Was ist Losartan?
Losartan ist ein Angiotensin-II-Rezeptorblocker, kurz Sartan. Es blockiert denselben Signalweg wie ein ACE-Hemmer, aber eine Stufe später: nicht die Bildung von Angiotensin II, sondern dessen Andocken am AT1-Rezeptor. Das Ergebnis ist ähnlich, der Weg dorthin ein anderer.
Genau daraus ergibt sich der praktische Hauptunterschied. Weil das ACE unangetastet bleibt, wird Bradykinin normal abgebaut. Der trockene Reizhusten der ACE-Hemmer tritt deshalb nicht auf. Das ist der häufigste Grund, warum jemand von Ramipril auf ein Sartan wechselt.
Diese Information dient ausschließlich Forschungs- und Bildungszwecken. Keine medizinischen Empfehlungen.
Vergleich
Blutdrucksenker im Lexikon
Wirkstoffe mit verschiedenen Angriffspunkten, so wie im TPD-Lexikon beschrieben. Ein Klick öffnet den Eintrag.
Sartane blockieren den AT1-Rezeptor, ACE-Hemmer schon die Bildung von Angiotensin II. In ELITE II war Losartan dem ACE-Hemmer Captopril bei Herzschwäche nicht überlegen, aber besser verträglich. 94
Wie es wirkt
Losartan selbst hat nur eine kurze Halbwertszeit von rund zwei Stunden. Die Wirkung trägt der aktive Metabolit EXP3174, der etwa zehnmal stärker bindet und sechs bis neun Stunden im Umlauf bleibt. Deshalb reicht trotz der kurzen Halbwertszeit der Muttersubstanz eine Gabe pro Tag.
Der Harnsäure-Effekt ist eine echte Besonderheit und kein Klasseneffekt: Losartan hemmt den URAT1-Transporter in der Niere, über den Harnsäure zurückresorbiert wird. Dadurch wird mehr ausgeschieden. Wer parallel mit Gicht oder erhöhten Harnsäurewerten zu tun hat, bekommt hier einen Zusatznutzen, den Valsartan oder Telmisartan nicht bieten.
Wirkorte
Wo Losartan wirkt
Punkt oder Karte antippen. Farbe = Ansatzpunkt, grau = in Studien beobachtet.
- Blutgefäße
Blutdruck in LIFE im Mittel um 30,2/16,6 mmHg gesenkt1
AT1 - Niere
Hemmt URAT1, mehr Harnsäure wird ausgeschieden, der Spiegel sinkt5
URAT1 - Gehirn
25 % weniger Schlaganfälle als mit Atenolol1
In Studien beobachtet - Herz
Bei Diabetes mit Nierenschaden 32 % weniger erste Klinikaufnahmen wegen Herzschwäche3
In Studien beobachtet
Ziele in der Datenbank ChEMBL9
Wirkstoff CHEMBL191: ein erfasster Mechanismus, Antagonist, direkte Bindung.
Anwendung und Dosierung
Dosierung
Dosierung, Titrationsplan und Spritze
Die Dosierung wird geladen …
- Einstieg und Steigerung als Treppe
- Einheiten auf der U-100-Spritze je Stufe
- Wie lange ein Vial reicht
Was die Forschung zeigt
LIFE (Lancet 2002) ist die aussagekräftigste Studie, weil sie nicht gegen Placebo, sondern gegen einen aktiven Vergleich lief. Über 9.000 Hypertoniker mit Herzhypertrophie bekamen Losartan oder Atenolol. Bei praktisch identischer Blutdrucksenkung traten unter Losartan 13 Prozent weniger kardiovaskuläre Ereignisse und rund 25 Prozent weniger Schlaganfälle auf. Gleicher Druck, unterschiedliches Ergebnis, das ist ein starkes Argument.
Die Diabetes-Untergruppe (Lancet 2002) fiel noch deutlicher aus, mit einem zusätzlichen Vorteil bei der Gesamtsterblichkeit. RENAAL (NEJM 2001) belegte den Nierenschutz bei diabetischer Nephropathie: der kombinierte Endpunkt aus Verdopplung des Kreatinins, terminalem Nierenversagen und Tod fiel um 16 Prozent.
ELITE II (Lancet 2000) gehört zur Ehrlichkeit dazu: bei Herzinsuffizienz war Losartan dem ACE-Hemmer Captopril bei der Sterblichkeit nicht überlegen. Besser vertragen wurde es, wirksamer war es nicht. Sartane sind bei Herzinsuffizienz deshalb die Zweitwahl, wenn ein ACE-Hemmer nicht geht.
Studienergebnisse
Was die Studien gemessen haben
Zum Ausprobieren: Reiter wechseln, Punkte antippen, Arme aus- und einblenden. Die Arme heißen relativ zueinander, keine Dosisempfehlung.
Losartan gegen Atenolol bei Bluthochdruck1
Veränderung des Risikos mit Losartan, in Prozent, 9.193 Menschen mit verdicktem Herzmuskel
Aus den relativen Risiken im Abstract (0,87, 0,75, 0,89 und 1,07) gerechnet. Der Blutdruck sank in beiden Gruppen fast gleich stark. Neuer Diabetes trat mit Losartan seltener auf.
