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Lexikon

Tirzepatide

Der stärkste Vertreter der Inkretin-Klasse im Forschungskontext: ein dualer GIP/GLP-1-Rezeptor-Agonist.

4 Min. Lesezeit 33 Quellen

Standbild aus dem Erklärvideo zu diesem Eintrag
Zugelassen · seit 2022Laborgeprüft im Shop

Keine Lust, alles zu lesen? Schau dir das Video an: der ganze Eintrag in rund einer Minute, von der Wirkung über die Studien bis zur Lagerung.

Kurzfassung

Auf einen Blick

Quellen geprüft am 25.10.2026

Angriffspunkte
2 Rezeptoren

GIP und GLP-1, laut ChEMBL jeweils als Agonist33

Halbwertszeit
~5 Tage

Phase-1-Studie, im Mittel rund 117 Stunden, passt zu einer Gabe pro Woche5

Körpergewicht in Phase 3
-20,9 %

SURMOUNT-1 nach 72 Wochen, höchste Studiendosis (Placebo -3,1 %)2

HbA1c in Phase 3
-2,30 Prozentpunkte

SURPASS-2 nach 40 Wochen, höchste Studiendosis (Semaglutide -1,86)9

Phase 3 zu Tirzepatide allein
29 Studien

davon 23 abgeschlossen, Stand 25.10.2026. Insgesamt nennen 55 Phase-3-Einträge den Wirkstoff, auch als Vergleich oder in Kombination32

  • Tirzepatide ist ein Dual-Agonist: ein einziges Molekül aus 39 Aminosäuren, das an den Rezeptoren für GIP und GLP-1 andockt.533
  • In Phase 3 (SURMOUNT-1, 72 Wochen) sank das Körpergewicht in der höchsten Studiendosis im Mittel um 20,9 Prozent, unter Placebo um 3,1 Prozent.2
  • Im direkten Vergleich mit Semaglutide (SURMOUNT-5) waren es nach 72 Wochen 20,2 gegen 13,7 Prozent. Beim Langzeitblutzucker HbA1c lag Tirzepatide in SURPASS-2 ebenfalls vorn.259
  • Am häufigsten waren in den Studien Magen-Darm-Beschwerden, vor allem während der Steigerung der Dosis.21
  • Tirzepatide ist seit 2022 als Arzneimittel zugelassen. Alles hier beschreibt den Forschungsstand und ist keine Empfehlung.333
Steckbrief

Stand Mai 2026

Wie lange bleibt es im Körper?

Anteil nach einer Gabe, gerechnet mit ~5 Tagen Halbwertszeit

Halbwertszeit ~5 Tage
Nach 10 Tagen noch 25 %
Tag 5 · 50 %Tag 7, nächste Gabe · 38 %Tag 10 · 25 %Tag 15 · 12,5 %Tag 25 · 3,1 %

Vereinfachtes Modell ohne Aufnahmephase, Halbwertszeit aus dem TPD-Lexikon.

Klasse
Dualer GIP / GLP-1-Agonist
Frequenz
1x pro Woche

subkutan

Halbwertszeit
~5 Tage
Form
Lyophilisat

Pulver, mit BAC-Wasser rekonstituiert

Größen
5 bis 120 mg

10 Größen im Shop

Inhalt 16 Abschnitte
  1. Auf einen Blick
  2. Was ist Tirzepatide?
  3. Wie es wirkt
  4. Was du brauchst
  5. Rekonstitution
  6. Injektion
  7. Dosierung
  8. Was die Forschung zeigt
  9. Studienlage
  10. Nebenwirkungen
  11. Lifestyle
  12. Lagerung
  13. Verwandte Wirkstoffe
  14. Häufige Fragen
  15. Begriffe
  16. Quellen

Was ist Tirzepatide?

Tirzepatide ist ein Peptid, das du dir einmal pro Woche spritzt. Das Besondere daran: Es dockt gleichzeitig an zwei Rezeptoren an, GIP und GLP-1. Reine GLP-1-Substanzen wie Semaglutide bedienen nur einen davon. Genau dieser Doppelangriff macht Tirzepatide im Forschungskontext zum bisher stärksten Vertreter der Inkretin-Klasse.

Die Halbwertszeit liegt bei rund fünf Tagen, deshalb reicht eine Spritze pro Woche für einen stabilen Spiegel. Geliefert wird es als gefriergetrocknetes Pulver, das du vor der ersten Anwendung mit bakteriostatischem Wasser auflöst.

Vergleich

Ein, zwei oder drei Rezeptoren

Welche Rezeptoren der Wirkstoff anspricht, so wie im TPD-Lexikon beschrieben. Ein Klick öffnet den Eintrag.

