Was ist S-23?
S-23 ist ein nicht-steroidaler selektiver Androgen-Rezeptor-Modulator (SARM) aus derselben chemischen Familie wie Ostarine. Entwickelt wurde er an der Ohio State University mit einem ungewöhnlichen Ziel: als orale Komponente einer hormonellen Verhütung für Männer. Die Idee dahinter war, über den Androgen-Rezeptor die Hormonachse so stark zu bremsen, dass die Spermienbildung aussetzt, während Muskel und Knochen versorgt bleiben.
Über eine präklinische Phase ist S-23 nie hinausgekommen. Es gibt keine klinischen Studien am Menschen zu Wirkung oder Sicherheit. Die menschlichen Daten, die existieren, stammen aus Dopingkontroll-Laboren, die einzelne Gaben oder Mikrodosen untersucht haben, um den Nachweis im Urin zu verbessern. Im Sortiment liegt S-23 als Tablette mit 10 oder 20 mg vor.
Diese Information dient ausschließlich Forschungs- und Bildungszwecken. Keine medizinischen Empfehlungen.
Vergleich
Am Androgen-Rezeptor im Lexikon
SARMs und Testosteron nutzen denselben Rezeptor, so wie im TPD-Lexikon beschrieben. Ein Klick öffnet den Eintrag.
Vereinfacht: S-23 wurde gezielt als starke Bremse der Hormonachse entwickelt, die anderen SARMs nicht. 61
Wie es wirkt
S-23 bindet sehr fest an den Androgen-Rezeptor und wirkt dort in Zellversuchen als voller Agonist, also nicht nur als teilweiser Aktivator wie manche andere SARMs. In kastrierten Ratten lag die halbmaximal wirksame Dosis am Muskel deutlich niedriger als an der Prostata. Das ist die Gewebe-Bevorzugung, die SARMs ausmacht (Jones, Endocrinology 2008).
Die zweite Seite derselben Wirkung ist die Rückkopplung auf das Gehirn. Der Körper registriert ein starkes Androgen-Signal und fährt LH und FSH herunter, die beiden Hormone, die den Hoden zur Testosteron- und Spermienbildung antreiben. Bei S-23 ist diese Bremse kein Nebeneffekt, sondern war der eigentliche Entwicklungszweck.
S-23 wird weder zu Östrogen umgebaut noch zu DHT reduziert. Das eigene Testosteron sinkt trotzdem, weil die Achse gebremst wird. In der Rattenstudie musste den Tieren zusätzlich Östradiol gegeben werden, damit ihr Sexualverhalten erhalten blieb.
Wirkorte
Wo S-23 im Tierversuch wirkte
Punkt oder Karte antippen. Farbe = Androgen-Rezeptor, grau = beobachtet. Alles aus Versuchen an Ratten.
- Muskulatur
Wirkte am Muskel schon in deutlich kleinerer Menge als an der Prostata1
AR - Hoden
LH und FSH gebremst, Spermienbildung ausgesetzt, nach dem Absetzen zurück1
In Studien beobachtet - Knochen
Knochendichte stieg mit der Dosis1
In Studien beobachtet - Fettgewebe
Fettmasse sank, Magermasse stieg1
In Studien beobachtet
Ziele in der Datenbank ChEMBL6
Wirkstoff CHEMBL512283: ein erfasster Mechanismus, Voller Agonist, Ki 1,7 nM.
- Gen
- AR
- UniProt
- P10275
- ChEMBL
- CHEMBL1871
- Wirkung
- Voller Agonist, Ki 1,7 nM
Anwendung und Dosierung
Dosierung
Dosierung, Titrationsplan und Spritze
Die Dosierung wird geladen …
- Einstieg und Steigerung als Treppe
- Einheiten auf der U-100-Spritze je Stufe
- Wie lange ein Vial reicht
Was die Forschung zeigt
Jones und Kollegen (Endocrinology 2008) haben S-23 an männlichen Ratten als Verhütungsmittel geprüft. Allein gegeben senkte es über 14 Tage ab 0,1 mg pro Tag LH um mehr als die Hälfte. Zusammen mit Östradiol hatten in der 0,1-mg-Gruppe vier von sechs Tieren keine Spermien mehr im Hoden, in den Paarungsversuchen gab es keine Trächtigkeit. Nach dem Absetzen kam die Fruchtbarkeit vollständig zurück, 100 Tage später lag die Trächtigkeitsrate bei 100 Prozent. Nebenbei stiegen Knochendichte und Magermasse, die Fettmasse sank.
