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Lexikon

AC-262 (AC-262,536)

Ein SARM aus der frühen Pharma-Forschung, als teilweiser Agonist am Androgen-Rezeptor beschrieben: es gibt eine einzige Tierstudie zur Wirkung und keine einzige am Menschen.

3 Min. Lesezeit 7 Quellen

Weiße Tablettendose mit schwarzem TPD-Etikett für AC-262 auf einem weißen Podest mit leuchtendem Rand, daneben ein großes blaues 3D-Molekülmodell in einem hellen Labor
Präklinisch · nicht zugelassen

Kurzfassung

Auf einen Blick

Quellen geprüft am 26.10.2026

Längste Studie zur Wirkung
2 Wochen

an kastrierten Ratten, die einzige veröffentlichte Wirkungsstudie1

Im Laborversuch gefunden
9 Abbauprodukte

davon 4 im Urin und 3 im Blut von Pferden nachweisbar, für die Dopingkontrolle2

Online-SARM-Produkte mit SARM
52 %

nur 23 von 44 gekauften Produkten enthielten überhaupt einen SARM4

Leberschäden durch SARMs
15 Fallberichte

systematische Übersicht zur Klasse, kein Bericht betrifft AC-262 namentlich3

Humanstudien im Register
0 Studien

keine Studie mit AC-262 bei ClinicalTrials.gov, Stand 26.10.20266

  • AC-262 ist ein nicht-steroidaler selektiver Androgen-Rezeptor-Modulator (SARM). Im Zellversuch aktivierte er den Androgen-Rezeptor nur teilweise, schwächer als Testosteron.17
  • Bei kastrierten Ratten förderte er über zwei Wochen den Levator-ani-Muskel und senkte das erhöhte LH. Prostata und Samenblasen reagierten nur schwach.1
  • Weitere Arbeiten stammen aus der Dopingkontrolle: Am Pferd fanden sich mehrere Abbauprodukte in Urin und Blut, der Ausgangsstoff auch im Haar.2
  • Für SARMs als Klasse beschreibt eine systematische Übersicht Leberschäden in Fallberichten. Online verkaufte SARM-Produkte enthielten oft nicht, was auf dem Etikett stand.34
  • Im Register ClinicalTrials.gov steht keine Humanstudie zu AC-262 (Stand Oktober 2026). Alles hier ist präklinischer Forschungsstand und keine Empfehlung.6
Steckbrief

Stand Oktober 2026

Klasse
SARM

nicht-steroidal, teilweiser Agonist

Form
Tablette

50 mg

Halbwertszeit
Beim Menschen nicht bestimmt
Anwendung
Oral

täglich

WADA
Verboten

Kategorie S1.2

Status
Nie klinisch geprüft

keine Zulassung

Größen
50 mg

1 Größe im Shop

Inhalt 13 Abschnitte
  1. Auf einen Blick
  2. Was ist AC-262?
  3. Wie es wirkt
  4. Anwendung und Dosierung
  5. Was die Forschung zeigt
  6. Studienlage
  7. Nebenwirkungen
  8. Nachweis und Wettkampf
  9. Lagerung
  10. Verwandte Wirkstoffe
  11. Häufige Fragen
  12. Begriffe
  13. Quellen

Was ist AC-262?

AC-262, ausgeschrieben AC-262,536 und im Handel auch Accadrine genannt, ist ein nicht-steroidaler selektiver Androgen-Rezeptor-Modulator (SARM). Er stammt aus einem Screening-Programm von ACADIA Pharmaceuticals, das nach Alternativen zur Testosteron-Therapie suchte. Vom selben Unternehmen stammt auch ACP-105.

Die gesamte veröffentlichte Wirkungsforschung besteht aus einer Studie an kastrierten Ratten über zwei Wochen. Eine klinische Entwicklung hat nie begonnen. Weitere Arbeiten zu AC-262 stammen aus Dopingkontroll-Laboren, die untersuchen, wie sich der Stoff nachweisen lässt. Im Sortiment liegt AC-262 als Tablette mit 50 mg vor.

Diese Information dient ausschließlich Forschungs- und Bildungszwecken. Keine medizinischen Empfehlungen.

Vergleich

SARMs im Vergleich

Fünf SARMs aus dem TPD-Lexikon, so wie dort beschrieben. Ein Klick öffnet den Eintrag.

Vereinfacht: Alle setzen am Androgen-Rezeptor an. AC-262 und ACP-105 aktivieren ihn laut den Erstbeschreibungen nur teilweise. Einen direkten Vergleich am Menschen gibt es nicht. 15

Wie es wirkt

AC-262 bindet an den Androgen-Rezeptor und aktiviert ihn nur teilweise. Im Zellversuch erreichte es nicht die volle Wirkung von Testosteron, sondern blieb darunter. Diese Eigenschaft nennt man teilweisen Agonismus. Sie war der Grund, warum die Entwickler sich ein milderes Profil erhofften.

