Was ist Ramipril?
Ramipril ist ein ACE-Hemmer. Es blockiert das Angiotensin-Converting-Enzyme, das Angiotensin I in Angiotensin II umwandelt. Angiotensin II ist der stärkste körpereigene Gefäßverenger und treibt zusätzlich die Aldosteron-Ausschüttung an, also die Salz- und Wasserretention. Beides fällt weg, wenn das Enzym blockiert ist.
Ramipril selbst ist ein Prodrug und wird in der Leber zu Ramiprilat umgebaut, das die eigentliche Arbeit macht. Neben der reinen Blutdrucksenkung hat die Substanzklasse eine gut dokumentierte Schutzwirkung auf Niere und Herz, die über den Druckeffekt hinausgeht.
Diese Information dient ausschließlich Forschungs- und Bildungszwecken. Keine medizinischen Empfehlungen.
Vergleich
Verschiedene Wege am Blutdruck
Ramipril, Sartane, Spironolacton und Amlodipin setzen an verschiedenen Stellen an, so wie im TPD-Lexikon beschrieben. Ein Klick öffnet den Eintrag.
Vereinfacht: ACE-Hemmer bremsen die Bildung von Angiotensin II, Sartane blockieren seinen Rezeptor, Spironolacton blockiert Aldosteron, Amlodipin den Kalziumkanal der Gefäßmuskeln. 8
Wie es wirkt
Das ACE hat einen zweiten Job. Daher kommt die bekannteste Nebenwirkung: es baut Bradykinin ab. Wird es blockiert, sammelt sich Bradykinin an. In den Gefäßen ist das erwünscht, weil es zusätzlich weitet. In den Bronchien führt es bei rund jedem zehnten zu einem trockenen Reizhusten, der nicht wieder verschwindet.
Der Nieren-Effekt läuft über eine Weitung des abführenden Gefäßes im Nierenkörperchen. Dadurch sinkt der Filtrationsdruck, die Niere wird entlastet und die Eiweißausscheidung geht zurück. Genau deshalb ist die Klasse bei proteinurischen Nierenerkrankungen Standard, obwohl der Kreatinin-Wert direkt nach Beginn oft leicht ansteigt. Ein Anstieg bis etwa 30 Prozent ist bei ACE-Hemmern erwartbar und kein Abbruchgrund.
Wirkorte
Wo Ramipril in Studien wirkte
Punkt oder Karte antippen. Farbe = ACE, grau = in Studien beobachtet.
- Blutgefäße
Weniger Angiotensin II, die Gefäße weiten sich, weniger Aldosteron6
ACE - Herz
22 Prozent weniger Infarkt, Schlaganfall und Herztod (HOPE)1
In Studien beobachtet - Niere
Langsamerer Abfall der Filtrationsleistung bei viel Eiweiß im Urin (REIN)4
In Studien beobachtet - Gehirn
Schlaganfall bei 3,4 statt 4,9 Prozent (HOPE)1
In Studien beobachtet - Atemwege
Trockener Husten, ACE baut sonst auch Bradykinin ab6
In Studien beobachtet
Ziele in der Datenbank ChEMBL8
Wirkstoff CHEMBL1168: ein erfasster Mechanismus, Hemmer, direkte Bindung.
- Gen
- ACE
- UniProt
- P12821
- ChEMBL
- CHEMBL1808
- Wirkung
- Hemmer, direkte Bindung
Anwendung und Dosierung
Dosierung
Dosierung, Titrationsplan und Spritze
Die Dosierung wird geladen …
- Einstieg und Steigerung als Treppe
- Einheiten auf der U-100-Spritze je Stufe
- Wie lange ein Vial reicht
Was die Forschung zeigt
HOPE (NEJM 2000) ist die Studie, die den Ruf der Substanz begründet hat. Über 9.000 Patienten mit hohem kardiovaskulärem Risiko, aber ohne Herzinsuffizienz, bekamen 10mg Ramipril oder Placebo. Der kombinierte Endpunkt aus Herzinfarkt, Schlaganfall und kardiovaskulärem Tod fiel um 22 Prozent. Der Blutdruckabfall allein war zu klein, um das zu erklären, was den Schluss nahelegt, dass ein Teil des Nutzens nicht am Druck hängt.
MICRO-HOPE (Lancet 2000) sah in der Diabetes-Untergruppe dieselbe Richtung mit zusätzlich weniger Nephropathie. AIRE (Lancet 1993) zeigte nach Herzinfarkt mit Herzinsuffizienz eine um 27 Prozent niedrigere Sterblichkeit. REIN (Lancet 1997) belegte den Nierenschutz direkt: der Abfall der Filtrationsleistung verlangsamte sich. Weniger Patienten erreichten das terminale Nierenversagen.
Studienergebnisse
Was die Studien gemessen haben
Zum Ausprobieren: Reiter wechseln, Punkte antippen, Arme aus- und einblenden. Die Arme heißen relativ zueinander, keine Dosisempfehlung.
