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Lexikon

Modalert (Modafinil von Sun Pharma)

Die Markenversion von Modafinil 200 mg: derselbe Wirkstoff wie das Generikum, der Unterschied liegt beim Hersteller, nicht in der Wirkung.

7 Min. Lesezeit 5 Quellen

Modalert (Modafinil), Produktfoto

Steckbrief

Stand Oktober 2026

Klasse
Eugeroikum (Wachheits-Förderer), racemisches Modafinil
Hersteller
Sun Pharmaceutical Industries, Indien
Form
Tablette mit 200 mg Modafinil, 10 Stück je Blister
Anwendung
Oral, 1x pro Wachphase, morgens oder etwa 1 Stunde vor der Schicht
Halbwertszeit
Etwa 12 bis 15 Stunden, Spitzenspiegel nach 2 bis 4 Stunden
Status
Wirkstoff klinisch zugelassen (Narkolepsie, Schlafapnoe, Schichtarbeiter-Syndrom), WADA S6 im Wettkampf verboten
Inhalt 11 Abschnitte
  1. Titration
  2. Was ist Modalert?
  3. Wie es wirkt
  4. Marke oder Generikum: was sich ändert und was nicht
  5. Pharmakokinetik: warum der Zeitpunkt zählt
  6. Anwendung und Dosierung
  7. Was die Forschung zeigt
  8. Wechselwirkungen: CYP3A4 und hormonelle Verhütung
  9. Nebenwirkungen
  10. Lagerung
  11. Quellen

Einstieg

Übliche Dosierung (Research-Kontext)

Werte in mg pro TAG, nicht pro Woche.

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Was ist Modalert?

Modalert ist der Markenname, unter dem Sun Pharmaceutical Industries Modafinil in Tabletten mit 200 mg vertreibt. Der Wirkstoff ist derselbe wie im namenlosen Generikum: racemisches Modafinil, also die 1:1-Mischung aus dem R- und dem S-Enantiomer, in derselben Stärke und mit demselben Wirkprofil. Was sich ändert, ist nicht die Pharmakologie, sondern die Herkunft. Sun Pharma ist der größte Arzneimittelhersteller Indiens und einer der größten Generikahersteller weltweit. Modalert ist seit Jahren eine der international bekanntesten Modafinil-Marken.

Modafinil selbst gehört zu den Eugeroika, den Wachheits-Förderern. Es ist weder strukturell noch pharmakologisch ein Amphetamin-Derivat. Der subjektive Zustand ist eher "nicht müde" als "aufgedreht". Der Wirkstoff ist bei übermäßiger Tagesschläfrigkeit durch Narkolepsie, obstruktive Schlafapnoe und Schichtarbeiter-Syndrom zugelassen. Alles, was im Lexikon zu Modafinil steht, gilt eins zu eins für Modalert. Dieser Eintrag erklärt zusätzlich, was eine Marke gegenüber einem Generikum leistet und was nicht.

Diese Information dient ausschließlich Forschungs- und Bildungszwecken. Keine medizinischen Empfehlungen.

Wie es wirkt

Der Mechanismus von Modafinil ist bis heute nicht in allen Details aufgeklärt, aber die Grundzüge sind gut belegt. Im Zentrum steht die Hemmung des Dopamin-Transporters: Modafinil blockiert die Wiederaufnahme von Dopamin in die Nervenzelle und hebt so den extrazellulären Dopamin-Spiegel an. Anders als Amphetamine treibt es Dopamin nicht aktiv aus den Speichervesikeln heraus. Dazu steigen die kortikalen Katecholamine, indirekt werden orexinerge, histaminerge, serotonerge und glutamaterge Systeme angeschoben und GABA sinkt (so fassen es Battleday und Brem in ihrer Übersicht 2015 zusammen). Das sind die Schaltkreise, die den Schlaf-Wach-Rhythmus steuern, nicht die allgemeinen Antriebs-Systeme.

