Was ist Finasteride?
Finasteride ist ein selektiver Hemmer des Enzyms 5α-Reduktase Typ 2 - dem Enzym, das Testosteron in DHT (Dihydrotestosteron) umwandelt. DHT ist der Hauptverursacher von androgenetischem Haarausfall: es bindet an Haarfollikel-Rezeptoren und führt schrittweise zur Miniaturisierung der Follikel.
Finasteride senkt den DHT-Spiegel im Blut um etwa 70% und gilt seit Jahrzehnten als der orale Goldstandard gegen erblich bedingten Haarausfall.
Vergleich
Drei Wege gegen Haarausfall
Finasterid und Dutasterid bremsen die DHT-Bildung, Minoxidil wirkt über einen anderen Weg. Ein Klick öffnet den Eintrag.
Vereinfacht nach den Zielen in ChEMBL: Finasterid hemmt Typ 2 der 5α-Reduktase, Dutasterid mehrere Typen, Minoxidil öffnet Kaliumkanäle. 9
Wie es wirkt
5α-Reduktase Typ 2 sitzt unter anderem in Haut, Prostata und Hoden. Finasteride blockiert dieses Enzym selektiv und reduziert dadurch:
- DHT im Plasma: sinkt um etwa 70%.
- DHT in der Kopfhaut: sinkt um etwa 60-65% - der entscheidende Effekt für die Haare.
- Testosteron im Plasma: bleibt fast unverändert oder steigt leicht (mehr Testosteron geht nicht in den DHT-Pfad).
Folge an den Haarfollikeln: die Miniaturisierung stoppt, in vielen Fällen wachsen geschrumpfte Follikel wieder zur normalen Größe heraus.
Wirkorte
Wo Finasterid in Studien wirkte
Punkt oder Karte antippen. Farbe = 5α-Reduktase Typ 2, grau = in Studien beobachtet.
Ziele in der Datenbank ChEMBL9
Wirkstoff CHEMBL710: ein erfasster Mechanismus, Hemmer, direkte Bindung.
- Gen
- SRD5A2
- UniProt
- P31213
- ChEMBL
- CHEMBL1856
- Wirkung
- Hemmer, direkte Bindung
Einnahme
Oral als Tablette, einmal pro Tag. Tageszeit egal.
- 1 Tablette (1mg) mit etwas Wasser.
- Mit oder ohne Essen.
- Eine feste tägliche Routine ist wichtig - Lücken schwächen den Effekt.
Dosierung
Dosierung
Dosierung, Titrationsplan und Spritze
Die Dosierung wird geladen …
- Einstieg und Steigerung als Treppe
- Einheiten auf der U-100-Spritze je Stufe
- Wie lange ein Vial reicht
Was die Forschung zeigt
Finasterid hat eine der besten Datenlagen aller Hair-Loss-Therapien:
- Kaufman et al. 1998: zwei 1-Jahres-Studien mit 1553 Männern, verlängert auf 2 Jahre - unter 1mg täglich mehr Haare und gebremster Haarverlust, unter Placebo fortschreitender Verlust.
- Finasteride Male Pattern Hair Loss Study Group 2002: die 5-Jahres-Daten derselben Studien - die Verbesserung hielt an, die Verträglichkeit blieb gut, neue Sicherheitsbedenken zeigten sich nicht.
Diese Studien sind die Grundlage der weltweiten Zulassung.
Studienergebnisse
Was die Studien gemessen haben
Zum Ausprobieren: Reiter wechseln, Punkte antippen, Arme aus- und einblenden. Die Arme heißen relativ zueinander, keine Dosisempfehlung.
DHT nach 42 Tagen3
Veränderung in Prozent, 249 Männer mit Haarausfall, fünf Stufen gegen Placebo
Werte aus dem Abstract. Ab der dritten Stufe sanken beide Werte fast so stark wie in der höchsten. Die Autoren sahen darin die Grundlage für die Dosis der Haarstudien.
