Was ist Amlodipin?
Amlodipin ist ein Calciumkanalblocker vom Dihydropyridin-Typ. Es blockiert den Einstrom von Calcium in die glatte Muskulatur der Arterienwand. Ohne Calcium kann sich der Muskel nicht zusammenziehen, die Gefäße weiten sich, der periphere Widerstand fällt und mit ihm der Blutdruck.
Der Punkt, der es im Trainingskontext interessant macht: Amlodipin wirkt fast ausschließlich an den Gefäßen und praktisch nicht am Herzen selbst. Es senkt die Herzfrequenz nicht. Ein Betablocker deckelt deine Maximalfrequenz und damit messbar die Ausdauerleistung, ein Calciumkanalblocker tut das nicht.
Diese Information dient ausschließlich Forschungs- und Bildungszwecken. Keine medizinischen Empfehlungen.
Vergleich
Blutdrucksenker im Vergleich
Blutdrucksenker aus dem TPD-Lexikon, so wie dort beschrieben. Ein Klick öffnet den Eintrag.
Vereinfacht: Jede Klasse setzt an einer anderen Stelle an. Amlodipin weitet die Arterien und senkt die Herzfrequenz nicht, Betablocker bremsen das Herz. 71
Wie es wirkt
Die Halbwertszeit von 30 bis 50 Stunden ist für einen Blutdrucksenker ungewöhnlich lang und erklärt drei Dinge auf einmal. Erstens reicht eine Gabe pro Tag. Zweitens dauert es sieben bis zehn Tage, bis der volle Effekt steht, weil sich der Spiegel erst aufbauen muss. Drittens wirkt es nach dem Absetzen noch tagelang nach.
Praktisch heißt das: wer nach drei Tagen misst und den Zielbereich nicht erreicht sieht, hat zu früh gemessen. Ein vorschnelles Erhöhen an dieser Stelle führt regelmäßig zu unnötig tiefem Druck, sobald der Aufbau abgeschlossen ist. Eine vergessene Dosis muss umgekehrt nicht nachgeholt werden, dafür ist der Puffer zu groß.
Wirkorte
Wo Amlodipin in Studien wirkte
Punkt oder Karte antippen. Farbe = L-Typ-Calciumkanal, grau = in Studien beobachtet.
- Arterien
Weniger Calcium-Einstrom in die Gefäßmuskulatur, die Arterien weiten sich, der Blutdruck sinkt7
CaV1.2 - Herz
Mehr Herzinsuffizienz als unter Chlortalidon, bei schwerer Herzschwäche aber nicht schädlich1
In Studien beobachtet - Gehirn
Weniger Schlaganfälle als unter dem Atenolol-Regime2
In Studien beobachtet - Zuckerstoffwechsel
Seltener neuer Diabetes als unter dem Atenolol-Regime2
In Studien beobachtet - Leber
Rund 90 Prozent werden in der Leber abgebaut, bei Leberschwäche 40 bis 60 Prozent höhere Spiegel5
In Studien beobachtet
Ziele in der Datenbank ChEMBL7
Wirkstoff CHEMBL1491 (Amlodipin): ein erfasster Mechanismus, Blocker, direkte Bindung.
- Gen
- CACNA1C
- UniProt
- Q13936, Q13698, Q01668, O60840
- ChEMBL
- CHEMBL2095229
- Wirkung
- Blocker, direkte Bindung
Anwendung und Dosierung
Dosierung
Dosierung, Titrationsplan und Spritze
Die Dosierung wird geladen …
- Einstieg und Steigerung als Treppe
- Einheiten auf der U-100-Spritze je Stufe
- Wie lange ein Vial reicht
Was die Forschung zeigt
Die Datenlage ist für einen Blutdrucksenker ungewöhnlich dicht, aber nicht durchgehend schmeichelhaft. ALLHAT (JAMA 2002) verglich über 33.000 Hochrisiko-Patienten und fand für den primären Endpunkt keinen Unterschied zwischen Amlodipin und dem Diuretikum Chlortalidon. Unter Amlodipin trat aber 38 Prozent häufiger eine Herzinsuffizienz auf. Das ist der wichtigste Vorbehalt gegen die Substanz und gehört ehrlicherweise auf jede Seite über sie.
ASCOT-BPLA (Lancet 2005) fiel dagegen deutlich zugunsten von Amlodipin aus: ein Amlodipin-basiertes Regime schnitt gegenüber einem Atenolol-basierten bei Schlaganfällen und Gesamtsterblichkeit besser ab. VALUE (Lancet 2004) zeigte unter Amlodipin einen schnelleren Druckabfall in den ersten Monaten und weniger Herzinfarkte als unter Valsartan.
PRAISE (NEJM 1996) ist der Grund, warum Amlodipin bei bestehender Herzinsuffizienz überhaupt eingesetzt werden darf: es erwies sich als sicher, während ältere Calciumkanalblocker in dieser Situation schadeten.
Studienergebnisse
Was die Studien gemessen haben
Zum Ausprobieren: Reiter wechseln, Punkte antippen, Arme aus- und einblenden. Die Arme heißen relativ zueinander, keine Dosisempfehlung.