Wie anders sich das von einem klassischen Stimulans anfühlt, hat Jasinski (Journal of Psychopharmacology 2000) an 24 Männern mit Vorgeschichte von Kokain-Konsum gemessen: Modafinil 200 bis 800 mg wurde zwar von Placebo unterschieden und gefiel den Teilnehmenden, blieb aber auf der Amphetamin-Skala ohne signifikanten Ausschlag, unterdrückte den Schlaf stärker als Methylphenidat, trieb den Puls im Stehen weniger hoch und drückte den Appetit weniger. Pharmakologisch ist Modalert damit ein Wachheits-Förderer, kein Aufputschmittel.

Marke oder Generikum: was sich ändert und was nicht

Ein Generikum darf nur auf den Markt, wenn es dem Referenzprodukt bioäquivalent ist. Der übliche Maßstab: das 90-Prozent-Konfidenzintervall für Fläche unter der Kurve und Spitzenspiegel muss innerhalb von 80 bis 125 Prozent des Originals liegen. Pharmakologisch sind Marke und Generikum damit austauschbar. Wer von Modalert eine stärkere oder längere Wirkung erwartet als von generischem Modafinil 200 mg, erwartet etwas, das es nicht gibt.

Was die Marke bringt, liegt auf einer anderen Ebene: ein namentlich bekannter Hersteller mit eigener Qualitätskontrolle, rückverfolgbare Chargennummern und eine Fertigung, die über Jahre dasselbe Produkt liefert. Hilfsstoffe, Tablettenform und Zerfall können sich zwischen Herstellern unterscheiden, ohne dass die Bioäquivalenz verletzt wird. Für die Forschungsfrage, wie konstant eine Charge der anderen gleicht, zählt genau das. Für Wirkung, Halbwertszeit und Risiken zählt es nicht.

Nüchtern gesagt: wer nur den Wirkstoff will, ist mit dem Generikum günstiger bedient. Modalert ist für die gedacht, die gezielt die Marke und den Hersteller wollen.

Pharmakokinetik: warum der Zeitpunkt zählt

Nach oraler Gabe wird der Spitzenspiegel nach 2 bis 4 Stunden erreicht, eine Mahlzeit verschiebt ihn um etwa eine Stunde nach hinten, ohne die Gesamtaufnahme zu ändern (Fachinformation). Wong und Kollegen (Journal of Clinical Pharmacology 1999) haben Gesunden sieben Tage lang 200, 400, 600 oder 800 mg täglich gegeben: der Steady-State war nach drei Tagen erreicht, die Halbwertszeit lag bei rund 15 Stunden, die Kinetik war über den ganzen Bereich linear. Das S-Enantiomer wurde dabei etwa dreimal so schnell abgebaut wie das R-Enantiomer, weshalb der Plasmaspiegel von racemischem Modafinil in zwei Phasen fällt. Die 800-mg-Gruppe wurde nach drei Tagen wegen steigenden Blutdrucks und Pulses abgebrochen.

Für die Praxis ist die Halbwertszeit die wichtigste Zahl. Eine Tablette um 13 Uhr hat um Mitternacht noch grob die Hälfte des Spitzenspiegels im Blut. Deshalb gilt bei Modalert dieselbe Regel wie bei jedem Modafinil: früh am Morgen oder gar nicht. Der Abbau läuft überwiegend über die Leber, bei schwerer Leberfunktionsstörung soll die Dosis laut Fachinformation halbiert werden, bei älteren Menschen ist die Exposition höher.