Haarzahl gegenüber Placebo4
Mittlerer Unterschied in Prozent der Ausgangszahl, 12 Studien mit 3.927 Männern
Werte aus dem Abstract (9,42 und 24,3 Prozent), Evidenz mittlerer Qualität. In den Einzelstudien mit 1.553 Männern lag die Haarzahl nach 1 und 2 Jahren um 107 und 138 Haare über Placebo.
Relatives Risiko gegen Placebo45
1,0 heißt gleich häufig wie unter Placebo
Bei Erektionsstörungen kam laut Meta-Analyse auf rund 82 behandelte Männer ein zusätzlicher Fall. Das Risiko für irgendeine sexuelle Störung war nur möglicherweise erhöht, Abbrüche waren nicht häufiger als unter Placebo.
Prostatakrebs über 7 Jahre6
Anteil der Männer mit Befund, 18.882 Männer ab 55 Jahren
Krebs wurde seltener entdeckt, höhergradige Tumoren aber häufiger. Sexuelle Nebenwirkungen waren unter Finasterid häufiger, Beschwerden beim Wasserlassen unter Placebo.
Forschungsstand
Studienlage
Finasterid ist seit 1992 zugelassen. Im Register ClinicalTrials.gov nennen 95 Studien Finasterid unter den Interventionen. Die Haarstudien und PCPT aus diesem Eintrag stammen aus den 1990er Jahren und stehen dort nicht. Gezeigt sind registrierte Phase-3-Studien mit Finasterid zu Haarausfall und Prostata. Stand 26.10.2026. 8
- Präklinik Grundlage: weniger DHT durch Hemmung der 5α-Reduktase
- Phase 1 keine registrierte Studie
- Phase 2 keine registrierte Studie
- Phase 3 3 Studien, 3 abgeschlossen
- Zulassung laut ChEMBL seit 1992
Alle 3 Studien aus Phase 3 im ZeitverlaufZeitverlauf ausblenden
MTOPS · NCT00021814 · 3.407 Teilnehmende, Start 12/1995, Hauptendpunkt erreicht 11/2001. Prüft mehrere Wirkstoffe.
Registereintrag ↗ · Ergebnisse noch nicht in PubMed
NCT00396175 · 355 Teilnehmende, Start 03/1998, Hauptendpunkt erreicht 01/2000.
Registereintrag ↗ · Ergebnisse noch nicht in PubMed
NCT01231607 · 917 Teilnehmende, Start 10/2010, Hauptendpunkt erreicht 02/2012. Prüft mehrere Wirkstoffe.
Registereintrag ↗ · Ergebnisse noch nicht in PubMed
Balken: Start bis Hauptendpunkt (bei laufenden Studien geplant). Grün = abgeschlossen, blau = Fortschritt bis 26.10.2026.
Auf der Haut
Finasterid wurde auch als Spray für die Kopfhaut entwickelt. In einer Phase-3-Studie mit 458 Männern wuchsen damit nach 24 Wochen deutlich mehr Haare als unter Placebo, ähnlich viele wie mit der Tablette. Der Spiegel im Blut lag weit unter dem der Tablette, DHT im Blut sank weniger stark (Piraccini 2022).
Nebenwirkungen
- Libido-Verlust: berichtet von etwa 1-4% der Anwender. Meist reversibel.
- Erektile Dysfunktion: ähnlich häufig.
- Stimmungsschwankungen: seltener, aber dokumentiert.
- Post-Finasterid-Syndrom (PFS): sehr seltenes, umstrittenes Phänomen mit persistenten Symptomen nach Absetzen. Die Datenlage ist schwierig zu interpretieren.
Wer Bedenken hat: niedrig anfangen (0,5mg jeden 2. Tag), Effekt beobachten und dann entscheiden ob man steigert.
Wichtige Hinweise
Lagerung
Trocken und vor Licht geschützt lagern. Originalbehälter verschlossen halten, außerhalb der Reichweite von Kindern.