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Lexikon

Alprostadil

Prostaglandin E1 zur Behandlung erektiler Dysfunktion, ein klinisch etabliertes, aber heikles Mittel mit sensibler Anwendung.

2 Min. Lesezeit 8 Quellen

Vial mit weißem Pulver, blauer Kappe und schwarzem TPD-Etikett für Alprostadil auf einem weißen Podest, daneben ein lang gestrecktes Molekülmodell aus blauen und weißen Glaskugeln in einem hellen Labor
Wirkstoff zugelassen · in den USA seit 1981

Kurzfassung

Auf einen Blick

Quellen geprüft am 26.10.2026

Injektionen mit sexueller Aktivität
94 %

Selbstinjektion über sechs Monate, 683 Männer, ohne Placebo1

Verkehr zu Hause (Harnröhre)
64,9 %

mindestens einmal in drei Monaten, unter Placebo 18,6 Prozent2

Schmerzen am Penis
37 %

häufigste Nebenwirkung bei Injektion, unter Placebo 2 Prozent5

Priapismus
0,4 %

Erektion über 6 Stunden, dazu 4 Prozent verlängerte Erektionen von 4 bis 6 Stunden5

  • Alprostadil ist die arzneiliche Form von Prostaglandin E1. Der Wirkstoff ist in den USA seit 1981 zugelassen, heute auch zur Injektion in den Schwellkörper bei Erektionsstörungen.56
  • Er entspannt die glatte Muskulatur im Schwellkörper und weitet dessen Arterien. Dazu bindet er an Prostaglandin-Rezeptoren und erhöht in den Zellen den Botenstoff cAMP.56
  • Bei 683 Männern folgte auf 94 Prozent der Selbstinjektionen sexuelle Aktivität. Über die Harnröhre gegeben hatten 64,9 Prozent zu Hause Verkehr, unter Placebo 18,6 Prozent.12
  • Häufigste Nebenwirkung ist Schmerz am Penis. Die wichtigsten Risiken sind verlängerte Erektionen und selten ein Priapismus, der sofort ärztlich behandelt werden muss.5
  • Die Fachinformation sieht die ersten Injektionen in der Arztpraxis vor. Alles hier ist Information und keine Empfehlung.5
Steckbrief

Stand Mai 2026

Klasse
Prostaglandin E1

Vasodilatator

Anwendung
Lokal

medizinisch, 20mcg-Vials

Einsatz
Erektile Dysfunktion
Status
Klinisch etabliert

ärztlich

Größen
20MCG/5vials

1 Größe im Shop

Inhalt 14 Abschnitte
  1. Auf einen Blick
  2. Was ist Alprostadil?
  3. Wie es wirkt
  4. Anwendung
  5. Dosierung
  6. Was die Forschung zeigt
  7. Studienlage
  8. Nebenwirkungen
  9. Praxis
  10. Lagerung
  11. Verwandte Wirkstoffe
  12. Häufige Fragen
  13. Begriffe
  14. Quellen

Was ist Alprostadil?

Alprostadil ist die medizinische Form von Prostaglandin E1 (PGE1), einem gefäßerweiternden Botenstoff. Es ist ein klinisch etabliertes Mittel zur Behandlung erektiler Dysfunktion und wird in dieser Indikation ärztlich verschrieben. Bei uns kommt es als 20mcg-Vials mit gefriergetrocknetem Pulver, das vor der Anwendung aufgelöst wird (so auch in der US-Fachinformation).

Wichtig: Alprostadil ist ein medizinisches Mittel mit sensibler Anwendung. Die klassische Anwendung (intrakavernöse Injektion) ist ein ärztlich angeleitetes Verfahren, kein lockeres Research-Experiment.

Vergleich

Ansätze bei Erektionsstörungen

Stoffe aus dem TPD-Lexikon, so wie dort beschrieben. Ein Klick öffnet den Eintrag.

Vereinfacht nach den Lexikon-Einträgen. Alprostadil wirkt direkt im Schwellkörper, die anderen Stoffe setzen an anderen Punkten an. Einen direkten Vergleich zeigt diese Seite nicht. 5

Wie es wirkt

Alprostadil erweitert die Blutgefäße und entspannt die glatte Muskulatur. Lokal angewendet erhöht es die Durchblutung und kann so eine Erektion auslösen, unabhängig von sexueller Stimulation. Genau das macht es zu einem wirksamen Mittel bei erektiler Dysfunktion, wenn Tabletten (wie Sildenafil/Tadalafil) nicht ausreichen.

Wirkorte

Wo Alprostadil wirkt

Punkt oder Karte antippen. Farbe = Rezeptor, grau = zugelassene Anwendung.