Anwendung und Dosierung

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Was die Forschung zeigt

Die beste Evidenz liegt bei Schläfrigkeit, die nicht aus eigener Entscheidung entsteht. Czeisler und Kollegen (NEJM 2005) randomisierten 209 Patienten mit Schichtarbeiter-Syndrom auf 200 mg Modafinil oder Placebo vor jeder Nachtschicht, drei Monate lang. Die nächtliche Einschlaflatenz stieg unter Modafinil um 1,7 Minuten gegenüber 0,3 unter Placebo, 74 statt 36 Prozent berichteten eine klinische Besserung, Aufmerksamkeitslücken im Vigilanztest nahmen ab. Auf dem Heimweg hatten 29 statt 54 Prozent einen Unfall oder Beinahe-Unfall. Die Autoren halten trotzdem fest, dass die Behandelten weiter deutlich schläfrig blieben: Modafinil nimmt die Spitze, nicht das Problem.

Bei Gesunden unter Schlafentzug kommt Wesensten und Kollegen (Psychopharmacology 2002) zu einem ernüchternden Vergleich: 50 junge Erwachsene blieben 54,5 Stunden wach und bekamen nach 41,5 Stunden Placebo, Modafinil 100, 200 oder 400 mg oder Koffein 600 mg. Modafinil 200 und 400 mg hielten Leistung und Wachheit über Nacht aufrecht, aber nicht besser als die Koffein-Dosis. Die beiden Modafinil-Dosen unterschieden sich nicht signifikant. Die Schlussfolgerung der Autoren: für ausgeschlafen Gesunde unter Schlafentzug bietet Modafinil keinen Vorteil gegenüber Koffein.

Bei kognitiver Verbesserung ohne Schlafentzug ist das Bild gemischt. Battleday und Brem (European Neuropsychopharmacology 2015) haben alle Studien von 1990 bis 2014 an ausgeschlafenen Gesunden gesichtet: in einfachen Testaufgaben verbesserte Modafinil meist die Exekutivfunktionen, bei Aufmerksamkeit und Gedächtnis nur in etwa der Hälfte der Arbeiten. Einzelne Studien fanden sogar schlechteres divergentes, also kreatives Denken. Bei komplexeren Aufgaben waren die Verbesserungen konsistenter. Ein Intelligenz-Booster ist das nicht, eher ein Mittel, das Ausdauer und Fokus bei langen, anstrengenden Aufgaben stützt. Für Modalert als Marke gibt es keine eigenen Studien; die Datenlage ist die des Wirkstoffs.

Wechselwirkungen: CYP3A4 und hormonelle Verhütung

Modafinil induziert CYP3A4 und hemmt CYP2C19, dazu induziert es in geringerem Maß CYP1A2 und CYP2B6 (Fachinformation). Die praktisch wichtigste Folge betrifft hormonelle Verhütungsmittel: ihre Wirkstoffe werden über CYP3A4 abgebaut. Die Fachinformation weist darauf hin, dass hormonelle Verhütung während der Anwendung und für etwa einen Monat danach weniger verlässlich ist. Dasselbe gilt für andere CYP3A4-Substrate wie Ciclosporin, Midazolam oder Triazolam, deren Spiegel sinken.

In die andere Richtung steigen die Spiegel von CYP2C19-Substraten wie Diazepam, Omeprazol, Propranolol oder Phenytoin. Bei Warfarin empfiehlt die Fachinformation engere Kontrollen der Gerinnung. Wer eine dieser Substanzen nutzt, gehört mit dieser Frage in ärztliche Beratung. Das gilt für Modalert genauso wie für jedes andere Modafinil.

