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Lexikon

PT-141 Nasenspray

Der Melanocortin-Agonist für Verlangen und Erregung als gebrauchsfertiges Nasenspray: 10 mg in 5,4 ml, ein Sprühstoß liefert rund 185 mcg, keine Spritze und kein Anmischen.

9 Min. Lesezeit 5 Quellen

PT-141 Nasal, Produktfoto

Steckbrief

Stand Oktober 2026

Klasse
Nicht selektiver Melanocortin-Agonist (vor allem MC4R und MC1R, dazu MC3R), zyklisches Heptapeptid, medizinisch: Bremelanotid
Form
Fertiges Nasenspray, 10 mg in 5,4 ml (1,85 mg/ml), rund 185 mcg je Sprühstoß, rund 50 Sprühstöße
Anwendung
Nasal, bei Bedarf 30 bis 60 Minuten vorher
Halbwertszeit
Rund 2 Stunden nach nasaler Gabe (1,9 bis 2,1 Stunden), Spitzenspiegel nach etwa 30 Minuten
Status
Subkutan seit 2019 in den USA zugelassen (Vyleesi), die nasale Form wurde klinisch geprüft, aber nie zugelassen
Frequenz
Höchstens einmal in 24 Stunden und höchstens 8 Anwendungen im Monat (Regel der Zulassung für die Spritze)
Inhalt 9 Abschnitte
  1. Titration
  2. Was ist PT-141 Nasal?
  3. Wie es wirkt
  4. Nasal statt Spritze: Aufnahme über die Nasenschleimhaut
  5. Anwendung und Dosierung
  6. Was die Forschung zeigt
  7. Nebenwirkungen
  8. Lagerung und Haltbarkeit nach Anbruch
  9. Quellen

Einstieg

Übliche Dosierung als Nasenspray (Research-Kontext)

Werte in mg pro Anwendungstag, nicht pro Woche. Wie viele Sprühstöße das sind, steht im Dosierabschnitt.

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Was ist PT-141 Nasal?

PT-141 ist der Forschungsname von Bremelanotid, einem synthetischen, ringförmig geschlossenen Peptid aus sieben Aminosäuren. Es stammt aus der Melanotan-Linie: Chemisch ist es das, was aus Melanotan II wird, wenn die endständige Amid-Gruppe zur freien Säure wird. An den Pigment-Rezeptoren wirkt PT-141 weiterhin, entwickelt wurde es aber gezielt für die zentralen Effekte auf Verlangen und Erregung. Genommen wird es nur gelegentlich statt täglich. In den USA ist Bremelanotid seit 2019 als Autoinjektor für prämenopausale Frauen mit vermindertem sexuellem Verlangen zugelassen (Handelsname Vyleesi). Damit gehört es zu den wenigen Peptiden im Lexikon mit einem kompletten klinischen Programm bis zur Zulassung (Mayer 2020).

Diese Variante ist das fertige Nasenspray: 10 mg PT-141 gelöst in 5 ml Kochsalzlösung plus 0,4 ml bakteriostatischem Wasser, zusammen 5,4 ml, also 1,85 mg je Milliliter. Ein Sprühstoß gibt 0,1 ml ab und enthält rund 185 mcg (0,19 mg) Wirkstoff. Rechnerisch stecken 54 Sprühstöße in der Flasche, nach dem Befüllen der Pumpe bleiben rund 50 nutzbar. Du musst nichts anmischen und brauchst keine Spritze. Das Spray wird nach deiner Bestellung aus einem Vial frisch angesetzt und als Express verschickt. Wer die subkutane Form mit den Studiendosen will, nimmt weiterhin das PT-141-Vial, dazu gibt es einen eigenen Lexikon-Eintrag.

Wichtig für die Einordnung: Die nasale Gabe von PT-141 wurde Anfang der 2000er tatsächlich am Menschen geprüft, allerdings mit 7 bis 20 mg pro Anwendung. Diese Flasche liefert mit 1 bis 4 Sprühstößen 0,19 bis 0,74 mg, also einen Bruchteil davon. Das Spray ist ein Niedrigdosis-Format, kein Ersatz für die Spritze.

Diese Information dient ausschließlich Forschungs- und Bildungszwecken. Keine medizinischen Empfehlungen.