  1. Schwellkörper und Arterien

    Entspannt die glatte Muskulatur im Schwellkörper und weitet seine Arterien, das Blut staut sich5

    EP1EP2
  2. Herz (Neugeborene)

    Hält bei Neugeborenen ein Blutgefäß am Herzen offen (zugelassene Anwendung)6

    In Studien beobachtet

Ziele in der Datenbank ChEMBL6

Wirkstoff CHEMBL495: zwei erfasste Mechanismen, jeweils Agonist laut ChEMBL.

Prostaglandin-E2-Rezeptor EP1
Gen
PTGER1
UniProt
P34995
ChEMBL
CHEMBL1811
Wirkung
Agonist laut ChEMBL
Prostaglandin-E2-Rezeptor EP2
Gen
PTGER2
UniProt
P43116
ChEMBL
CHEMBL1881
Wirkung
Agonist laut ChEMBL
Gläserner Gefäßring, umwickelt von rosafarbenen Muskelbändern, an denen zwei blaue Moleküle anliegen, in der Mitte die offene Gefäßöffnung
Gefäße weiten sich, wenn die glatte Muskulatur entspannt. Symbolbild.

Anwendung

Dosierung. Die Dosierung wird geladen …

Dosierung

Dosierung

Dosierung, Titrationsplan und Spritze

Die Dosierung wird geladen …

  • Einstieg und Steigerung als Treppe
  • Einheiten auf der U-100-Spritze je Stufe
  • Wie lange ein Vial reicht

Was die Forschung zeigt

Eine klinische Studie (Linet, NEJM 1996) zeigte, dass intrakavernöses Alprostadil bei Männern mit erektiler Dysfunktion wirksam und mit vertretbaren Nebenwirkungen war, mit klarer Dosis-Wirkungs-Beziehung. Alprostadil ist also ein gut belegtes, medizinisch etabliertes Mittel, die sensible Anwendungsart ist der entscheidende Punkt.

Studienergebnisse

Was die Studien gemessen haben

Zum Ausprobieren: Reiter wechseln, Punkte antippen, Arme aus- und einblenden. Die Arme heißen relativ zueinander, keine Dosisempfehlung.

Erfolgreicher Verkehr zu Hause2

Anteil der Männer mit mindestens einmal Verkehr in drei Monaten

Gabe in die Harnröhre2 461 mit Alprostadil, 500 mit Placebo
Placebo 18,6 %
Alprostadil 64,9 %

Werte aus dem Abstract. Zu Hause weiter machten nur Männer, die in der Praxis ansprachen (65,9 Prozent von 1.511). Gegeben als kleines Stäbchen in die Harnröhre, nicht als Spritze. Kein Priapismus und keine Fibrose in dieser Studie.

Selbstinjektion in den Schwellkörper1

Anteil der Injektionen, 683 Männer über sechs Monate

Sexuelle Aktivität möglich1
Alprostadil 94 %
Zufrieden (Männer)1
Alprostadil 87 %
Zufrieden (Partnerinnen und Partner)1
Alprostadil 86 %

Werte aus dem Abstract, offene Studie ohne Placebo. In einer zweiten Teilstudie mit 296 Männern waren alle Dosen besser als Placebo, mit klarer Dosis-Wirkungs-Beziehung.

Durchblutungsstörung der Beine im Stadium IV4

Anteil der Teilnehmenden in Prozent, 840 Teilnehmende, Infusion

Vollständige Wundheilung4 12 Wochen nach der Behandlung
Placebo 17,2 %
Alprostadil 18,4 %
Große Amputation4 24 Wochen nach der Behandlung
Placebo 14,6 %
Alprostadil 12,6 %

Werte aus dem Abstract. Bei dieser anderen Anwendung war Alprostadil Placebo nicht überlegen, die Unterschiede waren nicht signifikant.

Petrischale mit einem rötlichen Stück Blutgefäß und einem roten Rosenblatt auf dem Tisch eines Mikroskops
In einer klinischen Studie mit klarer Dosis-Wirkungs-Beziehung untersucht, die Anwendung gehört in ärztliche Hand. Symbolbild.