Bei kastrierten Ratten wuchs unter AC-262 der Levator-ani-Muskel, ein klassischer Messpunkt für anabole Wirkung. Prostata und Samenblasen reagierten dagegen nur schwach. Zugleich senkte AC-262 das bei kastrierten Tieren stark erhöhte LH. Das zeigt, dass es die Rückkopplung auf das Gehirn auslöst, also auch bei gesunden Tieren die eigene Hormonachse bremsen dürfte.

Wirkorte

Wo AC-262 in Versuchen wirkte

Punkt oder Karte antippen. Farbe = Androgen-Rezeptor, grau = beobachtet. Wirkung nur aus der Rattenstudie.

  1. Skelettmuskel

    Levator-ani-Muskel wuchs, klassischer Messpunkt für anabole Wirkung (Ratte)1

    AR
  2. Hypothalamus und Hypophyse

    Erhöhtes LH sank: Rückkopplung auf die Hormonachse (Ratte)1

    AR
  3. Prostata und Samenblasen

    Nur schwache androgene Wirkung, anders als Testosteron (Ratte)1

    AR
  4. Leber

    Leberschäden in Fallberichten zu SARMs als Klasse, nicht zu AC-262 selbst3

    In Studien beobachtet

Bekannte Ziele7

Wirkstoff PubChem CID 44512434: ein beschriebenes Ziel, Teilweiser Agonist (Zellversuch).

Androgen-Rezeptor
Gen
AR
UniProt
P10275
ChEMBL
CHEMBL1871
Wirkung
Teilweiser Agonist (Zellversuch)
Zwei blaue 3D-Moleküle docken an leuchtende Mulden auf durchsichtigen, gläsernen Muskelfasern an
Bindung am Androgen-Rezeptor im Muskel. Symbolbild.

Anwendung und Dosierung

Dosierung

Dosierung, Titrationsplan und Spritze

Die Dosierung wird geladen …

  • Einstieg und Steigerung als Treppe
  • Einheiten auf der U-100-Spritze je Stufe
  • Wie lange ein Vial reicht
Weiße Tablettendose mit schwarzem TPD-Etikett für AC-262 auf einem hellen Tisch, daneben einige weiße Tabletten mit Bruchkerbe und eine halbierte Tablette
Tablette zum Einnehmen. Symbolbild.

Was die Forschung zeigt

Piu und Kollegen (J Steroid Biochem Mol Biol 2008) beschrieben AC-262 als starken und selektiven Liganden des Androgen-Rezeptors mit teilweiser Wirkung im Vergleich zu Testosteron. In einer zweiwöchigen Studie an kastrierten Ratten verbesserte es anabole Messwerte, vor allem das Wachstum des Levator-ani-Muskels. Außerdem drückte es das erhöhte LH. Die androgene Wirkung auf Prostata und Samenblasen blieb schwach.

Cutler und Kollegen (Drug Test Anal 2020) gaben AC-262 zwei Pferden und suchten nach den besten Nachweis-Zielen. Neben dem Ausgangsstoff fanden sie mehrere Abbauprodukte in Urin und Blut, dazu Einlagerung ins Haar. Die Autoren halten fest, dass AC-262 nie therapeutisch verfügbar war.

Zwei Arbeiten zur Klasse ordnen das ein. Vignali und Kollegen (J Xenobiot 2023) fanden in den Sicherheitsdaten zu SARMs Leberschäden in Fallberichten und Anstiege des Leberwerts ALT in Studien. Van Wagoner und Kollegen (JAMA 2017) zeigten, dass von 44 online gekauften SARM-Produkten nur 52 Prozent überhaupt einen SARM enthielten und die Menge in 59 Prozent deutlich vom Etikett abwich.

Studienergebnisse

Was die Studien gemessen haben

Zum Ausprobieren: Reiter wechseln, Punkte antippen, Arme aus- und einblenden. Die Arme heißen relativ zueinander, keine Dosisempfehlung.