Vereinfacht: Mehr Rezeptoren heißt nicht automatisch besser, jeder Weg bringt auch eigene Wirkungen mit. 33

Wie es wirkt

Beide Rezeptoren ziehen an mehreren Hebeln gleichzeitig. Die Insulinausschüttung wird glukoseabhängig verstärkt, der Magen entleert sich langsamer und im Gehirn werden Sättigungssignale angesprochen. Was die meisten im Alltag merken: Das ständige Kreisen ums Essen, das sogenannte Food Noise, wird deutlich leiser.

Studien deuten darauf hin, dass der duale GIP/GLP-1-Ansatz beim Stoffwechsel mehr bewegt als reines GLP-1. Daraus folgt aber nicht, dass mehr automatisch besser ist. Der Körper spricht oft schon auf moderate Mengen voll an.

Wirkmechanismus
  • GLP-1 Magenentleerung langsamer · Mehr Sättigung im Gehirn
  • GIP Insulinantwort verstärkt
Über GIP und GLP-1 zieht Tirzepatide an mehreren Hebeln: glukoseabhängig verstärkte Insulinantwort, langsamere Magenentleerung und mehr Sättigung im Gehirn. Vereinfachtes Schema.

Wirkorte

Zwei Rezeptoren, mehrere Organe

Punkt oder Karte antippen. Farbe = Rezeptor, grau = in Studien beobachtet.

  1. Gehirn

    Weniger Nahrungsaufnahme (in Mäusen gezeigt)5

    GLP-1GIP
  2. Magen

    Magenentleerung verzögert, nach mehreren Gaben schwächer6

    GLP-1
  3. Bauchspeicheldrüse

    Insulin glukoseabhängig verstärkt, HbA1c in Studien deutlich niedriger8

    GLP-1GIP
  4. Fettgewebe

    Fettzellen tragen nur den GIP-Rezeptor und reagieren darüber (Zellversuch)5

    GIP
  5. Leber

    MASH bildete sich in einer Phase-2-Studie häufiger zurück31

    In Studien beobachtet
  6. Herz

    Weniger Herzschwäche-Ereignisse bei erhaltener Pumpfunktion und Adipositas30

    In Studien beobachtet

Ziele in der Datenbank ChEMBL33

Wirkstoff CHEMBL4297839: zwei erfasste Mechanismen, jeweils Agonist mit direkter Bindung an den menschlichen Rezeptor.

GIP-Rezeptor
Gen
GIPR
UniProt
P48546
ChEMBL
CHEMBL4383
Wirkung
Agonist, direkte Bindung
GLP-1-Rezeptor
Gen
GLP1R
UniProt
P43220
ChEMBL
CHEMBL1784
Wirkung
Agonist, direkte Bindung
Blaue 3D-Peptidketten docken an Rezeptoren auf einer Gruppe durchsichtiger blauer Zellen an
Symbolbild.

Was du brauchst

Bevor du loslegst, solltest du alles dahaben. Die Liste ist kurz:

Material

5 Teile, nummeriert wie im Bild

Hak ab, was du schon hast. Vial und BAC-Wasser sind unsere echten Shop-Fotos in gleicher Größe.

Tirzepatide-Vial und bakteriostatisches Wasser in gleicher Größe mit schwarzem TPD-Etikett, daneben zwei U-100-Insulinspritzen, zwei Alkoholtupfer und ein Abwurfbehälter mit blauem Deckel
  1. Tirzepatide-Vial

    Das Tirzepatide-Vial mit dem gefriergetrockneten Pulver

    Im Shop
  2. Bakteriostatisches Wasser

    Bakteriostatisches Wasser zum Auflösen

    Im Shop
  3. U-100-Insulinspritzen

    U-100-Insulinspritzen für die Anwendung (die reichen auch zum Aufziehen des Wassers, du musst nur öfter aufziehen; eine größere Spritze geht schneller, ist aber kein Muss)

  4. Alkoholtupfer

    Alkoholtupfer für den Vial-Deckel und die Hautstelle

  5. Abwurfbehälter

    Einen verschließbaren Behälter für gebrauchte Nadeln

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Wenn alles sauber an einem Platz liegt, geht der Rest entspannt von der Hand.

Rekonstitution

Das Pulver wird mit bakteriostatischem Wasser aufgelöst. Wie viel Wasser du nimmst, entscheidet über die Konzentration und damit darüber, wie viele Einheiten du später auf der Insulinspritze für deine Dosis aufziehst.

