Diese Information dient ausschließlich Forschungs- und Bildungszwecken. Keine medizinischen Empfehlungen. Produkte sind nicht zur Anwendung am Menschen freigegeben. Konsultiere bei gesundheitlichen Fragen einen Arzt.

Lexikon

Eloralintide

Selektives Amylin-Analog mit rund zwei Wochen Halbwertszeit: Sättigung über den Amylin-Pfad, in den Studien bei niedriger Dosis mit auffallend wenig Übelkeit.

7 Min. Lesezeit 4 Quellen

Eloralintide, Produktfoto

Steckbrief

Stand Oktober 2026

Klasse
Selektiver Amylin-Rezeptor-Agonist (bevorzugt AMY1R)
Anwendung
Subkutan, 1x pro Woche
Halbwertszeit
rund 13 bis 15 Tage
Status
Klinische Forschung, Phase 3 läuft seit Ende 2025, nicht zugelassen
Form
Lyophilisat (Pulver), mit BAC-Wasser rekonstituiert
Inhalt 12 Abschnitte
  1. Rechner
  2. Titration
  3. Was ist Eloralintide?
  4. Wie es wirkt
  5. Was du brauchst
  6. Rekonstitution
  7. Injektion
  8. Anwendung und Dosierung
  9. Was die Forschung zeigt
  10. Nebenwirkungen
  11. Lagerung
  12. Quellen

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Was ist Eloralintide?

Eloralintide (Entwicklungsname LY3841136) ist ein langwirksames Analog von Amylin, dem Hormon, das die Bauchspeicheldrüse zusammen mit Insulin ausschüttet und das dem Gehirn Sättigung meldet. Es stammt aus der Pipeline von Eli Lilly und reiht sich neben Cagrilintide in die Amylin-Analoga mit Wochenrhythmus ein. Der Unterschied steckt im Rezeptorprofil: Eloralintide bevorzugt den Amylin-1-Rezeptor und spricht den Calcitonin-Rezeptor deutlich schwächer an, Cagrilintide ist nicht selektiv und aktiviert auch den Calcitonin-Rezeptor.

Das Molekül ist ein lineares Peptid mit einer C20-Fettsäure an Position 26, die es an Albumin bindet. Daraus ergibt sich eine Halbwertszeit von rund 13 bis 15 Tagen, etwa doppelt so lang wie bei Cagrilintide. Gespritzt wird einmal pro Woche subkutan. Geliefert wird es als gefriergetrocknetes Pulver im 10-mg-Vial, das du mit bakteriostatischem Wasser auflöst.

Eloralintide ist nicht zugelassen. Die Phase-2-Daten sind seit Ende 2025 veröffentlicht, seitdem laufen die ersten Phase-3-Studien. Langzeitdaten über 48 Wochen hinaus gibt es noch nicht.

Diese Information dient ausschließlich Forschungs- und Bildungszwecken. Keine medizinischen Empfehlungen.

Wie es wirkt

Amylin wirkt vor allem im Hirnstamm und im Hypothalamus. Dort meldet es, dass eine Mahlzeit läuft: Das Sättigungsgefühl setzt früher ein und hält länger, die Lust auf Essen zwischen den Mahlzeiten sinkt. Dazu bremst Amylin die Glukagon-Ausschüttung nach dem Essen und verlangsamt die Magenentleerung. GLP-1-Substanzen nutzen einen anderen Pfad, deshalb gilt der Amylin-Weg in der Forschung als Ergänzung und nicht als Kopie.

Amylin-Rezeptoren sind zusammengesetzte Rezeptoren aus dem Calcitonin-Rezeptor und einem Hilfsprotein (RAMP). Eloralintide aktiviert in Zellversuchen den menschlichen AMY1R rund zwölfmal stärker als den reinen Calcitonin-Rezeptor und rund elfmal stärker als den AMY3R. Die Arbeitshypothese der Entwickler: Weniger Aktivierung am Calcitonin-Rezeptor bedeutet weniger Übelkeit bei gleicher Sättigung. Bei Ratten löste Eloralintide tatsächlich weniger Geschmacksaversion aus als Cagrilintide. In der Phase 2 lag die Übelkeit unter 1 und 3 mg auf Placebo-Niveau.

Eine Beobachtung fällt aus dem Rahmen der Inkretin-Klasse: Die Pulsfrequenz sank schon in der ersten Woche und lag nach 12 Wochen unter 12 mg im Schnitt rund 14 Schläge pro Minute unter dem Ausgangswert (Placebo rund 3), statt wie unter GLP-1-Agonisten zu steigen. Bei Ratten kam der Gewichtsverlust zudem vor allem aus der Fettmasse. Studien deuten darauf hin, dass sich daraus ein eigenes Herz-Kreislauf-Profil ergeben könnte, belegt ist das bisher nur mit Surrogatmarkern.