Was in 44 online gekauften SARM-Produkten steckte4

Anteil der Produkte in Prozent, Analyse nach Dopingkontroll-Standard

Enthielt mindestens einen SARM4
Analysierte Online-Produkte 52 %
Enthielt einen anderen nicht zugelassenen Wirkstoff4
Analysierte Online-Produkte 39 %
Menge wich deutlich vom Etikett ab4
Analysierte Online-Produkte 59 %
Enthielt nicht deklarierte Stoffe4
Analysierte Online-Produkte 25 %
Kein Wirkstoff nachweisbar4
Analysierte Online-Produkte 9 %

Werte aus dem Abstract (USA, 2016). Gefunden wurden Ostarine, LGD-4033 und Andarine, AC-262 war nicht darunter. Die Studie zeigt das Risiko ungeprüfter Ware, nicht die Wirkung eines bestimmten SARM.

Durchscheinende Glasskulptur eines Oberkörpers mit Muskeln auf einem Holztisch, daneben ein gerolltes weißes Handtuch und ein Glas Wasser vor einem hellen Fenster
Daten zur Wirkung gibt es nur aus einer Rattenstudie. Symbolbild.

Forschungsstand

Studienlage

Wo der Wirkstoff auf dem Weg von der Laborforschung zur Zulassung steht. Stand 26.10.2026. 6

  1. Präklinik Zellversuch und zweiwöchige Studie an kastrierten Ratten (2008)
  2. Phase 1 keine registrierte Studie
  3. Phase 2 keine registrierte Studie
  4. Phase 3 keine registrierte Studie
  5. Zulassung noch nicht
Keine Zulassung und keine registrierte Studie am Menschen. Eine klinische Entwicklung hat nie begonnen.6

Bisher gibt es keine registrierte Humanstudie. 6

Nebenwirkungen

Ohne Humanstudien stützt sich diese Liste auf die Rattendaten und auf das, was für SARMs als Klasse bekannt ist.

  • Unterdrückung der Testosteron-Achse. AC-262 senkte bei Ratten LH. Bei gesunden Menschen ist mit einer Bremse der eigenen Testosteron-Produktion zu rechnen, wie stark, ist unbekannt.
  • Leber. Für SARMs sind Leberschäden in Fallberichten beschrieben. In Studien stiegen die Leberwerte häufig an.
  • Blutfette. Sinkendes HDL ist bei Androgen-Rezeptor-Agonisten verbreitet.
  • Unbekanntes. Langzeitfolgen, Wechselwirkungen und Pharmakokinetik beim Menschen sind nicht untersucht.

Diese Einordnung ersetzt keine ärztliche Beratung.

Nachweis und Wettkampf

AC-262 fällt bei der WADA unter S1.2 (andere anabole Wirkstoffe) und ist jederzeit verboten. Die Dopingkontroll-Labore haben Nachweis-Methoden für Urin und Blut entwickelt, im Pferdeversuch war der Stoff auch im Haar zu finden.

Wer Kontrollen unterliegt, sollte davon ausgehen, dass AC-262 sicher erkannt wird. Wie lange der Nachweis beim Menschen möglich ist, wurde nicht veröffentlicht.

Lagerung

Trocken, bei Raumtemperatur und vor Licht geschützt lagern, Dose verschlossen halten. Nicht im Bad aufbewahren, die Feuchtigkeit dort setzt Tabletten zu.

Außer Reichweite von Kindern aufbewahren und das Verfallsdatum beachten. Tabletten nicht in unbeschriftete Behälter umfüllen.

Drei weiße Dosen in einem hellen Regal neben einem gefalteten hellblauen Handtuch
Trocken, bei Raumtemperatur und außerhalb der Reichweite von Kindern lagern. Symbolbild.

Verwandt

Verwandte Wirkstoffe

Gleiche Ansatzpunkte: alles im TPD-Lexikon.

FAQ

Häufige Fragen zu AC-262 (AC-262,536)

Kurze Antworten, jede mit den Quellen unten belegt.

Ist AC-262 zugelassen oder am Menschen untersucht?

Nein. Es gibt keine Zulassung und am 26. Oktober 2026 steht im Register ClinicalTrials.gov keine Studie mit AC-262. Die einzige veröffentlichte Wirkungsstudie lief zwei Wochen an kastrierten Ratten.61

Was heißt teilweiser Agonist?

AC-262 bindet an den Androgen-Rezeptor, schaltet ihn im Zellversuch aber nicht so stark ein wie Testosteron. Die Entwickler hofften dadurch auf ein milderes Profil. Bei Ratten wirkte es am Muskel deutlich, an Prostata und Samenblasen nur schwach.1

Bremst AC-262 die eigene Hormonachse?

Bei kastrierten Ratten senkte AC-262 das stark erhöhte LH. Das zeigt eine Rückkopplung auf Hypothalamus und Hypophyse. Wie stark die eigene Testosteron-Bildung beim Menschen gebremst würde, ist nicht gemessen.1

Was ist über die Sicherheit bekannt?