Menschen mit Diabetes in LIFE2
Veränderung des Risikos gegenüber Atenolol, in Prozent, 1.195 Menschen
Aus den relativen Risiken im Abstract (0,76, 0,63 und 0,61) gerechnet. Vorab festgelegte Auswertung der Untergruppe mit Diabetes, mittlere Beobachtung 4,7 Jahre.
Losartan gegen Placebo bei diabetischem Nierenschaden3
Risikosenkung in Prozent, 1.513 Menschen, im Mittel 3,4 Jahre
Zusätzlich zur üblichen Blutdrucktherapie. Auf die Sterblichkeit hatte Losartan keinen Einfluss, der Nutzen war größer, als die Blutdrucksenkung allein erklärt.
Losartan gegen Captopril bei Herzschwäche4
3.152 Menschen ab 60 Jahren, Rate pro Jahr in Prozent
Kein signifikanter Unterschied: Losartan war Captopril nicht überlegen, wurde aber besser vertragen (siehe Verträglichkeit).
Forschungsstand
Studienlage
Losartan ist seit 1995 zugelassen, im Register stehen rund 450 Studien mit dem Wirkstoff. Hier eine Auswahl großer und neuerer Studien zu Losartan selbst. Stand 26.10.2026. 10
- Präklinik Blockade des AT1-Rezeptors
- Phase 1 keine registrierte Studie
- Phase 2 2 Studien, 2 abgeschlossen
- Phase 3 5 Studien, 4 abgeschlossen, 1 vorzeitig beendet
- Zulassung in den USA seit 1995
Alle 8 Studien aus Phase 2, 3 und 4 im ZeitverlaufZeitverlauf ausblenden
INHERIT · NCT01447654 · 130 Teilnehmende, Start 11/2011, Hauptendpunkt erreicht 06/2014.
Registereintrag ↗ · Ergebnisse noch nicht in PubMed
LIFE-HIV · NCT02049307 · 108 Teilnehmende, Start 10/2014, Hauptendpunkt erreicht 12/2018.
Registereintrag ↗ · Ergebnisse noch nicht in PubMed
LIFE · NCT00338260 · 9.193 Teilnehmende, Start 06/1995, Hauptendpunkt erreicht 09/2001. Prüft mehrere Wirkstoffe.
Registereintrag ↗ · Ergebnisse: Dahlöf et al., The Lancet, 2002, Lindholm et al., The Lancet, 2002
RENAAL · NCT00308347 · 1.513 Teilnehmende, Start 05/1996, Hauptendpunkt erreicht 02/2001.
Registereintrag ↗ · Ergebnisse: Brenner et al., New England Journal of Medicine, 2001
HEAAL · NCT00090259 · 3.834 Teilnehmende, Start 12/2001, Hauptendpunkt erreicht 03/2009.
Registereintrag ↗ · Ergebnisse noch nicht in PubMed
NCT00429364 · 608 Teilnehmende, Start 01/2007, Hauptendpunkt erreicht 02/2014. Prüft mehrere Wirkstoffe.
Registereintrag ↗ · Ergebnisse noch nicht in PubMed
MARFANSARTAN · NCT00763893 · 303 Teilnehmende, Start 09/2008, vorzeitig beendet 01/2014.
NCT05402397 · 40 Teilnehmende, Start 07/2022, Hauptendpunkt erreicht 12/2023.
Registereintrag ↗ · Ergebnisse noch nicht in PubMed
Balken: Start bis Hauptendpunkt (bei laufenden Studien geplant). Grün = abgeschlossen, blau = Fortschritt bis 26.10.2026, grau = vorzeitig beendet.
Nebenwirkungen
- Deutlich weniger als bei ACE-Hemmern: in den Studien lag die Abbruchrate auf Placebo-Niveau. Das ist der Hauptvorteil der Klasse.
- Erhöhtes Kalium: besonders in Kombination mit kaliumsparenden Mitteln.
- Schwindel: vor allem zu Beginn oder bei zu schnellem Erhöhen.
- Angioödem: sehr selten, aber auch bei Sartanen beschrieben. Wer es unter einem ACE-Hemmer hatte, ist auch hier nicht automatisch sicher.
- Nierenwerte: wie bei ACE-Hemmern nach Beginn kontrollieren.
Verträglichkeit
Verträglichkeit gegenüber einem ACE-Hemmer
Von 100 Teilnehmenden je Gruppe: wie viele das Ereignis über im Mittel 555 Tage hatten.
| Ereignis | Losartan | Captopril (ACE-Hemmer) |
|---|---|---|
| Abbruch wegen Nebenwirkungen4 | 10 % | 15 % |
| Davon wegen Husten4 | 0 % | 3 % |
Ohne Verstorbene gezählt. Der trockene Reizhusten der ACE-Hemmer trat mit Losartan kaum auf. In LIFE wurde Losartan besser vertragen als Atenolol.41
Lagerung
Trocken, bei Raumtemperatur und vor Licht geschützt lagern. Außerhalb der Reichweite von Kindern.