Was ist Letrozol?
Letrozol (Markenname Femara) ist der potenteste der nicht-steroidalen Aromatase-Hemmer. Es senkt Estradiol noch stärker als Anastrozole: In einer Vergleichsstudie sank Estradiol im Blut um 87,8 Prozent (Anastrozole 84,9 Prozent), die Östrogenbildung im ganzen Körper um mehr als 99 Prozent (Geisler et al., 2002). Diese Stärke ist Vorteil und Risiko zugleich: Letrozol kann aktive Gynäkomastie umkehren, aber crasht den Estradiol-Spiegel auch schnell zu tief, wenn man nicht vorsichtig dosiert.
Diese Information dient ausschließlich Forschungs- und Bildungszwecken. Keine medizinischen Empfehlungen.
Vergleich
Östrogen senken oder blockieren
Wirkstoffe rund um Östrogen, so wie im TPD-Lexikon beschrieben. Ein Klick öffnet den Eintrag.
Aromatase-Hemmer senken die Bildung von Östrogen, Rezeptor-Modulatoren wie Tamoxifen und Clomifen blockieren dessen Wirkung am Rezeptor. 72
Wie es wirkt
Wie Anastrozole bindet Letrozol reversibel an die Aromatase, nur deutlich stärker. Die nahezu vollständige Estradiol-Suppression macht es zur Wahl, wenn andere AIs nicht ausreichen - etwa bei bereits sichtbarer Gynäkomastie, die man zurückdrängen will.
Wirkorte
Wo Letrozol wirkt
Punkt oder Karte antippen. Farbe = Aromatase, grau = in Studien beobachtet.
- Blut
Estradiol um 87,8 %, Estronsulfat um 98,0 % gesenkt2
Aromatase - Hypophyse und Eierstock
Bei PCOS Eisprung in 61,7 % der Zyklen, mit Clomifen 48,3 %4
In Studien beobachtet - Knochen
Mehr Knochenereignisse als mit Tamoxifen, neue Osteoporose 5,8 % gegen 4,5 % mit Placebo3
In Studien beobachtet - Herz und Blutfette
Mehr Herzereignisse und erhöhtes Cholesterin als mit Tamoxifen1
In Studien beobachtet
Ziele in der Datenbank ChEMBL7
Wirkstoff CHEMBL1444: ein erfasster Mechanismus, Hemmer, direkte Bindung.
- Gen
- CYP19A1
- UniProt
- P11511
- ChEMBL
- CHEMBL1978
- Wirkung
- Hemmer, direkte Bindung
Dosierung
Dosierung
Dosierung, Titrationsplan und Spritze
Die Dosierung wird geladen …
- Einstieg und Steigerung als Treppe
- Einheiten auf der U-100-Spritze je Stufe
- Wie lange ein Vial reicht
Was die Forschung zeigt
Die BIG 1-98 Studie (NEJM, 2005) verglich Letrozol mit Tamoxifen bei postmenopausalem Brustkrebs und zeigte eine signifikante Überlegenheit von Letrozol im krankheitsfreien Überleben. Das belegt die sehr starke Estrogen-Senkung, die Letrozol im Research-Kontext so potent macht.
Studienergebnisse
Was die Studien gemessen haben
Zum Ausprobieren: Reiter wechseln, Punkte antippen, Arme aus- und einblenden. Die Arme heißen relativ zueinander, keine Dosisempfehlung.
Wie stark die Östrogene sanken2
Senkung gegenüber dem Ausgangswert, 12 Frauen, je 6 Wochen jedes Mittel
Frauen nach den Wechseljahren mit Brustkrebs, beide Mittel in zufälliger Reihenfolge. Bei Estron und Estronsulfat war Letrozol signifikant stärker, bei Estradiol war der Unterschied kleiner.
Anteil ohne Rückfall13
Krankheitsfreies Überleben, geschätzt, in Prozent
In BIG 1-98 sank das Risiko eines Rückfalls um 19 Prozent (Hazard Ratio 0,81), das Risiko eines Rückfalls an fernen Stellen um 27 Prozent. MA.17 wurde nach der ersten Zwischenauswertung auf Empfehlung der Sicherheitskommission vorzeitig beendet.