Nebenwirkungen

  • Schwere Hautreaktionen: selten, aber ernst. Für Modafinil sind Krankenhaus-pflichtige Hautreaktionen bis hin zu Stevens-Johnson-Syndrom und toxischer epidermaler Nekrolyse dokumentiert, dazu Überempfindlichkeits-Syndrome mit Organbeteiligung (DRESS) und Angioödeme, meist in den ersten ein bis fünf Wochen. Jeder neue Ausschlag, jede Blasenbildung und jede Beteiligung von Mund, Augen oder Schleimhäuten ist ein Abbruch-Grund und ein Fall für ärztliche Abklärung.
  • Kopfschmerz: mit Abstand am häufigsten, in den gepoolten Zulassungsstudien etwa 34 gegenüber 23 Prozent unter Placebo, dosisabhängig.
  • Übelkeit, Nervosität, Angst, Schwindel, Mundtrockenheit, Appetitminderung: regelmäßig berichtet, meist leicht bis mittelschwer. Übelkeit lag bei rund 11 gegenüber 3 Prozent.
  • Schlaflosigkeit: etwa 5 gegenüber 1 Prozent, fast immer eine Frage des Einnahme-Zeitpunkts, nicht der Dosis.
  • Kreislauf: leichte Anstiege von Blutdruck und Herzfrequenz. In der Dosisstudie von Wong und Kollegen führte genau das zum Abbruch der 800-mg-Gruppe. Wer Blutdruck-Themen hat, misst mit. Bei Linksherzhypertrophie oder einem Mitralklappenprolaps, der unter Stimulanzien schon einmal Beschwerden gemacht hat, rät die Fachinformation ganz von Modafinil ab.
  • Psyche: Angst, Agitation, Reizbarkeit und in Einzelfällen psychotische oder manische Symptome sind beschrieben, besonders bei Vorgeschichte. Die Fachinformation rät dort zu besonderer Vorsicht.
  • Missbrauchspotenzial: niedriger als bei Amphetaminen, aber nicht null. In der Arbeit von Jasinski mochten erfahrene Konsumenten die Wirkung, ohne dass sie amphetaminartig ausfiel. In den USA ist Modafinil als Schedule IV eingestuft.
  • Schwangerschaft: Registerdaten aus den USA und Dänemark zeigten nach Modafinil im ersten Trimester deutlich mehr Fehlbildungen als erwartet (rund 12 bis 13 statt etwa 4 Prozent), eine schwedisch-norwegische Kohorte fand das Signal nicht. Die Behörden in EU und USA raten seit 2019 von Modafinil in der Schwangerschaft ab. Zusammen mit der schwächeren hormonellen Verhütung ist das ein doppeltes Thema.

Lagerung

Trocken, bei Raumtemperatur und vor Licht geschützt lagern. Die Tabletten bleiben am besten außerhalb der Reichweite von Kindern und im Blister, bis du sie brauchst. Eine geteilte Tablette zügig aufbrauchen statt die Hälfte wochenlang offen liegen zu lassen.

Evidenz

Quellen

  1. 1 DOI Randomisierte Studie zu Modafinil 200 mg vor jeder Nachtschicht bei Schichtarbeiter-Syndrom über drei Monate: Einschlaflatenz, Aufmerksamkeit, Unfälle auf dem Heimweg New England Journal of Medicine, 2005 Quelle öffnen
  2. 2 PubMed Modafinil 100, 200 und 400 mg gegen Koffein 600 mg nach 41 Stunden ohne Schlaf: 200 und 400 mg gleichauf mit Koffein, kein signifikanter Unterschied zwischen den Modafinil-Dosen Psychopharmacology, 2002 Quelle öffnen
  3. 3 DOI Steigende Tagesdosen von 200 bis 800 mg über 7 Tage bei Gesunden: Steady-State nach 3 Tagen, Halbwertszeit rund 15 Stunden, Abbruch der 800-mg-Gruppe wegen Blutdruck und Puls Journal of Clinical Pharmacology, 1999 Quelle öffnen
  4. 4 DOI Missbrauchspotenzial von Modafinil im Vergleich mit Methylphenidat bei erfahrenen Stimulanzien-Konsumenten Journal of Psychopharmacology, 2000 Quelle öffnen
  5. 5 DOI Systematische Übersicht zu Modafinil als kognitivem Verstärker bei ausgeschlafenen Gesunden (Studien 1990 bis 2014) European Neuropsychopharmacology, 2015 Quelle öffnen

Im Shop

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