zurückgeführt.

Am Gewebe wirkt Ac-SDKP auf drei Ebenen. Erstens bremst es Fibroblasten: Es hemmt deren Teilung und Kollagenbildung und blockiert die Umwandlung in Myofibroblasten, die der Wachstumsfaktor TGF-beta sonst anstößt, vermutlich über die Signalwege Smad2 und ERK1/2. Zweitens dämpft es Entzündung, in Tiermodellen wanderten weniger Makrophagen ins Gewebe ein. Drittens regt es Endothelzellen zu Teilung, Wanderung und Röhrchenbildung an, also die Grundschritte der Gefäßneubildung. Blutdruck und Herzgröße veränderte es in den Rattenstudien dabei nicht.

Die ursprüngliche Funktion bleibt bestehen: Ac-SDKP hält blutbildende Stammzellen reversibel davon ab, in die Teilungsphase einzutreten. Das war der Grund, es als Schutz während der Chemotherapie zu testen. Es ist zugleich der Effekt, den man bei einer Anwendung mitdenken muss.

Was du brauchst

Ac-SDKP wird wie andere Peptide als Pulver geliefert und vor der Anwendung aufgelöst. Dafür brauchst du dieselbe Grundausstattung wie bei TB-500.

  • Das TB-500-FRAG-1-4-Vial mit 10 mg gefriergetrocknetem Pulver.
  • Bakteriostatisches Wasser zum Auflösen.
  • U-100-Insulinspritzen.
  • Alkoholtupfer für den Vial-Deckel und die Hautstelle.
  • Einen verschließbaren Behälter für gebrauchte Nadeln.

Weil es kein etabliertes Protokoll gibt, lohnt sich zusätzlich ein Notizbuch: Datum, Menge, Beobachtungen. Nur so lässt sich am Ende überhaupt etwas über die eigene Verträglichkeit sagen.

Rekonstitution

Das Pulver wird mit bakteriostatischem Wasser aufgelöst. Die Wassermenge bestimmt die Konzentration und damit, wie viele Einheiten auf der U-100-Spritze einer bestimmten Menge entsprechen. Der Rechner oben zeigt dir für das 10-mg-Vial die Konzentration je Wassermenge, Dosisstufen gibt er für dieses Produkt bewusst nicht aus.

Zur Orientierung: 10 mg in 2 ml ergeben 5 mg pro ml, 10 Einheiten auf der U-100-Spritze enthalten dann 0,5 mg. Mit 1 ml wird die Lösung doppelt so konzentriert, mit 3 ml entsprechend dünner. Für ein so kleines Molekül sind kleine Volumina kein Problem, es löst sich gut.

Das Wasser einfach ins Vial geben, das darf auch zügig gehen. Danach schwenken oder schütteln, bis alles gelöst ist, beides ist okay. Wird die Lösung gelartig oder klumpig, das Vial nicht verwenden, eine leichte Trübung allein ist kein Grund dafür.

Anwendung und Dosierung

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Injektion

Soweit Ac-SDKP in der Forschung überhaupt verabreicht wurde, lief es im Tierversuch subkutan oder intraperitoneal als Dauerinfusion, am Menschen als Infusion über 12 bis 48 Stunden und in der Kinetikstudie auch einmalig subkutan oder intramuskulär, unter der Haut mit vollständiger Aufnahme (Ezan und Kollegen 1994). Für eine subkutane Einzelgabe gilt die Standardtechnik: Hautstelle mit Alkoholtupfer reinigen, kurz trocknen lassen, eine Hautfalte abheben und die Nadel im Winkel von 45 bis 90 Grad einstechen.

Langsam injizieren, kurz warten, Nadel zurückziehen und sofort in den Sammelbehälter geben. Einstichstellen wechseln, Bauch und Oberschenkel sind die üblichen Zonen.

Weil die Wirkung systemisch gedacht ist, spielt die Nähe zu einer bestimmten Stelle keine Rolle. Rötung oder Druckgefühl an der Einstichstelle sind die häufigsten Beobachtungen bei kleinen Peptiden und klingen meist von selbst ab.