Letrozol gegen Clomifen bei PCOS4
750 Frauen, bis zu fünf Zyklen, in Prozent
Schwangerschaftsverluste unterschieden sich nicht (31,8 gegen 29,1 Prozent). Schwere Fehlbildungen: 4 mit Letrozol, 1 mit Clomifen, statistisch kein Unterschied.
Forschungsstand
Studienlage
Letrozol ist seit 1997 zugelassen, im Register stehen rund 900 Studien mit dem Wirkstoff. Hier eine Auswahl großer Studien zu Letrozol selbst, dazu Studien an Männern. Stand 26.10.2026. 8
- Präklinik Hemmung der Aromatase
- Phase 1 keine registrierte Studie
- Phase 2 keine registrierte Studie
- Phase 3 8 Studien, 8 abgeschlossen
- Zulassung in den USA seit 1997
Alle 9 Studien aus Phase 3 und 4 im ZeitverlaufZeitverlauf ausblenden
BIG 1-98 · NCT00004205 · 8.028 Teilnehmende, Start 03/1998, Hauptendpunkt erreicht 12/2008. Prüft mehrere Wirkstoffe.
Registereintrag ↗ · Ergebnisse: BIG 1-98 Collaborative Group (Thürlimann et al.), New England Journal of Medicine, 2005
MA.17 · NCT00003140 · 5.187 Teilnehmende, Start 08/1998, Hauptendpunkt erreicht 08/2003.
Registereintrag ↗ · Ergebnisse: Goss et al., New England Journal of Medicine, 2003
NCT00754845 · 1.918 Teilnehmende, Start 11/2004, Hauptendpunkt erreicht 12/2015.
Registereintrag ↗ · Ergebnisse noch nicht in PubMed
NCT00138710 · 50 Teilnehmende, Start 08/2005, Hauptendpunkt erreicht 01/2010.
Registereintrag ↗ · Ergebnisse noch nicht in PubMed
FACE · NCT00248170 · 4.172 Teilnehmende, Start 12/2005, Hauptendpunkt erreicht 09/2014. Prüft mehrere Wirkstoffe.
Registereintrag ↗ · Ergebnisse noch nicht in PubMed
SOLE · NCT00553410 · 4.884 Teilnehmende, Start 08/2007, Hauptendpunkt erreicht 04/2018.
Registereintrag ↗ · Ergebnisse noch nicht in PubMed
PPCOS II · NCT00719186 · 750 Teilnehmende, Start 02/2009, Hauptendpunkt erreicht 05/2013. Prüft mehrere Wirkstoffe.
Registereintrag ↗ · Ergebnisse: Legro et al., New England Journal of Medicine, 2014
NCT02900105 · 28 Teilnehmende, Start 02/2015, Hauptendpunkt erreicht 03/2017.
Registereintrag ↗ · Ergebnisse noch nicht in PubMed
HEPAROB · NCT02097680 · 30 Teilnehmende, Start 12/2013, Hauptendpunkt erreicht 06/2015.
Registereintrag ↗ · Ergebnisse noch nicht in PubMed
Balken: Start bis Hauptendpunkt (bei laufenden Studien geplant). Grün = abgeschlossen, blau = Fortschritt bis 26.10.2026.
Nebenwirkungen
- Estradiol-Crash: das Hauptrisiko - Gelenkschmerzen, Libido-Verlust, Lethargie, mieser Schlaf.
- Lipide: sehr niedriges Estradiol verschlechtert das Cholesterin deutlich.
- Knochendichte: bei langer Anwendung relevant.
Verträglichkeit
Nebenwirkungen im Vergleich
Zwei große Studien mit Zahlen zu Nebenwirkungen: Letrozol gegen Clomifen bei PCOS und gegen Placebo nach Brustkrebs.
| Ereignis | Letrozol | Clomifen |
|---|---|---|
| Hitzewallungen4 | 20 % | 33 % |
| Müdigkeit4 | 22 % | 15 % |
| Schwindel4 | 12 % | 8 % |
| Neue Osteoporose-Diagnose3 | 6 % | 0 % |
In BIG 1-98 traten mit Letrozol häufiger Knochen- und Herzereignisse und erhöhtes Cholesterin auf, mit Tamoxifen häufiger Thrombosen, Gebärmutterkrebs und Blutungen. In MA.17 kamen Hitzewallungen, Gelenk- und Muskelschmerzen mit Letrozol häufiger vor.13
Lagerung
Trocken und vor Licht geschützt lagern. Außerhalb der Reichweite von Kindern.