Amlodipin gegen Chlortalidon bei Hochrisiko-Bluthochdruck1
Anteil mit Ereignis nach 6 Jahren, in Prozent
Werte aus dem Abstract, mittlere Beobachtung 4,9 Jahre. Beim Hauptendpunkt und bei der Gesamtsterblichkeit kein Unterschied, Herzinsuffizienz unter Amlodipin häufiger (relatives Risiko 1,38).
Amlodipin-Regime gegen Atenolol-Regime2
Anteil mit Ereignis über die gesamte Studie, in Prozent (berechnet)
Prozent berechnet aus den Ereignissen im Abstract und der Gruppengröße (9.639 gegen 9.618). Zum Amlodipin konnte Perindopril dazukommen, zum Atenolol Bendroflumethiazid. Die Studie wurde vorzeitig beendet.
Amlodipin-Regime gegen Valsartan-Regime3
Herz-Ereignisse und Tod aus Herzursache, in Prozent
Kein Unterschied beim Hauptendpunkt. Der Blutdruck lag unter Amlodipin nach einem Monat um 4,0/2,1 mmHg tiefer, nach einem Jahr noch um 1,5/1,3 mmHg.
Schwere chronische Herzinsuffizienz, 6 bis 33 Monate4
Anteil mit Ereignis, in Prozent
1.153 Patienten mit Auswurfleistung unter 30 Prozent. Beide Unterschiede nicht signifikant: Amlodipin verschlechterte die Lage nicht, anders als ältere Calciumkanalblocker.
Forschungsstand
Studienlage
Amlodipin ist seit 1992 zugelassen. Im Register ClinicalTrials.gov nennen 728 Studien Amlodipin unter den Interventionen, oft als Vergleich oder in Kombination. Gezeigt sind die beiden großen Endpunkt-Studien aus diesem Eintrag, die dort stehen. ASCOT und PRAISE liefen außerhalb des Registers. Stand 26.10.2026. 8
- Präklinik Entwicklung als lang wirksamer Calciumkanalblocker
- Phase 1 keine registrierte Studie
- Phase 2 keine registrierte Studie
- Phase 3 2 Studien, 2 abgeschlossen
- Zulassung in den USA seit 1992
Alle 2 Studien aus Phase 3 im ZeitverlaufZeitverlauf ausblenden
ALLHAT · NCT00000542 · 33.357 Teilnehmende, Start 08/1993, Hauptendpunkt erreicht 03/2002. Prüft mehrere Wirkstoffe.
Registereintrag ↗ · Ergebnisse: ALLHAT Officers and Coordinators, JAMA, 2002
VALUE · NCT06395194 · 15.313 Teilnehmende, Start 09/1997, Hauptendpunkt erreicht 09/2003. Prüft mehrere Wirkstoffe.
Registereintrag ↗ · Ergebnisse: Julius et al., The Lancet, 2004
Balken: Start bis Hauptendpunkt (bei laufenden Studien geplant). Grün = abgeschlossen, blau = Fortschritt bis 26.10.2026.
Nebenwirkungen
- Geschwollene Knöchel: die mit Abstand häufigste Meldung, vor allem abends und vor allem bei 10mg. Wichtig zu verstehen: das ist keine Wassereinlagerung im Sinne eines Überschusses, sondern eine lokale Verschiebung von Flüssigkeit ins Gewebe, weil die kleinen Arterien stärker geweitet sind als die Venen. Entwässern hilft dagegen nicht. Wer davon betroffen ist, fährt mit einer niedrigeren Dosis plus einem zweiten Wirkstoff meist besser als mit 10mg allein.
- Kopfschmerzen und Flush: typisch in den ersten Tagen, geben sich meist von selbst.
- Schwindel beim Aufstehen: Zeichen, dass der Druck zu tief liegt.
- Zahnfleischwucherung: selten, aber dokumentiert und bei langer Anwendung relevant.
Verträglichkeit
Nebenwirkungen nach Dosis
Aus der US-Fachinformation: Diese Nebenwirkungen stiegen mit der Dosis. Die Studienarme heißen relativ zueinander.
| Ereignis | Placebo | Niedrigste Studiendosis | Mittlere Studiendosis | Höchste Studiendosis (10 mg) |
|---|---|---|---|---|
| Ödem (geschwollene Knöchel)5 | 1 % | 2 % | 3 % | 11 % |
| Herzklopfen5 | 1 % | 1 % | 1 % | 5 % |
| Schwindel5 | 2 % | 1 % | 3 % | 3 % |
| Hitzegefühl (Flush)5 | 0 % | 1 % | 1 % | 3 % |
Abbrüche wegen Nebenwirkungen rund 1,5 Prozent gegen 1 Prozent unter Placebo. Ödeme traten bei Frauen häufiger auf als bei Männern (14,6 gegen 5,6 Prozent).5
Lagerung
Trocken, bei Raumtemperatur und vor Licht geschützt lagern. Außerhalb der Reichweite von Kindern.