Was die Forschung zeigt

Die Datenlage ist breit, aber fast komplett präklinisch. In Ratten mit Aldosteron-Salz-Hochdruck verhinderte eine sechswöchige Infusion von 800 mcg/kg/Tag die Bindegewebsvermehrung in Herz und Niere weitgehend, ohne Blutdruck oder Organgröße zu beeinflussen (Peng und Kollegen 2001). Nach einem Herzinfarkt kehrte Ac-SDKP bei Ratten bereits bestehende Fibrose und Entzündung im nicht betroffenen Herzmuskel um, verbesserte die Pumpfunktion aber nicht und verschlechterte sie im Vorbeugungsarm sogar (Yang und Kollegen 2004). Das zeigt, dass weniger Narbengewebe nicht automatisch ein besseres Herz bedeutet.

An menschlichen Herzfibroblasten in Kultur unterdrückte das Peptid die TGF-beta-getriebene Umwandlung in Myofibroblasten samt Kollagenproduktion (Peng und Kollegen 2010). In Gefäßmodellen förderte es Teilung, Wanderung und Röhrchenbildung von Endothelzellen, die Gefäßneubildung in der Hornhaut rund um ein eingepflanztes Tumorzell-Knötchen und die Kapillardichte im Infarktherz (Wang und Kollegen 2004). Für die Niere bei Diabetes beschreibt eine japanische Gruppe einen Schutz über die Hemmung der Umwandlung von Endothelzellen in Bindegewebszellen (Kanasaki 2020), für die Lunge gibt es Daten zur Quarzstaub-Fibrose aus China.

Am Menschen ist das Peptid selbst nur dünn belegt. Eine Kinetikstudie an sechs Gesunden und fünf Chemotherapie-Patienten (Ezan und Kollegen 1994) zeigte Grundspiegel von 1,7 bis 3,2 nmol/l, eine Halbwertszeit von 4,5 Minuten nach Infusionsende und vollständige Aufnahme nach subkutaner Gabe, mehr als die Kinetik wurde dort nicht gemessen. Captopril hob den Spiegel bei Gesunden um das 5,5-fache (Azizi und Kollegen 1996). Als Seraspenide schützte es in einer doppelblinden Crossover-Studie an 53 Krebspatienten die Blutzellen während Chemotherapie, ohne eigene Toxizität (Carde und Kollegen 1992). Die größere placebokontrollierte Studie mit 84 Patienten fand diesen Schutz aber nicht wieder, Blutarmut und Lymphozytenmangel traten unter Goralatide sogar häufiger auf (Cappelaere und Kollegen 1995). Klinische Studien, die Ac-SDKP selbst gegen Fibrose oder für Regeneration prüfen, gibt es bislang nicht, auch im Register ClinicalTrials.gov ist keine eingetragen. Die Übersichtsarbeiten (Cavasin 2006, Kumar und Yin 2018) stützen den klinischen Teil auf die erhöhten Spiegel unter ACE-Hemmern.

Nebenwirkungen

Ac-SDKP ist körpereigen und war in der Klinikstudie an 53 Krebspatienten ohne erkennbare Toxizität, in der placebokontrollierten Studie mit 84 Patienten wurde die Verträglichkeit als sehr gut beschrieben. In den Tierstudien über Wochen fielen keine auffälligen Nebenwirkungen auf, Blutdruck und Herzgröße blieben unverändert. Das Sicherheitsprofil einer subkutanen Selbstanwendung in mg-Mengen ist dagegen nicht untersucht.

  • Lokale Reaktionen an der Einstichstelle wie Rötung, Druckgefühl oder leichte Reizung.
  • Der Kern-Effekt auf blutbildende Stammzellen: Bei Mäusen sanken die Granulozyten während der Gabe, danach stiegen die Blutzellen sprunghaft an (Bogden und Kollegen 1998). In der placebokontrollierten Krebsstudie traten Blutarmut und Lymphozytenmangel unter Goralatide häufiger auf (Cappelaere und Kollegen 1995). Ein Einfluss auf das Blutbild ist also kein theoretisches Konstrukt.
  • Gefäßneubildung ist ein Wachstumssignal. Im Rattenmodell verstärkte Ac-SDKP die Gefäßneubildung rund um eingepflanzte Tumorzellen (Wang und Kollegen 2004). Bei vorbestehenden Wucherungen oder Tumorerkrankungen ist das kritisch zu sehen, Daten am Menschen fehlen.
  • In einer Rattenstudie nach Infarkt verschlechterte sich die systolische Pumpleistung unter Ac-SDKP im Vorbeugungsarm, im Umkehrarm blieb sie unverändert (Yang und Kollegen 2004). Was das für Menschen bedeutet, ist unklar.
  • Mit ACE-Hemmern addiert sich die Gabe zu einem bereits vier- bis fünffach erhöhten Spiegel.
  • Belastbare Langzeitdaten zur Selbstanwendung fehlen vollständig.