Den Peptid-Rechner kannst du genau dafür nutzen: Wenn du Vial-Größe und Wassermenge wählst, siehst du sofort die Konzentration und die Einheiten pro Dosis. Merk dir grob: weniger Wasser bedeutet höhere Konzentration und weniger Einheiten. Bei großen Vials ab 30mg lohnt sich mehr Wasser, sonst wird die Dosis winzig und schwer abzulesen.

Beim Auflösen das BAC-Wasser einfach reingeben, es ist egal ob es direkt aufs Pulver trifft. Danach schwenken oder schütteln, bis sich alles gelöst hat, beides ist okay.

Schritt für Schritt

So löst du das Pulver

Vier Schritte, gleich für jede Vial-Größe.

  1. 1Deckel abwischen

    Den Gummistopfen mit einem Alkoholtupfer reinigen.

  2. 2BAC-Wasser zugeben

    Einfach reingeben, egal ob es direkt aufs Pulver trifft.

  3. 3Schwenken oder schütteln

    Bis sich alles gelöst hat, beides ist okay.

  4. 4Aufziehen

    Mit der U-100-Insulinspritze.

Weniger Wasser höhere Konzentration weniger Einheiten auf der Spritze Beispiel: 10 mg + 2 ml = 5 mg/ml

Injektion

Gespritzt wird subkutan, also ins Unterhautfettgewebe. Typische Stellen sind der Bauch (etwa zwei Finger breit rund um den Nabel aussparen), die Vorderseite und die Innenseite des Oberschenkels oder die Rückseite des Oberarms.

Der Ablauf in Kurzform:

Injektion

Wo und in welchem Winkel

Stelle antippen oder Winkel umschalten. Subkutan heißt: ins Unterhautfett, nicht in den Muskel.

Stelle jedes Mal wechseln, nie zweimal hintereinander dieselbe.

90°Mehr Unterhautfett

Faustregel: Wo mehr Unterhautfett ist, gerade im 90-Grad-Winkel einstechen. Bei schlanken Personen mit wenig Fett im 45-Grad-Winkel, damit die Nadel im Unterhautfett bleibt. Vereinfachtes Schema.

  1. Hautstelle mit einem Alkoholtupfer reinigen und kurz trocknen lassen

  2. Eine kleine Hautfalte abheben

  3. Die Nadel einstechen: im 90-Grad-Winkel, wenn an der Stelle mehr Unterhautfett ist, im 45-Grad-Winkel bei schlanken Personen mit wenig Fett

  4. Langsam injizieren, kurz warten, dann die Nadel zurückziehen

  5. Die Nadel sofort in den Sammelbehälter geben

Wechsle die Einstichstelle von Mal zu Mal, damit sich das Gewebe nicht reizt. Nie zweimal hintereinander dieselbe Stelle.

Dosierung

Dosierung

Dosierung, Titrationsplan und Spritze

Die Dosierung wird geladen …

  • Einstieg und Steigerung als Treppe
  • Einheiten auf der U-100-Spritze je Stufe
  • Wie lange ein Vial reicht
Tirzepatide-Fläschchen auf heller Marmorplatte mit Insulinspritze und geschlossenem hellblauem Notizbuch
Symbolbild.

Was die Forschung zeigt

In den großen Zulassungsstudien zeigte Tirzepatide über den doppelten Inkretin-Mechanismus klare Effekte auf die Blutzuckerwerte (HbA1c) und das Körpergewicht. Die Effekte stiegen mit der Dosis über die getesteten Stufen. Die Datenbasis bilden die Gewichtsstudien aus der SURMOUNT-Reihe und die Diabetesstudien aus der SURPASS-Reihe.

Die einzelnen Studien mit Links findest du unten im Quellenblock.

Studienergebnisse

Was die Studien gemessen haben

Zum Ausprobieren: Reiter wechseln, Punkte antippen, Arme aus- und einblenden. Die Arme heißen relativ zueinander, keine Dosisempfehlung.

Körpergewicht am Studienende22223

Mittlere Veränderung in Prozent je Studie

SURMOUNT-12 Adipositas ohne Diabetes, 72 Wochen
Placebo -3,1 %
Niedrigste Studiendosis -15,0 %
Mittlere Studiendosis -19,5 %
Höchste Studiendosis (15 mg) -20,9 %
SURMOUNT-222 Adipositas mit Typ-2-Diabetes, 72 Wochen
Placebo -3,2 %
Mittlere Studiendosis -12,8 %
Höchste Studiendosis (15 mg) -14,7 %
SURMOUNT-323 Nach einem Lebensstil-Programm, weitere 72 Wochen
Placebo +2,5 %
Höchste verträgliche Dosis -18,4 %

Werte für alle Teilnehmenden nach Zuteilung (treatment-regimen estimand), wie im Abstract der Studien angegeben. SURMOUNT-2 hatte keinen Arm mit der niedrigsten Dosis. In SURMOUNT-3 zählt die Veränderung ab der Zuteilung, nachdem alle schon mindestens 5 Prozent mit Diät und Bewegung abgenommen hatten. Die Studien sind nicht direkt vergleichbar.

