Was ist BAM15?
BAM15 ist ein synthetischer mitochondrialer Entkoppler. Es wirkt als Protonophor: lässt Protonen über die innere Mitochondrien-Membran fließen, ohne dass dabei ATP produziert wird. Die Energie geht stattdessen als Wärme verloren - der Stoffwechsel beschleunigt sich.
Das gleiche Prinzip wie DNP (Dinitrophenol), mit einem Unterschied: BAM15 wirkt auf die Mitochondrien-Membran und depolarisiert, anders als DNP, nicht die Plasmamembran der Zelle (Kenwood 2014). In Zell- und Tierversuchen war BAM15 gut verträglich, am Menschen ist es nicht untersucht.
Wie es wirkt
In den Mitochondrien wird normalerweise ein Protonen-Gradient aufgebaut, der dann von der ATP-Synthase genutzt wird, um ATP zu produzieren. BAM15 öffnet einen alternativen Pfad - Protonen fließen zurück, ohne ATP zu erzeugen.
Konsequenz: die Mitochondrien müssen mehr arbeiten, um den Gradient aufrechtzuerhalten. Mehr Substrate werden verbrannt, mehr Wärme entsteht, der Grundumsatz steigt deutlich. Das Körpergewicht sinkt - vor allem Fettmasse.
Wirkorte
Wo BAM15 in Versuchen wirkte
Punkt oder Karte antippen. Farbe = Ansatzpunkt, grau = beobachtet. Alles aus Zell- und Mausversuchen.
- Leber
Hauptziel: mehr Atmung und Fettabbau, Leberfett bei fettreichem Futter wieder normal (Maus)1
Mitochondrien - Fettgewebe
Weniger Fettmasse und kleinere Fettdepots bei gleicher Futtermenge (Maus)1
In Studien beobachtet - Skelettmuskel
Bei alten Mäusen mit Übergewicht mehr Muskelanteil und Griffkraft4
In Studien beobachtet - Blut und Blutzucker
Weniger Triglyceride, bessere Insulinwirkung im Clamp-Test (Maus)1
In Studien beobachtet - Niere
Schutz vor akutem Nierenschaden nach Durchblutungsstopp und bei Sepsis (Maus)5
In Studien beobachtet
BAM15 vs DNP
DNP ist der historische Entkoppler: seit den 1930ern als Schlankheitsmittel bekannt, mit dokumentierten Todesfällen durch Hyperthermie und ohne Gegenmittel. Was BAM15 in den Studien davon unterscheidet:
- Plasmamembran: DNP depolarisiert neben den Mitochondrien auch die Plasmamembran der Zelle, BAM15 nicht (Kenwood 2014).
- Dosisbereich im Zellversuch: In Leberzellen der Maus steigerte BAM15 die Zellatmung schon bei etwa siebenfach niedrigerer Konzentration als DNP und hielt sie über einen breiten Bereich hoch. DNP hemmte die Atmung oberhalb von 30 µM (Alexopoulos 2020).
- Körpertemperatur in Mäusen: BAM15 senkte die Fettmasse, ohne die Körpertemperatur zu verändern (Alexopoulos 2020).
Alle diese Daten stammen aus Zellen und Mäusen. Einen direkten Vergleich am Menschen gibt es nicht. Für BAM15 gibt es überhaupt keine Humanstudien. Ob das breitere Fenster aus dem Labor beim Menschen hält, ist offen.
Vergleich
Entkoppler im Vergleich
DNP, BAM15 und die Combo mit SLU-PP-332, so wie im TPD-Lexikon beschrieben. Ein Klick öffnet den Eintrag.
Vereinfacht: Alle drei setzen an den Mitochondrien an. DNP wirkt zusätzlich auf die äußere Zellmembran, BAM15 in Zellversuchen nicht. Einen Vergleich am Menschen gibt es nicht. 21
Einnahme
Oral als Kapsel, einmal pro Tag.
- 1 Kapsel mit etwas Wasser.
- Mit Essen verträglicher.
- Idealerweise morgens, weil leicht aktivierend.
Dosierung
Dosierung
Dosierung, Titrationsplan und Spritze
Die Dosierung wird geladen …
- Einstieg und Steigerung als Treppe
- Einheiten auf der U-100-Spritze je Stufe
- Wie lange ein Vial reicht
Was die Forschung zeigt
BAM15 ist ein präklinisches Forschungs-Tool:
- Kenwood et al. 2014: erste Charakterisierung als mitochondrialer Entkoppler, in Zellkulturen weniger toxisch als der Vergleichs-Entkoppler FCCP.
- Alexopoulos et al. 2020: deutliche Fett-Reduktion in Mausmodellen ohne Hyperthermie, plus Verbesserung von Insulin-Sensitivität und Fettleber.
Humanstudien fehlen komplett. Alles ist Forschungs-Frontier.
Studienergebnisse
Was die Studien gemessen haben
Zum Ausprobieren: Reiter wechseln, Punkte antippen, Arme aus- und einblenden. Die Arme heißen relativ zueinander, keine Dosisempfehlung.
Mäuse mit fettreichem Futter1
Veränderung gegenüber Mäusen mit demselben Futter ohne BAM15, in Prozent
Werte aus dem Ergebnisteil der Studie (Volltext). Die Leber-Triglyceride lagen mit BAM15 wieder auf dem Niveau von Mäusen mit normalem Futter. Körpertemperatur, Muskelmasse und Leberwerte blieben unverändert. Mausmodell, beim Menschen nicht geprüft.
Mehr Verbrauch, mehr Fettverbrennung1
Anstieg gegenüber dem Vergleich ohne BAM15, in Prozent
Die Bewegung der Mäuse änderte sich nicht, der Mehrverbrauch kommt also nicht von mehr Aktivität. Muskel und Fettgewebe zeigten keinen eindeutigen Anstieg der Atmung, BAM15 verteilte sich vor allem in die Leber.
Alte Mäuse mit Übergewicht, 10 Wochen4
Unterschied zur Gruppe ohne BAM15 am Ende, in Prozent (aus den Mittelwerten im Abstract berechnet)
Mäuse im Alter von 80 Wochen mit fettreichem Futter. Im Abstract stehen die Mittelwerte beider Gruppen (zum Beispiel 54,0 gegen 42,3 g Körpergewicht), die Prozentwerte sind daraus berechnet. Der Muskelanteil am Körper stieg von 52,7 auf 59,4 Prozent.
Forschungsstand
Studienlage
Wo der Wirkstoff auf dem Weg von der Laborforschung zur Zulassung steht. Stand 25.10.2026. 8
- Präklinik Zellversuche und Mausmodelle seit 2014
- Phase 1 keine registrierte Studie
- Phase 2 keine registrierte Studie
- Phase 3 keine registrierte Studie
- Zulassung noch nicht
Bisher gibt es keine registrierte Humanstudie. 8
Nebenwirkungen
- Körpertemperatur: in Mäusen unverändert, beim Menschen nicht untersucht. Als Entkoppler setzt BAM15 Energie als Wärme frei, deshalb auf Überhitzung achten.
- Erhöhte Herzfrequenz: spiegelt den höheren Grundumsatz.
- Schwitzen: klassisches Entkopplungs-Symptom.
- Durst: mehr Flüssigkeit nötig wegen der erhöhten Wärmeproduktion.
Lagerung
Trocken und kühl lagern, außerhalb der Reichweite von Kindern.