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Lexikon

Vardenafil (Levitra)

Der hochselektive PDE-5-Hemmer zwischen Sildenafil und Tadalafil: Wirkeintritt ab etwa 10 Minuten, Wirkfenster rund 4 bis 5 Stunden, seltener Blaustich beim Sehen.

10 Min. Lesezeit 5 Quellen

Steckbrief

Stand Oktober 2026

Klasse
PDE-5-Hemmer (Levitra, Vivanza)
Anwendung
Oral, bei Bedarf, etwa 30 bis 60 Minuten vorher, höchstens 1x in 24 Stunden
Wirkeintritt
Spitzenspiegel nach etwa 1 Stunde, Erfolg ab 10 Minuten möglich
Halbwertszeit
Etwa 4 Stunden
Wirkfenster
Rund 4 bis 5 Stunden
Status
Klinisch zugelassen (EU und FDA 2003)
Inhalt 11 Abschnitte
  1. Titration
  2. Was ist Vardenafil?
  3. Wie es wirkt
  4. Pharmakokinetik: schnell rein, in Stunden wieder raus
  5. Anwendung und Dosierung
  6. Vardenafil, Sildenafil oder Tadalafil?
  7. Was die Forschung zeigt
  8. Nebenwirkungen
  9. Sicherheit und Wechselwirkungen
  10. Lagerung
  11. Quellen

Einstieg

Übliche Dosierung (Research-Kontext)

Werte in mg pro Einzeldosis bei Bedarf, nicht pro Woche.

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Was ist Vardenafil?

Vardenafil ist der dritte der klassischen PDE-5-Hemmer und kam 2003 als Levitra auf den Markt, in Teilen Europas auch als Vivanza. Entwickelt wurde es von Bayer. Chemisch ist es ein enger Verwandter von Sildenafil, ein Imidazotriazinon statt eines Pyrazolopyrimidinons. Genau dieser kleine Unterschied im Ringsystem macht es am Zielenzym deutlich potenter.

Im Profil sitzt Vardenafil zwischen den beiden bekannteren Vertretern: schnell aufgenommen wie Sildenafil, mit einer Halbwertszeit von rund 4 Stunden und einem Wirkfenster von etwa 4 bis 5 Stunden, also weit entfernt von den 36 Stunden des Tadalafil. Genommen wird es bei Bedarf als Tablette, etwa eine halbe bis eine Stunde vorher. Neben der Filmtablette gibt es eine 10-mg-Schmelztablette (Staxyn), die laut Sanford (Drugs 2012) eine durchgehend höhere Exposition liefert und deshalb nicht 1:1 austauschbar ist. Du bekommst Vardenafil als Filmtabletten mit 20 mg, 10 Stück pro Blister.

Diese Information dient ausschließlich Forschungs- und Bildungszwecken. Keine medizinischen Empfehlungen.

Wie es wirkt

Bei sexueller Erregung setzen Nervenenden im Schwellkörper Stickstoffmonoxid frei. Das lässt in den glatten Muskelzellen den Botenstoff cGMP ansteigen, die Muskulatur entspannt sich, die Arterien weiten sich und der Schwellkörper füllt sich. Das anschwellende Gewebe drückt die abführenden Venen gegen die feste Hülle (Tunica albuginea), der Abfluss wird gedrosselt, die Erektion hält. Das Enzym Phosphodiesterase Typ 5 baut cGMP wieder ab und beendet das Signal. Vardenafil blockiert PDE5, der Botenstoff bleibt länger erhalten. Ohne Erregung läuft die Kette gar nicht an, deshalb passiert ohne Stimulation nichts.

Was Vardenafil von Sildenafil unterscheidet, ist die Potenz am Enzym. Saenz de Tejada und Kollegen (International Journal of Impotence Research 2001) haben beide Substanzen direkt verglichen: Vardenafil hemmt PDE5 mit einer IC50 von 0,7 nM, Sildenafil braucht 6,6 nM, also fast das Zehnfache. Gegenüber PDE6, dem verwandten Enzym in den Stäbchen und Zapfen der Netzhaut, ist Vardenafil 16-fach selektiv, Sildenafil 7,4-fach, gegenüber PDE1 in Herz und Gefäßen 257-fach gegenüber 60-fach. In menschlichem Schwellkörpergewebe verstärkte Vardenafil die NO-vermittelte Entspannung schon ab 3 nM, Sildenafil ab 10 nM. Die höhere Potenz erklärt, warum die Dosen mit 5 bis 20 mg so viel kleiner sind als bei Sildenafil, die bessere PDE6-Selektivität, warum der Blaustich beim Sehen seltener berichtet wird.

