Was ist Ivermectin?
Ivermectin ist ein makrozyklisches Lakton-Antiparasitikum, das durch Fermentation aus dem Bodenbakterium Streptomyces avermitilis gewonnen wird. Es wirkt gegen eine Vielzahl von Parasiten einschließlich Fadenwürmer (Nematoden) und Arthropoden. Ivermectin wird für die Behandlung von Onchozerkose (Flusskrankheit), Strongyloidiasis und Krätze eingesetzt.
Forschung untersucht seine Wirkung gegen verschiedene parasitäre Erkrankungen. Diese Information dient ausschließlich Forschungs- und Bildungszwecken. Keine medizinischen Empfehlungen.
Wie es wirkt
Ivermectin bindet fest an glutamat-gesteuerte Chloridkanäle in den Nerven- und Muskelzellen der Parasiten und öffnet sie (Chen & Kubo, 2018; US-Fachinformation). Dies führt zu:
- Einstrom von Chlorid in die Nerven- und Muskelzellen
- Lähmung der Parasitenmuskulatur
- Verlust der Parasitenreaktivität und Motilität
- Letaler Effekt auf Parasiten
Daneben wirkt Ivermectin auch an anderen Ionenkanälen, etwa an GABA-gesteuerten Chloridkanälen, das ist aber nicht der Hauptweg. Die Selektivität für Parasiten kommt laut Fachinformation daher, dass Säugetiere solche glutamat-gesteuerten Chloridkanäle weitgehend nicht haben, Ivermectin an ihre übrigen Chloridkanäle nur schwach bindet und beim Menschen die Blut-Hirn-Schranke kaum überwindet.
Wirkorte
Wo Ivermectin in Studien wirkte
Punkt oder Karte antippen. Farbe = Chloridkanal der Parasiten, grau = in Studien beobachtet.
- Darm
Zwergfadenwurm: 1,79-mal so oft nicht mehr nachweisbar wie mit Albendazol2
GluCl - Haut
Krätze nach Massenbehandlung von 32,1 auf 1,9 Prozent3
GluCl - Blut
Mücken, die Behandelte stachen, starben wie im Labortest9
In Studien beobachtet - Nervensystem
Bei Gesunden keine Zeichen einer Wirkung bis zum Zehnfachen der höchsten zugelassenen Dosis4
In Studien beobachtet - Atemwege (COVID-19)
Kein weniger an Klinikaufnahmen als unter Placebo6
In Studien beobachtet
Ziele in der Datenbank ChEMBL12
Wirkstoff CHEMBL6067487: ein erfasster Mechanismus, Modulator, direkte Bindung.
- Gen
- GluClX
- UniProt
- Q25634
- ChEMBL
- CHEMBL2363051
- Wirkung
- Modulator, direkte Bindung
Anwendung und Dosierung
Dosierung
Dosierung, Titrationsplan und Spritze
Die Dosierung wird geladen …
- Einstieg und Steigerung als Treppe
- Einheiten auf der U-100-Spritze je Stufe
- Wie lange ein Vial reicht
Was die Forschung zeigt
Klinische Studien deuten an, dass Ivermectin:
- Hochwirksam gegen Onchocerca volvulus ist
- Strongyloides stercoralis-Infektionen eliminiert
- Bei Krätze (Scabies) wirksam ist
- Bei verschiedenen Dosierungen unterschiedliche Wirksamkeitsprofile zeigt
- Eine abhängige Dosisbeziehung bei schweren parasitären Belastungen zeigt
- Breite Anwendbarkeit gegen Arthropoden ermöglicht
Meta-Analysen verdeutlichen, dass höhere Dosen oder mehrfache Gaben bei komplexeren parasitären Infektionen erforderlich sein können.
Studienergebnisse
Was die Studien gemessen haben
Zum Ausprobieren: Reiter wechseln, Punkte antippen, Arme aus- und einblenden. Die Arme heißen relativ zueinander, keine Dosisempfehlung.
Krätze in drei Inselgemeinden3
Anteil der Menschen mit Krätze, 2.051 Teilnehmende
Übliche Behandlung (Permethrin für Betroffene): Monat 0 +36,6 %, Monat 12 +18,8 %. Permethrin für alle: Monat 0 +41,7 %, Monat 12 +15,8 %. Ivermectin: Monat 0 +32,1 %, Monat 12 +1,9 %.
Jede Gemeinde bekam eine Behandlungsart. Mit Ivermectin sank die Häufigkeit relativ um 94 Prozent, mit Permethrin für alle um 62 Prozent, mit der üblichen Behandlung um 49 Prozent.
Impetigo in denselben Gemeinden3
Anteil der Menschen mit eitriger Hautinfektion
Übliche Behandlung (Permethrin für Betroffene): Monat 0 +21,4 %, Monat 12 +14,6 %. Permethrin für alle: Monat 0 +24,6 %, Monat 12 +11,4 %. Ivermectin: Monat 0 +24,6 %, Monat 12 +8,0 %.
Impetigo folgt oft auf Krätze. Die Häufigkeit sank relativ um 67 Prozent mit Ivermectin, 54 Prozent mit Permethrin für alle und 32 Prozent mit der üblichen Behandlung.