Wie es wirkt

PT-141 aktiviert mehrere Melanocortin-Rezeptoren, ohne sich auf einen festzulegen. Laut Fachinformation der Spritze zählen bei den üblichen Dosen vor allem zwei: der Melanocortin-4-Rezeptor (MC4R) im Gehirn und der MC1-Rezeptor auf den Pigmentzellen, schwächer kommt MC3R dazu. Für Verlangen und Erregung ist MC4R der entscheidende, er sitzt in Hirnregionen, die diese Vorgänge steuern, vor allem im Hypothalamus. Im Tiermodell löst die Aktivierung dort eine Dopamin-Freisetzung aus, die als Startsignal für sexuelles Interesse gilt. Die Wirkung setzt nach heutigem Verständnis also zentral beim Antrieb an, nicht an den Gefäßen. Wie genau das Verlangen steigt, ist laut Fachinformation allerdings nicht geklärt. PDE-5-Hemmer arbeiten umgekehrt peripher über die Durchblutung und brauchen eine bestehende Erregung, PT-141 löste in Studien Erektionen auch ohne visuelle Reize aus (Diamond 2004).

Weil die Melanocortin-Rezeptoren im ganzen Körper verteilt sind, erklärt derselbe Mechanismus die Nebenwirkungen: MC1R auf den Pigmentzellen sorgt für die Hyperpigmentierung bei zu häufiger Gabe, die zentrale MC4R-Aktivierung für die Übelkeit. Ein Zug am Kreislauf zeigt sich als kurzer Blutdruckanstieg mit gleichzeitig langsamerem Puls (White 2017). Anders als bei Melanotan II ist Bräunung bei PT-141 nicht das Ziel und blieb bei der gelegentlichen Anwendung der Zulassungsstudien selten (Clayton 2022).

Nasal statt Spritze: Aufnahme über die Nasenschleimhaut

PT-141 ist mit gut 1.000 Dalton ein kleines, wasserlösliches Peptid und geht über die stark durchblutete Nasenschleimhaut direkt ins Blut, ohne Umweg über Magen und Leber. Für PT-141 wurde das tatsächlich gemessen, es ist eines der wenigen Peptide mit echten nasalen Humandaten: In der Phase-1-Studie an gesunden Männern stiegen Spitzenspiegel und Gesamtexposition mit der nasalen Dosis, der Spitzenspiegel lag im Median nach 30 Minuten vor, die Halbwertszeit bei rund 2 Stunden. Die erste Erektion kam ebenfalls nach etwa 30 Minuten (Diamond 2004). Das Spray wirkt also schnell und ist nach wenigen Stunden wieder draußen.

Der Haken ist die Menge. Nasal war in derselben Studie erst oberhalb von 7 mg eine statistisch gesicherte Wirkung da. An Frauen wurden nasale Einzeldosen von 20 mg geprüft (Diamond 2006). Subkutan reichen 1,75 mg als zugelassene Dosis (Mayer 2020). Laut Fachinformation der Spritze erreichen 20 mg nasal nur etwa den 2,5-fachen Spitzenspiegel der 1,75 mg subkutan, bei mehr als der elffachen Menge. Nur ein Teil der nasalen Dosis kommt also im Blut an, der Rest wird vermutlich von den Peptidasen der Schleimhaut abgebaut oder läuft mit dem Sekret in den Rachen. 7 mg wären bei dieser Flasche rund 38 Sprühstöße, also drei Viertel des Inhalts auf einmal, 20 mg mehr als die ganze Flasche. Weiterentwickelt und zugelassen wurde am Ende die subkutane Form.

Für die Praxis heißt das: Mit 1 bis 4 Sprühstößen bleibst du systemisch deutlich unter dem, was in den Studien gewirkt hat. Das macht das Spray bei Übelkeit und Blutdruck zur sanfteren Variante, aber auch zur schwächeren. Wer einen verlässlichen Effekt in Studienstärke sucht, ist beim Vial richtig, nicht bei immer mehr Sprühstößen.

