Was ist Tesofensine?
Tesofensine (auch NS2330) ist ein synthetischer Triple-Monoamin-Reuptake-Inhibitor - es hemmt gleichzeitig die Wiederaufnahme von Dopamin, Noradrenalin und Serotonin im Hirn. Ursprünglich für Alzheimer und Parkinson getestet, aber dort enttäuschend wirksam.
Die spannenden Effekte kamen unerwartet: starke Reduktion von Appetit und Körperfett. Phase-2-Studien bei Adipositas zeigten beeindruckende Ergebnisse, danach gab es lange juristische Probleme um die Weiterentwicklung. Aktuell läuft Tesofensine in Mexiko unter Marken-Namen als Anti-Adipositas-Mittel.
Wie es wirkt
Tesofensine erhöht die Konzentration von drei Neurotransmittern im synaptischen Spalt:
- Dopamin: Motivation, Belohnungssystem - reduziert "hedonisches Essen" (Essen aus Genuss).
- Noradrenalin: Wachheit, Energie - erhöht Grundumsatz und körperliche Aktivität.
- Serotonin: Sättigung - reduziert Appetit über Hypothalamus-Pfade.
Diese Dreifach-Wirkung ist potent. Tesofensine zeigt in Studien deutlich stärkere Fettverlust-Effekte als alle aktuell zugelassenen oralen Anti-Adipositas-Medikamente - mit Ausnahme der GLP-1-Klasse.
Einnahme
Oral als Kapsel, einmal pro Tag.
- 1 Kapsel mit etwas Wasser, morgens.
- Morgens wichtig: Tesofensine ist deutlich stimulierend und kann den Schlaf stören.
- Auf nüchternen Magen oder mit leichtem Essen.
Dosierung
Nur für Mitglieder
Dosierempfehlungen sind nur für eingeloggte Mitglieder sichtbar. Einloggen ist kostenlos.
Was die Forschung zeigt
Tesofensine hat eine kompakte aber starke Datenlage in der Adipositas-Forschung:
- Astrup et al. 2008: in einer 6-Monats Phase-2-Studie verloren Patienten unter 0,5mg im Schnitt etwa 9% Körpergewicht - das war damals stärker als alle anderen oralen Mittel.
- Sjödin et al. 2010: kombiniert mit Kalorien-Restriktion war der Effekt noch ausgeprägter, plus Verbesserung von Insulin-Sensitivität.
Phase 3 wurde durch juristische Probleme verzögert, läuft aktuell wieder in lateinamerikanischen Märkten.
Nebenwirkungen
- Erhöhter Blutdruck und Herzfrequenz: über die Noradrenalin-Wirkung. Bei vorbestehender Hypertonie vorsichtig.
- Schlafstörungen: häufig, vor allem in den ersten Wochen und bei abendlicher Einnahme.
- Mundtrockenheit: klassisches Anticholinergikum-Symptom.
- Reizbarkeit / Stimmungsschwankungen: selten, aber besonders bei höheren Dosen.
Wechselwirkungen
Strikte Kontraindikation mit MAO-Hemmern, SSRI, SNRI und anderen serotonergen Substanzen - Serotonin-Syndrom-Risiko. Auch Methylene Blue, Tramadol, MDMA und ähnliche meiden.
Lagerung
Trocken, kühl und vor Licht geschützt lagern, außerhalb der Reichweite von Kindern.