Langzeitblutzucker HbA1c nach 40 Wochen9

Veränderung in Prozentpunkten, SURPASS-2, Vergleich mit Semaglutide bei Typ-2-Diabetes

SURPASS-29 Typ-2-Diabetes, 40 Wochen
Semaglutide (Vergleich) -1,86 Pp.
Höchste Studiendosis (15 mg) -2,30 Pp.

Werte wie im Abstract angegeben, höchste Studiendosis gegen Semaglutide. Die übrigen Dosisstufen der Studie sind hier nicht gezeigt.

Körpergewicht über 88 Wochen24

Mittlere Veränderung ab Studienbeginn in Prozent, SURMOUNT-4 mit 670 zugeteilten Teilnehmenden

0-5 %-10 %-15 %-20 %-25 %-30 % Woche 0Woche 36Woche 88 -9,9 %-25,3 %

Tirzepatide weitergeführt: Woche 0 0,0 %, Woche 36 -20,9 %, Woche 88 -25,3 %. Ab Woche 36 Placebo: Woche 0 0,0 %, Woche 36 -20,9 %, Woche 88 -9,9 %.

Alle bekamen 36 Wochen lang Tirzepatide in der höchsten verträglichen Dosis (im Mittel -20,9 %). Danach wurde zugeteilt: weiter Tirzepatide oder Placebo. Von Woche 36 bis 88 nahm die Placebo-Gruppe im Mittel um 14,0 Prozent wieder zu, die andere Gruppe nahm um weitere 5,5 Prozent ab. Gezeigt sind nur die Messpunkte aus dem Abstract.

Körpergewicht nach 72 Wochen25

Direkter Vergleich, Adipositas ohne Typ-2-Diabetes, 751 Teilnehmende

SURMOUNT-525 Je die höchste verträgliche Dosis, offene Studie (Phase 3b)
Semaglutide (Vergleich) -13,7 %
Höchste verträgliche Dosis -20,2 %

Least-squares-Mittelwerte aus dem Abstract. Auch der Taillenumfang sank mit Tirzepatide stärker (-18,4 gegen -13,0 cm). Beide Gruppen hatten vor allem Magen-Darm-Beschwerden, meist während der Steigerung.

Leberbiopsie nach 52 Wochen31

Anteil der Teilnehmenden, Phase-2-Studie SYNERGY-NASH mit 190 Teilnehmenden

MASH zurückgebildet31 Ohne Verschlechterung der Fibrose
Placebo 10 %
Niedrigste Studiendosis 44 %
Mittlere Studiendosis 56 %
Höchste Studiendosis (15 mg) 62 %
Fibrose mindestens eine Stufe besser31 Ohne Verschlechterung der MASH
Placebo 30 %
Niedrigste Studiendosis 55 %
Mittlere Studiendosis 51 %
Höchste Studiendosis (15 mg) 51 %

Teilnehmende mit per Biopsie gesicherter MASH und mittlerer bis schwerer Fibrose. Fehlende Biopsien wurden wie im Abstract beschrieben ergänzt. Eine Phase-2-Studie, die Autoren fordern größere und längere Studien.

Petrischale mit einer hellen Gewebeprobe unter einem Mikroskop, daneben ein aufgerolltes Maßband
Symbolbild.

Forschungsstand

Studienlage

Von den ersten Zellversuchen bis zur Zulassung: die registrierten Studien des Entwicklers, in denen Tirzepatide allein geprüft wird, mit Stand, Teilnehmenden und Ergebnissen. Stand 25.10.2026. 32

  1. Präklinik Zellversuche und Mäuse
  2. Phase 1 20 Studien, 18 abgeschlossen
  3. Phase 2 5 Studien, 4 abgeschlossen
  4. Phase 3 29 Studien, 23 abgeschlossen
  5. Zulassung seit 2022
48.625 Teilnehmende in Phase 3 Bei laufenden Studien geplante Zahlen Zugelassen. ChEMBL führt Tirzepatide mit höchster Phase 4 und erster Zulassung 2022.33
Alle 34 Studien aus Phase 2 und 3 im ZeitverlaufZeitverlauf ausblenden 27 abgeschlossen 7 laufend 26 mit Ergebnissen
Phase 2
Phase 3

Balken: Start bis Hauptendpunkt (bei laufenden Studien geplant). Grün = abgeschlossen, blau = Fortschritt bis 25.10.2026. Phase 1: 20 Studien zu Verträglichkeit und Pharmakokinetik, nicht als Balken gezeigt.