Lagerung

Vor dem Auflösen ist das Pulver robust, normale Raumtemperatur (rund 20 bis 25 Grad) reicht, am besten dunkel lagern. Nach dem Auflösen in den Kühlschrank (2 bis 8 Grad), nicht einfrieren. Dort hält die Lösung mehrere Monate nahezu ohne Wirkstoffverlust.

Schwenken oder schütteln zum Mischen ist beides okay. Ein kleines Tetrapeptid wie dieses ist chemisch unkompliziert, trotzdem gilt wie bei jeder Lösung: sauber arbeiten, den Deckel vor jedem Aufziehen desinfizieren und das Anmischdatum auf dem Vial notieren.

Evidenz

Quellen

  1. 1 DOI Doppelblinde Crossover-Studie an acht Gesunden: eine Einzeldosis von 50 mg Captopril hob den Ac-SDKP-Spiegel im Blut im Mittel um das 5,5-fache und blockierte den Abbau in vitro zu 90 bis 99 Prozent, Nachweis, dass die N-Domäne von ACE das Peptid auch im Körper abbaut Azizi et al., Journal of Clinical Investigation, 1996 Quelle öffnen
  2. 2 DOI Ratten mit Aldosteron-Salz-Hochdruck: sechs Wochen Dauerinfusion von 400 bzw. 800 mcg/kg/Tag unter die Haut, die hohe Dosis verhinderte die Bindegewebsvermehrung in Herz und Niere weitgehend, ohne Blutdruck oder Organgröße zu ändern Peng et al., Hypertension, 2001 Quelle öffnen
  3. 3 DOI Ac-SDKP regt Endothelzellen dosisabhängig zu Teilung, Wanderung und Röhrchenbildung an, verstärkte in der Rattenhornhaut die Gefäßneubildung um ein eingepflanztes Tumorzell-Knötchen (800 mcg/kg/Tag per Minipumpe) und erhöhte die Kapillardichte im Rattenherz nach Infarkt Wang et al., American Journal of Physiology, Heart and Circulatory Physiology, 2004 Quelle öffnen
  4. 4 DOI Übersichtsarbeit zu 20 Jahren Forschung: Freisetzung aus Thymosin Beta-4 über Meprin-alpha und Prolyl-Oligopeptidase, Abbau durch ACE, entzündungshemmende, antifibrotische und gefäßbildende Effekte in Herz, Niere und Gehirn, unabhängig vom Blutdruck, klinische Daten betreffen bislang die erhöhten Spiegel unter ACE-Hemmern Kumar und Yin, Pharmacological Research, 2018 Quelle öffnen
  5. 5 PubMed Kinetikstudie am Menschen (sechs Gesunde, fünf Chemotherapie-Patienten): Grundspiegel 1,7 bis 3,2 nmol/l, nach Infusionsende Halbwertszeit 4,5 Minuten, eine Einzelgabe von 128 nmol/kg (rund 62 mcg/kg) unter die Haut wurde vollständig aufgenommen mit Spitze nach rund 15 Minuten, bei Patienten 48-Stunden-Infusionen von 51 bis 513 nmol/kg Ezan et al., Drug Metabolism and Disposition, 1994 Quelle öffnen
  6. 6 PubMed Doppelblinde, placebokontrollierte Studie an 84 Patienten mit Plattenepithelkarzinom in Kopf-Hals-Bereich oder Speiseröhre unter Carboplatin und 5-FU: 12,5 oder 62,5 mcg/kg/Tag Goralatide an den Tagen 1 bis 4 brachten keinen messbaren Schutz der Blutwerte, Blutarmut und Lymphozytenmangel traten in der Goralatide-Gruppe häufiger auf, die Verträglichkeit war sonst sehr gut Cappelaere et al., Bulletin du Cancer, 1995 Quelle öffnen

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