Anwendung und Dosierung

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Was die Forschung zeigt

Die nasale Form von PT-141 hat eine kurze, aber echte Studiengeschichte. In der doppelblinden, placebokontrollierten Phase-1-Arbeit an gesunden Männern und an Männern mit leichter bis mittlerer Erektionsstörung (Diamond 2004) wurde PT-141 als Nasenspray in steigenden Dosen gegeben und die Erektion per RigiScan gemessen. Oberhalb von 7 mg war die Erektionsantwort gegenüber Placebo signifikant, bei gesunden Männern sogar ohne visuelle Stimulation. Eine maximal verträgliche Dosis wurde nicht erreicht, die häufigsten Nebenwirkungen waren Flush und Übelkeit, Vitalwerte, Labor und EKG blieben ohne klinisch relevante Veränderung.

An 18 prämenopausalen Frauen mit Erregungsstörung wurde eine nasale Einzeldosis von 20 mg im Crossover gegen Placebo geprüft (Diamond 2006). Mehr Frauen berichteten nach PT-141 von moderatem bis hohem Verlangen (p = 0,011). Von denen, die binnen 24 Stunden Geschlechtsverkehr versuchten, waren signifikant mehr mit ihrer Erregung zufrieden. Die objektiv gemessene vaginale Durchblutung änderte sich dagegen nicht. Das passt zum zentralen Mechanismus: Das Verlangen bewegt sich, nicht die Gefäße.

Weiterentwickelt wurde dann die subkutane Form. Zwei identische Phase-3-Studien mit 1,75 mg bei Bedarf an insgesamt 1.267 Frauen zeigten über 24 Wochen eine signifikante Zunahme des Verlangens und weniger Leidensdruck gegenüber Placebo, 2019 folgte die US-Zulassung (RECONNECT-Studien, zusammengefasst bei Mayer 2020). Das gesamte Entwicklungsprogramm umfasst rund 3.500 Probanden in 43 Studien (Clayton 2022). Für die Übertragung auf das Spray gilt: Die Wirksamkeit ist für die Spritze in Studienstärke belegt, für nasale Dosen unter 1 mg gibt es keine Daten.

Nebenwirkungen

Die Datenlage stammt fast komplett aus dem subkutanen Programm mit 1,75 mg. Dort war Übelkeit mit Abstand am häufigsten: 40 Prozent unter Bremelanotid gegen 1,3 Prozent unter Placebo, dazu Flush (20 Prozent) und Kopfschmerz (11 Prozent) (Clayton 2022). Laut Fachinformation setzte die Übelkeit meist in der ersten Stunde ein, hielt etwa 2 Stunden und kam vor allem nach der ersten Gabe (21 Prozent, bei späteren Gaben rund 3 Prozent). Sie war der häufigste Grund fürs Aufhören (Clayton 2022). Mit 0,19 bis 0,74 mg nasal liegt die systemische Dosis weit darunter, in der nasalen Phase-1-Studie traten Flush und Übelkeit bei den dort geprüften hohen Dosen aber genauso auf (Diamond 2004). Niedrig starten ist deshalb kein Ritual, sondern der Weg, die Übelkeit zu umgehen.

Blutdruck: Bremelanotid hebt den Blutdruck kurz an. Unter ambulanter 24-Stunden-Messung lag der systolische Wert in den ersten 4 Stunden nach 1,25 bis 1,75 mg um 2,4 bis 3,2 mmHg über Placebo, die Spitzen dauerten meist unter 15 Minuten, der Puls fiel gleichzeitig um knapp 5 Schläge (White 2017). Klein, aber messbar. Wer einen hohen oder unbehandelten Blutdruck oder ein Herz-Kreislauf-Risiko hat, lässt PT-141 in jeder Form weg. Die Fachinformation der Spritze schließt unkontrollierten Bluthochdruck und bekannte Herz-Kreislauf-Erkrankungen aus, die Auswertung des Entwicklungsprogramms rät bei Herz-Kreislauf-Risiko zur Vorsicht (Clayton 2022).

Pigment: Als Melanocortin-Agonist kann PT-141 Haut, Muttermale und Sommersprossen dunkler machen, vor allem im Gesicht und bei dunklerem Hauttyp. Bei Anwendung nach Zulassungsregel war das selten, nach bis zu 16 täglichen Gaben traf es mehr als ein Drittel (Clayton 2022). Laut Fachinformation bildeten sich die Flecken nach dem Absetzen nicht bei allen zurück. Deshalb die Grenze von 8 Anwendungen im Monat. Nasal spezifisch kommen Reizung der Schleimhaut, Niesen, laufende Nase und ein bitterer Geschmack im Rachen dazu, wenn Lösung nach hinten läuft. Bei verstopfter Nase bringt das Spray wenig.