Forschungsstand

Studienlage

Alprostadil ist seit 1981 zugelassen, die Studien zur Zulassung bei Erektionsstörungen liefen vor dem Register. Zur Suche nach Alprostadil und Erektionsstörungen stehen dort 14 Einträge, viele nutzen den Wirkstoff nur als Hilfsmittel. Gezeigt sind Studien mit Alprostadil als geprüftem Mittel, dazu eine große Studie zur Durchblutung der Beine. Stand 26.10.2026. 7

  1. Präklinik Prostaglandin E1, ein körpereigener Botenstoff
  2. Phase 1 1 Studie, 1 abgeschlossen
  3. Phase 2 3 Studien, 1 abgeschlossen, 1 vorzeitig beendet
  4. Phase 3 2 Studien, 1 abgeschlossen, 1 vorzeitig beendet
  5. Zulassung in den USA seit 1981
48 Teilnehmende in Phase 3 Zugelassen in den USA seit 1981. Anwendungen laut ChEMBL unter anderem bei Erektionsstörungen und bei Neugeborenen, um ein Blutgefäß am Herzen offen zu halten (Ductus arteriosus).5
Alle 6 Studien aus Phase 2, 3 und 4 im ZeitverlaufZeitverlauf ausblenden 3 abgeschlossen 1 laufend 2 vorzeitig beendet 1 mit Ergebnissen
Phase 2
Phase 3
Phase 4

Balken: Start bis Hauptendpunkt (bei laufenden Studien geplant). Grün = abgeschlossen, blau = Fortschritt bis 26.10.2026, grau = vorzeitig beendet. Phase 1: 1 Studie zu Verträglichkeit und Pharmakokinetik, nicht als Balken gezeigt.

Nebenwirkungen

  • Schmerzhafte Dauererektion (Priapismus), ein Notfall, der ärztlich behandelt werden muss.
  • Schmerzen oder Brennen an der Anwendungsstelle.
  • Schwindel, Blutdruckabfall.

Verträglichkeit

Örtliche Nebenwirkungen bei Injektion

Von 100 Männern je Gruppe: wie viele das Ereignis in Studien bis zu 18 Monaten hatten (1.861 mit Alprostadil, 294 mit Placebo).

2 von 100 Placebo
37 von 100 Alprostadil
Ereignis PlaceboAlprostadil
Schmerzen am Penis5 2 %37 %
Verlängerte Erektion (4 bis 6 Stunden)5 0 %4 %
Verhärtung im Penis (Fibrose)5 0 %3 %
Bluterguss an der Einstichstelle5 0 %3 %
Schwindel5 0 %1 %

Werte aus der US-Fachinformation. Unter Placebo trat außer Schmerz am Penis keine örtliche und keine allgemeine Nebenwirkung auf. Ein Priapismus über 6 Stunden kam bei 0,4 Prozent vor, 3 Prozent brachen wegen Schmerzen ab.5

Praxis

  1. Heikles, ärztlich anzuwendendes Mittel, kein lockeres Selbst-Experiment.

  2. Bei einer Erektion, die länger als ein paar Stunden anhält, sofort ärztliche Hilfe (Priapismus).

  3. Bei Erektionsproblemen sind orale Mittel (Sildenafil/Tadalafil) die erste, einfachere Wahl.

Heller Nachttisch mit Lampe, einem Glas Wasser, einer kleinen Topfpflanze, einem gefalteten hellblauen Handtuch und einem geschlossenen Heft

Lagerung

Laut US-Fachinformation werden die ungeöffneten 20mcg-Vials bei Raumtemperatur gelagert, also bei 20 bis 25 Grad. Die aufgelöste Lösung innerhalb von 24 Stunden verbrauchen, dabei nicht über 25 Grad lagern, nicht in den Kühlschrank legen und nicht einfrieren. Außerhalb der Reichweite von Kindern lagern, Originalverpackung verschlossen halten und das Verfallsdatum beachten.

Verwandt

Verwandte Wirkstoffe

Ein anderer Weg: alles im TPD-Lexikon.

FAQ

Häufige Fragen zu Alprostadil

Kurze Antworten, jede mit den Quellen unten belegt.

Ist Alprostadil zugelassen?

Ja. Der Wirkstoff ist in den USA seit 1981 zugelassen. Als Injektion in den Schwellkörper ist er bei Erektionsstörungen zugelassen, dazu als Hilfe bei der Diagnose. Eine andere zugelassene Anwendung ist bei Neugeborenen, um ein Blutgefäß am Herzen offen zu halten.56

Wie wirkt Alprostadil?

Alprostadil bindet an Prostaglandin-Rezeptoren im Schwellkörper und erhöht in den Zellen den Botenstoff cAMP. Die glatte Muskulatur entspannt sich, die Arterien weiten sich. Blut strömt ein und wird im Schwellkörper gehalten.56

Was zeigen die Studien?

In einer Studie mit 683 Männern, die sich sechs Monate selbst spritzten, folgte auf 94 Prozent der Injektionen sexuelle Aktivität. Männer und Partner waren nach 87 und 86 Prozent zufrieden. Über die Harnröhre gegeben hatten 64,9 Prozent der Männer zu Hause Verkehr, unter Placebo 18,6 Prozent.12

Welche Nebenwirkungen sind bekannt?