Nebenwirkungen

Am häufigsten trifft es den Magen-Darm-Trakt: Übelkeit, Völlegefühl, manchmal Durchfall oder Verstopfung. Das tritt vor allem am Anfang und nach jeder Dosiserhöhung auf und legt sich meistens wieder, sobald sich der Körper umgestellt hat. Genau dafür ist der langsame Einstieg gedacht. Zu schnell zu hoch zu wollen ist der häufigste vermeidbare Fehler.

Verträglichkeit

Häufigkeit in der Phase-2-Studie

Von 100 Teilnehmenden je Gruppe: wie viele das Ereignis über 26 Wochen hatten.

10 von 100 Placebo
23 von 100 Stufe 1 (niedrigste)
33 von 100 Stufe 2
51 von 100 Stufe 3
66 von 100 Stufe 4 (höchste, 15 mg)
Ereignis PlaceboStufe 1 (niedrigste)Stufe 2Stufe 3Stufe 4 (höchste, 15 mg)
Magen-Darm-Beschwerden1 10 %23 %33 %51 %66 %
Weniger Appetit1 2 %4 %20 %26 %19 %

Werte aus dem Abstract der Phase-2-Studie zu Typ-2-Diabetes (Übelkeit, Durchfall und Erbrechen zusammengefasst). Eine spätere Studie zeigte: Ein niedrigerer Start und kleinere Schritte bei der Steigerung gingen mit weniger Nebenwirkungen einher. In SURMOUNT-1 brachen 4,3 bis 7,1 Prozent wegen Nebenwirkungen ab, unter Placebo 2,6 Prozent.172

Lifestyle

Tirzepatide nimmt dir den Hunger, den Rest machst du selbst. Ein paar Dinge holen mehr aus der Forschungsphase heraus und halten dich gesund:

  1. Genug Eiweiß

    Wenn du wenig isst, sollte das Wenige proteinreich sein, sonst verlierst du neben Fett auch Muskeln.

  2. Genug trinken

    Bei wenig Appetit trinkt man oft automatisch weniger. Damit steigt das Risiko auszutrocknen.

  3. Krafttraining

    Hält die Muskelmasse, während das Gewicht runtergeht.

  4. Langsam essen

    Durch die verzögerte Magenentleerung wird man schneller satt, große Portionen liegen schwer im Magen.

Karaffe mit Wasser, eine Schale Joghurt mit Beeren und zwei hellblaue Hanteln auf einer hellen Küchenarbeitsplatte

Alkohol und sehr fettige Mahlzeiten verstärken die Übelkeit spürbar, gerade in der Anfangsphase.

Lagerung

Das ungelöste Pulver ist robust, normale Raumtemperatur (rund 20 bis 25 Grad) reicht, am besten dunkel lagern. Sobald es aufgelöst ist, kommt die Lösung in den Kühlschrank (2 bis 8 Grad) und hält dort mindestens 4 bis 6 Monate nahezu ohne Wirkstoffverlust, in der Praxis deutlich länger. Das bakteriostatische Wasser bringt einen Konservierungsstoff mit, der die gelöste Form länger stabil hält.

Haltbarkeit

Wie lange es hält

Ungelöst (Pulver) Raumtemperatur, rund 20 bis 25 Grad, dunkel

Robust, ein Kühlschrank ist nicht nötig. Hält so problemlos mehrere Monate.

Gelöst (angemischt) Kühlschrank, 2 bis 8 Grad

Mindestens 4 bis 6 Monate nahezu ohne Wirkstoffverlust. Das bakteriostatische Wasser bringt einen Konservierungsstoff mit.

  • Dunkel lagern
  • Gelöst: 2 bis 8 Grad
  • Anmischdatum notieren
Neun Vials mit weißem Pulver und blauen Kappen im Türfach eines hellen Kühlschranks
Pulver dunkel bei Raumtemperatur, gelöst in den Kühlschrank (2 bis 8 Grad), dort mindestens 4 bis 6 Monate haltbar. Symbolbild.
Wirkspiegel · Tirzepatide

Wie sich der Spiegel aufbaut

1 Gabe pro Woche: jede Gabe setzt auf den Rest der vorigen auf.

Lexikon: 1x pro Woche (subkutan)
Spitze 1,61×Tal 0,61×
Tag 21 · 4. Gabe
1,58× der ersten Gabe
Plateau
ab Tag 21

98 % des Plateaus nach der 4. Gabe

Spitze
1,61×

der ersten Gabe

Tal
0,61×

vor der nächsten Gabe

Vereinfachtes Modell, Werte relativ zur ersten Gabe, keine Dosisangabe. Gestrichelt: die erste Gabe allein, grün: das Plateau.