Pharmakokinetik: schnell rein, in Stunden wieder raus

Klotz und Kollegen (World Journal of Urology 2001) haben nach 10 und 20 mg Spitzenspiegel im Median nach 0,9 bzw. 0,7 Stunden gemessen, danach fiel die Konzentration mit einer terminalen Halbwertszeit von 4,2 bzw. 3,9 Stunden ab. Die Exposition stieg dosisproportional, 20 mg liefern also etwa den doppelten Spiegel von 10 mg. Im RigiScan verlängerte eine Einzeldosis von 10 mg die Zeit mit über 60 Prozent Rigidität um rund 24 Minuten gegenüber Placebo, 20 mg um 29 bis 37 Minuten.

Essen spielt eine Rolle, aber eine kleinere als oft angenommen. Rajagopalan und Kollegen (Journal of Clinical Pharmacology 2003) gaben 20 mg nüchtern und nach einem fettreichen Frühstück: der Gipfel verschob sich von 1 auf 2 Stunden und sank um knapp ein Fünftel, die Gesamtaufnahme blieb gleich. Ein normales Abendessen mit mittlerem Fettgehalt veränderte praktisch nichts. Wer das schnelle Fenster will, nimmt Vardenafil also nicht direkt nach einem schweren Essen, muss aber nicht nüchtern bleiben.

Abgebaut wird Vardenafil laut Fachinformation vor allem über CYP3A4, in geringem Umfang über CYP3A5 und CYP2C-Enzyme. Das ist die Stelle, an der Wechselwirkungen entstehen: starke CYP3A4-Hemmer wie Ketoconazol, Itraconazol, Ritonavir oder Clarithromycin heben den Spiegel um ein Mehrfaches. Auch Grapefruitsaft wirkt in diese Richtung. Mehr dazu unter Sicherheit.

Anwendung und Dosierung

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Vardenafil, Sildenafil oder Tadalafil?

Die drei klassischen PDE-5-Hemmer teilen den Mechanismus und unterscheiden sich im Zeitprofil und in den Nebenzielen:

  • Vardenafil wirkt ab etwa 10 Minuten, Spitzenspiegel nach rund einer Stunde, Fenster etwa 4 bis 5 Stunden. Potenteste der drei Substanzen am Enzym, höhere PDE6-Selektivität als Sildenafil, deshalb seltener Sehstörungen. Dosen 5 bis 20 mg.
  • Sildenafil wirkt ähnlich schnell und ähnlich lang (4 bis 6 Stunden), reagiert aber empfindlicher auf fettiges Essen und bringt häufiger den Blaustich beim Sehen. Dosen 25 bis 100 mg.
  • Tadalafil hält mit 17,5 Stunden Halbwertszeit bis zu 36 Stunden und lässt sich täglich niedrig dosieren, dafür typisch Rücken- und Muskelschmerzen, vermutlich über PDE11. Dosen 2,5 bis 20 mg.

Bei der reinen Wirksamkeit kommen Netzwerk-Metaanalysen zu unterschiedlichen Rangfolgen. Yuan und Kollegen (European Urology 2013) sahen über 118 Studien Tadalafil und Vardenafil als die wirksamsten Vertreter, ohne großen Unterschied bei der Sicherheit. Chen und Kollegen (European Urology 2015) verglichen dagegen Startdosen: Sildenafil 50 mg war am wirksamsten, hatte aber auch die meisten Nebenwirkungen, Tadalafil 10 mg bot den besten Kompromiss. Vardenafil 10 mg lag bei den Nebenwirkungen auf Sildenafil-Niveau, in der Gesamtwirksamkeit aber darunter. Die Lesart für die Praxis: Vardenafil ist die Wahl für ein kurzes, planbares Fenster, wenn Sildenafil wegen Sehstörungen oder Essens-Empfindlichkeit nicht passt. Welcher Vertreter besser passt, bleibt individuell.