Am häufigsten sind Schmerzen am Penis: 37 Prozent in den Zulassungsstudien, unter Placebo 2 Prozent, meist leicht bis mäßig. Dazu kamen verlängerte Erektionen (4 Prozent), Verhärtungen (3 Prozent) und Blutergüsse (3 Prozent). Über die Harnröhre gegeben fiel bei 3,3 Prozent in der Praxis der Blutdruck ab.52

Was ist ein Priapismus?

Eine Erektion, die länger als 6 Stunden anhält. In den Studien kam sie bei 0,4 Prozent vor. Die Fachinformation sagt: Hält eine Erektion länger als 4 Stunden, sofort ärztliche Hilfe holen. Unbehandelt kann das Gewebe dauerhaft Schaden nehmen.5

Wer sollte Alprostadil nicht anwenden?

Laut Fachinformation nicht bei Neigung zu Priapismus (etwa Sichelzellkrankheit, Plasmozytom, Leukämie), bei Verhärtungen oder Verkrümmung des Penis, mit Penisimplantat und bei Überempfindlichkeit gegen den Wirkstoff.5

Kommen spontane Erektionen zurück?

In einer offenen Studie mit Männern mit Durchblutungs-bedingter Erektionsstörung berichteten im Lauf eines Jahres Selbstinjektion 85 Prozent von 54 Männern mit Angaben, dass spontane Erektionen wieder häufiger waren. Die Durchblutung der Schwellkörper-Arterien hatte zugenommen. Eine Vergleichsgruppe gab es nicht.3

Glossar

Begriffe kurz erklärt

Gepunktet unterstrichene Wörter im Text zeigen diese Erklärungen direkt an.

cAMP
Botenstoff innerhalb der Zelle. Steigt er in der glatten Muskulatur, entspannt sie sich.
Ductus arteriosus
Blutgefäß zwischen Lungen- und Körperschlagader, das sich nach der Geburt normalerweise schließt.
Fibrose
Verhärtung durch vermehrtes Bindegewebe. Im Penis kann sie zu einer Verkrümmung führen.
Glatte Muskulatur
Muskeln, die man nicht willentlich steuert, etwa in Gefäßen und im Schwellkörper.
Intrakavernös
In den Schwellkörper hinein. So wird Alprostadil gespritzt.
PDE5-Hemmer
Tabletten-Wirkstoffe wie Sildenafil oder Tadalafil. Sie setzen an einem anderen Punkt der Erektion an als Alprostadil.
Priapismus
Erektion, die länger als 6 Stunden anhält. Ein Notfall, der sofort ärztlich behandelt werden muss.
Prostaglandin E1
Körpereigener Botenstoff aus der Familie der Prostaglandine. Alprostadil ist seine arzneiliche Form.
Schwellkörper
Schwammartiges Gewebe im Penis, das sich bei einer Erektion mit Blut füllt.

Evidenz

Quellen

Alle 8 Quellen anzeigenQuellen ausblenden 4 Studien1 Studienregister3 Datenbank geprüft am 26.10.2026

Studien

  1. Wirksamkeit und Sicherheit der Injektion in den Schwellkörper, drei Studien

    Linet und Ogrinc, New England Journal of Medicine, 1996

    Geprüft am 26.10.2026 über doi.org, Crossref, PubMed
  2. Alprostadil über die Harnröhre gegen Placebo, 1.511 Männer

    Padma-Nathan et al., New England Journal of Medicine, 1997

    Geprüft am 26.10.2026 über doi.org, Crossref, PubMed
  3. Spontane Erektionen unter Langzeit-Selbstinjektion

    Brock et al., Urology, 2001

    Geprüft am 26.10.2026 über doi.org, Crossref, PubMed
  4. ESPECIAL: Alprostadil bei Durchblutungsstörung der Beine, Phase 4

    Lawall et al., European Journal of Vascular and Endovascular Surgery, 2017

    Geprüft am 26.10.2026 über doi.org, Crossref, PubMed

Studienregister

  1. Studien mit Alprostadil bei Erektionsstörungen im Register

    ClinicalTrials.gov, U.S. National Library of Medicine

    Geprüft am 26.10.2026 über ClinicalTrials.gov API v2

Datenbank

  1. US-Fachinformation zur Injektion in den Schwellkörper

    DailyMed, U.S. National Library of Medicine (Fachinformation, Stand 2024)

    Geprüft am 26.10.2026 über DailyMed
  2. Alprostadil in ChEMBL (Mechanismus, Zulassung, Anwendungen)

    ChEMBL, EMBL-EBI (CHEMBL495)

    Geprüft am 26.10.2026 über ChEMBL
  3. Struktur von Alprostadil in PubChem

    PubChem, U.S. National Library of Medicine (CID 5280723)

    Geprüft am 26.10.2026 über PubChem

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