Verwandt

Verwandte Wirkstoffe

Gleiche Rezeptoren, Blends mit Tirzepatide oder ein anderer Weg: alles im TPD-Lexikon.

FAQ

Häufige Fragen zu Tirzepatide

Kurze Antworten, jede mit den Quellen unten belegt.

Ist Tirzepatide zugelassen?

Ja. Die erste Zulassung kam im Mai 2022 in den USA für Typ-2-Diabetes, die europäische Arzneimittelbehörde gab kurz danach eine positive Empfehlung. ChEMBL führt heute Typ-2-Diabetes, Adipositas und Übergewicht als zugelassene Anwendungsgebiete. Die Angaben hier beschreiben den Forschungsstand und sind keine Anwendungsempfehlung.333

Was unterscheidet Tirzepatide von Semaglutide und Retatrutide?

Die Zahl der Rezeptoren. Semaglutide wirkt nur am GLP-1-Rezeptor, Tirzepatide an GIP und GLP-1, Retatrutide zusätzlich am Glukagon-Rezeptor. Im direkten Vergleich mit Semaglutide (SURMOUNT-5) sank das Gewicht nach 72 Wochen um 20,2 gegen 13,7 Prozent. Ein Vergleich mit Retatrutide läuft noch (TRIUMPH-5, geplantes Ende November 2026).332532

Was haben die Phase-3-Studien gezeigt?

In SURMOUNT-1 (Adipositas ohne Diabetes) sank das Gewicht nach 72 Wochen in der höchsten Studiendosis im Mittel um 20,9 Prozent, unter Placebo um 3,1 Prozent. In SURMOUNT-2 (mit Typ-2-Diabetes) waren es 14,7 gegen 3,2 Prozent. In SURPASS-1 sank der Langzeitblutzucker HbA1c in 40 Wochen um bis zu 2,07 Prozentpunkte, unter Placebo stieg er leicht.2228

Wie lange bleibt Tirzepatide im Körper?

Die Halbwertszeit lag in der ersten Studie am Menschen bei rund fünf Tagen (im Mittel 116,7 Stunden). Möglich macht das eine angehängte Fettsäure, über die das Molekül an das Bluteiweiß Albumin bindet. Das passt zu einer Gabe einmal pro Woche, so wird es in den Studien gegeben.5

Was passiert nach dem Absetzen?

Das hat SURMOUNT-4 geprüft. Nach 36 Wochen Tirzepatide hatten alle im Mittel 20,9 Prozent abgenommen. Wer danach Placebo bekam, nahm bis Woche 88 im Mittel um 14,0 Prozent wieder zu. Wer weitermachte, nahm um weitere 5,5 Prozent ab. Über die ganze Zeit waren es 25,3 gegen 9,9 Prozent.24

Welche Nebenwirkungen wurden beobachtet?

Am häufigsten Magen-Darm-Beschwerden wie Übelkeit, Durchfall und Erbrechen, meist leicht bis mittel und vor allem während der Steigerung der Dosis. In SURMOUNT-1 brachen je nach Dosis 4,3 bis 7,1 Prozent wegen Nebenwirkungen ab, unter Placebo 2,6 Prozent. Eine Phase-2-Studie zeigte: Ein niedrigerer Start und kleinere Schritte gingen mit weniger Beschwerden einher.27

Was ist zu Herz, Leber und Schlafapnoe bekannt?

In SUMMIT (Herzschwäche mit erhaltener Pumpfunktion und Adipositas) kam es bei 9,9 Prozent zu Tod aus Herz-Kreislauf-Ursache oder einer Verschlechterung der Herzschwäche, unter Placebo bei 15,3 Prozent. In SURPASS-CVOT war Tirzepatide bei Herz-Kreislauf-Ereignissen nicht schlechter als Dulaglutide. In SYNERGY-NASH bildete sich die MASH in der höchsten Studiendosis bei 62 Prozent zurück, unter Placebo bei 10 Prozent. Bei Schlafapnoe sank die Zahl der Atemaussetzer pro Stunde in einer der beiden Studien um 25,3, unter Placebo um 5,3.30203129

Welche Studien laufen noch?

Sechs der gelisteten Phase-3-Studien sind noch nicht abgeschlossen. Die größte ist SURMOUNT-MMO zu Krankheit und Sterblichkeit bei Adipositas mit 15.374 Teilnehmenden (geplantes Ende Oktober 2027). Dazu kommen Studien zu Typ-1-Diabetes, zu Jugendlichen und zu Kindern von 6 bis 11 Jahren.32

Glossar

Begriffe kurz erklärt

Gepunktet unterstrichene Wörter im Text zeigen diese Erklärungen direkt an.