Lagerung und Haltbarkeit nach Anbruch

Das Spray gehört in den Kühlschrank bei 2 bis 8 Grad, lichtgeschützt in der Umverpackung. Stell es aufrecht, damit das Steigrohr in der Lösung bleibt. Nicht einfrieren und nicht ins Türfach, wo die Temperatur bei jedem Öffnen schwankt. Ein paar Stunden Raumtemperatur auf dem Postweg oder in der Tasche schaden nicht, das zugelassene Fertigpräparat darf sogar dauerhaft bei Raumtemperatur bis 25 Grad liegen. Dauerhaft warm oder in der Sonne sollte die Flasche trotzdem nicht stehen.

Angebrochen hält die Lösung im Kühlschrank mehrere Monate. PT-141 ist ein ringförmig geschlossenes Peptid mit einer Lactam-Brücke und ohne freie Cysteine, das macht es deutlich stabiler als viele lineare Peptide. Von den 5,4 ml sind nur 0,4 ml bakteriostatisches Wasser, der Konservierungsstoff darin ist also stark verdünnt und schützt die Lösung nur begrenzt. Deshalb zählt die Hygiene: Sprühkopf nach jedem Gebrauch mit einem sauberen Tuch abwischen, Kappe drauf, nicht mit anderen teilen. Wird die Lösung gelartig, klumpig oder riecht sie anders, nicht mehr verwenden. Eine leichte Trübung allein ist kein Grund dafür.

Zum Mitrechnen: Rechnerisch enthält die Flasche 54 Sprühstöße, nach dem Befüllen der Pumpe bleiben rund 50. Bei 2 Sprühstößen pro Anwendung und höchstens 8 Anwendungen im Monat reichen sie rund drei Monate, bei 4 Sprühstößen etwa sechs Wochen. Das passt zur Haltbarkeit nach Anbruch.

Evidenz

Quellen

  1. 1 DOI Doppelblinde, placebokontrollierte Phase-1-Studie mit nasalem PT-141 an gesunden Männern und Männern mit leichter bis mittlerer Erektionsstörung: dosisabhängige Blutspiegel, Spitzenspiegel nach 30 Minuten, Halbwertszeit rund 2 Stunden, Erektionsantwort erst oberhalb von 7 mg, häufigste Nebenwirkungen Flush und Übelkeit International Journal of Impotence Research, 2004 Quelle öffnen
  2. 2 PubMed Crossover-Studie an 18 prämenopausalen Frauen mit Erregungsstörung: eine nasale Einzeldosis von 20 mg steigerte das berichtete Verlangen gegenüber Placebo, die gemessene vaginale Durchblutung blieb unverändert Journal of Sexual Medicine, 2006 Quelle öffnen
  3. 3 DOI Übersicht zur US-Zulassung 2019: subkutan 1,75 mg bei Bedarf etwa 45 Minuten vorher, höchstens eine Gabe in 24 Stunden und 8 im Monat, Absetzen nach 8 Wochen ohne Nutzen, keine relevante Wechselwirkung mit Alkohol, häufigste Nebenwirkungen Übelkeit, Flush und Kopfschmerz Annals of Pharmacotherapy, 2020 Quelle öffnen
  4. 4 DOI Ambulante 24-Stunden-Blutdruckmessung an 397 Frauen: 1,25 bis 1,75 mg subkutan heben den systolischen Druck in den ersten 4 Stunden um 2,4 bis 3,2 mmHg, Spitzen meist unter 15 Minuten, der Puls fällt gleichzeitig um knapp 5 Schläge Journal of Hypertension, 2017 Quelle öffnen
  5. 5 DOI Sicherheitsprofil des gesamten Entwicklungsprogramms (3.500 Probanden, 43 Studien): Übelkeit 40 Prozent, Flush 20 Prozent, Kopfschmerz 11 Prozent, fleckige Hyperpigmentierung bei über einem Drittel nach bis zu 16 täglichen Gaben, kleine vorübergehende Blutdruckanstiege, Vorsicht bei Herz-Kreislauf-Risiko Journal of Women's Health, 2022 Quelle öffnen

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