Zu AC-262 selbst gibt es keine Sicherheitsdaten am Menschen. Eine systematische Übersicht zu SARMs bei Gesunden fand 15 Fallberichte mit Leberschäden, in klinischen Studien stieg der Leberwert ALT im Mittel bei 7,1 Prozent der Teilnehmenden.3

Lässt sich AC-262 bei Dopingkontrollen nachweisen?

Ja. Am Pferd fanden Labore neun Abbauprodukte im Laborversuch, vier davon im Urin und drei im Blut, dazu den Ausgangsstoff im Haar. Am längsten nachweisbar war eine abgewandelte Form des Ausgangsstoffs. Wie lange der Nachweis beim Menschen gelingt, ist nicht veröffentlicht.2

Warum ist die Herkunft bei SARMs so wichtig?

In einer Analyse von 44 online gekauften SARM-Produkten enthielten nur 52 Prozent überhaupt einen SARM. Bei 59 Prozent wich die Menge deutlich vom Etikett ab, 25 Prozent enthielten Stoffe, die nicht deklariert waren.4

Glossar

Begriffe kurz erklärt

Gepunktet unterstrichene Wörter im Text zeigen diese Erklärungen direkt an.

Abbauprodukte (Metaboliten)
Stoffe, in die der Körper einen Wirkstoff umbaut. Dopingkontrollen suchen oft nach ihnen, weil sie länger nachweisbar sein können.
ALT
Alanin-Aminotransferase, ein Leberwert im Blut. Ein Anstieg kann auf eine Belastung der Leberzellen hinweisen.
Androgen-Rezeptor
Bindungsstelle für Testosteron und verwandte Hormone in vielen Geweben, etwa Muskel, Knochen, Prostata und Gehirn.
Kastrierte Ratten
Tiermodell ohne eigene Testosteron-Bildung. So lässt sich die Wirkung eines Stoffs am Androgen-Rezeptor ohne das körpereigene Hormon messen.
Levator-ani-Muskel
Muskel im Beckenboden der Ratte. Er reagiert stark auf Androgene und dient als Messpunkt für anabole Wirkung.
LH
Luteinisierendes Hormon aus der Hypophyse. Es gibt den Hoden das Signal, Testosteron zu bilden.
Präklinisch
Forschung vor dem ersten Einsatz am Menschen, also in Zellkulturen und Tiermodellen. Ergebnisse lassen sich nicht direkt auf Menschen übertragen.
SARM
Selektiver Androgen-Rezeptor-Modulator. Nicht-steroidaler Stoff, der den Androgen-Rezeptor vor allem in Muskel und Knochen ansprechen soll.
Teilweiser Agonist
Stoff, der einen Rezeptor einschaltet, aber nicht bis zur vollen Wirkung des natürlichen Hormons.
WADA
Welt-Anti-Doping-Agentur. Ihre Verbotsliste führt SARMs unter S1.2, andere anabole Wirkstoffe.

Evidenz

Quellen

Alle 7 Quellen anzeigenQuellen ausblenden 5 Studien1 Studienregister1 Datenbank geprüft am 26.10.2026

Studien

  1. Erstbeschreibung: teilweiser Agonist, anabol bei kastrierten Ratten

    Piu et al., Journal of Steroid Biochemistry and Molecular Biology, 2008

    Geprüft am 26.10.2026 über doi.org, Crossref, PubMed
  2. Abbau am Pferd: Nachweis in Urin, Blut und Haar

    Cutler et al., Drug Testing and Analysis, 2021 (online 2020)

    Geprüft am 26.10.2026 über doi.org, Crossref, PubMed
  3. Systematische Übersicht zur Sicherheit von SARMs bei Gesunden

    Vignali et al., Journal of Xenobiotics, 2023

    Geprüft am 26.10.2026 über doi.org, Crossref, PubMed
  4. Analyse online verkaufter SARM-Produkte

    Van Wagoner et al., JAMA, 2017

    Geprüft am 26.10.2026 über doi.org, Crossref, PubMed
  5. Entdeckung von ACP-105 aus derselben Wirkstoff-Suche

    Schlienger et al., Journal of Medicinal Chemistry, 2009

    Geprüft am 26.10.2026 über doi.org, Crossref, PubMed

Studienregister

  1. Suche im Register ClinicalTrials.gov (keine Studie mit AC-262)

    ClinicalTrials.gov, U.S. National Library of Medicine

    Geprüft am 26.10.2026 über ClinicalTrials.gov API v2

Datenbank

  1. Struktur von AC-262536 in PubChem

    PubChem, U.S. National Library of Medicine (CID 44512434)

    Geprüft am 26.10.2026 über PubChem

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