Was du brauchst

Die Liste ist dieselbe wie bei den anderen Wochen-Peptiden:

  • Das Eloralintide-Vial mit dem gefriergetrockneten Pulver
  • Bakteriostatisches Wasser zum Auflösen
  • U-100-Insulinspritzen
  • Alkoholtupfer für den Vial-Deckel und die Hautstelle
  • Einen verschließbaren Behälter für gebrauchte Nadeln

Eine 1-ml-Spritze (100 Einheiten) deckt alle Stufen bis 3 mg ab. Mit 2 ml Wasser im 10-mg-Vial landet jede Stufe auf vollen Einheiten, halbe Striche brauchst du nicht.

Rekonstitution

Das Pulver wird mit bakteriostatischem Wasser aufgelöst. Die Wassermenge bestimmt die Konzentration und damit die Einheiten, die du später für deine Dosis auf der Insulinspritze aufziehst. Mit 2 ml auf 10 mg ergeben sich 5 mg pro ml: 0,5 mg sind dann 10 Einheiten, 1 mg 20, 2 mg 40 und 3 mg 60 Einheiten.

Der Rechner oben rechnet dir das für jede Wassermenge durch: Vial-Größe und Wasser wählen, Konzentration und Einheiten pro Dosis stehen sofort da. Bei den kleinen Einstiegsdosen sind 2 oder 3 ml angenehmer als 1 ml, sonst wird die Dosis winzig und schwer abzulesen.

Das BAC-Wasser einfach ins Vial geben, es ist egal, ob es direkt aufs Pulver trifft. Danach schwenken oder schütteln, bis alles klar gelöst ist, beides ist in Ordnung.

Injektion

Gespritzt wird subkutan ins Unterhautfettgewebe, klassisch in den Bauch (rund um den Nabel zwei Finger breit aussparen), die Vorderseite des Oberschenkels oder die Rückseite des Oberarms.

  • Hautstelle mit einem Alkoholtupfer reinigen und kurz trocknen lassen
  • Eine kleine Hautfalte abheben
  • Die Nadel im Winkel von 45 bis 90 Grad einstechen
  • Injizieren, langsam oder zügig ist beides okay, kurz warten, dann die Nadel zurückziehen
  • Die Nadel sofort in den Sammelbehälter geben

Einstichstelle von Woche zu Woche wechseln. In der Phase-1-Studie traten Reaktionen an der Einstichstelle (meist Schmerz) ab 3 mg häufiger auf als unter Placebo, Stellenwechsel und ein sauberer Einstich halten das klein.

Anwendung und Dosierung

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Was die Forschung zeigt

Die Entwicklungsarbeit (Briere 2025) beschreibt die Rezeptorselektivität, die Tierdaten und eine Einmalgabe-Studie an 48 gesunden Probanden mit 0,04 bis 12 mg: gut verträglich bis zur höchsten Dosis, Halbwertszeit 13 bis 15 Tage, nach einer einzigen Gabe von 12 mg lag das Gewicht vier Wochen später 4,4 Prozent niedriger. Die Phase-1-Studie mit Mehrfachgabe (Bhattachar 2026) lief 12 Wochen an 100 Teilnehmern mit Übergewicht oder Adipositas, die Verum-Gruppen bekamen 1,2 bis 12 mg wöchentlich ohne Eintitrieren, der Rest Placebo. Das Gewicht sank je nach Dosis um 2,6 bis 11,3 Prozent, Übelkeit meldeten nur 8 Prozent, Durchfall 10 Prozent.

Die Phase-2-Studie (Billings 2025, The Lancet) lief 48 Wochen an 263 Erwachsenen mit Adipositas oder Übergewicht ohne Diabetes. Das Gewicht sank unter 1 mg um 9 Prozent, unter 3 mg um 12 Prozent, unter 6 mg um 18 Prozent und unter 9 mg um 20 Prozent, unter Placebo um 0,4 Prozent. Das Aufbauschema von 3 auf 9 mg erreichte 16 Prozent, das von 6 auf 9 mg 20 Prozent. Der Effekt war klar dosisabhängig, die Studie aber auf 48 Wochen begrenzt, was danach passiert, ist offen.

Eine Übersichtsarbeit (Sigalov 2026) fasst die Herz-Kreislauf-Daten zusammen: Puls, Blutdruck, hochsensitives CRP und Blutfette gingen in den frühen Studien zurück. Den sinkenden Puls heben die Autoren besonders hervor, weil GLP-1-Agonisten die Herzfrequenz eher erhöhen. Eine Endpunktstudie zu Herz-Kreislauf-Ereignissen gibt es für kein Amylin-Analog, die Autoren ordnen die Befunde deshalb ausdrücklich als vorläufig ein. Die Studien mit Links findest du unten im Quellenblock.