Agonist
Ein Stoff, der an einen Rezeptor bindet und ihn aktiviert, so wie es der körpereigene Botenstoff tut. Ein Dual-Agonist aktiviert zwei verschiedene Rezeptoren.
Albumin
Häufigstes Eiweiß im Blut. Tirzepatide bindet über eine angehängte Fettsäure daran und wird so langsamer abgebaut.
GIP
Glukoseabhängiges insulinotropes Polypeptid: Darmhormon, das bei hohem Blutzucker die Insulinfreisetzung verstärkt. Fettzellen tragen ebenfalls seinen Rezeptor.
GLP-1
Glucagon-like Peptide 1: Darmhormon, das Insulin freisetzt, die Magenentleerung bremst und im Gehirn satt macht.
Halbwertszeit
Zeit, nach der nur noch die Hälfte eines Stoffes im Blut ist. Bei rund fünf Tagen reicht eine Gabe pro Woche für einen gleichmäßigen Spiegel.
HbA1c
Langzeitblutzucker: zeigt den mittleren Blutzucker der letzten acht bis zwölf Wochen.
Inkretine
Darmhormone wie GLP-1 und GIP, die nach dem Essen ausgeschüttet werden und die Insulinantwort verstärken.
Lyophilisat
Gefriergetrocknetes Pulver. Ohne Wasser ist ein Peptid so deutlich länger haltbar.
MASH
Stoffwechselbedingte Fettleber mit Entzündung (metabolic dysfunction-associated steatohepatitis), früher meist NASH genannt. Sie kann zu Vernarbung (Fibrose) führen.
Placebo
Scheinpräparat ohne Wirkstoff. Der Vergleich damit zeigt, was am Wirkstoff selbst liegt.
Rezeptor
Eiweiß auf der Zelloberfläche, an das ein Botenstoff andockt. Erst dann reagiert die Zelle.
Studienphasen
Phase 1 prüft Verträglichkeit an wenigen Menschen, Phase 2 sucht die Dosis, Phase 3 bestätigt Nutzen und Sicherheit an Tausenden. Danach kann eine Zulassung beantragt werden.
Subkutan
In das Fettgewebe direkt unter der Haut.

Evidenz

Quellen

Alle 33 Quellen anzeigenQuellen ausblenden 30 Studien1 Studienregister2 Datenbank geprüft am 25.10.2026

Studien

  1. Phase-2-Studie zu Typ-2-Diabetes

    Frias et al., The Lancet, 2018

    Geprüft am 25.10.2026 über doi.org, Crossref, PubMed
  2. Phase-3-Studie SURMOUNT-1 zu Adipositas

    Jastreboff et al., New England Journal of Medicine, 2022

    Geprüft am 25.10.2026 über doi.org, Crossref, PubMed
  3. Übersichtsarbeit zum Studienprogramm und zur Zulassung

    Gallwitz, Frontiers in Endocrinology, 2022

    Geprüft am 25.10.2026 über doi.org, Crossref, PubMed
  4. Entdeckung, Pharmakologie und erste Studie am Menschen

    Coskun et al., Molecular Metabolism, 2018

    Geprüft am 25.10.2026 über doi.org, Crossref, PubMed, PubMed Central (Volltext)
  5. Studie zur Magenentleerung

    Urva et al., Diabetes, Obesity and Metabolism, 2020

    Geprüft am 25.10.2026 über doi.org, Crossref, PubMed
  6. Phase-2-Studie zu Steigerungsschemata

    Frias et al., Diabetes, Obesity and Metabolism, 2020

    Geprüft am 25.10.2026 über doi.org, Crossref, PubMed
  7. Phase-3-Studie SURPASS-1 zu Typ-2-Diabetes

    Rosenstock et al., The Lancet, 2021

    Geprüft am 25.10.2026 über doi.org, Crossref, PubMed
  8. Phase-3-Studie SURPASS-2, Vergleich mit Semaglutide

    Frías et al., New England Journal of Medicine, 2021

    Geprüft am 25.10.2026 über doi.org, Crossref, PubMed
  9. Phase-3-Studie SURPASS-3

    Ludvik et al., The Lancet, 2021

    Geprüft am 25.10.2026 über doi.org, Crossref, PubMed
  10. Phase-3-Studie SURPASS-4

    Del Prato et al., The Lancet, 2021

    Geprüft am 25.10.2026 über doi.org, Crossref, PubMed
  11. Phase-3-Studie SURPASS-5

    Dahl et al., JAMA, 2022

    Geprüft am 25.10.2026 über doi.org, Crossref, PubMed
  12. Phase-3-Studie SURPASS-6