Ivermectin gegen andere Wurmmittel2
Relatives Risiko, 7 Studien mit 1.147 Teilnehmenden, über 1 = häufiger mit Ivermectin
Cochrane-Review, Evidenz niedriger bis mittlerer Qualität. Gegenüber Albendazol war der Wurm mit Ivermectin häufiger nicht mehr nachweisbar, gegenüber Thiabendazol ähnlich oft bei weniger Nebenwirkungen. Schwere Nebenwirkungen oder Todesfälle wurden nicht berichtet.
Ivermectin bei COVID-1967
Anteil der Teilnehmenden je Studie und Endpunkt
In der Klinik lag die vollständige Genesung höher, der Aufenthalt war aber länger. Die Autoren sahen insgesamt keinen relevanten Nutzen. Eine frühe Meta-Analyse aus drei Studien mit 382 Patienten fand eine um 5,74 Tage schnellere Virusfreiheit.
Forschungsstand
Studienlage
Ivermectin ist seit 1996 zugelassen. Im Register ClinicalTrials.gov nennen 241 Studien Ivermectin. Gezeigt sind registrierte Studien zu Krätze, Wurmerkrankungen und Malaria. Die Krätze-Studie aus Fidschi steht im australischen Register. Stand 26.10.2026. 10
- Präklinik Entdeckung aus einem Bodenbakterium, Ziel: Chloridkanäle der Parasiten
- Phase 1 keine registrierte Studie
- Phase 2 1 Studie, 1 abgeschlossen
- Phase 3 5 Studien, 4 abgeschlossen
- Zulassung laut ChEMBL seit 1996
Alle 6 Studien aus Phase 2 und 3 im ZeitverlaufZeitverlauf ausblenden
IVERMAL · NCT02511353 · 141 Teilnehmende, Start 07/2015, Hauptendpunkt erreicht 07/2016. Prüft mehrere Wirkstoffe.
Registereintrag ↗ · Ergebnisse: Smit et al., Clinical Infectious Diseases, 2019, DOI 10.1093/cid/ciy1063
NCT00790998 · 1.497 Teilnehmende, Start 04/2009, Hauptendpunkt erreicht 02/2012. Prüft mehrere Wirkstoffe.
Registereintrag ↗ · Ergebnisse noch nicht in PubMed
STRONGTREAT · NCT01570504 · 312 Teilnehmende, Start 03/2013, Hauptendpunkt erreicht 06/2018.
Registereintrag ↗ · Ergebnisse noch nicht in PubMed
SCRATCH · NCT02407782 · 1.092 Teilnehmende, Start 01/2016, Hauptendpunkt erreicht 12/2021. Prüft mehrere Wirkstoffe.
Registereintrag ↗ · Ergebnisse noch nicht in PubMed
RIMDAMAL II · NCT03967054 · 4.124 Teilnehmende, Start 07/2019, Hauptendpunkt erreicht 11/2020.
Registereintrag ↗ · Ergebnisse noch nicht in PubMed
BOLT · NCT07159373 · 5.100 Teilnehmende (geplant), Start 09/2026, Hauptendpunkt geplant 06/2027. Prüft mehrere Wirkstoffe.
Balken: Start bis Hauptendpunkt (bei laufenden Studien geplant). Grün = abgeschlossen, blau = Fortschritt bis 26.10.2026.
Auf der Haut
Ivermectin wurde auch als Creme bei Rosazea untersucht. In einer Phase-3-Studie mit 962 Teilnehmern gingen die entzündlichen Hautveränderungen mit der Ivermectin-Creme stärker zurück als mit einer Metronidazol-Creme, die Haut vertrug sie zudem besser (Taieb 2015).
Nebenwirkungen
Häufige Nebenwirkungen sind:
- Kopfschmerzen
- Schwindel
- Müdigkeit
- Magen-Darm-Beschwerden (Übelkeit, Durchfall)
- Juckreiz (Herxheimer-ähnliche Reaktion bei Parasitenabbau)
Schwerwiegendere Nebenwirkungen sind selten, können aber neurologische Symptome bei sehr hohen Dosen einschließen. Ivermectin ist kontraindiziert bei Neurofilaria-Infektionen in Westafrika ohne weitere Überwachung.
Verträglichkeit
Nebenwirkungen bei Massenbehandlung
Von 100 Behandelten: bei wie vielen eine milde Nebenwirkung auftrat, Ivermectin gegen Permethrin für alle.
| Ereignis | Permethrin für alle | Ivermectin |
|---|---|---|
| Milde Nebenwirkungen3 | 7 % | 16 % |
Bei Gesunden waren Nebenwirkungen bis zum Zehnfachen der höchsten zugelassenen Dosis so häufig wie unter Placebo, die Pupillen weiteten sich nicht. Gegen Zwergfadenwurm wurden Schwindel, Übelkeit und Verwirrtheit in allen Gruppen berichtet.342
Lagerung
Ivermectin-Tabletten sollten trocken und kühl, vor Licht geschützt gelagert werden. Die Lagerungstemperatur sollte zwischen 15-25 Grad Celsius liegen. Die Originalbehälter schützen vor Feuchte und Licht und sollten fest verschlossen bleiben. Nicht im Kühlschrank lagern.