Was die Forschung zeigt

Vardenafil ist mit mehreren großen, placebokontrollierten Studien gut belegt. In der ersten At-home-Studie von Porst und Kollegen (2001) nahmen 601 Männer mit leichter bis schwerer erektiler Dysfunktion über 12 Wochen Placebo oder 5, 10 oder 20 mg bei Bedarf. Alle drei Dosen verbesserten jede Domäne des IIEF-Fragebogens signifikant, 71 bis 75 Prozent der Verkehrsversuche waren erfolgreich. Unter 20 mg berichteten 80 Prozent gebesserte Erektionen gegenüber 30 Prozent unter Placebo. Die 26-Wochen-Studie mit festen Dosen, die Ormrod und Kollegen (Drugs and Aging 2002) zusammenfassen, kam bei 736 Männern auf 85 gegenüber 28 Prozent.

Auch in schwierigen Gruppen hält der Effekt. Goldstein und Kollegen (Diabetes Care 2003) randomisierten 452 Männer mit Diabetes: nach 12 Wochen berichteten 57 Prozent unter 10 mg und 72 Prozent unter 20 mg gebesserte Erektionen, unter Placebo 13 Prozent. Das galt auf jeder HbA1c-Stufe. Brock und Kollegen (Journal of Urology 2003) untersuchten 440 Männer nach nervenschonender radikaler Prostatektomie, 70 Prozent davon mit schwerer Dysfunktion: 59 Prozent unter 10 mg und 65 Prozent unter 20 mg berichteten Besserung gegenüber 12,5 Prozent unter Placebo.

Montorsi und Kollegen (Journal of Sexual Medicine 2004) haben den Wirkeintritt bei 732 Männern mit Stoppuhr gemessen, ab 10 Minuten lag Vardenafil signifikant vor Placebo. Klotz und Kollegen (World Journal of Urology 2001) lieferten die pharmakokinetischen Eckdaten mit Spitzenspiegel unter einer Stunde und Halbwertszeit um 4 Stunden. Was fehlt: große Langzeitstudien mit harten kardiovaskulären Endpunkten gibt es für keinen PDE-5-Hemmer. Die Vergleiche zwischen den Vertretern sind überwiegend indirekt. Die verlinkten Arbeiten findest du unten im Quellenblock.

Nebenwirkungen

  • Kopfschmerz: die häufigste Nebenwirkung, in der ersten At-home-Studie bei 7 bis 15 Prozent und dosisabhängig (Montorsi: 7 Prozent unter 10 mg, 12 Prozent unter 20 mg, 1 Prozent unter Placebo).
  • Flush: Gesichtsrötung und Wärmegefühl bei etwa 6 bis 11 Prozent, ebenfalls dosisabhängig.
  • Verstopfte Nase (Rhinitis) und Sodbrennen (Dyspepsie): jeweils bis etwa 7 Prozent (Rhinitis bei Diabetikern bis 10 Prozent), mild bis mittelschwer und vorübergehend. Sinusitis wird in den Zulassungsstudien ebenfalls berichtet.
  • Sehen: der Blaustich ist durch die höhere PDE6-Selektivität seltener als unter Sildenafil, Keating und Scott (Drugs 2003) berichten aus den Zulassungsstudien keine Farbsehstörung bei 5 bis 20 mg. Für die ganze Klasse gilt trotzdem: eine plötzliche Sehverschlechterung auf einem oder beiden Augen ist ein Abbruchgrund und ein Notfall (nicht-arteriitische anteriore ischämische Optikusneuropathie, selten).
  • Gehör: plötzlicher Hörverlust oder Tinnitus sind als seltene Klasseneffekte beschrieben und gehören ebenfalls abgeklärt.
  • Priapismus: eine Erektion über vier Stunden ist ein urologischer Notfall, unbehandelt drohen bleibende Schäden am Schwellkörper.
  • QT-Zeit: Morganroth und Kollegen (American Journal of Cardiology 2004) maßen unter 10 mg eine placebokorrigierte QTc-Verlängerung von etwa 8 ms, unter Sildenafil 50 mg etwa 6 ms, mit flacher Dosis-Wirkungs-Kurve und ohne klinische Relevanz bei Gesunden. Wer Antiarrhythmika der Klasse IA oder III nimmt oder ein angeborenes Long-QT-Syndrom hat, sollte Vardenafil laut Fachinformation meiden.