Weniger Ereignisse gegen Placebo123
Relative Risikosenkung des Hauptendpunkts, Werte aus den Abstracts
HOPE als relatives Risiko 0,78, MICRO-HOPE und AIRE so im Abstract genannt. Die Gruppen und Endpunkte unterscheiden sich, die Balken lassen sich nicht direkt gegeneinander lesen.
Anteil mit Ereignis in rund 5 Jahren1
9.297 Menschen ab 55 Jahren mit Gefäßerkrankung oder Diabetes plus Risikofaktor
Die Gesamtsterblichkeit lag bei 10,4 statt 12,2 Prozent. In MICRO-HOPE blieb der Nutzen nach Abzug der kleinen Blutdrucksenkung gleich groß.
Abfall der Filtrationsleistung pro Monat4
Nierenerkrankung ohne Diabetes mit mindestens 3 g Eiweiß im 24-Stunden-Urin
Verdopplung des Kreatinins oder Nierenversagen trafen 18 Menschen unter Ramipril und 40 unter Placebo. Der Blutdruck war in beiden Gruppen gleich gut eingestellt.
Gleicher Nutzen, mehr Probleme zu zweit5
25.620 Menschen mit Gefäßerkrankung oder Diabetes, im Median 56 Monate
Telmisartan war Ramipril gleichwertig. Die Kombination senkte den Blutdruck etwas stärker, brachte aber keinen Zusatznutzen.
Forschungsstand
Studienlage
Ramipril ist seit 1991 zugelassen. Im Register ClinicalTrials.gov nennen 204 Studien Ramipril unter den Interventionen. HOPE, MICRO-HOPE, AIRE und REIN liefen vor dem Register und stehen dort nicht. Gezeigt sind große registrierte Studien mit Ramipril. Stand 26.10.2026. 7
- Präklinik Wirkprinzip: Hemmung des Angiotensin-Converting-Enzyms
- Phase 1 keine registrierte Studie
- Phase 2 keine registrierte Studie
- Phase 3 2 Studien, 2 abgeschlossen
- Zulassung seit 1991
Alle 3 Studien aus Phase 3 und 4 im ZeitverlaufZeitverlauf ausblenden
DREAM · NCT00095654 · 5.000 Teilnehmende, Start 07/2001, Hauptendpunkt erreicht 10/2006. Prüft mehrere Wirkstoffe.
Registereintrag ↗ · Ergebnisse noch nicht in PubMed
PARADISE-MI · NCT02924727 · 5.669 Teilnehmende, Start 12/2016, Hauptendpunkt erreicht 02/2021. Prüft mehrere Wirkstoffe.
Registereintrag ↗ · Ergebnisse noch nicht in PubMed
ONTARGET · NCT00153101 · 31.546 Teilnehmende, Start 11/2001, Hauptendpunkt erreicht 06/2008. Prüft mehrere Wirkstoffe.
Registereintrag ↗ · Ergebnisse: ONTARGET Investigators (Yusuf et al.), New England Journal of Medicine, 2008
Balken: Start bis Hauptendpunkt (bei laufenden Studien geplant). Grün = abgeschlossen, blau = Fortschritt bis 26.10.2026.
Nebenwirkungen
- Trockener Reizhusten: rund 10 Prozent. Harmlos, aber er verschwindet nicht und wird auch nicht besser. Wenn er auftritt, ist der Wechsel auf ein Sartan wie Losartan die Lösung, die wirken ähnlich ohne diesen Effekt.
- Angioödem: selten, aber ernst. Schwellung von Lippen, Zunge oder Rachen gehört sofort abgeklärt und bedeutet das definitive Ende der Substanzklasse.
- Erhöhtes Kalium: besonders in Kombination mit Spironolacton oder Kaliumpräparaten.
- Schwindel bei der ersten Dosis: deshalb niedrig starten und abends nehmen.
- Kreatinin-Anstieg: ein Anstieg bis etwa 30 Prozent ist erwartbar. Deutlich mehr gehört kontrolliert.
Verträglichkeit
Abbruchgründe in HOPE
Wie oft eine Nebenwirkung in HOPE zum Absetzen oder zur Pause führte, im Mittel über 5 Jahre.
| Ereignis | Placebo | Ramipril |
|---|---|---|
| Husten6 | 2 % | 7 % |
| Niedriger Blutdruck oder Schwindel6 | 2 % | 2 % |
| Angioödem6 | 0 % | 0 % |
In einer späteren Einjahresstudie trat vermehrter Husten bei fast 12 Prozent auf, rund 4 Prozent setzten deshalb ab. In ONTARGET wurde Husten unter Ramipril bei 4,2 Prozent erfasst, unter Telmisartan bei 1,1 Prozent.65
Lagerung
Trocken, bei Raumtemperatur und vor Licht geschützt lagern. Außerhalb der Reichweite von Kindern.