    Rosenstock et al., JAMA, 2023

    Geprüft am 25.10.2026 über doi.org, Crossref, PubMed
  13. Phase-3-Studie SURPASS J-mono

    Inagaki et al., The Lancet Diabetes & Endocrinology, 2022

    Geprüft am 25.10.2026 über doi.org, Crossref, PubMed
  14. Phase-3-Studie SURPASS J-combo

    Kadowaki et al., The Lancet Diabetes & Endocrinology, 2022

    Geprüft am 25.10.2026 über doi.org, Crossref, PubMed
  15. Phase-3-Studie SURPASS-AP-Combo

    Gao et al., Nature Medicine, 2023

    Geprüft am 25.10.2026 über doi.org, Crossref, PubMed
  16. Phase-3-Studie SURPASS-CN-INS

    Guo et al., The Lancet Diabetes & Endocrinology, 2025

    Geprüft am 25.10.2026 über doi.org, Crossref, PubMed
  17. Phase-3-Studie SURPASS-CN-MONO

    Yin et al., Med, 2026

    Geprüft am 25.10.2026 über doi.org, Crossref, PubMed
  18. Phase-3-Studie SURPASS-PEDS bei Kindern und Jugendlichen

    Hannon et al., The Lancet, 2025

    Geprüft am 25.10.2026 über doi.org, Crossref, PubMed
  19. Phase-3-Studie SURPASS-CVOT zu Herz-Kreislauf-Ereignissen

    Nicholls et al., New England Journal of Medicine, 2025

    Geprüft am 25.10.2026 über doi.org, Crossref, PubMed
  20. SURMOUNT-1 nach drei Jahren, Teil mit Prädiabetes

    Jastreboff et al., New England Journal of Medicine, 2025

    Geprüft am 25.10.2026 über doi.org, Crossref, PubMed
  21. Phase-3-Studie SURMOUNT-2 zu Adipositas mit Typ-2-Diabetes

    Garvey et al., The Lancet, 2023

    Geprüft am 25.10.2026 über doi.org, Crossref, PubMed
  22. Phase-3-Studie SURMOUNT-3 nach Lebensstil-Programm

    Wadden et al., Nature Medicine, 2023

    Geprüft am 25.10.2026 über doi.org, Crossref, PubMed
  23. Phase-3-Studie SURMOUNT-4 zum Weiterführen oder Absetzen

    Aronne et al., JAMA, 2024

    Geprüft am 25.10.2026 über doi.org, Crossref, PubMed
  24. Phase-3b-Studie SURMOUNT-5, Vergleich mit Semaglutide

    Aronne et al., New England Journal of Medicine, 2025

    Geprüft am 25.10.2026 über doi.org, Crossref, PubMed
  25. Phase-3-Studie SURMOUNT-J

    Kadowaki et al., The Lancet Diabetes & Endocrinology, 2025

    Geprüft am 25.10.2026 über doi.org, Crossref, PubMed
  26. Phase-3-Studie SURMOUNT-CN

    Zhao et al., JAMA, 2024

    Geprüft am 25.10.2026 über doi.org, Crossref, PubMed
  27. Phase-3b-Studie SURMOUNT-MAINTAIN zum Gewicht halten

    Horn et al., The Lancet, 2026

    Geprüft am 25.10.2026 über doi.org, Crossref, PubMed
  28. Phase-3-Studien SURMOUNT-OSA zu Schlafapnoe

    Malhotra et al., New England Journal of Medicine, 2024

    Geprüft am 25.10.2026 über doi.org, Crossref, PubMed
  29. Phase-3-Studie SUMMIT zu Herzschwäche

    Packer et al., New England Journal of Medicine, 2025

    Geprüft am 25.10.2026 über doi.org, Crossref, PubMed
  30. Phase-2-Studie SYNERGY-NASH zur Fettleber

    Loomba et al., New England Journal of Medicine, 2024

    Geprüft am 25.10.2026 über doi.org, Crossref, PubMed

Studienregister

  1. Alle Studien im Register ClinicalTrials.gov

    ClinicalTrials.gov, U.S. National Library of Medicine

    Geprüft am 25.10.2026 über ClinicalTrials.gov API v2

Datenbank

  1. Pharmakologie-Profil im Nachschlagewerk StatPearls

    Farzam und Patel, StatPearls, NCBI Bookshelf (Stand Januar 2026)

    Geprüft am 25.10.2026 über PubMed
  2. Wirkmechanismus, Ziele und Zulassungsstand in ChEMBL

    ChEMBL, EMBL-EBI (CHEMBL4297839)

    Geprüft am 25.10.2026 über ChEMBL

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