Ameline und Kollegen (J Pharm Biomed Anal 2022) gaben einem Freiwilligen einmalig rund 8 mg und fanden S-23 bis zu 28 Tage im Urin. Die Autoren halten fest, dass es keine veröffentlichten Daten zu Langzeitwirkungen gibt. Alhalabi und Kollegen (Biomed Chromatogr 2025) zeigten, dass schon 1 bis 50 Mikrogramm über Tage bis Wochen nachweisbar bleiben. Im Jahr 2022 war S-23 in fünf positiven Dopingproben aufgefallen.
Vignali und Kollegen (J Xenobiot 2023) fassen die Sicherheitsdaten zu SARMs bei Gesunden zusammen: Leberschäden in Fallberichten, Anstiege des Leberwerts ALT in klinischen Studien. Zu S-23 selbst gibt es solche Studien nicht.
Studienergebnisse
Was die Studien gemessen haben
Zum Ausprobieren: Reiter wechseln, Punkte antippen, Arme aus- und einblenden. Die Arme heißen relativ zueinander, keine Dosisempfehlung.
Fruchtbarkeit männlicher Ratten1
Bis zu 10 Wochen S-23 zusammen mit Östradiol, kleine Gruppe mit 6 Tieren
Östradiol allein änderte die Spermienbildung nicht, es war nötig, um das Sexualverhalten der Ratten zu erhalten. Allein gegeben senkte S-23 das LH um mehr als die Hälfte.
Forschungsstand
Studienlage
Im Register ClinicalTrials.gov steht keine Studie zu S-23. Die Daten stammen aus Tierversuchen und aus Dopinglaboren. Stand 26.10.2026. 5
Nebenwirkungen
Weil Humanstudien fehlen, beruht diese Liste auf den Tierdaten und auf dem, was für SARMs als Klasse beschrieben ist.
- Unterdrückung der Testosteron-Achse. Der Hauptbefund der Forschung. LH und FSH sinken deutlich, das eigene Testosteron fällt ab. Bei S-23 ist mit einer stärkeren Bremse zu rechnen als bei milderen SARMs.
- Fruchtbarkeit. Bei Ratten setzte die Spermienbildung aus. Die Erholung dauerte dort Monate. Ob und wie schnell sie beim Menschen zurückkehrt, ist nicht untersucht.
- Libido und Stimmung. Sinkt das eigene Testosteron und fehlt Östradiol, sind Libidoverlust, Antriebslosigkeit und Erektionsprobleme naheliegend. In der Rattenstudie war Östradiol nötig, um das Sexualverhalten zu erhalten.
- Leber und Blutfette. Für SARMs sind Leberschäden in Fallberichten und sinkendes HDL beschrieben.
- Unbekannte Langzeitfolgen. Dazu gibt es keine Daten.
Diese Einordnung ersetzt keine ärztliche Beratung.
Nachweis und Wettkampf
S-23 fällt bei der WADA unter S1.2 (andere anabole Wirkstoffe) und ist im und außerhalb des Wettkampfs verboten. Die Nachweisfenster sind lang: nach einer einzelnen Tablette fanden Labore den Stoff bis zu vier Wochen im Urin, selbst Mikrogramm-Mengen über mehr als eine Woche.
Wer Dopingkontrollen unterliegt, sollte wissen, dass auch verunreinigte Nahrungsergänzungsmittel zu positiven Proben geführt haben. Genau deshalb untersuchen die Labore inzwischen, wie sich eine versehentliche Aufnahme von gezieltem Gebrauch unterscheiden lässt.
Lagerung
Trocken, bei Raumtemperatur und vor Licht geschützt lagern, Dose verschlossen halten. Nicht im Bad aufbewahren, die Feuchtigkeit dort setzt Tabletten zu.
Außer Reichweite von Kindern aufbewahren und das Verfallsdatum beachten. Tabletten nicht in unbeschriftete Behälter umfüllen.