Nebenwirkungen

Übelkeit ist die häufigste Nebenwirkung, aber stark dosisabhängig: In der Phase 2 lag sie unter 1 mg bei 11 Prozent und unter 3 mg bei 13 Prozent, unter Placebo bei 14 Prozent. Unter 6 mg schnellte sie auf 64 Prozent, unter 9 mg lag sie bei 33 Prozent. Erbrechen und Durchfall waren in der Phase 1 selten (4 und 10 Prozent). Die Verträglichkeit bei niedriger Dosis ist das eigentliche Argument für die Substanz, sie gilt nur, solange die Dosis niedrig bleibt.

Müdigkeit kam in der Phase 2 mit der Dosis: 0 Prozent unter 1 mg, 13 Prozent unter 3 mg, 29 Prozent unter 6 mg, 43 Prozent unter 9 mg, unter Placebo 12 Prozent. Dazu verminderter Appetit (das ist der Zweck), Kopfschmerzen und Reaktionen an der Einstichstelle ab 3 mg. In der Phase-1-Studie meldeten vier Teilnehmer gedrückte Stimmung, einer unter 6 mg und drei unter 12 mg. Die drei aus der 12-mg-Gruppe setzten ab, die Beschwerden verschwanden in zwei bis vier Tagen. Das ist ein kleines, aber ernst zu nehmendes Signal für hohe Dosen und ein weiterer Grund, unten zu bleiben.

Weil die Halbwertszeit rund zwei Wochen beträgt, klingen Nebenwirkungen nach dem Absetzen nicht in Tagen ab, sondern über Wochen. Wer zu schnell steigert, hat die Übelkeit entsprechend lange. Langzeitdaten über 48 Wochen hinaus fehlen, Daten zu Schwangerschaft, Kindern oder Vorerkrankungen gibt es nicht.

Lagerung

Das ungelöste Pulver ist robust, normale Raumtemperatur (rund 20 bis 25 Grad) reicht, am besten dunkel und trocken lagern. Für längere Zeit kann es auch in den Kühlschrank.

Sobald es aufgelöst ist, kommt die Lösung in den Kühlschrank (2 bis 8 Grad) und hält dort mehrere Monate. Das bakteriostatische Wasser bringt einen Konservierungsstoff mit, der die gelöste Form stabil hält. Bei einem 10-mg-Vial und 0,5 bis 1 mg pro Woche reicht ein Vial für zehn bis zwanzig Wochen, die Lösung bleibt dafür lange genug brauchbar.

Nicht einfrieren und nicht in der Sonne liegen lassen. Wird die Lösung gelartig oder klumpig, das Vial nicht verwenden. Eine leichte Trübung allein ist kein Grund dafür.

Evidenz

Quellen

  1. 1 DOI Phase-2-Studie über 48 Wochen an 263 Erwachsenen mit Adipositas oder Übergewicht: 9 bis 20 Prozent Gewichtsreduktion je nach Dosis (1 bis 9 mg wöchentlich) gegen 0,4 Prozent unter Placebo, Übelkeit unter 1 und 3 mg nicht häufiger als unter Placebo, unter 6 mg bei 64 Prozent Billings et al., The Lancet, 2025 Quelle öffnen
  2. 2 DOI Phase-1-Studie mit Mehrfachgabe über 12 Wochen an 100 Teilnehmern (1,2 bis 12 mg wöchentlich ohne Eintitrieren): 2,6 bis 11,3 Prozent Gewichtsreduktion, wenig Magen-Darm-Beschwerden, sinkende Pulsfrequenz, Halbwertszeit rund zwei Wochen, unter 12 mg Stimmungsbeschwerden bei drei Teilnehmern Bhattachar et al., Diabetes, Obesity and Metabolism, 2026 Quelle öffnen
  3. 3 DOI Entdeckung und Pharmakologie: etwa 12-fache Bevorzugung des Amylin-1-Rezeptors gegenüber dem Calcitonin-Rezeptor, bei Ratten weniger Geschmacksaversion als unter Cagrilintide und Gewichtsverlust vor allem aus Fettmasse, in der Einmalgabe-Studie am Menschen (0,04 bis 12 mg) Halbwertszeit 13 bis 15 Tage Briere et al., Molecular Metabolism, 2025 Quelle öffnen
  4. 4 DOI Übersichtsarbeit zu den Herz-Kreislauf-Daten: Gewicht, Puls, Blutdruck, Entzündungsmarker und Blutfette sanken in den frühen Studien, eine Endpunktstudie zu Herz-Kreislauf-Ereignissen gibt es für kein Amylin-Analog Sigalov & Frishman, Cardiology in Review, 2026 Quelle öffnen

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