Sicherheit und Wechselwirkungen

Der wichtigste Punkt der ganzen Klasse: Vardenafil darf niemals mit Nitraten kombiniert werden. Dazu gehören Herz-Nitrate wie Nitroglycerin, Isosorbiddinitrat und Isosorbidmononitrat, aber auch Amylnitrit und die als Poppers verkauften Alkylnitrite. Nitrate liefern Stickstoffmonoxid, Vardenafil schützt das daraus entstehende cGMP vor dem Abbau, beides zusammen kann den Blutdruck lebensbedrohlich abstürzen lassen. In Studien an Gesunden verstärkte Vardenafil 20 mg den Blutdruckabfall von Nitroglycerin noch 1 und 4 Stunden nach der Einnahme, nach 24 Stunden nicht mehr. Einen sicheren Abstand legt die Fachinformation trotzdem nicht fest, die Kombination bleibt ausgeschlossen. Gleiches gilt für Guanylatcyclase-Stimulatoren wie Riociguat.

Alphablocker (Tamsulosin, Alfuzosin, Doxazosin) senken ebenfalls den Blutdruck, die Effekte addieren sich. Die Fachinformation verlangt einen stabil eingestellten Alphablocker und einen Start mit 5 mg. CYP3A4-Hemmer heben den Vardenafil-Spiegel um ein Mehrfaches (Ritonavir laut US-Label um das 49-Fache): die EU-Fachinformation schließt Ritonavir und Indinavir ganz aus und rät von Ketoconazol und Itraconazol ab, für Erythromycin und Clarithromycin gilt die 5-mg-Grenze aus dem Dosier-Abschnitt. Grapefruitsaft wirkt in dieselbe Richtung. Alkohol in größeren Mengen verschlechtert die Erektion und verstärkt Blutdruckabfall und Schwindel.

Sexuelle Aktivität ist eine Belastung für den Kreislauf. Bei instabiler Angina, einem Infarkt oder Schlaganfall in den letzten sechs Monaten, schwerer Herzinsuffizienz, sehr niedrigem oder unkontrolliert hohem Blutdruck ist die Frage nicht das Medikament, sondern die Belastbarkeit. Wer Vorerkrankungen hat oder Medikamente nimmt, klärt das vorher ärztlich ab. Das ist kein Bereich für Experimente.

Lagerung

Die Filmtabletten trocken, bei Raumtemperatur und vor Licht geschützt lagern, außerhalb der Reichweite von Kindern. Den Blister geschlossen halten und erst zur Einnahme öffnen, eine halbierte Tablette nicht lange offen liegen lassen. Verfallsdatum beachten.

Evidenz

Quellen

  1. 1 DOI Erste At-home-Studie: 5, 10 und 20 mg Vardenafil gegen Placebo bei 601 Männern über 12 Wochen, 71 bis 75 Prozent erfolgreiche Versuche in allen drei Dosisgruppen International Journal of Impotence Research, 2001 Quelle öffnen
  2. 2 DOI Stoppuhr-Studie bei 732 Männern: Wirkeintritt von 10 und 20 mg Vardenafil ab 10 bzw. 11 Minuten, Kopfschmerz und Flush als häufigste Nebenwirkungen Journal of Sexual Medicine, 2004 Quelle öffnen
  3. 3 DOI RigiScan- und Pharmakokinetik-Studie mit 10 und 20 mg: Spitzenspiegel nach 0,7 bis 0,9 Stunden, Halbwertszeit rund 4 Stunden, dosisproportionale Exposition World Journal of Urology, 2001 Quelle öffnen
  4. 4 DOI Enzym- und Gewebedaten: IC50 von 0,7 nM an PDE5 und 16-fache Selektivität gegenüber PDE6, jeweils im direkten Vergleich mit Sildenafil International Journal of Impotence Research, 2001 Quelle öffnen
  5. 5 DOI Netzwerk-Metaanalyse über 82 Studien: Wirksamkeit und Nebenwirkungen der PDE-5-Hemmer in Startdosen gegeneinander abgewogen European Urology, 2015 Quelle öffnen

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